Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

by Alice Hasters | Philosophy |
ISBN: 9783446264250 Global Overview for this book
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Journal Entry 1 by wingLaborfeewing from Braunschweig, Niedersachsen Germany on Thursday, February 27, 2020
Warum ist es eigentlich so schwer, über Rassismus zu sprechen?

„Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Kannst du Sonnenbrand bekommen?“, „Wo kommst du her?“ Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören.
Alice Hasters erklärt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden. (Klappentext)

Journal Entry 2 by wingLaborfeewing at Braunschweig, Niedersachsen Germany on Thursday, February 27, 2020
06.07.2020

Ich habe dieses Buch mit sehr gemischten Gefühlen, teilweise sogar einer gewissen Wut gelesen, weil ich es als "Jammern auf ganz hohem Niveau" empfinde. Was Hasters schildert, sind Befindlichkeiten, die zwar im Ansatz moderat rassistisch sind, halt "menscheln", aber imho nichts mit dem real existierenden Rassismus anderswo in der Welt - und auch nicht mit dem bei uns - zu tun haben.

Besonders betroffen gemacht haben mich die Teile, in denen sie versucht zu schildern, wie sie sich den Umgang miteinander in einer Beziehung vorstellt... Gute Güte, eigentlich kann ihr Zukünftiger nur alles falsch machen, vielleicht ist da doch mal eine Psychotherapie fällig.

Ich finde es überhaupt nicht verwunderlich, dass Menschen deutscher Bauart sich anders aussehenden Menschen gegenüber neugierig, erstaunt oder auch gehemmt benehmen. Jeder wächst in der Umgebung auf, in die er geboren wird und alles was "anders" ist, bringt uns zum Staunen. Ich gehe da einfach mal von mir aus, denn ich bin als lesewütige, polnischstämmige Arbeitertochter kleinen Wuchses in einem Dorf an der ehemaligen Zonengrenze groß geworden. Nach dem Verständnis von Frau Hasters musste ich ebenfalls "Rassismus" ertragen, habe das allerdings niemals so empfunden. Ich war halt anders als die meisten im Dorf und gut. Als wir in die Stadt gezogen sind, gab es weit mehr Menschen wie mich um mich rum und plötzlich hatte ich keine so explizite Außenseiterstellung mehr. Alles eine Frage der Perspektive.
Inzwischen bin ich BTA an einem Universitätsinstitut, und ich habe im Laufe meines Berufslebens mit vielerlei Nationalitäten zusammenarbeiten müssen/dürfen. Für eine gemeinsame Arbeit ist ein gewisses gegenseitiges Verständnis nötig, aber ich gebe gerne zu, dass ich bis heute auch noch leise Vorbehalte habe, weil ich schwarze oder asiatische Gesichter nicht ohne weiteres lesen kann, arabisches Geschwurbel mich nervt, unsere Doktorandin im Niquab nie "zu Gesicht bekommen habe" und vieles andere mehr. Trotzdem sehe ich mich nicht als Rassistin. Ich bin neugierig auf diese mir fremden Menschen, lasse mich gern auf sie ein, aber ich lasse mich trotzdem nicht vereinnahmen (ein Inder meinte mal, ich müsste ihm seine Aktentasche hinterhertragen), in unserem Labor wird zu unseren Bedingungen gearbeitet, dann geht vieles - wir hatten zwischenzeitlich sogar einen muslimischen Gebetsraum im Institut, haben Feste gemeinsam gefeiert und auf Befindlichkeiten entsprechend Rücksicht genommen. Leben und leben lassen.

Alice Hasters kommt mir ein wenig wie meine Tochter (22) vor: eigentlich gibt es keinen Grund zu jammern, aber durch täglichen Umgang mit dem weltweiten Geposte im Netz, Werbung und unsäglichen Unterhaltungsserien sind die Vergleichsmöglichkeiten so unendlich, dass sie sich selbst nicht mehr positiv sehen kann. Sie zweifelt ständig an sich und ihren Unzulänglichkeiten (die für andere gar nicht existent sind) und der Welt, obwohl sie doch "nur" leben müsste... ja, mir geht dieses Buch nahe, aber nicht, weil Rassismus das Thema wäre, sondern das Verzweifeln junger Menschen an ihrer Umwelt.

Das ist mein ganz persönliches, vielleicht etwas emotionales Leseerleben dazu, ansonsten kann ich mich sehr gut in dem Beitrag von Mary-T im Exemplar von holle77 wiederfinden.

Journal Entry 3 by wingLaborfeewing at Braunschweig, Niedersachsen Germany on Thursday, February 27, 2020
Das Buch darf gerne als BookRay reisen, denn obwohl ich es nicht berauschend fand regt es doch im kleinen zum Nachdenken über das eigene Verhalten an. Da Urfin Interesse bekundet hat, werde ich ihr das Buch erst mal zusenden. Mal sehen, ob sich noch weitere Mitleser finden.

06.07.2020 - es fand sich noch jemand:
- Urfin
- HH58
- Trinibell
- Sindy00
- Charly83
- book-a-billy ---> hier ist das Buch gerade
- bluezwuzl
- Martschella
- lesenmachtfroh

Journal Entry 4 by wingLaborfeewing at a RABCK, By Mail/Post/Courier -- Controlled Releases on Thursday, February 27, 2020

Released 1 yr ago (2/27/2020 UTC) at a RABCK, By Mail/Post/Courier -- Controlled Releases

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Reist erst mal zu Urfin.

Journal Entry 5 by wingUrfinwing at Wolfsburg, Niedersachsen Germany on Sunday, March 1, 2020
Und ist auch schon da! Danke.

7.6. Gestern Abend gab's (aus aktuellem Anlass, und beide hatten wir noch dazu unabhängig voneinander den Kebekus-"Brennpunkt" auf YouTube gesehen) eine lange Diskussion mit M... und weil ich ebenso gestern mit Margaret Atwood fertig wurde, starte ich heute mit diesem Buch.

Journal Entry 6 by wingUrfinwing at Wolfsburg, Niedersachsen Germany on Wednesday, June 10, 2020
Gerade vorhin im Radio wurde über die Forderung der Grünen nach Streichung des Begriffes Rasse aus unserem Grundgesetz berichtet!

