Hodinas Tapirkunde

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Journal Entry 1 by mB-Wunderkammer from Salzburg, Salzburg Austria on Friday, February 15, 2019
Peter Hodina: Hodinas Tapirkunde. Philosophische Betrachtungen.
Herausgegeben von Anonymous Finder, Salzburg 2019.

Journal Entry 2 by mB-Wunderkammer at - irgendwo in Salzburg in Salzburg, Salzburg Austria on Friday, February 15, 2019

Released 1 mo ago (2/16/2019 UTC) at - irgendwo in Salzburg in Salzburg, Salzburg Austria

WILD RELEASE NOTES:

Mobile Wald- Wiesen- & Feldbibliothek der Wunderkammer.

Journal Entry 3 by mB-Wunderkammer at Salzburg, Salzburg Austria on Tuesday, February 19, 2019
AUS HODINAS TAPIRKUNDE:

(3.1) Hinter meinem Rücken ist anscheinend ein Buch entstanden und - möglicherweise als dadurch bibliophil sehr kostbares Einzelexemplar? - in undergroundhafte Zirkulation gegangen. Auch das nur möglicher-, nicht notwendig wahrscheinlicherweise. Es muss sich von selbst materialisiert haben. Wie auch Umschlag und Titel nicht von mir stammen. Anleitung: Man starre so lange in den leeren Backofen, bis dort von selbst ein Hähnchen entsteht. Braucht nirgends anzuheuern, wird nicht shanghait. Das sich von selbst sowohl fertigschreibende als auch verlegende Buch: das alchemistische "Opus literatorum". Wenn dem Schiffbrüchigen die Flaschenpost vor der Nase tanzt, die einen Brief von ihm enthält, den er noch gar nicht geschrieben hat. Soll ich meiner schlaraffenhaften Schwäche erliegen und mich wirklich in der Stadt Salzburg in den diversen Bücherzellen umschauen, ob dort dieses Buch aufliegt, von dem die Wahrheit meiner Faulheit mir zuzischelt, dass ich es bis jetzt ja nicht geschrieben habe? Wer weiß?

(3.2) Wegen des Covers hätte man Syd fragen sollen, aber der scheint schon lange unter- oder abgetaucht zu sein. Fata sua habent libelli - sogar die fiktiven, nicht nur die fiktionalen. Den Titel hatte auch Syd erfunden. Gefällt mir!

[Abbildung: Hodinas Tapirkunde, © Syd, 2014.]

(3.3) Wir nähern uns der Hodinas'schen (die Nas darin!) philosophischen Tapirkunde mit Riesenschritten anscheinend.

Journal Entry 4 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Wednesday, February 27, 2019
(4) Der Tapir scheint schwer von Begriff zu sein. Sieht er auch nur eine kleine Gefahr, einen Leguan etwa, der ihm nicht recht ins Bild passt, sondiert er mit seinem Rüssel zu ihm hin – und bekommt pünktlich einen Schwanz-Peitschenhieb auf die sensible Nase. Statt daraus zu lernen, versucht er es wieder und wieder. Die Peitschung wiederholt sich. Sehr verdrossen kehrt der Tapir sich ab und trägt das Problem mit sich herum. Langsam schleicht er sich abermals an den Winzling heran – und schreckhaft. Dabei könnte er ihn mit seinem Gewicht leicht zermalmen. Intelligent ist im eigentlichen Sinne der Tapir wohl nicht. Seine „Intelligenz“ bestünde darin, den Stachel des Missvergnügens zu empfinden und ihn lösen zu wollen. Alle noch weiter erfolgenden „Sondierungsgespräche“ werden immer scheuer, wie wenn der Leguan mit Starkstrom aufgeladen wäre. Schließlich schreitet der Tapir – für den Betrachter, aber nur für den Betrachter komödiantisch – auf ihn zu, verharrt im Schritt, knickt verharrend das Bein ab. Sein Rüssel schwankt wie eine Windfahne. Das „Problem“ ist nicht bewältigt. Und es wird innerlich immer schwerer. Bald gelingt die Annäherung gar nicht mehr. Tieftraurig, bekümmert ist das papstbenedikthafte Tapirantlitz. Wenn der Tapir schließlich sein Hinterteil dem Problem zuwendet, ist doch sein flach wie mit dem Lineal geschnittener Kopf bekümmert. Wie man bei solcher Konstitution, ohne seine Form zu ändern, es 30 Millionen Jahre lang im Dschungel hat aushalten können, wo doch die „Gesetze des Dschungels“ dort herrschen, ist ein Rätsel. Des Tapires Hinterteil ragt aus jeglichem Beuteschema heraus. Sein Rüssel ist die ständige defensive Exploration. Oft scheint der Tapir nicht zu wissen, wohin es gehen soll. Seine Pfeifgeräusche sind bei seiner Statur überraschend. Plötzlich galoppiert er wieder, um im nächsten Moment schon gleich abermals innezuhalten. Nur wenn er nachts durch den Blätterwald „tunnelt“ ist der Pflanzenfresser, der er ist, in seinem Element. Er kann schnell werden – tänzerisch, wenn es bergan geht. Er ist ein Feinschmecker nämlich.

