Drei Fräulein an der Jungfernbrücke

by Claus Back | Literature & Fiction | This book has not been rated.
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Registered by wingMartschellawing of Hechingen, Baden-Württemberg Germany on 8/3/2010
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Journal Entry 1 by wingMartschellawing from Hechingen, Baden-Württemberg Germany on Tuesday, August 3, 2010
Irgendwann im Geschichtsunterricht war mal kurz davon die Rede: Nach Aufhebung des Toleranz-Edikts von Nantes wurden die französischen Protestanten vor die Wahl gestellt: Katholisch werden oder auswandern (bzw. nix wie weg; man will ja schließlich leben...). In anderen Ländern, vor allem in den Niederlanden, England und verschiedenen deutschen Fürstentümern, war man sehr erfreut über die Zuwanderung oft hochqualifizierter Immigranten, zumal der Kontinent nach dem Dreißigjährigen Krieg in jeder Hinsicht ausgeblutet war. Den Aufnahmeländern tat die Zuwanderung also gut; schließlich hatte vor allem das rückständige Kurfürstentum Brandenburg kulturellen Nachhilfeunterricht dringend nötig.
Claus Backs Historischer Roman schildert die trockenen Fakten lebendig, ganz ohne die Zutaten derzeit üblicher Passepartout-Versatzstücke. "Drei Fräulein an der Jungfernbrücke" ist kurz, verglichen mit derzeitigem Standard; ohne opulente Spiegelfechtereien, Liebes- und Blutrunst, aber dafür umso spannender zu lesen, vor allem wegen seiner anschaulich gebotenen Informationsfülle.
Der erste Teil schildert die Hals-über-Kopf-Flucht vieler Hugenotten ins Ausland, bei Nacht und Nebel, von ständiger Furcht vor Entdeckung, Erschöpfung, Angst vor Entdeckung und Massakern begleitet.

In der eigentlichen Romanhandlung jedoch geht es um das Schicksal jener Refugiés (Hugenotten), die das Exil in Berlin gewählt hatten. Der Kurfürst hatte mit großzügigen Bedingungen gelockt, und zwar nicht unbedingt aus reiner mildtätiger Nächstenliebe: Seine Residenz Berlin erinnert in Backs Schilderung an eine Art dichtbesiedelter Jauchegrube, mit unzulänglichen Handwerksmeistern und Gewerken, die nicht einmal den staatlichen Bedarf decken konnte. Die Bausubstanz mitleiderregend, die Lebensmittel in ihrer ortsüblichen Zubereitung nur bedingt für den menschlichen Verzehr geeignet (die Hugenotten revolutionierten die Berliner Küche mit Sensationen wie z.B. grünen Bohnen), Kleidung und Wissenschaft (im weitesten Sinne) grob gestrickt, Denkungsart nicht von zwölf bis Mittag reichend, Ausrüstung der Armee mitleiderregend (es sei denn, sie wurde aus dem ggf. feindlichen Ausland bezogen), Handel provinziell, Manufakturen Fehlanzeige...
Back schildert das alles anschaulich, ohne im verbalen Dreck zu wühlen. Sein erzählerischer Kunstgriff mag vielleicht nicht innovativ sein, ist aber hervorragend umgesetzt: Er wählt sich im Wesentlichen das Schicksal einer Refugié-Familie samt ihren Freunden aus, um deren Lebensläufe und deren maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung Berlins während der nun folgenden Jahrzehnte zu schildern. Einige einheimische und zugewanderte Figuren charakterisiert Back anhand prägnanter Szenen; hier lässt er schonmal Weltbilder und Lebensweisen aufeinanderprallen, ohne in Klischees zu verfallen oder stelzbeinig daherzukommen. Die Romanfiguren sind nicht dazu verdonnert, irgendwelche Ansichten verkörpern zu müssen, sondern jedem Einzelnen wird ein eigener unverkennbarer Charakter zugestanden.