Ich habe inzwischen den ersten Abschnitt "Alltag" durchgelesen.
Mir fehlte manchmal die Vorstellung, was sicher daran liegt, daß ich weiß bin und nicht Schwarz. Dann lese ich den Text so, als ginge es um Diskriminierung aufgrund des Geschlechts anstelle um Diskriminierung aufgrund des Hauttons, und schon konnte ich mir das alles vorstellen...

Leider werde ich durch das Lesen erst auf bestimmte Klischees aufmerksam gemacht, die ich vorher gar nicht kannte. Das finde ich Schade, denn Verlernen ist ja bekanntlich nicht so einfach. Kurz überlegte ich, deshalb nicht weiterzulesen. Aber dann denke ich auch wieder, es ist besser, solche Vorurteile zu kennen, um sie ERkennen zu können, und in Zukunft ein mehr anti-rassistisches Verhalten anzustreben.

12.6. Gestern kam ich durch diesen Artikel:
https://www.forschung-und-lehre.de/politik/wie-rassismus-die-usa-spaltet-2855
auf #BlackintheIvory und las mir dort viele Posts durch.

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Ungefähr zwei Wochen habe ich zum Durchlesen gebraucht. Mitgenommen habe ich vor allem das Konzept der Intersektionalität. Auch zur Kolonialgeschichte war mir vieles neu. Schwierig fand ich beim Lesen den Wechsel zwischen den journalistischen Abschnitten und den persönlichen Kindheits- und Jugenderfahrungen der Autorin.
Das Buch hat meine Erwartungen nicht ganz erfüllt, und ich habe mir am 2.7. nun noch diese beiden bestellt: "rassismuskritisch denken lernen" von Tupoka Ogette und Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow. Außerdem habe ich mich für Mo und die Arier von Mo Asumang angemeldet, nachdem RalfH im Forum auf das Interview https://www.bookcrossing.com/forum/14/564527/9527114 hingewiesen hatte.

Nachtrag 6.7. Laborfee hat im Forum weitere Lesewillige gefunden, und ich habe mir ihren nun längeren JE oben angeschaut. Dazu und zu dem von Mary-T habe ich nun auch wirklich nichts mehr hinzuzufügen (ich war nur nicht so mutig und formulierte: "meine Erwartungen nicht ganz erfüllt").

21.8. Juchhu! Es ist wieder da. Ich war kurz davor, ein neues Buch zu kaufen, und in den Ring zu werfen.... Nun kann's endlich weitergehen!

Nachbereitung (Literatur):
The urgency of intersectionality (TED-talk by Kimberlé Crenshaw)
A Class Divided (documentary)

Journal Entry 7 by wingUrfinwing at Wolfsburg, Niedersachsen Germany on Wednesday, August 26, 2020

Released 1 yr ago (8/26/2020 UTC) at Wolfsburg, Niedersachsen Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Mit dem Fahrrad nach Jembke gefahren (als es gerade nicht regnete und stürmte) und das Buch auf den (Post-)Weg gebracht. Zu HH58.

Journal Entry 8 by wingHH58wing at Abensberg, Bayern Germany on Saturday, August 29, 2020
Was lange währt ... :-)

Ich habe schon ein paar Kapitel gelesen, und was ich schon vermutet hatte, scheint sich zu bewahrheiten: Ich werde mir viele Notizen machen müssen und am Ende einen langen Journaleintrag schreiben ...

Jedenfalls vielen Dank schon mal !

Journal Entry 9 by wingHH58wing at Abensberg, Bayern Germany on Wednesday, September 2, 2020
Tja, wie schon vermutet, wird das ein etwas längerer Journaleintrag ...

2014 sagte Alice Hasters in einem Interview, sie hätte in ihrem bisherigen Leben, das hauptsächlich in Köln stattfand, kaum Rassismus erlebt. Fünf Jahre später schreibt sie ein ganzes Buch und schildert darin, dass sie schon ihr ganzes Leben lang, seit der Kindheit, von Rassismus umgeben war, der quasi alle Bereiche ihres Lebens beeinflusste. Sicher wird einem manches erst hinterher klar, aber hier müssen der Autorin schon ziemlich viele Schuppen von den Augen gefallen sein. Aber der Reihe nach.

Bevor ich auf die einzelnen Aussagen und Thesen der Autorin eingehe, zunächst noch kurz ein paar Bemerkungen zu Schreibstil und formellen Punkten.

Die Autorin schreibt unterhaltsam und so, dass das Lesen relativ leicht fällt (dass mancher Gedanke, den sie ausdrückt, etwas schwerer zu verstehen ist ist eine andere Sache).

Die orthographische Gestaltung des Textes ist in manchen Dingen gewöhnungsbedürftig. Zum einen ist da die konsequent gendergerechte Schreibweise mit Binnenstern, also z.B. Kolleg*innen. Das ist zwar ungewohnt, aber nachvollziehbar – bis auf eine Stelle, an der ausschließlich von Frauen die Rede ist und „Frau*“ trotzdem mit Gendersternchen geschrieben wird. Das finde ich dann nur noch lächerlich. Allerdings handelt es sich hier um ein Zitat – möglicherweise ist diese Schreibweise nicht auf Frau Hasters Mist gewachsen.

Anders sieht die Sache bei den Begriffen „schwarz“ und „weiß“ aus. Frau Hasters schreibt „schwarz“ grundsätzlich groß, auch wenn es sich um ein Adjektiv handelt, „weiß“ dagegen immer kursiv. Sie erklärt auch, warum. Ich habe diese Begründung aber nicht verstanden. Entweder bin ich zu blöd dazu oder die Begründung ist tatsächlich an den Haaren herbeigezogen. Nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung gehören Adjektive (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nun mal klein geschrieben, und eine Ungleichbehandlung der Begriffe „schwarz“ und „weiß“ ist in meinen Augen streng genommen selbst ein Beispiel für Rassismus.

Manchmal verwendet die Autorin auch den Begriff Person of Color oder die grausam aussehende Abkürzung BIPoC * (Black Indigenious People / Person of Color), womit alle nicht-weißen Personen gemeint sind. Warum sie dafür in einem deutschsprachigen Buch nicht ganz einfach das deutsche Wort „Farbige/r“ verwendet, erklärt sie nicht. Schließlich heißt „Person of Color“ ja auch nur „farbige Person“.