Journal Entry 5 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Thursday, February 28, 2019
(5) „Staunen werden Sie über den Tapir, wie glatt er ist, wie neu, wie – synthetisch. Das Mädchen sagt: ‚Aus Amerika, sieht man doch gleich…‘ Ein solider Bürger liest seiner schwangeren Frau das Täfelchen vor: ‚Ohne wirtschaftlichen Nutzwert. Aha, also von Anschauungswert…‘ Die Frau schaut mit blicklosen, wie harte Eier gewölbten Augen, sie sieht überall ihren Bauch – ein eminenter Beweis für die Kugelförmigkeit der Erde. Was ist das bloß für eine Manie, schwangere Frauen partout in den Zoo führen zu müssen? Ist Ihnen das auch aufgefallen?“
(Andrej Bitow, Georgisches Album)

Journal Entry 6 by wingAnonymousFinderwing at -- wild released somewhere, Salzburg Austria on Friday, March 01, 2019
(6) Sehr chaotisch gestern die Bahnfahrt nach Salzburg, falsche Auskunft bekommen, am falschen Gleis gewartet. Ganz knapp aber ging es sich noch aus, zur Veranstaltung zum Welt-Tapir-Tag zu kommen. Suchte in meiner kleinen Salzburger Wohnung hektisch Tapirstempel, Schleichtapire, meine eigenen Bücher zusammen. Musste ganz schnell gehen, der Taxler wartete unten.
Wollte ein großes Kuscheltier noch in meine Tasche hineinstopfen, aber der Rüsselkopf ragte heraus, ließ es bleiben.
Dann kramte ich nach dem Aussteigen aus dem Taxi nach einer Tschick und hatte das Gefühl, dabei eine der Tapirfiguren verloren zu haben: die der Firma PAPO, der etwas finstere, größere, schreitende Tapir mit dem scharfen Rückgrat. Von dem ich nur diesen einen einzigen besaß.
Soweit ist es nun mit mir gekommen, dass ich Tapire verliere! Und das am Welttapirtag! War untröstlich, suchte nach der Figur.
Auch danach zu Hause abermals, er war weg. „Komplett weg“ (um mal mit einem Stilfehler das Ungeschick gehörig zu verdeutlichen). Nachdem ich ihn rund zehn Minuten haareraufend herumtapernd vergeblich gesucht hatte, erblickte ich ihn plötzlich: er stand ganz oben auf der Goethe-Ausgabe.
Er hat gesehen, wie ich ihn ehrlich suchte, in mein Herz gesehen. Sein Gesichtsausdruck war diesmal von viel größerer Mächtigkeit. Fast schon etwas triumphierend Teilböses schien aufzuschimmern, etwas Angriffselefantenhaftes.
„Du glaubst allen Ernstes, mich verlieren zu können?“, schien er zu rhetorisch zu fragen. „Längst führe ICH die Regie in deinem Leben. Blick‘ mich nur an: Vor dir steht dein Regisseur und Lebensredakteur! Du hast mich zu deinem Schutztier auserkoren: ich halte mich daran, auch wenn es dir bald einmal nicht mehr lieb sein sollte. Denn ich bin als uraltes Tier eine Alterität zu euch besorgt-rechnerischen Engseelen und Kleinmütlern!“

