Anders reisen: Ungarn. Ein Reisebuch in den Alltag.

by Hubertus Knabe | Travel |
ISBN: 3499175843 Global Overview for this book
Registered by wingquedwing of Taunusstein, Hessen Germany on 1/8/2009
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Journal Entry 1 by wingquedwing from Taunusstein, Hessen Germany on Thursday, January 08, 2009
Ein etwas anderer Reise- und Länderführer aus dem Jahr 1988 wartet auf (Mit)leser...

RAY
1. Leuchtfeuer
2. ...

Journal Entry 2 by Leuchtfeuer from Rostock, Mecklenburg-Vorpommern Germany on Tuesday, July 14, 2009
Das Buch ist heute wohlbehalten bei mir angekommen. Vielen Dank für das Schicken des Rays.

Journal Entry 3 by Leuchtfeuer at Rostock, Mecklenburg-Vorpommern Germany on Sunday, March 20, 2011
Was soll ich zu diesem Buch sagen. Ein Reiseführer ist etwas anderes, auch wenn es unter „anders reisen“ firmiert. Ich wollte das Buch lesen, weil hier die westdeutsche Sicht aus den 80er Jahren auf das damals sozialistische Ungarn geschildert wird. Dachte ich. Ist es zwar irgendwie auch, aber in erster Linie habe ich den Eindruck, daß es dem Herrn Hubertus Knabe um eine persönliche Abrechnung mit Ungarn und den Ungarn ging, aus welchen Gründen auch immer, man erfährt sie nicht.

Ich glaube, das Nationale Fremdenverkehrsamt Ungarns, das laut Vorwort bei der Entstehung dieses Machwerkes geholfen hat, kann diese Endfassung nicht beabsichtigt haben. Ebenso soll György Dalos das Manuskript einer kritischen Durchsicht unterzogen haben. Ich kann nicht glauben, daß er dem so seine Zustimmung gegeben hat.

Was also stößt mir auf? Zum einen die weitestgehend negative Darstellung fast das ganze Buch hindurch. Es ist in Ungarn alles, und ich zitiere hier nur mal ein paar Adjektive, „geschmacklos, altmodisch, schäbig, armselig, heruntergekommen, düster, zerschunden, rückständig“, etc. Das Parlament ist nicht nur bombastisch, was es sicherlich durchaus ist, es ist natürlich auch noch das „Haus der Lüge“ (S. 176).

Dann wird vieles einfach über einen Kamm geschoren. Zum Beispiel sind alle Ungarn laut Herrn Knabe Alkoholiker und alle Taxifahrer faschistoid (S.145: „Taxifahrer und andere faschistoide Gemüter...“). In den Termalbädern wird man von Schwulen sexuell belästigt, etc.

Der negative Grundtenor drückt sich auch in vielen verächtlichen Äußerungen aus, die auch hier wiederum oft gleichzeitig pauschalisiert werden. Nur mal einige wenige Beispiele: „Gepflegte, duftende Damen der älteren Generation … stopfen Berge cremiger Torte in sich hinein.“ (S. 169), „Die … Konditorei … ist Sammelpunkt der passionierten Kuchenfresser aller Schichten ...“ (S. 172), „...das Dreckloch Tatabánya ...“ (S.256).