* Das kommt mir übrigens vor wie diese komischen Abkürzungen, mit denen das US-Militär immer bestimmte Befehlshaberposten bezeichnet, wie z.B. CinCNELM (Commander-in-Chief U.S. Naval Forces Eastern Atlantic and Mediterranean) …

Manche Bezeichnungen für ethnische Gruppen lehnt Frau Hasters nur deshalb ab, weil sie aus der Kolonialzeit stammen. Neben dem vieldiskutierten Begriff „Neger“ gehört dazu in ihren Augen auch „Indianer“. Streng genommen stammt der Begriff „people of color“ allerdings selbst noch aus der Zeit des Kolonialismus und bezeichnete damals – in der Form „free people of color“ – freigelassene Schwarze, die oft selbst Land oder sogar Sklaven (!) besaßen. Ob das wirklich eine geeignete (Selbst-)Bezeichnung für Menschen ist, die sich selbst gegen jede Art von Benachteiligung und Unterdrückung wehren, darüber sollte (nicht nur) sie mal nachdenken.

Interessant fand ich die Schilderungen der „Rassenlehre“ im 19. und auch noch 20. Jahrhundert sowie die rassistischen Zitate von Aufklärern und Philosophen wie Kant, Hegel und Voltaire. Ebenso die Schilderung der kolonialen Grausamkeiten durch Deutsche, Belgier und andere (die ich allerdings schon kannte) sowie die Geschichte von Sarah Baartman (die ich noch nicht kannte).

Wenn Menschen auf andere Menschen / Tiere / Pflanzen / Gegenstände treffen, die irgendwie „anders“ sind als das, was sie gewohnt sind, dann werden sie auch „anders“ reagieren. Manchmal mit Ablehnung oder sogar Angst, manchmal aber auch mit Neugier und ehrlichem Interesse. Das ist zunächst mal ganz normal und zumindest in den letzteren Fällen auch nicht schlimm. Wenn ich im Ausland als Ausländer erkannt werde, dann werde ich auch gefragt, wo ich herkomme. Wenn Menschen meinen (relativ seltenen) Vornamen hören, dann fragen sie mich auch, wo der herkommt (sicher, wenn man diese Frage schon 499 Mal gehört hat, dann findet man sie beim 500. Mal nicht mehr sonderlich originell - aber trotzdem nicht schlimm). Und von Nichtkatholiken werde ich schon mal über die eine oder andere Eigenart der katholischen Kirche befragt. Na und ? Und so werden eben auch Menschen mit erkennbarem Migrationshintergrund auf diesen angesprochen. Natürlich würde ich deshalb nicht jeden x-beliebigen Menschen, der mir in der U-Bahn über den Weg läuft, direkt darauf ansprechen. Aber wenn wir eh schon irgendwie ins Gespräch gekommen sind – warum nicht ? Wenn das schon Rassismus ist, dann finde ich Rassismus zumindest nicht in JEDEM Fall schlecht.

Immerhin geht die Autorin selbst auf Fälle ein, wo Leute mit weißer Hautfarbe in Staaten mit überwiegend schwarzer Bevölkerung ähnlich „auffallen“ wie im umgekehrten Fall. Dabei versteigt sie sich dann allerdings zu der Behauptung, Weiße seien niemals Opfer von Rassismus, auch wenn sie aufgrund ihrer Hautfarbe anders behandelt werden als andere. Das finde ich schon ziemlich abstrus. Zumal sie ja sonst den Standpunkt vertritt, jede (auch wertneutrale oder sogar wohlwollende) Ungleichbehandlung aufgrund der Hautfarbe sei Rassismus.

Ebenso anmaßend finde ich es, dass sie schwarze Menschen, die in der Rassismusdebatte ihre eigenen negativen Erfahrungen als harmlos bis nicht vorhanden bezeichnen, quasi als Verräter*innen an der eigenen Sache darstellt (analog Frauen in der Sexismusdebatte). Sie spricht diesen Menschen damit also praktisch das Recht auf einen eigenen Standpunkt ab und maßt sich an, selbst die Deutungshoheit zu besitzen, was Rassismus / Sexismus ist und wie diese anderen Menschen darüber zu denken haben. Sogar dann, wenn es sich bei diesen anderen Menschen um schwarze Frauen handelt.

An einer Stelle schreibt Frau Hasters, sie sei als Kind enttäuscht gewesen, dass „ihresgleichen“ (sprich: schwarze Kinder) in ihren Kinderbüchern und -filmen praktisch nicht vorkam. Andererseits wird heutzutage von manchen Menschen kritisiert, dass Jim Knopf schwarz sei. Manche schreien sogar schon „Rassismus“, wenn im Fernsehen eine Gruppe von Menschen negativ dargestellt wird und eine (!) dieser Personen schwarz ist. Mich würde interessieren, was Frau Hasters zum Thema „Jim Knopf“ zu sagen hätte.

Dass die Englischlehrerin der Autorin damals gemeint hat, sie könne besser Englisch als deren aus den USA stammende Mutter könnte auch daran liegen, dass in deutschen Schulen in der Regel britisches Englisch gelehrt wird. Oder die Lehrerin war ganz einfach eingebildet. In beiden Fällen muss das nicht unbedingt was mit der Hautfarbe von Frau Hasters' Mutter zu tun gehabt haben. Leider geht Frau Hasters nicht näher auf den Vorfall ein, aber nicht alles, was einer farbigen Person geschieht, geschieht ihr deshalb, WEIL sie farbig ist. Dass das einer weißen Amerikanerin vermutlich nicht passiert wäre ist reine Spekulation seitens der Autorin.