Journal Entry 7 by wingAnonymousFinderwing at -- wild released somewhere, Salzburg Austria on Saturday, March 02, 2019
(7) Auf der Suche nach den letzten Schleichtapiren mit Kuntner. EINEN bekam ich noch, mit Kratzer. Aber Fähnchen. Ansonsten gibt es jetzt eine neue Generation von solchen Spielzeugtieren. Die haben einen Punkt am Hintern und wenn man den mit einem geeigneten Lesegerät befühlt, spricht das Tier bzw. geht eine Stimme los, die dir alles zu dem Tier erklärt. Fühlte mich zu alt für diese Innovation.
Der freundliche junge Verkäufer in dem anderen Laden, bei dem es den letzten klassischen Tapir noch gab, sagte: „Die Figuren sterben aus wie die Tiere selbst.“ Er kannte sofort den Tapir.
Eine Glaskugel mit lauter ganz kleinen Plastiktieren schüttete er vor mir aus, obwohl er wusste, dass darin kein Tapir sei. Trotzdem klaubten wir in dem Haufen herum.

Journal Entry 8 by wingAnonymousFinderwing at Anif, Salzburg Austria on Sunday, March 03, 2019
(8) „Arm ist er dran. Gestern im Einkaufsmarkt sah ich ihn – betrunken oder nicht – dahingehen, und wissen Sie, was er dauernd vor sich hingesprochen hat? Tapir, Tapir. Nichts anderes. Ein schlimmes Ende wird es mit ihm nehmen. Aufs Obst hat er geblickt und ‚Tapir‘ gesagt, in einen Schuh hinein, um mit Kennermiene festzustellen: ‚Kein Tapir‘. Draußen hatte kräftiger Regen eingesetzt. Wie er hinausging, sah ich ihn seinen Knirps aufspannen, wobei er vorher sagte: ‚Spannen wir also den Tapir auf.‘“

Journal Entry 9 by wingAnonymousFinderwing at Anif, Salzburg Austria on Monday, March 04, 2019
(9) Zur Frage der Behexung. Antonin Artaud hatte an die Möglichkeit von Behexungen geglaubt, aber man rechnete das seiner Psychose zu. Gesetzt den Fall, es gäbe sie, es gäbe auch so etwas wie die „Einflüsterung“. Die gefährlichste Art geschieht nicht vis-a-vis. Sondern HINTER EINEM stünde der Einflüsterer und könnte, gesetzt, es geschähe an einem Ort mit viel Lärm und Trubel, es frechriskanterweise über deinen, IN deinen Kopf schreien, bräuchte gar nicht zu flüstern, und du würdest es nicht merken. Ganz in deinem momentanen Wahn, etwa auf Frauen aus, befangen, fällt dir währenddem das Fallbeil eindringlichen „Besprechens“ in den Nacken und rauht dir den Grind. Und geht womöglich später als dein Schicksal auf. Und du ahnst nicht, WAS dessen Ursache, WER dessen Urheber ist, auch nicht aus welcher, ihn vielleicht selber spontan übermannender Laune heraus er es tat. So kann der Tapir in einen hineingekommen sein. Aber vielleicht schwebte er selber ja, näm- und namentlich der Tapir, schon über allen Involvierten (einschließlich des „Einflüsterers“), war und ist der EIGENTLICHE Involver?

Journal Entry 10 by wingAnonymousFinderwing at Anif, Salzburg Austria on Tuesday, March 05, 2019
(10) Neurolinguistisches Tapirprogrammieren. Jemand fragt: „Welches Tier bist du?“ Antwort: „Tapir, klar doch.“ Statt nun höflich zu fragen: „Und welches bist du?“, fragt der neurolinguistische Tapirmanipulator frech rhetorisch und vereinnahmend zurück: „Du etwa nicht?“

Journal Entry 11 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Wednesday, March 06, 2019
(11)

Tapirus narcissus

Ein Tapir blickt hinein
in das Gewässer
Was ihm entgegenkömmt
das wird nicht besser
So nimmt er wieder mit mit sich
was auch klarstwasserrein
nicht von ihm wich