Es dominieren die Schicksale eines Webers, eines Gärtners und dreier verwaister Schwestern, eben jener titelgebenden drei Fräulein an der Jungfernbrücke. Man kann es nachvollziehen: Das Entsetzen der Einwanderer, in welch primitives Mittelalter sie da geraten sind; die Feindseligkeit der Alteingesessenen, die angesichts der in jeder Hinsicht überlegenen Neuankömmlinge um Besitzstände und die "gute alte Ordnung" fürchten und die schonmal handgreiflich werden und Verwüstungen fortschrittlicher Bauten, Wohnungen oder Manufakturen nicht abgeneigt sind; die neuen Möglichkeiten, die die Aufweichung verkrusteter Gesellschaftsstrukturen und Ständeordnungen den Niederen Ständen eröffnen. Man erlebt mit, wie sich die Stadt Berlin und ihre benachbarten Siedlungen Kölln, Moabit usw. ändern und am Ende kaum wiederzuerkennen sind, und auch die Ansichten der Alteingesessenen modernisieren sich peu à peu. Back macht das Nachvollziehen leicht, anhand ausgewählter Beispiele aus Architektur, Sprache, Kunst und Handwerk.
Man erlebt mit den Figuren, wie sich durch wechselseitige Beeinflussung, hie Brandenburgisches Platt, hie Französisch, allmählich die Eigenwilligkeiten des Berlinerischen Jargon herausbilden -- und nicht nur die locker eingestreuten Dialoge, die das ermöglichen. lesen sich höchst amüsant. Einige der Dialoge sind allein schon die Lektüre wert, etwa wenn man mitverfolgen kann, wie aus einer Art Berlin-Frankreich-Pidgin sich im Laufe der Zeit und mit den "Mischehen" ein veritabler unverkennbarer Dialekt entwickelt: "Das is kein Malör nich, Madamken! [...] Man kann die Fontanje dutzendmal versieren. Man kann ihr mit einer Sertete kaschieren, daß sie sich denn total nach vorne in die Visasche neiget." So isses.

Freilich darf man hier kein historisches Grundlagenwerk erwarten, das alle Facetten und Wechselwirkungen aus neutraler Perspektive darstellt und analysiert. Das dürfte aber eh jedem klar sein. Dasselbe gilt freilich auch für die unübersehbare Sympathie des Autors für sein Thema und seine Protagonisten. Dennoch erfüllen die "Drei Fräulein an der Jungfernbrücke" Ciceros altehrwürdiges "delectat et prodest": Der Roman liest sich flüssig; und eine einschneidende Epoche nicht nur der Berliner Geschichte wird anschaulich, ohne in Geschichtsklitterung zu verfallen. Sozusagen ein Werk aus der Champions League des Historischen Romans.

Released 11 yrs ago (10/12/2010 UTC) at -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Hamburg Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Buch reist nach Hamburg und wird dort hoffentlich von Geegal für mich am Jungefernstieg frei gelassen:-)! Danke dir dafür und wünsch dir einen tollen Tag im Kino:-)!
So haben wir beide war davon!
Schick dir liebe Grüsse Martschella!

Lieber Finder,

Willkommen auf bookcrossing.com! Schön, dass du dich entschlossen hast, einen Eintrag für das Buch zu machen! Du kannst es lesen und dann wieder frei lassen, damit es seine Reise um die Welt fortsetzen kann - fühl dich jedoch zu keiner der Aktionen gezwungen :) - das ganze geht auch ohne Anmeldung und anonym, wenn du magst!

Etwas hilflos auf Grund der englischen Seite? Das deutschsprachige Forum und die deutsche Support-Seite können dir bei den ersten Schritten weiterhelfen.

Zweifel bei der Anmeldung? Die Webseite ist SPAM-FREI, Email-Adressen und sonstige persönlichen Angaben bleiben absolut geheim - niemand erfährt etwas außer deinem Nicknamen!

Ich hoffe, du findest die Idee einer "weltweiten Bibliothek" ebenso spannend wie ich!

Und du liebes Buch - ich hoffe wieder von dir zu hören!

Viele Grüsse Martschella!

Journal Entry 3 by Geegal at on Wednesday, October 20, 2010
Ah endlich hab ich darangedacht dieses Buch zu journalen! Danke für das Schicken und natürlich für den Kino-Gutschein. Ich werde das Buch heute abend mit in das besagte Kino am Jungfernstieg nehmen und es dort als Themen-Release freilassen und die Daumen drücken, dass jemand es findet! Herzlichen Dank noch mal!

Released 11 yrs ago (11/20/2010 UTC) at Weihnachtsmarkt am Gerhart-Hauptmann-Platz in Hamburg - City, Hamburg Germany

WILD RELEASE NOTES:

Das Buch wurde heute auf einem überdachten Tisch an einem der Weihnachtsmarktstände, die zwar schon aufgebaut aber noch nicht geöffnet sind, liegengelassen.

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