In einem Kapitel des Buches behandelt Frau Hasters das so genannte „Blackfacing“, also die Darstellung schwarzer Menschen durch schwarz geschminkte Weiße. Einiges was sie schreibt ist ja durchaus nachvollziehbar, aber spätestens bei der Ablehnung des schwarz geschminkten Königs bei den alljährlich auftretenden Sternsingern schießt sie IMHO meilenweit übers Ziel hinaus. Hier geht es nämlich nicht darum, irgendwelche Stereotype über dunkelhäutige Menschen zu verbreiten, sondern die drei Könige sollen die drei damals bekannten Erdteile Afrika, Asien und Europa symbolisieren. Abgesehen von der Hautfarbe unterscheidet sich der „afrikanische“ König in keinster Weise von den anderen beiden, wird weder besser noch schlechter dargestellt. Also: keine Ungleichbehandlung = kein Rassismus. Und dass hier weiße Kinder angemalt werden liegt schlicht und ergreifend daran, dass in den meisten deutschen katholischen Pfarrgemeinden nicht genug schwarze Kinder vorhanden sind, um ein Drittel der Sternsinger damit besetzen zu können.

Frau Hasters findet es auch sonst grundsätzlich rassistisch, wenn weiße Menschen sich das Gesicht schwarz, gelb oder rot anmalen, um sich z.B. im Karneval als N*ger, Chinesen oder Indianer zu verkleiden. Hier habe ich zwar ein gewisses Verständnis für ihre Haltung, aber der Karneval lebt ja gerade davon, dass man sich als etwas verkleidet, was man nicht ist, und dabei die (tatsächlichen oder vermeintlichen) Eigenheiten der dargestellten Person überspitzt oder gar klischeehaft darstellt. Egal ob man sich als Chinese, Seemann oder Nonne verkleidet. Die echten Nonnen werden das vielleicht auch nicht immer alle lustig finden.

Dass schwarze Menschen, die in einem weißen Umfeld aufwachsen, einen „weißen“ Lebensstil pflegen oder sich mit „weißer“ Kultur beschäftigen, oftmals zwischen den Stühlen sitzen und von keiner der beiden Gruppen wirklich als ihresgleichen anerkannt werden wusste ich schon. Das Problem hatte z.B. auch Whitney Houston – für die Weißen war sie vor allem die dunkelhäutige Exotin und von den Schwarzen wurde sie abgelehnt, weil ihre Musik zu „weiß“ war bzw. vor allem auf den Musikgeschmack der Weißen abzielte.

Was Frau H. über den Unterschied zwischen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit schreibt ist logisch und nachvollziehbar. In einem Punkt muss ich ihr allerdings widersprechen: Auch dunkelhäutige Deutsche können in Deutschland selbstverständlich Opfer von Fremdenfeindlichkeit werden – nämlich dann, wenn jemand aufgrund ihrer Hautfarbe fälschlicherweise annimmt, sie seien keine Deutschen. Was natürlich auch wieder eine Form von Rassismus ist.

Dass ein deutscher Friseur mangels ausreichender afrikanischstämmiger Kundschaft nicht viel Erfahrung mit Afro-Haar hat kann man ihm glaube ich nicht vorwerfen. Wildfremden Leuten einfach in die Haare (oder sonstwohin) fassen geht natürlich gar nicht – kommt aber auch nicht nur unter Menschen unterschiedlicher Hautfarbe vor.

Die bereits im Klappentext erwähnte Frage, ob schwarze Menschen Sonnenbrand bekommen können (und wenn ja, wie schnell) fällt für mich eher in die Kategorie „freundliche Neugier“. Auch wenn man davon ausgeht, dass Menschen mit heller und dunkler Hautfarbe völlig gleichwertig / gleich intelligent / gleich musikalisch usw. sind, so ist es doch völlig unbestritten, dass sie sich in mindestens einem Punkt unterscheiden – nämlich in der Pigmentierung der Haut. Und die spielt nun mal eine entscheidende Rolle bei der Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht. Da finde ich die Frage mit dem Sonnenbrand recht naheliegend – es wüde mich sogar wundern, wenn es dazu noch keinerlei wissenschaftliche Untersuchungen gäbe. Auch hier gilt, dass ich natürlich keine wildfremden Menschen darauf ansprechen und sie fragen würde, aber grundsätzlich kann ich in dieser Frage nichts Schlimmes erkennen. Und die pauschale Behauptung, Weiße würden nicht wissen, was Melanin ist, ist natürlich totaler Quatsch, um nicht zu sagen auch eine Art rassistisches Vorurteil.

Dass viele schwarze Menschen (vor allem Frauen) nicht nur ihre Haare glätten, sondern auch ihre Haut bleichen war mir zwar schon bekannt, aber vom Umfang war ich doch überrascht. Auch dass unter den Schwarzen hellere Haut als schöner und dunklere Haut als weniger schön gilt hat mich in diesem Ausmaß überrascht. Die Autorin führt das auf die jahrhundertelange weiße Propaganda und ein „eurozentrisches Schönheitsideal“ zurück (andererseits geht Haster auch auf den Fall ein, dass weiße Personen gerne eine dunklere Hautfarbe haben möchten und deshalb ins Solarium gehen oder Bräunungscreme benutzen. So ganz allgemeingültig scheint der „eurozentristische“ Grundsatz „je heller, desto schöner“ also nicht zu sein). Mag sein, vielleicht. Ich frage mich allerdings, was ich als weißer Mensch dagegen tun kann. Wenn das sogar schon in den Köpfen von schwarzen Kindern verankert ist, vermutlich nichts. Ich werde weiterhin schön finden was ich schön finde. Selbst wenn ich zu der Erkenntnis gelange, dass Frau Hasters Recht hat, wird eine gut aussehende weiße Frau dadurch ja nicht hässlicher.