Journal Entry 12 by mB-Wunderkammer at Salzburg, Salzburg Austria on Thursday, March 07, 2019
(12) Tapirus americanus - Liepāja 22.9.1947
Federzeichnung (230 x 184 mm) von Jan Sermosky
Sammlung © Peter Hodina

[Anm. d. Hg.: »Jan Sermosky = Ivan Sermoskin (Иван Сермоскин), 1889? bis 1963?). Born in Russia. Also known to have lived in Estonia, and member of the Imperial Academy of Arts. After the Russian Revolution in 1917, he emigrated to Latvia, where he signed his work as Jan Sermosky.« - Das ist alles, was wir zur Zeit über diesen Künstler wissen.]

Journal Entry 13 by mB-Wunderkammer at - irgendwo in Salzburg in Salzburg, Salzburg Austria on Friday, March 08, 2019

Released 2 wks ago (3/8/2019 UTC) at - irgendwo in Salzburg in Salzburg, Salzburg Austria

WILD RELEASE NOTES:

AUS HODINAS TAPIRKUNDE:

(12f.) Die Zukunft des Buches ist die Zukunft des Tapirs und umgekehrt.

Journal Entry 14 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Saturday, March 09, 2019
(14) Als Zarathustra zwischen den Gipfeln schritt, donnerte eine Stimme aus den Wolken fragend-fahrend: „Bist du des Tapirs?“
Und er antwortete klar wie der Enzian: „I-A!“, sein „Ja-und-Amen-Lied“ anstimmend.
Voll Freude bebten die Wolken am Himmel und von allen Bergen gleichzeitig erscholl der Ruf: „Er IST des Tapirs!“

Journal Entry 15 by wingAnonymousFinderwing at Strobl, Salzburg Austria on Sunday, March 10, 2019
(15) Habe einen sprechenden Spielzeugaffen. Der kann ganze Sätze nachsprechen.
„Wer den Tapir nicht ehrt…“, so sprach ich ihn an – und er sagte den Satz schnarrend nach. Machte noch weitere Faxen in dem Souvenirladen am Wolfgangsee, wo diese Affen für nur 15 Euro zu bekommen waren. Ich meckerte, der Affe meckerte zurück. Dabei bewegte er Kopf und Arme.
Zuhause ihn begierig auswickelnd, fragte ich ihn, erst spielerisch noch:
„Bist etwa DU des Tapirs knusprige Beute?“
Es kam von ihm gereizt zurück: „Des Tapirs knusprige BEUTE?!?“
Hörte ich da nicht schon einen Ton unterforderter Entrüstung heraus?
Ich wiederholte die Frage schneller, damit der Affe den Satz vollständig echoen konnte, Silbe für Silbe exakt akzentuierend.
Er warf es als Ausruf zurück, was von mir als Frage an ihn gestellt war: „DU – DU – DU (der Mechanismus schien zu hängen, ich klopfte dem Affen auf den Kopf, dann ging es weiter) bist des Tapirs!“
„Und weiter?“
„Und weiter!“
„knus-“
„knuss!“
„priggg“
„prick!“
Schließlich triumphierte er noch, eigenständiger geworden, nach: „DU BEUTE!“
Ich stellte ihm zur Probe, nun misstrauischer, die Frage: „Sechs mal sechs?“, und prompt sagte er: „Sechsunddreißig!“
Schnell nahm ich die Batterien heraus und verräumte ihn in der Truhe mit den Tapirfiguren. Und hängte ein Schloss davor.

Journal Entry 16 by wingAnonymousFinderwing at Strobl, Salzburg Austria on Tuesday, March 12, 2019
(16) Wenn dir einmal ein solcher Handschuh an die Gurgel fasst, ahnst du, wem dein Treiben nicht recht war. Wobei – außer es wird eine Begründung vorher noch verlesen – dir nicht klar wird, WORIN dein Fehler bestand. Dass du, mit Nikolaus Lenau zu sprechen, bloß „an der Gruft genascht“ hattest? Dass du, ohne es zu wollen, irgendetwas ausgeplaudert hattest – und sei es auf dem Wege der poetischen Erfindung, eines Traumberichts? Dass du der Tapirus bi-color bliebst, statt dich zum Tapirus niger einzuschwärzen?

