Harold

by Einzlkind | Literature & Fiction | This book has not been rated.
ISBN: 9783453435971 Global Overview for this book
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Journal Entry 1 by wingLaborfeewing from Braunschweig, Niedersachsen Germany on Friday, September 15, 2023
Klappentext:
Harold bringt sich gerne um. Das ist sein Hobby. Ansonsten ist er Wurstfachverkäufer. Aber seine spezielle Feindin aus der Käseabteilung sorgt dafür, dass Harold entlassen wird. Und dann muss er eine Woche lang auf den 11-jährigen Melvin aufpassen, der behauptet, ein Genie zu sein. Ein hochintelligentes, aber auch altkluges Bürschchen, um genauer zu sein: eine Nervensäge, die den wehrlosen Harold in ein Schlamassel nach dem anderen hineinzieht. Melvin sucht seinen Vater. Harold begibt sich mit auf die Reise und bereut es spätestens, als er die Queen überfährt.

Journal Entry 2 by wingLaborfeewing at Braunschweig, Niedersachsen Germany on Thursday, September 21, 2023
Aus der Büchertelefonzelle am Haus der Kulturen gefischt, weil bspageturner etwas von Einzlkind suchte, aber das war "Billy", und so kam ich zu "Harold".

Diese Geschichte ist ausnehmend schwarzer, britischer Humor, geschrieben mit einem wunderbaren Sprach- und Wortwitz. Hat mir ausnehmend gut gefallen, und wenn mir mal wieder was von Einzlkind über den Weg läuft, sage ich sicherlich nicht nein. Ich zitiere ja eher selten aus Romanen, aber die "Eloge über die Demokratie" fand ich herrlich:

Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, sehr verehrte Mrs. Bradford!