Während Hasters das Glätten von Afrohaar nach europäischem bzw. „weißem“ Vorbild als Folge des „eurozentristischen Schönheitsideals“ kritisiert, brandmarkt sie im Gegenzug die Übernahme „schwarzer“ Kultur durch Weiße als „kulturelle Aneignung“ – ob es sich nun um Afrofrisuren handelt, um „schwarze“ Musik oder um westafrikanische Stoffmuster. Zwar lehnt sie solche „Übernahmen“ nicht grundsätzlich ab, aber sie misst hier offensichtlich mit zweierlei Maß – machen das die Schwarzen, sind die Weißen schuld, machen das die Weißen, sind auch die Weißen schuld. Natürlich ist es richtig, dass in der Kulturindustrie nach wie vor vor allem Weiße das Sagen haben und entsprechend verdienen. Das ist ungerecht und sollte sich ändern. Aber hier den Weißen grundsätzlich ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen halte ich nicht für angebracht. Die Übernahme von kulturellen Elementen anderer Völker hat es schon immer gegeben, auch innerhalb eines Kontinents. Fast die gesamte römische Götterwelt stammte (bis auf die Namen) im Wesentlichen von den Griechen. Spanien, Frankreich und Deutschland übernahmen den Weinbau von den Römern. Moderne europäische Militär- und sonstige Blaskapellen sähen ohne die Einflüsse der türkischen Janitscharenmusik ganz anders aus. Weiße produzieren Hip-Hop und Rap, während in Nairobi Händel und Mozart gespielt werden. Und das Münchner Oktoberfest wird weltweit kopiert. So what ? Von der Übernahme von Fremd- und Lehnwörtern wie z.B. „Fenster“ will ich gar nicht erst sprechen.

Gerade erst vorgestern habe ich ein Interview mit der Autorin gelesen, demzufolge das Wort „fair“ im Ursprung rassistisch sei, weil es in der englischen Sprache auch soviel wie „hell“ bedeutet, auch wenn es im Deutschen nur im Sinne von „gerecht, ehrlich“ usw. benutzt wird. Und anschließend wurde auf der Webseite darüber diskutiert, ob man stattdessen andere Begriffe verwenden solle … möge sich jede/r selber seine/ihre eigenen Gedanken darüber machen. Immerhin benutzt Hasters das Wort „fair“ in ihrem Buch selbst.

Spätestens im Kapitel „Muskeln“ musste ich mir dann die Frage stellen, ob die Autorin die deutsche Sprache wirklich so schlecht versteht, dass sie in einfache Texte irgendeinen Blödsinn hineinliest (was für eine Journalistin ein Armutszeugnis wäre) oder ob sie ihren KollegInnen absichtlich das Wort im Munde herumdreht. Konkret geht es darum, dass seit 1958, also seit über sechzig Jahren, kein Weißer mehr einen Sprint-Weltrekord aufgestellt hat. Als Zufall kann das kaum mehr gelten - ich würde allerdings nicht so weit gehen, den Schwarzen deshalb Unfairness zu unterstellen (sorry für diesen rassistischen Begriff ...). Frau Hasters zitiert in diesem Zusammenhang aus einem Artikel, laut dem Weiße von Natur aus langsamer sind als Schwarze. Wörtlich heißt es dort: „Dabei muss man allerdings zwischen West- und Ostafrikanern unterscheiden. Ostafrika brachte eher hagere Ausdauertalente hervor, westafrikanische Stämme sind tendenziell erheblich kräftiger gebaut – eine perfekte Voraussetzung, um Spitzensprinter hervorzubringen.“ Mag das nun stimmen oder nicht – Frau Hasters unterstellt diesem Autor (der ja klar die Worte „eher“ und „tendenziell“ verwendet hat) nun jedenfalls, er würde ALLE Ostafrikaner als sehr ausdauernde Läufer hinstellen und auch ALLE Westafrikaner seien ihm zufolge körperlich VÖLLIG GLEICH. Was dieser Autor aber nicht einmal andeutungsweise geschrieben hat. Diese Unterstellung kann ich noch nicht einmal mehr als Ironie durchgehen lassen. Dass den Schwarzen insbesondere deshalb mehr körperliche Leistungsfähigkeit zugeschrieben wird, damit man im Gegenzug den Weißen eine geistige Überlegenheit zuschreiben kann – nun ja. Phantasie hat die Dame jedenfalls.

Ebenso gewagt finde ich die These, dass schwarzen Frauen zu Zeiten der Sklaverei deshalb der Ruf besonderer sexueller Zügellosigkeit angedichtet wurde, um damit Vergewaltigungen zu rechtfertigen. Weil eine Person mit ungezügeltem Sextrieb ja gar nicht vergewaltigt werden könne. Ich glaube allerdings nicht, dass die weißen Sklavenhalter das nötig hatten. Die Sklav*innen waren in ihren Augen eh ihr Eigentum, und mit Eigentum kann man ja sowieso machen, was man will. Ohne diesem „Eigentum“ vorher noch irgendwas andichten zu müssen.

Dass die heilige Maria in einem überwiegend weißen Land meist weiß dargestellt wird ist wohl nicht weiter verwunderlich. Werden in einer europäischen Kirche Bibelszenen an die Wand gemalt, dann sind im Hintergrund auch oft europäische Landschaften zu sehen. Es gibt aber auch in traditionell „weißen“ Ländern zahlreiche schwarze Madonnen – man denke nur z.B. an Altötting oder Tschenstochau. Und auch in Afrika wird die heilige Maria sicher oft schwarz dargestellt.

Etwas gespalten bin ich von Hasters Ausführungen zum Themenkomplex „White Savourism“, also wenn Weiße den Schwarzen (oder generell nicht-weißen Personen) in irgendeiner Weise helfen wollen oder dies in Filmen dargestellt wird. Sicher hat es in dieser Hinsicht in der Vergangenheit Missstände gegeben und gibt es auch heute noch. Überrascht bis entsetzt war ich z.B. vom Ausmaß der „Waisenhausindustrie“, wo die Menge der echten Waisen schon gar nicht mehr ausreicht, um die ganzen Waisenhäuser zu füllen, und daher Halb- oder Garnichtwaisen herhalten müssen, um weiterhin Spendengelder aus reichen Ländern zu bekommen. Auch wäre es rein ökonomisch zweifellos sinnvoller, wenn Europäer (und Nordamerikaner) ihr Geld nach Afrika überweisen würden, wovon dann heimische Erzieher*innen bezahlt werden, als dass jede*r selbst dorthin fliegt, nur um einige Monate in einem Waisenhaus zu arbeiten. Wobei die Europäer und Nordamerikaner im Rahmen einer Reise natürlich auch Land und Leute besser kennenlernen. Die Frage ist in jedem Fall, was diese Menschen konkret tun können, um unterprivilegierten nicht-weißen Personen zu helfen, ohne sich dem Vorwurf des „White Savourism“ aussetzen zu müssen. Haster Kritik gilt in diesem Zusammenhang auch der Darstellung entsprechender Figuren in Filmen, wobei es wie gesagt nicht nur Schwarze sein können, denen von Weißen geholfen wird, sondern auch z.B. Indianer („Der mit dem Wolf tanzt“) oder Asiaten (“The Last Samurai“). Wobei das letztere Beispiel der Autorin hinkt – die von Tom Cruise gespielte Figur hilft zwar den Samurai, aber sie werden letztendlich trotzdem nicht gerettet und der Achtungserfolg in der letzten aussichtslosen Schlacht ist nur zum Teil das Verdienst des weißen Offiziers. Die hatten auch vorher schon einen tapferen und fähigen Anführer.

