Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers

by Stefan Zweig | Biographies & Memoirs |
ISBN: 9783596211524 Global Overview for this book
Registered by winglitrajunkiewing of Pretzfeld, Bayern Germany on 4/9/2018
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Journal Entry 1 by winglitrajunkiewing from Pretzfeld, Bayern Germany on Monday, April 09, 2018
Gestern anläßlich der Eröffnung der Eissaison aus der Gartenstadt - Rote Telefonzelle in Bamberg, Bayern, Germany befreit. In meinem Exemplar fehlen die ersten Seiten, es beginnt erst auf Seite 23.

Mein Foto zeigt das Untere Belvedere in Wien.

Zwischen einem Vorwort und einem Namensregister enthält das autobiografische Buch folgende Kapitel:
* Die Welt der Sicherheit
* Die Schule im vorigen Jahrhundert
* Eros Matutinus
* Universitas vitae
* Paris, die Stadt der ewigen Jugend
* Umwege auf dem Weg zu mir selbst
* Über Europa hinaus
* Glanz und Schatten über Europa
* Die ersten Stunden des Krieges von 1914
* Der Kampf um die geistige Brüderschaft
* Im Herzen Europas
* Heimkehr nach Österreich
* Wieder in der Welt
* Sonnenuntergang
* Incipit Hitler
* Die Agonie des Friedens

Klappentext
Erinnerungen an die Welt von Gestern - an die bürgerliche Welt, die in zwei Weltkriegen unterging. Erinnerungen an das alte Wien und an ein unstetes Leben: Europa auf der Flucht vor sich selbst. Stefan Zweigs Lebensgeschichte und zugleich die seiner Generation.

Journal Entry 2 by winglitrajunkiewing at Pretzfeld, Bayern Germany on Monday, November 05, 2018
Dieser Zufallsfund hat mich gepackt, ergriffen und erschüttert wie schon lange kein Buch mehr. Der Kosmopolit und überzeugte Europäer Stefan Zweig schildert uns Jüngeren, wie die Welt vor 1914 aussah. Darüberhinaus zeigt er, wie im Vorfeld des Ersten Weltkriegs durch Propaganda die Bevölkerung in die Kriegsbegeisterung getrieben wurde. Unter dem Schreckgespenst der deutsch-französischen Erbfeindschaft zogen dies- und jenseits der Grenze Millionen junger Männer singend und mit Blumen geschmückt unter dem Beifall ihrer Landsleute auf die Schlachtbank bzw. in die Schützengräben.

Die schreckliche Verelendung nach dem Kriegsende wird mit der ganzen Sprachkraft eines weltberühmten Schriftstellers so realistisch dargestellt, daß es einem eiskalt den Rücken hinunterläuft. Dazu kamen noch die Folgen der Hyperinflation (in Deutschland 1923, in Österreich schon früher), die der Bevölkerung einerseits die Republik/Demokratie verleideten und andererseits die Sehnsucht nach einem "starken Mann" weckten, der endlich wieder für Ruhe und Ordnung sorgt und die Ungerechtigkeiten beseitigt.

Die Vorzeichen der nationalsozialistischen Diktatur und die Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg werden ebenso eindringlich geschildert. Diesmal ist der Prügelknabe nicht Frankreich und der "perfide Albion", sondern ein sehr einfaches Motto soll alles lösen: "Die Juden sind unser Unglück". Man kann nicht umhin, Parallelen zur heutigen Zeit zu ziehen: "Merkel muß weg" - und wenn das nicht reicht, dann haben wir eben die Flüchtlinge an der Grenze mit Waffengewalt abzuwehren. Zum Andenken an die humanistische Einstellung des Autors und um ein Zeichen gegen Rassismus und Nationalismus zu setzen, habe ich diesen Kommentar mit der Europaflagge versehen; die Europäische Union mag manche Fehler haben und viel Optimierungspotential, trotzdem hat diese Institution es den Menschen ermöglicht, ihre Ziele auf dem Verhandlungswege und durch Kompromisse zu erreichen, unendlich viel besser als durch Erpressung, Gewalt und Krieg.

Zweig und sein internationaler Freundeskreis aus berühmten Leuten (darunter Sigmund Freud, Romain Rolland und Walter Rathenau) tun im Rahmen ihrer jeweiligen schriftstellerischen, publizistischen, wissenschaftlichen und politischen Tätigkeit ihr Möglichstes, erreichen aber nicht genügend Wirkung, um den tief in jedem Menschen sitzenden Urtrieb zur Zerstörung in hinreichend vielen Mitmenschen zu stoppen.