Zunächst einmal möchte ich mich bedanken, dass ich heute hier vor euch und Ihnen stehen darf und mir die ehrenvolle Aufgabe übertragen wurde, das Monument der europäischen Verfassung darzulegen, es näherzubringen und überdies hier und da, in aller Bescheidenheit, ein paar kritische Kommentare anzufügen.
Das haben zwar schon weit bedeutendere Persönlichkeiten als meine Wenigkeit zu Protokoll gegeben, ich denke da an Dewey, Chomsky, Baudrillard oder Laclau, um nur einige der abendländischen Protagonisten zu nennen, doch will mich dieser Reichtum nicht scheuen, nur motivieren. Ich spreche natürlich, und ihr werdet es schon vermutet haben, von der Demokratie. Wie wohl allseits bekannt sein dürfte, bedeutet das griechische Wort demos das Volk, ergo sprechen wir folgerichtig von Volksherrschaft, die in dn zivilisierten kapitalistischen Gesellschaften heutzutage eine Selbstverständlichkeit ist. Unterschieden werden muss zwschen der direkten Demokratie, also dem ursprünglichen Gedanken dieser äußerst beliebten Staatsform, und der indirekten, deren Prägung wir im Hier und Heute erfahren dürfen. Wir wählen also so genannte Volksvertreter, die für uns die Demokratie in architektonischen Verzweiflungen verwalten und dafür sehr viele Sekräterinnen brauchen, die ihnen Kaffee kochen und das Faxgerät bedienen. Diese Volksvertreter fahren in gepanzerten Limousinen durch unser Land und verteilen auf unseren Marktplätzen Luftballons und Kugelschreiber, damit wir sie gerne haben. Abends gehen sie dann nach Hause und essen Schweinebraten. Meistens sind es Männer, manchmal aber auch Frauen, wenn sie unerfreulich genug aussehen. Um diese sehr schwere Arbeit überhaupt bewältigen zu können, darf der Intelligenzquotient nicht über 120 liegen. Viele Volksvertreter sind deshalb Lehrer. Oder Juristen. Wichtige Entscheidungen müssen Volksvertreter im Allgmeinen nicht fällen, das übernimmt für sie der Lobbyist. Lobbyismus ist ein Fremdwort und heißt übersetzt Korruption. Wenn die Lobbyisten es für wünschenswert erachten, Krieg zu führen, weil die Rohstoffe knapp werden oder andernorts billiger sind, dann muss der Volkssvertreter vor eine Fernsehkamera treten und ein bisschen was erzählen. Einige Personen nun, die mit Wörtern sehr gut umgehen können, sagen, dass solcherlei Gebaren degoutant sei. Degoutant ist ein Fremdwort und bedeutet abstoßend. Das aber, liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, ist es nicht, denn es ist die Demokratie, und die ist, wie sie ist.
In der Demokratie obsiegt die Masse, die bei Ortega y Gasset keinen guten Ruf genießt. Die Masse hat die Diktatur der Bourgeoisie überwunden und feiert überschwänglich die Diktatur des Proletariats, von der Karl Marx gerne sprach. Karl Marx ist ein Fremdwort und bedeutet Denker. Je mehr Kretins nun ein Medium oder eine Meinung konsumieren, desto mehr Geld wird in das Ewiggleiche hineingepulvert, um den debilen Massengeschmack zu befriedigen. Hauptsache, das Benzin wird nicht allzu teuer. Das aber, was jede Gesellschaft in der intellektuellen Entwicklung hemmt, ist die Fokussierung auf das Durchschnittliche. Der Pöbel rennt immer dorthin, wo es am lautesten ist. Dabei ist laut leise am schönsten. Das heißt, schuld ist nicht der Volksvertreter, sondern der Mensch, dass die Dinge so sind, wie sie sind.
Die Erde, das runde Ding, auf das ihr, liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, in der großen Pause eure Kaugummis spuckt, hält sich doch bisher ganz wacker, trotz der Menschen. Wäre der Mensch in der Tat ein vernunftbegabtes Wesen, hätte er sich im Laufe der Jahrtausende fortentwickelt, und ich spreche hier nicht von technologischen Errungenschaften wie der Wasserstoffbombe, sondern von der Fähigkeit zur Abstraktion, Kontemplation und Reflexion, dann wären wir, liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, heute nicht hier, in einer Bildungsanstalt, die mit Bildung soviel gemein hat wie der Käsekuchen mit Spaghetti. Wir wären glücklich. Der Mensch aber, und dies ist keine Hypothese sondern ein Faktum, ist das dümmste und eindeutig schwachsinnigste Geschöpf, welches jemals diese wunderschöne und faszinierende Erde heimgesucht hat. Aufrecht an ihm ist nur der Gang und selbst den verstolpert er. Es reicht vollkommen aus, eine Woche lang mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren und die Menschen zu beobachten, wie sie reden, wie sie sich verhalten, bewegen oder Latte macchiato trinken, um zu verstehen, wovon ich spreche.
Die Politik ist ein Witz, das Fernsehen eine Farce und ansonsten geht es nach wie vor nur ums Fressen und gefressen werden. Die Menschen haben sich nicht verändert. Sie sind nur dicker geworden. In der Diktatur gibt es einen Vollidioten, der bestimmt, in der Demokratie fünfzig Millionen. In der Demokratie obsiegt das Gewöhnlichste des Menschen, seine Gemütlichkeit und seine Beschränktheit. Die Glorifizierung des Proletariats ist gleichzeitig dessen Untergang, denn nichts ist mehr sicher, vor dem was wir normal nennen. Die Demokratie hat uns den großen Dienst erwiesen, uns allen zu zeigen, was der Mensch war, ist und immer sein wird: ein Trottel. Die Demokratie ist eine Schande, so lange es Menschen gibt. Denn dass wir die Krönung der Schöpfung sein sollen, ist ja nur unsere eigene Wunsch- beziehungsweise Wahnvorstellung, die wir dem lieben Gott anheimstellen, damit wir abends wenigstens einschlafen können, um unsere bedauerliche Existenz für einige Stunden vergessen zu können. Die Hybris unserer geistigen und geistlichen Vordenker wird in der kleinbürgerlichen Endstation des Kapitalismus gleich einem Urknall im absoluten Nichts verglühen. Wir Menschen werden eines Tages die Neandertaler sein, auf die eine Spezies zurückblicken wird, die der unseren unendlich überlegen sein wird. Man wird uns als Fauxpas der Evolution bezeichnen, als die erste Gattung, der in Ansätzen so etwas wie Intelligenz mitgegeben wurde, auf der untersten nur denkbaren Stufe. Man wird uns mit Belustigung, Verwunderung und Nachsicht betrachten und unser tragisches Dasein in der Geschichte unter dem Begriff Kollateralschaden verbuchen.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!
(Seite 60ff)

Journal Entry 3 by wingLaborfeewing at Inselwall in Braunschweig, Niedersachsen Germany on Saturday, March 9, 2024

Released 1 mo ago (3/9/2024 UTC) at Inselwall in Braunschweig, Niedersachsen Germany

WILD RELEASE NOTES:

Hängt am Zaun des kleinen Eingangs gegenüber dem Fußweg zur Neustadtmühle.

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