Mit der Darstellung schwarzer (oder auch asiatischer) Menschen in Filmen ist Frau Haster anscheinend nie ganz zufrieden. Eine wütende schwarze Frau ist ein Stereotyp, eine starke schwarze Frau die sich durchbeißt ist ein Stereotyp, eine „Mummy“ ist ein Stereotyp und eine exotisch-erotische schwarze Frau auch. Da hat sie ja zunächst einmal nicht ganz Unrecht. Aber erstens weiß man bald nicht mehr, wie man Schwarze überhaupt noch darstellen soll, und zweitens gibt es Stereotype ja auch bei der Darstellung weißer Rollen: Die ewig hysterisch herumkreischende Blondine, der nie ganz erwachsen gewordene männliche Kindskopf, der immer nur an Bier und Titten denkt usw.. Und wenn einmal ein Schwarzer als besonders begabt und kultiviert dargestellt wird, wie etwa in „The Green Book“, dann beschwert sich Hasters, dass die Hauptperson des Films weiß ist. Nun, wenn der Sohn der weißen Hauptperson das Drehbuch schreibt ist das wohl nicht weiter verwunderlich. Es hindert die Familie der schwarzen Person ja niemand daran, ein Remake mit einem anderen thematischen Fokus zu drehen. Ja, OK., die weiß dominierte Filmindustrie vielleicht. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn es mehr schwarze Drehbuchautor*innen und Regisseur*innen gäbe. Wobei ich in der Regel beim Ansehen eines Films nicht einmal weiß, welche Hautfarbe diese Menschen haben. Dass Hasters den Film als weiteres Beispiel von „White Savourism“ (s.o.) kritisiert versteht sich fast von selbst.

Und wenn alle schwarzen Frauen in Deutschland die gleichen Erwartungen an ihren Partner hegen würden wie Alice Hasters (siehe „Deine erste Schwarze Freundin“) … nun, dann müsste ich es mir wohl zweimal überlegen, bevor ich mit einer schwarzen Frau eine Beziehung anfange. Wer läuft schon freiwillig in ein Minenfeld … nur gut, dass das Denken zur Nebensache wird, wenn man wirklich verliebt ist :-)

Bei diesen langen Aufzählungen von mir könnte jetzt vielleicht der Eindruck entstehen, Frau H. würde die ganze Zeit immer nur über die „bösen rassistischen Weißen“ lamentieren. Das ist nicht so. In längeren Passagen des Buches – die ich fast am interessantesten fand – schildert sie einfach ihren Werdegang, von der Kindheit über die frühe Schulzeit, ihr Austauschjahr in Philadelphia und ein Sportstudium bis hin zu ihrer heutigen Tätigkeit als Journalistin. Was sie auf diesem Weg gefühlt und gedacht und warum sie sich wie entschieden hat. Dabei behauptet sie nicht einmal, dass ihre Gefühle, Gedanken und Entscheidungen immer logisch und richtig waren.

Ich finde es richtig und interessant, dass Frau Hasters uns hier einmal ihre – durchaus subjektive – Sicht der Dinge geschildert hat. Trotzdem vermisse ich in diesem Buch an vielen Stellen die Beantwortung der Frage, was sie von ihren Mitmenschen denn nun eigentlich erwartet. Die wirklich üblen Rassisten werden das Buch vermutlich gar nicht lesen. Und das, was - ihrer Theorie nach - tief in uns drin steckt, etwa das bereits erwähnte jahrhundertelang kultivierte eurozentrische Schönheitsideal, werde ich als privilegierter weißer Mann eh nicht ändern können (das Buch richtet sich ja ausdrücklich an weiße Menschen). Da müsste sie eher ihre (speziell weiblichen) Mit-BIPoCs dazu ermuntern, sich nicht mehr dem vorgeblichen oder tatsächlichen weißen Schönheitsideal zu unterwerfen.

Wenn Frau Hasters das jetzt lesen könnte, würde sie mich vermutlich als typischen Vertreter der weißen herrschenden Klasse ansehen, der gezielt die Augen vor Rassismus verschließt, und mir u.a. Whataboutism vorwerfen, wie sie das schon öfter getan hat (wenn auch nicht speziell bei mir :-) ). Nach dem alten Motto: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Soll sie doch. Das ist eine beliebte Diskussionstaktik – (berechtigte oder unberechtigte) Vorwürfe erheben und jeden, der Gegenargumente bringt, gleich selbst als Teil des Problems hinstellen, um die eigene vermeintliche Deutungshoheit zu untermauern. Mit einer sachlichen Diskussion hat das aber nichts mehr zu tun.

So, das war jetzt glaube ich der längste Journaleintrag, den ich je geschrieben habe ... zusammenfassend könnte man zum Abschluss meinen persönlichen Standpunkt folgendermaßen formulieren:

Jeder Mensch (egal welche Hautfarbe / Geschlecht / Nationalität / sexuelle Orientierung / Religion usw.) hat das Recht, jede(n) Bemerkung / Handlung / Annäherungsversuch eines anderen Menschen subjektiv als unangemessen, unangenehm oder unerwünscht zu empfinden. Das heißt aber nicht, dass man diesem anderen Menschen objektiv gesehen in jedem Fall einen Vorwurf machen kann.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit :-)

Journal Entry 10 by wingHH58wing at -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Bayern Germany on Friday, September 4, 2020

Released 1 yr ago (9/4/2020 UTC) at -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Bayern Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

... und weiter zu Trinibell !