Journal Entry 17 by wingAnonymousFinderwing at Linz, Oberösterreich Austria on Tuesday, March 12, 2019
(17) Was für eine entsetzliche Verwicklung wäre mir kürzlich in Linz geschehen, als ich über eine Liegewiese an der erfrischenden Donau, mit vielen neuerstandenen Büchern in der Umhängetasche, schritt und zu mir selbst halblaut, wie des öfteren, selbstaufmunternd »TAPIRUS INDICUS!« sagte. Nebenan lag nämlich, wie ich erst nachher bemerkte, möglicherweise ein INDER mit seiner Freundin und hatte diese meine Selbstbezeichnung auf SICH offenbar bezogen und blickte mich jetzt mit finsterstem, hasserfülltem Blick an, als würde er gleich gegen mich aufspringen wollen. Welches Malheur wäre da herausgekommen! Dabei wohnt dieser so genannte (auch malaysische oder Schabracken-) Tapir ja gar nicht in Indien. Aber die fatale Verquickung mit dem langen Penis des Tapirs, käme noch ein entsprechendes Frauenbild beim sich irrtümlich angesprochen Fühlenden dazu, könnte in dessen affektivem Assoziationsgefüge recht arg ausarten, in einem Reflex sich entladen, jedenfalls einfach gar nicht gut angekommen sein. Und meine Erklärung, ich hätte »Tapirus indicus« zu mir selber gesagt, verfinge nicht; dem, der mich nicht kennt, kann ich das, fürchte ich, so schnell nicht erklären.

Journal Entry 18 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Wednesday, March 13, 2019
(18) „Sie sind doch der Elefantenmann!“ Es rutschte ihm, dem Sohn einer Indienshop-Besitzerin, so heraus. Es stimmt, ich habe einige Zierelefanten bei ihnen erstanden und war ihnen wohl auch durch mein ausgiebiges Plaudern aufgefallen, in dem es immer wieder auch um Tapire ging, den Unterschied zwischen Elefant und Tapir: „obwohl letzterer hier nicht hergehört in den Indienladen, obwohl andererseits – ‚Tapirus indicus‘…“ Solches Reden kannten sie von mir, ein begleitendes Faseln, wenn ich die neuen Objekte betrachte, die sie aus Indien hergeholt haben.
Zusammengefasst ist es aber zum „Elefantenmann“ worden, und wenn Mutter und Sohn über den komischen Kunden reden, werden sie einfach nur vom „Elefantenmann“ sprechen. Der Tapir hat in ihnen noch nicht begrifflichen Sitz gefunden.

Journal Entry 19 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Thursday, March 14, 2019
(19) Ich finde tapirus nirgends durchdekliniert. Von tapirus,-i – oder von tapirus,-us? LateinerInnen bitte vor! Es gibt ja das Sprichwort: „asinus asinum fricat“ (Ein Esel reibt sich am andern bzw. reibt den andern). Ist es nicht bei tapirus ähnlich?

Journal Entry 20 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Friday, March 15, 2019
(20) Es ist keine Ketzerei, sich „Tapirus“ oder auch „Tapir“ als Vornamen auszudenken. Denn es gibt auch z.B. „Leo“, was „Löwe“ bedeutet. Die Bern- und Eberharde. Sicher noch andere.
Grenzfall: Einer, der sich bemühte, ein Heiliger zu werden, nur damit der Name „Tapirus“ sich verbreitete.

Journal Entry 21 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Saturday, March 16, 2019
(21) Wer würde schon einen Tapir verbessern wollen?
„Angenommen, wir würden […] einer Tierart begegnen, die wir nie gesehen hätten, so würde uns zwar Erstaunen übermannen, aber wir würden nicht sogleich darüber nachgrübeln, wie sie zu verbessern sei.“ (Ernst Jünger)
Äußerst befremdlich wäre ein solcher Tüftler, der etwa am Rüssel des Tapirs sogleich technisch etwas zu verbessern wüsste. Nicht auszuschließen, dass es auf der Welt ein Dutzend solcher Tüftler gibt.

