Onkel Toms Hütte, Berlin

by Pierre Frei | Mystery & Thrillers |
ISBN: 3453431138 Global Overview for this book
Registered by wingPhysalis74wing of Wedding, Berlin Germany on 9/2/2018
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Journal Entry 1 by wingPhysalis74wing from Wedding, Berlin Germany on Sunday, September 02, 2018





Kurzinhalt:

Besticht nicht nur als Kriminalroman, sondern auch als gesellschaftskritische Betrachtung einer langsam in Vergessenheit geratenden Ära

Berlin im Jahr 1945. Die Alliierten teilen die Stadt unter sich auf, in der der fünfzehnjährige Ben aufwächst, nahe der U-Bahn-Station »Onkel Toms Hütte« in einem von den Amerikanern besetzten Viertel. Ben ist über das Ende des Krieges nicht begeistert, denn jetzt kehren allmählich wieder Ordnung und Disziplin ein. Besonders schmerzlich ist für ihn, dass er nun eigentlich wieder zur Schule gehen müsste, die ihn doch nur ablenkt von seinem großen Vorhaben: Er möchte sich mit allen Mitteln, die einem Jungen in den chaotischen Tagen zwischen Befreiung und Besatzung, Bombardierung und Wiederaufbau, zur Verfügung stehen, seinen ersten Anzug verdienen, um das Mädchen seiner Träume zu beeindrucken. Als er gerade im Bahnhof »Onkel Toms Hütte« zwischen den Gleisen Zigarettenkippen sammelt, stolpert er über eine Leiche – eine junge Frau, die brutal misshandelt und erwürgt wurde. Inspektor Dietrich, der mit dem Fall betraut wird, stellt bald fest, dass er nach einem Serientäter fahnden muss, denn in kurzer Folge werden drei weitere Opfer aufgefunden, alle weiblich, blond und blauäugig. Es zeigt sich, dass diese Frauen – eine UfA-Schauspielerin, eine Psychiatriekrankenschwester, eine Prostituierte und eine junge Adelige im Auswärtigen Amt – die Kriegsjahre mit viel Mut, Leidensfähigkeit und Willenskraft überstanden hatten und dennoch kurz nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs elend zu Tode kamen.

Vier junge Frauen werden im Nachkriegs-Berlin brutal geschändet und ermordet. Doch die neuen Machthaber scheinen zunächst kein großes Interesse an der Aufklärung der Taten zu haben, denn die Toten sind »Verlierer«. Deutsche, die die Welt in ein großes Unglück gestürzt haben. Der deutsche Inspektor Dietrich versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten, einem bestialischen Mörder das Handwerk zu legen, doch er stößt immer wieder an die Grenzen, die ihm ein verlorener Krieg diktiert.

Die Erzählung, immer wieder unterbrochen durch die Schilderung der Lebenswege der Opfer, erhält Tempo, als klar wird, dass bereits vor dem Krieg ein Mörder an gleicher Stelle und in gleicher Weise sein Unwesen trieb. Doch die damaligen Machthaber hatten kein Interesse daran, dass die Untaten an die Öffentlichkeit gerieten. Schließlich hatten sie sich »den reinen und ehren Menschen« auf die Fahnen geschrieben und ein Sexualmörder passte nun mal nicht in dieses Bild.

Mit der Geschichte von Jutta, der fünften Frau, wird der Höhepunkt eingeleitet. Schließlich ist es am Ende dem Sohn des Inspektors und der Liebe eines einflussreichen US-Offiziers zu einem deutschen Mädchen zu verdanken, dass der Täter überführt werden kann.

Eine Gradwanderung zwischen Klischee und überlieferter Authentizität beschreitet der Autor in seinem Nachkriegskrimi, der im zerbombten Berlin nach dem verlorenen 2. Weltkrieg spielt. Ein deutscher Kriminalkommissar kämpft gegen einen grausamen Mörder, der Ignoranz der Besatzungsmächte und den widrigen Umständen, die sich aus der Verachtung der Sieger gegenüber den Verlierern ergeben. Mangelwirtschaft auf dem Revier, bei den Fahrzeugen, bei der Ausstattung und bei den Einsätzen begünstigen einen Sexualstraftäter, der es auf einen ganz bestimmten Frauentyp abgesehen hat. Vier Frauen sterben. Allesamt starke Frauen, deren Geschichten als Rückblenden in das Buch einfließen.

Und genau hier liegt einer meiner Kritikpunkte, denn das Buch beginnt in seiner Exposition mit dem Fund einer Frauenleiche am Bahnhof Onkel Toms Hütte. Erste Ermittlungen der deutschen Polizei als auch der amerikanischen Besatzungsmächte werden in die Wege geleitet und plötzlich befindet man sich in den Vorkriegsjahren mitten in einer ländlichen Idylle und mitten im Leben des ersten Opfers.