Journal Entry 11 by wingTrinibellwing at Calw, Baden-Württemberg Germany on Thursday, October 8, 2020
Upps, das Buch liegt schon ne Weile auf der Küchenbank,
Danke für Schicken, es wird als nächstes gelesen.



Ich hab es ein paar Mal versucht, aber leider hat mir Frau Hasters nichts zu sagen.


April 2021
Auweia, das Buch liegt ja immer noch bei mir im Regal. Ich dachte, ich hätte es schon lange weitergeschickt. :-(
Jetzt hab ich aber sofort die nächste Adresse angefragt, es geht also bestimmt bald weiter.
Ich bitte um Entschuldigung!


Journal Entry 12 by Sindy00 at Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg Germany on Wednesday, April 28, 2021
Das Buch ist da. Freu mich. Vielen Dank für das Schicken.

Es tut mir leid, dass ich erst jetzt zum Lesen gekommen bin. Es hatten sich ein paar andere Ringbücher vorgedrängelt.

Ich weiß auch nicht so recht was damit anzufangen ist. Mir kommt es vor, als würde die Autorin ein wenig gerne Jammern. Tut mir leid, doch ich habe das Gefühl, dass sie einfach auf einen Zug springt und sich da ein wenig was zusammen reimt.

Mein Mann z. B. Ist Weiß. Er hat aber einen sehr langen Bart. Und das veranlasst doch tatsächlich Leute einfach hin zu fassen. Völlig ungefragt. Klar, dass kann ziemlich nervig sein. Aber ist es jetzt Rassismus?

Ich bin doch tatsächlich weiß und lebe in Deutschland, ich werde regelmäßig nach meiner Herkunft gefragt... Aufgrund Dialekt manchmal, oder warum auch immer. Doch fast jeder den ich neu kennen lerne fragt das. Ist das auch Rassismus? Ich würde schon mehrmals gefragt ob ich deutsch spreche... Ist das Rassismus oder muss ich um das rassistisch zu finden eine andere Hautfarbe haben?
Keine Ahnung. Aber irgendwie bin ich dann wohl alles was die Autorin nicht mag.
Aber mir ist es schlicht egal wie jemand aussieht, wie er spricht, welches Geschlecht oder welche sexueller Gesinnung jemand hat.

Wir sind doch alle Menschen. Ohnehin alle gleich viel Wert, wir haben alle ne Macke und keiner von uns ist irgendwie besser als der Andere.
Dennoch sind wir alle besonders.

Und wenn ein Sternsinger nunmal gern den schwarzen König darstellen möchte und nicht die Hautfarbe hat. Dann muss sie eben gemalt werden. Weshalb sollte es einem mit heller Hautfarbe verboten sein sich mal nach seinem Idol zu verkleiden. Das wäre ziemlich diskriminierend nur noch schwarzen zu erlauben schwarze zu spielen, ebenso umgekehrt.

Und die Sache mit dem Schönheitsideal hab ich noch nie verstanden. Halte das alles für an den Haaren herbei gezogen.

Leider war es schon immer so, dass Menschen genau das wollen was sie nicht haben.

Da Jammern Lockige über ihre Locken und glätten ihre Haare. Glatthaarige lassen sich Dauerwellen machen... Und da brauchen wir nicht mal unterschiedliche Hautfarben dazu.

Dünne wollen zunehmen, dicke abnehmen.

Ich möchte einfach mal zufrieden sein so wie ich bin.

Vielleicht ist es auch das. Ich wünsche der Autorin und allen Lesern und einfach allen Menschen, dass sie sich einfach mal so annehmen wie sie sind und nicht immer im Außen nach schuldigen suchen.

Klar gibt es Ungerechtigkeit in der Welt. Und jeder der kann und will trägt seinen Teil die Welt besser zu machen.

Und Ungleichheiten sind was tolles. Jeden Tag sollten wir dankbar sein für all das schöne in der Welt.

Danke Frau Hasters für das Buch. Für mich war es jedoch nichts. Da ich einfach die Welt nicht so ernst nehmen kann und will und da ich nicht in allen Dingen einen Angriff auf mich sehe und auch nicht sehen will.

M. E. gilt das Prinzip, dass die Energie immer dorthin fließt wohin ich meine Aufmerksamkeit richte.

Deshalb richte ich meine Aufmerksamkeit lieber auf das Miteinander von allen Menschen.

Nächste Adresse ist angefragt.

Journal Entry 13 by Charly83 at Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern Germany on Saturday, August 28, 2021
Das Buch habe ich gestern bei der Post abgeholt. Danke fürs Zusenden, Sindy00.

Journal Entry 14 by Charly83 at Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern Germany on Thursday, September 9, 2021
Das ist das Buch mit den längsten Journaleinträgen, die mir bei BC je untergekommen sind. Das ein oder andere kann ich aus den Beiträgen durchaus nachvollziehen und trotzdem finde ich es richtig, dass auf Probleme und Ansichten hingewiesen wird.
Als "weißer" Mensch sehe ich die kleinen Alltagsdiskriminierungen nicht und letzten Endes kann nur eine Person, die diese erlebt auch wirklich beurteilen. Als Frau kann ich sexistische Diskriminierung beurteilen, da ich sie selbst erlebt habe. Ein Mann wird dies so nicht erfahren und daher auch nicht gleichwertig wahrnehmen.
Ich denke, dass man sich darüber im Klaren sein muss, dass ein Mensch nicht jeder Person vorurteilsfrei und ungeprägt gegenübertritt. Dafür sind wir zu sehr durch unsere Umwelt geprägt. Sich dies bewusst zu machen, ist meines Erachtens wichtig. Und aus diesem Grund nehme ich so einiges aus dem Buch mit.

Das Buch reist weiter, sobald ich die nächste Adresse habe.

Journal Entry 15 by book-a-billy at Penzberg, Bayern Germany on Monday, September 27, 2021
Das Buch ist schon vor einigen Tagen bei mir angekommen, aber da war ich gerade beim Packen für den Urlaub und dann im Urlaub, wohin ich es aus diversen Gründen nicht mitnehmen wollte. Jetzt muss es sich noch ein wenig gedulden, bis ich meinen neuen Vorablesen-Gewinn gelesen habe.