Journal Entry 22 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Sunday, March 17, 2019
(22) TAPIRUS LABORANS. „Niemand kann ihn ermessen, er selbst sich am wenigsten.“ Von wem war die Rede? Vom Tapir natürlich. Er käme auf diese Idee nicht. Obwohl… Er STOCKT manchmal. Wie konnte er im „Gesetz des Dschungels“ bei seiner Größe sich so lange halten? Er, dieser Einsiedler, ist: Tapirus laborans, unwürdig, unberührbar, exemt, man lässt ihn, wozu auch immer es gut sein soll, dahinlaborieren… In schwarz-weißem Hemde, unsäglich. Zweifelhaft? Leerform kommenden Zweifels, prähistorisch perennierende VOR-Form zweifelhaften Seins. Fortseins, Dahinlebens.

Journal Entry 23 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Monday, March 18, 2019
(23) Ad Tapirus kabomani (entdeckt erst 2013): Groß zu sein, dabei harmlos, und durch 30 Millionen Jahre nicht gefressen zu werden, bei perennierender Beibehaltung der Form, unter den „Gesetzen des Dschungels“. Das ist das eine. Groß zu sein und bei allem „Überwachungsstaat“ erst heute überhaupt ENTDECKT zu werden, das andere. Wahrlich, ich sage euch: Noch größere Tapire werden kommen!

Journal Entry 24 by mB-Wunderkammer at Salzburg, Salzburg Austria on Tuesday, March 19, 2019
(24) Schabracken Tapir - Liepāja 27.X.1941
Federzeichnung (226 x 180 mm) von Jan Sermosky
Sammlung © Peter Hodina

Journal Entry 25 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Wednesday, March 20, 2019
(25) „Tapirus, das war keine Stradivarius, auf der die Wiłkomirska, die du gestern gepostet hattest, spielte!“
Der Satz fiel im Traum. Ich wollte widersprechen: „Doch im Vorspann –“
„Pah, im Vorspann! Leichtgläubiger Tipp-Tapp!“