Dort nämlich, beginnt der Schriftsteller mit der Erzählung des Leidensweges seiner ersten Leiche. Da in diesem Buch vier Leichen gefunden werden, ist die Systematik des Autors leicht zu durchschauen. Den Morden folgen Ermittlungen und diese werden immer wieder mit den langen aber glücklicherweise kurzweiligen Erzählungen aus dem Leben der Opfer kurz vor und auch während des Krieges unterbrochen. Das lässt natürlich die Spannung immer wieder in den Keller absinken. Die einzelnen Geschichten jedoch sind flüssig und auch fesselnd erzählt, denn hinter jeder dieser ermordeten Frauen verbirgt sich ein außergewöhnliches und erzählenswertes Schicksal.

So ist das erste Opfer eine Filmschauspielerin, die sich zunächst der Karriere willen den neuen Machthabern bedingungslos unterordnet, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Bis sie schließlich erkennen muss, welchem Unrechtsregime sie mit ihren »deutschen« Filmen dient. Denn durch eine unbedachte Äußerung trägt sie die moralische Schuld am Tod einer Freundin. Der Krieg endet und erneut keimt Hoffnung in ihr auf. Ein alter Bekannter taucht auf und bald schon wähnt sie sich wieder auf der Sonnenseite des Lebens, denn ein neuer Film ist geplant. Doch dann, mitten in die aufkeimende Hoffnung schlägt ein unbekannter Sexualmörder zu. Auch die Geschichten der drei weiteren Leichen laufen in einem ähnlichen Muster ab, so dass die eigentliche Krimierzählung bei dem seitenreichen Werk kaum 100 Seiten umfasst.

Kurz vor dem Ende erzählt er einen fünften Leidensweg, den Leidensweg von Jutta, mit dem gleichzeitig das Ende der aufregenden Jagd eingeleitet wird.

Zusätzlich zu den Geschichten der Frauen lässt der Autor eine Nebenhandlung einfließen, in der er die Erlebnisse eines Jungen – dem Sohn des Kommissars – erzählt, der sich mit kleinen Schwindeleien und Gaunereien die kleinen und schönen Dinge des Lebens in einer Welt des Kampfes ums Überleben zu erschleichen versucht. So bin ich mir manchmal nicht mehr ganz sicher, einen Kriminalroman in den Händen zu halten, sondern vielmehr eine typische Nachkriegserzählung mit allen – vielleicht sogar wahren – Klischees dieser Zeit.

Kurz gesagt hätte ich mir etwas mehr Krimi gewünscht und etwas weniger Schilderungen der Lebenswege der ermordeten Frauen. Zumal diese Rückblenden den Lesekomfort eingeschränkten und die (Krimi)Spannung darunter litt. Komischerweise kann ich aber nicht behaupten, dass der Roman nicht lesenswert ist. Ich muss sogar zugeben, dass das Buch mich zuweilen gefesselt hat. Jedoch besticht »Onkel Toms Hütte, Berlin«, weniger als Kriminalroman, sondern eher als gesellschaftskritische Betrachtung einer langsam in Vergessenheit geratenden Ära. Klischee hin oder her, vielleicht liegt es auch ein bisschen an der Neugier meiner Generation, die den Krieg und die damalige Zeit nur vom Hörensagen oder aus den Erzählungen des Großvaters kennen.


über den Autor:

Pierre Frei , Jahrgang 1930, wuchs auf im Viertel um den Berliner U-Bahnhof »Onkel Toms Hütte« auf, den er als Hintergrund für diesen Roman wählte. Seine ersten Kurzgeschichten veröffentlichte er als 16-jähriger Gymnasiast. Das folgende Studium der Publizistik verdiente er sich mit Zeitungs- und Rundfunkreportagen. Den ersten Roman des 23-jährigen Pernod wächst nicht auf Bäumen erschein mit beachtlichem Erfolg in der Münchner Illustrierten. Als freier Auslandskorrespondent berichtete der Autor später aus Rom, Kairo, New York und London, ehe er sich auf seine Farm in Wales zurückzog. Seit 1990 lebt der passionierte Reiter auf seinem Chateau im Südwesten Frankreichs.



Released 2 mos ago (9/17/2018 UTC) at Bahnhof Eutingen im Gäu (Neuer Bahnhof) in Eutingen im Gäu, Baden-Württemberg Germany

WILD RELEASE NOTES:


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Journal Entry 3 by wingMaranasewing at Eutingen im Gäu, Baden-Württemberg Germany on Friday, September 21, 2018
Freue mich über diesen historischen Berlin Krimi, der seinen Platz zwischen anderen Krimis von Goga und Bosetzky finden wird.

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