Journal Entry 16 by book-a-billy at Penzberg, Bayern Germany on Saturday, October 23, 2021
Hm, was soll ich sagen? Anfangs machte ich mir beim Lesen Notizen, um auf einige Aussagen zu antworten, das gab ich dann aber auf.
Ich möchte vorwegschicken, dass das, was indigenen Völkern durch Kolonialisierung angetan wurde, das wie wir vermeintlich menschenfreundliche heutige Weiße diese Länder oft heute noch ausbeuten, nicht zu entschuldigen und durch nichts zu rechtfertigen ist. Es ist mir bewusst, dass das tiefe Wunden hinterlassen hat und noch heute zu Folgen führt, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Aber dieses Buch kann dazu aus meiner Sicht nur bedingt einen Beitrag leisten.
Viel Neues konnte ich dem Buch nicht entnehmen, auch wenn ich es nicht alles mit Zitaten hätte unterlegen können. Es wundert mich aber, wie viele Leute die Autorin dauernd trifft, die auch nach meinem Verständnis kein angemessenes Verhalten an den Tag legen. Anderes ist ihre ganz persönliche Wahrnehmung:
Eine Frau kann z.B. auch die Straßenseite wechseln, wenn ihr nachts ein schwarzer Mann entgegenkommt, weil sie schon einmal überfallen wurde und deshalb grundsätzlich die Straßenseite wechselt, wenn ihr nachts ein Mann entgegen kommt.
Das erinnert mich an die Diskussion um das Spiel "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?". Keine meiner Freundinnen stellte sich im Kindergarten dabei einen schwarzhäutigen Mann vor. Für meine Freundin war es ein Kaminkehrer, für mich ein "schwarzer Sheriff", die damalige Münchner U-Bahn-Wache.
So einiges, was sie erlebt und auf ihre Hautfarbe zurückführt, habe ich auch erlebt. Hm, weil ich weiß bin???
Über manche Aussagen habe ich mich geärgert, da sie fälschlicherweise verallgemeinernd sind. Warum behauptet sie, z.B. dass weiße Menschen nicht wüssten, was Melamin ist? Also ich habe das in Biologie in der Schule gelernt.
Interessant auch, dass ihr für Afrohaare nur negative Begriffe einfallen und für die von weißen positive. Mir fallen sofort für beide positive sowie negative Beschreibung ein.
Und sie meint außerdem, wir weiße Menschen hätten alle den gleichen Körperbau und fänden ihn deshalb schön. (Nur nebenbei: schon auf der nächsten Seite mokiert sie sich über Sportwissenschaftler, die allen Ostafrikanern und allen Westafrikanern denselben Körperbau zuschreiben). Warum gab und gibt es dann für mich, wie für viele andere so selten passende Kleider? Warum sehen wir dann nicht alle gleich aus? Ja, es ist nicht schön, außerhalb der Norm zu liegen. Es hat bei mir sogar zu Haltungsschäden geführt. Aber das hat in dem Fall kaum etwas mit der Hautfarbe zu tun. Dicke - Dünne, Muskulöse - Schlaffe, Kleine - Große gibt es "in allen Farben".
Im Großen und Ganzen schließe ich mich Laborfee an.
Jeder erschließt sich die Welt aus seiner Sicht, jedem ist anderes wichtig, so wollte einmal ein schwarzer Student in München von mir, dass ich die Süßigkeit, die ich bei ihm im Café kaufen wollte, Mohrenkopf nenne. Das damals noch gebräuchliche "Negerkuss" ging ja wegen des 1. Wortbestandteils nicht und Schaumkuss mit Schokoladenüberzug fand er affig. Alice Hasters hätte seine Wortwahl sicher auch nicht gutgeheißen.
Wie man verschiedene Hautfarben benennen soll/darf ändert sich immer wieder einmal. Mittlerweile sind die Jugendlichen da so verwirrt, dass sie mir allen Ernstes sagten, ich müsse einen senegalisischen Einwanderer in Paris Afroamerikaner nennen. Erst als ich sie fragte, ob sie ihren Mitschüler (der sich selbst als "schwarz" bezeichnet und von seinen weißen Adoptiveltern "farbig" genannt wird) auch als Afroamerikaner bezeichnen würden, bemerkten sie, wie absurd der Vorschlag war.
Ich bin der Meinung, erst wenn eine Benennung der Hautfarbe so selbstverständlich ist, wie die Benennung der Haarfarbe, haben wir die Probleme überwunden. Natürlich lasse ich gerne den, den es betrifft, entscheiden, welche Hautfarbe er hat, wie ich das auch bei Haarfarben tue.
Dass Menschen über das ihnen Unbekannte mehr wissen wollen, finde ich legitim und sogar angebracht, um Missverständnusse zu vermeiden. So tausche ich mich seit meiner Jugend mit Menschen verschiedener Herkunft und ggf. Religion aus - unabhängig von der Hautfarbe.
Als junge Frau kam ich sogar einmal in die Situation, dass ich einen sexuellen Übergriff nur nicht sofort "ahndete", da der Übergriffige eindeutig Migrationshintergrund hatte und ich nicht als fremdenfeindlich gelten wollte.
Ein andermal drängelte sich ein anderer junger Mann mit Migrationshintergrund an der Supermarktkasse vor. Als ich das beanstandete, erwiderte er, ich sei fremdenfeindlich. Ich machte aber sofort deutlich klar, dass ich das bei JEDEM und JEDER beanstanden würde.
Da ich selber Frau und behindert bin, ist mir das Thema "Diskriminierung" nicht fremd, aber ich finde einen anderen Umgang als den von Alice Hasters damit befriedigender und zielführender.

Journal Entry 17 by book-a-billy at Penzberg, Bayern Germany on Sunday, November 28, 2021

Released 1 mo ago (11/28/2021 UTC) at Penzberg, Bayern Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Das Buch lag leider viel zu lange bei mir 🙈 Nachdem ein Treffen mit bluezwuzl nicht stattfinden konnte, musste es sich auch verletzungsbedingt wochenlang gedulden. Nun hat es sich aber auf die Weiterreise gemacht. Ich bitte, die Verzögerung zu entschuldigen.

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