Um den beabsichtigten negativen Eindruck aufrechtzuerhalten, wurde außerdem auch schlecht oder unzureichend recherchiert sowie unpräzise übersetzt.
So heißt es auf Seite 164 z.B.: „Die ungarische Hauptstadt nimmt in Prospekten und Reiseführern die erste U-Bahn des Kontinents für sich in Anspruch – noch vor London.“ Ich glaube nicht, das der Zusatz „noch vor London“ da steht. Die Ungarn, die ich zu diesem Thema gesprochen habe, reden eindeutig von der ersten U-Bahn auf dem europäischen Kontinent. Also nach London, da mit europäischem Kontinent das Festland gemeint ist und die Insel Großbritannien ausgeklammert ist. Genauso, wie z. B. die Doberaner von der ersten Galopprennbahn auf dem europäischem Kontinent reden, also nach England, welches auf einer Insel liegend nicht zu Kontinentaleuropa gezählt wird. Aber anscheinend wird, was nicht ins Bild des Herrn Knabe paßt, einfach passend gemacht.
Ein weiteres Beispiel hierzu steht auf Seite 18: „... der Fahrstuhlführer … brummt „Jó napot kivánok“ (Guten Tag) ...“. Auch wenn er brummt, war er noch so freundlich, in ganzen Sätzen zu reden, denn „Jó napot kivánok“ heißt immer noch „Ich wünsche einen guten Tag.“.
Im letzten Beispiel hierzu äußert sich der Autor über das Reisen mit dem Zug nach Budapest auf Seite 354 wie folgt: „...auch von Ostberlin aus fahren mehrere Züge am Tag (Reisezeit 1 ½ Tage).“ Also ich bin jedes Jahr mit dem Zug nach Ungarn gefahren. Nachdem kein Zug mehr direkt von Rostock bzw. Stralsund nach Budapest durchfuhr, sind wir jedes Jahr mit dem „Balt Orient Express“ von Berlin Lichtenberg kurz nach Mitternacht losgefahren und kurz nach 17 Uhr im Budapester Westbahnhof angekommen. Wir reden also von ca. 17 Stunden Fahrzeit (aufgrund der damals üblichen langen Aufenthalte an den Grenzen) und nicht von den behaupteten ca. 36 Stunden.

Und auch in der Beschreibung von Landschaften wird negativ formuliert. Z.B. auf Seite 289 wird aufs ungarische Tiefland bezogen die Donau wie folgt beschrieben: „Die Donau liefert billiges Kühlwasser und schützt auch das Atomkraftwerk in Paks vor der Kernschmelze.“ Ich glaube nicht, daß in einem Reiseführer über Deutschland zu lesen ist, daß die Elbe billiges Kühlwasser liefert und das Atomkraftwerk Krümmel vor der Kernschmelze schützt.
Und zum Osten Ungarns heißt es z.B. auf Seite 316: „Die Sonnenblumen … in Reih und Glied aufgestellt … leuchten wie Gesichter auf einer Großkundgebung. Mitte August … sehen sie aus wie in Schlamm getaucht...“ Mit welchem Blick ist Herr Knabe nur durch Ungarn gereist.

Dieser sogenannte „Reiseführer“ zeugt für mich von einer großen Voreingenommenheit des Autors. Kritik ist ja durchaus mal angebracht, aber dieses Buch hat eher etwas von einer Abrechnung, wie ich es eingangs schon geschildert habe. Bemitleidenswert. Die Lektüre vermochte damals wohl nur wenige animiert haben, noch in Ungarn Urlaub machen zu wollen.

Der unerwartete Höhepunkt, oder besser gesagt Tiefpunkt, kam fast am Ende des Buches beim Kapitel Reiseführer. Man könnte das ganze Kapitel hier zitieren, so unglaublich ist das. Ich zitiere nur mal den ersten Absatz: „In dem Maße, wie Ungarn in den letzten Jahren als Reiseland entdeckt wurde, sind auch zahlreiche Reiseführer auf den Markt gekommen. Aufgrund der Sprachbarriere, der schwierigen Informationsbeschaffung und der politischen Voreingenommenheit oder Blauäugigkeit der Autoren fallen die meisten von ihnen jedoch überaus armselig aus.“. Und dann zieht Herr Knabe doch tatsächlich über alle anderen Ungarn-Reiseführer her, schön der Reihe nach namentlich erwähnt, und macht bis auf wenige Ausnahmen alle anderen schlecht bzw. rät unverhohlen von ihnen ab. Welch eine Arroganz und Selbstüberheblichkeit. Ohne jetzt die jeweils direkten Bezüge zu nennen sind sie u.a. „alle ziemlich unbrauchbar“, mal ist der Autor „entsprechend „gut“ informiert“, andere sind „veraltet, oft sachlich falsch und politisch naiv“, „dünn und inhaltlich schwach“, „politisch vollkommen hilflos“, „kurz und oberflächlich“, „peinlich geschrieben“, besitzen die „Unverfrorenheit, den „geschichtlichen Überblick““ Herrn Knabe nach falsch darzustellen, sind „politisch... unter der Gürtellinie“, „befremdlich unkritisch“ etc.

Dennoch möchte ich das Buch gerne in meine PC (Permanent Collection) aufnehmen. Zum einen, da schon etliche Blätter lose sind. Hauptsächlich aber wegen der vielen Fotos aus der Zeit meiner Jugend, die ich gerne behalten möchte. Sie wecken doch einige Erinnerungen.

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