Gegenüber dem Zweig'schen Haus, jenseits der Grenze und doch in Sichtweite, rüstet Hitler zu einer bisher in der Geschichte beispiellosen Gewaltorgie, jedes Recht und jede Gepflogenheit mit Füßen tretend, sobald die Machtansprüche der Nazis dadurch behindert würden, dabei stets schlau taktierend und paktierend, denn man wird sich später ohnehin nicht an die gegebenen Versprechen halten. Auf solcher Basis können die Verhandlungspartner nicht wirksam dagegenhalten, der Weg in den Krieg ist unausweichlich. Immer wieder weist der Autor darauf hin, wie wenig man selbst in großer räumlicher Nähe zu wichtigen Ereignissen eigentlich erfährt. Ausländische Zeitungen wissen mehr als er, der er doch nur ein paar Straßenzüge weiter sich aufgehalten hat.

Obwohl Autor von Weltgeltung (seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt) und materiell gesichert, nimmt ihn die ständige Flucht und Neugründung eines Hausstandes zusammen mit dem Untergang seiner geistigen Heimat (der deutsche Sprachraum ist - mit Ausnahme der Schweiz - komplett im Würgegriff der Diktatur) so mit, daß er keinen Ausweg als den Freitod sieht. Ein Faksimile des Abschiedsbriefs ist auf dem Titel des Buches wiedergegeben.

Markantes Zitat
In der Tat, nichts vielleicht macht den ungeheuren Rückfall sinnlicher, in den die Welt seit dem Ersten Weltkrieg geraten ist, als die Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit des Menschen und die Verminderung seiner Freiheitsrechte. Vor 1914 hatte die Erde allen Menschen gehört. Jeder ging, wohin er wollte und blieb, solange er wollte. Es gab keine Erlaubnisse, keine Verstattungen, und ich ergötze mich immer wieder neu an dem Staunen junger Menschen, sobald ich ihnen erzähle, daß ich vor 1914 nach Indien und Amerika reiste, ohne einen Paß zu besitzen oder überhaupt je gefragt zu werden, man hatte nicht ein einziges von den hundert Papieren auszufüllen, die heute abgefordert werden. Es gab keine Permits, keine Visen, keine Belästigungen; dieselben Grenzen, die heute von Zollbeamten, Polizei, Gendarmerieposten dank des pathologischen Mißtrauens aller gegen alle in einen Drahtverhau verwandelt sind, bedeuteten nichts als symbolische Linien, die man ebenso sorglos überschritt wie den Meridian in Greenwich. Erst nach dem Krieg begann die Weltverstörung durch den Nationalismus, und als erstes sichtbares Phänomen zeitigte diese geistige Epidemie unseres Jahrhunderts die Xenophobie: den Fremdenhaß oder zumindesten die Fremdenangst. Überall verteidigte man sich gegen den Ausländer, überall schaltete man ihn aus. All die Erniedrigungen, die man früher ausschließlich für Verbrecher erfunden hatte, wurden jetzt vor und während einer Reise jedem Reisenden auferlegt. Man mußte sich photographieren lassen von rechts und links, im Profil und en face, das Haar so kurz geschnitten, daß man das Ohr sehen konnte, man mußte Fingerabdrücke geben, erst nur den Daumen, dann alle zehn Finger, mußte überdies Zeugnisse, Gesundheitszeugnisse, Impfzeugnisse, polizeiliche Führungszeugnisse, Empfehlungen vorweisen, mußte Einladungen präsentieren können und Adressen von Verwandten, mußte moralische und finanzielle Garantien beibringen, Formulare ausfüllen und unterschreiben in dreifacher, vierfacher Ausfertigung, und wenn nur eines aus diesem Schock Blätter fehlte, war man verloren.
S. 294

Journal Entry 3 by winglitrajunkiewing at Bücherschrank in Rüsselsheim, Hessen Germany on Friday, November 09, 2018

Released 2 yrs ago (11/9/2018 UTC) at Bücherschrank in Rüsselsheim, Hessen Germany

WILD RELEASE NOTES:

Am 80. Jahrestag der "Reichskristallnacht" lasse ich dieses autobiografische Werk eines der Bücherverbrennung zum Opfer gefallenen Schriftstellers frei.

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