Journal Entry 26 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Thursday, March 21, 2019
(26) Durch das intermittente Alleinsein läuft seit ein paar Tagen die Traumwalze wieder auf Hochtouren. Noch nicht aber das Aufschreiben des Dargebotenen. Das Aufschreiben wirkt immer träumebefördernd. Vergangene Nacht die archetypische Schicht, was ganz selten bei mir ist, berührt. Bilder, die man sonst bloß aus alchemistischen Bildtafeln kennt - wie etwa aus der "Atalanta fugiens" (1617) des Michael Maier. So würde heutzutage kaum mehr geträumt, dachte ich. Zu jener Emblematik müsste die kulturelle Verbindung längst abgerissen sein. Habe mich auch kaum mehr damit befasst - und nie wirklich intensiv. Der letzte Traum aber belieferte mich mit genau solchem Material und stellt insofern eine Ausnahme dar. Ich befinde mich in Rom, vor den Toren Roms, in der Vorstadt, wo das Unkraut wuchert und das Elend haust. Lese im Gehen den Brief eines von mir sehr geschätzten Freundes und Autors, der jedes Jahr zwei Bücher veröffentlicht. Er sei von mir enttäuscht, was mir einleuchtet, da unser früherer intensiver Kontakt auch durch meine Schuld ziemlich abgerissen ist. Ich schätze seine Arbeit sehr, die in erster Linie essayistisch ist und sich als politisch versteht. Er begreift sich stets als geistiger Widerstandskämpfer und spürt weltweit die Widerstandskämpfe auf, hebt die der Vergangenheit ins Licht. Entreißt ihre Namen der Vergessenheit. Nicht nur sei er jetzt enttäuscht von meinem offenbaren Nachlassen im Politischen, wo es gerade heute so nötig wäre, sondern besonders auch meine Bilder, meine Metaphern halte er für unbrauchbar, für puren Kitsch, wenn nicht für Schlimmeres. Mit diesem Brief komme ich vor die Tore Roms hinaus. Sehe auf der Straßenseite links ein engumschlungenes Männerpaar, in elende Kleider gehüllt. Es sieht zuerst so aus, als würde der eine tot, ja bereits in Verwesung übergegangen sein, stehen ihm doch drei gebrochene Rippen offen heraus. Auf Madagaskar gibt es den Brauch, alle paar Jahre die Toten aus den Grüften zu holen, sie auf Stühle zu setzen, ihnen die neuesten Geschichten zu erzählen und ein Fest zu bereiten. So auch erschien mir jener eine der beiden. Da sah ich das Unwahrscheinliche: er lebte noch, umarmt schritten sie durch das Tor nach Rom hinein. Ich eilte ihnen nach, um ihnen Geld zu geben, weil ich meinte, ihnen helfen zu müssen. Es sollte einiges Geld sein, aber einen großen Schein ihnen zu geben, war andererseits nicht ratsam, weil man sie gleich verdächtigen würde, ihn gestohlen zu haben. Also gab ich ihnen den Betrag aufgeteilt in Münzen und kleinere Scheine. Wie ich mich zurückwende, sehe ich rechts vorm Stadttor am Boden jenen etwas verwitterten Tapirkopf aus weißem Marmor stehen, den ich in der Stadt schon lange vermisst hatte. Er war hier abgestellt worden, kaum beachtet, wie ein Grenzstein aus ältester Zeit. Er zeigt einen lachenden Tapir mit unregelmäßigem Gebiss und schräg wegstehendem Rüssel, eine in Stein gehauene Groteske. Dort, wo das Männerpaar gesessen hatte, stand nun eine große hölzerne Kiste, deren Deckel aufsprang, worauf ein Paar mächtiger Löwen ihr entstieg: einer mit goldgrauem, der andere mit silbergrauem Fell. Sie glichen exakt jenen Löwen auf den alchemistischen Tafeln, die Matthias Merian einst verfertigt hatte, was mir im Traum bereits bewusst und von mir mit Staunen quittiert wurde. Eine Gruppe von Personen gruppierte sich um mich herum, alles sehr ärmliche Leute, und wir stellten einander vor. Doch nicht durch Verbeugungen, sondern durch deren Gegenteil: wir stellten uns auf die Zehenspitzen, jeder suchte sich vor dem anderen so groß zu machen wie nur möglich und man feuerte sich gegenseitig an, sich in maximale Höhe zu recken. Dies war mit Heiterkeit verbunden. Die hochgewachsene Frau, die neben mir gestanden und einen Krug auf dem Kopf getragen hatte, lachte am meisten und blühte trotz der Armut in ihrer Kleidung zu einer Halbgöttin auf. Zwei nun sehr elegante ältere Herren in grauen Fracks traten jetzt herbei und stellten mir die Frage: "Bist du Voltaire?" Ich sagte natürlich: "Nein!" Sie nannten noch weitere berühmte Namen, die ich aber vergessen habe, und ich verneinte jedesmal. Dieses Fragen wirkte wie ein Ritual. Am Ende stellte ich mich als der "Peter Hodina" vor, mit klarer, lauter Stimme, der ich ja bin. Die zwei Herren verbeugten sich nun sogar tief.

Journal Entry 27 by wingAnonymousFinderwing at Salzburg, Salzburg Austria on Friday, March 22, 2019
(27) „Viecha homma ghabt, alle Viecha. Des war lustig.“
Die Frau auf der Sitzbank zählte sie auf: Hühner, Kühe, Schweine, Hunde, Katzen. Ihrem Mann sei beim Autofahren schwindlig geworden, er dürfe nun nicht mehr, so sitze er zuhause und fernsehe nur noch. Sie streichelte die Spanieln unaufhörlich. Jetzt habe sie eben einen Freund – das war der Alte, der kaum sprach, fast nicht grinste, der aus dem Rollstuhl ausgestiegen war. Raubvogelhaft der Blick, schließlich aber erheitert durch meine Frage: „Tapire auch?“
Dann kamen einige oberösterreichische Ortsnamen, Tapir war keiner dabei. „A Viech is des? Wia scho gsagt, alle Viecha homma ghabt…“ Von vorn ging die Litanei los. „Auch Schlongan.“
„Gspielt hamma imma mit de drei Hartingerbuam, des war a Gaudi.“

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