Der amerikanische Architekt

by Amy Waldman | Literature & Fiction |
ISBN: 3453417623 Global Overview for this book
Registered by erinacea of Friedrichshain, Berlin Germany on 4/20/2019
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Journal Entry 1 by erinacea from Friedrichshain, Berlin Germany on Saturday, April 20, 2019
Dieses Buch habe ich (vor?)letztes Jahr zum Geburtstag bekommen. Dann bin ich aber ewig nicht zum Lesen gekommen (zumindest nicht diesen Buches)...

Hmm... schwer zusammenzufassen. Es wäre vielleicht einfacher, wenn ich es auf englisch gelesen hätte und demzufolge eine englische Rezension schreiben könnte. (Mache ich natürlich nicht.)

Inhalt:
Zwei Jahre nach den Anschlägen des 11. September entscheidet die Jury zur Auswahl des Mahnmals sich für einen der Entwürfe. Doch als sich herausstellt, dass der Architekt selbst Muslim ist und auch noch Mohammed heißt, gerät ihr Entschluss ins Wanken. Innerhalb von wenigen Stunden sickert diese Information an die Öffentlichkeit und bald stellt sich ganz Amerika die Frage: Wer hat das Recht, die Opfer zu repräsentieren?

Dieses Buch hat mir gut gefallen, weil es Waldman gelingt, die verschiedenen Sichtweisen angemessen zu porträtieren. Von Anfang bis Ende fand ich mich zwischen den beiden Extrempositionen.
Einerseits hatte Khan eindeutig ein Recht darauf, dass sein Siegerentwurf umgesetzt wird, und auch darauf, dass er genauso behandelt wird wie jeder andere teilnehmende Architekt behandelt worden wäre. Andererseits kann ich absolut nachvollziehen, dass einige der Angehörigen sich verhöhnt vorkommen, wenn das Mahnmal selbst potentiell islamische Elemente enthält, welche die Drahtzieher der Attentäter für sich reklamieren könnten. Die Erkenntnis, dass der "Garten" als "islamischer (Paradies) Garten" interpretiert werden könnte, brachte meine anfängliche Überzeugung zu Gunsten Khans erheblich ins Wanken. Da ging es mir nicht anders als Claire.

Khan tat sich mit seiner hartnäckigen Weigerung, sich auch nur ansatzweise zu erklären, keinen Gefallen. Sein kompromissloses Verhalten war verständlich, aber nicht besonders vorausschauend. Auch sonst wurde er mir nie richtig sympathisch, was meines Erachtens Absicht ist. Wenn er weniger arrogant und dafür zugewandter gewesen wäre, hätte das mit Sicherheit nicht nur den Leser, sondern auch mehr der anderen Figuren auf seine Seite gezogen. Aber hier ging es nicht um Sympathie, sondern um Prinzipien, und dafür war seine ambivalente Darstellung exakt richtig.

Das Ende (Spoiler, Sichtbarmachen durch Markieren Khan zieht seinem Entwurf zurück) war, zumindest gegen Ende hin, absehbar. Vorher pendelten meine Erwartungen jedoch lange hin und her, was das ganze sehr spannend machte.

Asmas Tod hat mich schockiert. Also, mir war natürlich schon klar, dass der ganze aufgestaute Hass sich (schon aus dramaturgischen Gründen) irgendwann entladen würde, aber mit diesem Resultat hatte ich dann doch nicht gerechnet.

Den Epilog fand ich etwas unbefriedigend. Schon klar, dass Waldman hier die Gelegenheit zu einem "Where are they now?" nutzen wollte, was auch einigermaßen gelingt. Auch ist Khans Verbitterung nachvollziehbar und ebenso glaubwürdig wie den Effekt, den die Kontroverse auf seine Karriere hatte.
Nein, ich störe mich im Wesentlichen an der allerletzten Szene, die für mich doch sehr amerikanisch wirkt.

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