Mein Herz so weiß

by Javier Marías | Literature & Fiction |
ISBN: 3453130693 Global Overview for this book
Registered by wingBooklover-IGBwing of Sankt Ingbert, Saarland Germany on 4/5/2018
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Journal Entry 1 by wingBooklover-IGBwing from Sankt Ingbert, Saarland Germany on Thursday, April 05, 2018
Klappentext:
Teresa und Ranz sind eben erst von der Hochzeitsreise zurückgekehrt. Im Hau der Eltern der Braut sitzt man bei Tisch, als die junge Frau unvermutet aufsteht, ins Bad geht und sich ins Herz schießt.
Mit diesem dramatischen Auftakt beginnt Javier Marías' raffiniert inszenierter Roman über Liebe und Ehe, über Treue und Schwüre. Vierzig Jahre sind nach dem unerklärlichen Selbstmord vergangen. Ranz hat kurz darauf wieder geheiratet, und sein Sohn Juan ist es, der dem Geheimnis nachspürt. Am Ende erfährt er die schreckliche Wahrheit.

Journal Entry 2 by wingBooklover-IGBwing at Saarbrücken, Meet-up -- Controlled Releases on Friday, October 11, 2019

Released 1 mo ago (10/11/2019 UTC) at Saarbrücken, Meet-up -- Controlled Releases

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Das Buch hat mich zum heutigen Meet up begleitet.

Journal Entry 3 by t-tower at Saarbrücken, Saarland Germany on Sunday, October 13, 2019
Beim Saarlandmeetup in Saarbrücken erspäht und sofort für meinen Stapel ungelesener Bücher konfisziert. Vielen Dank für's mitbringen und weitergeben.

Journal Entry 4 by t-tower at Morsbach, Nordrhein-Westfalen Germany on Saturday, October 26, 2019
Was nun?

Lady Macbeth spricht die Worte aus, denen der Titel des Romans entlehnt ist, «I shame to wear a heart so white». Sie hat den Mord an Duncan nicht begangen, ihr Herz ist weiß, aber sie hatte dazu angestiftet, eine Schuld, die sie letztendlich in den Selbstmord treibt. Dies ist auch das Hauptmotiv des vorliegenden Romans, der wie mit einem Paukenschlag beginnt, dem Selbstmord einer jungen Frau unmittelbar nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise. Niemand wird das Buch aus der Hand legen, bevor er nicht erfahren hat, was die Ursache war für diese rätselhafte Verzweiflungstat, der Autor hat seine Leser also fest an der Angel, und das bis zum Schluss.

Es geht um die Macht der Worte in diesem Roman, um die Sprache als Werkzeug, um ihre Auswirkung auf das Geschehen. Ich-Erzähler Juan ist Dolmetscher von Beruf, Worte sind also sein Metier, von ihm überaus virtuos beherrscht. Er arbeitet für internationale Organisationen, ist dauernd unterwegs zwischen seiner Heimatstadt Madrid und New York, Genf, Brüssel. Bei einem seiner Aufträge lernt er Luisa kennen, die ihm als Ko-Dolmetscherin beigestellt ist, seine Übersetzung also überwachen muss. Amüsant zu lesen, wie der Small Talk zwischen zwei drögen Staatslenkern mangels Gesprächsstoff peinlich zu werden droht, wie Juan plötzlich, abweichend von den Politikerworten, eine ganz andere Frage stellt Luisa greift zum Glück nicht ein und damit erst wirklich ein sinnvolles Gespräch in Gang bringt. Als er später Luisa heiratet, nimmt ihn sein Vater bei der Hochzeitsfeier zur Seite und fragt lapidar: «Was nun»? Ehe und Liebe mit allen ihren Gefährdungen sind ein weiteres dominantes Thema dieses Romans, dargestellt an den deprimierenden, zum Scheitern verurteilten, letztendlich rein sexuellen Männerkontakten von Juans New Yorker Kollegin über die drei Ehen seines lebensgierigen Vaters Ranz bis hin zu seiner eigenen, jungen Ehe, die wenig emotional, eher cool dargestellt wird. Ranz ist im berühmten Prado-Museum angestellt, verfasst nebenbei private Gutachten über Gemälde und tätigt mancherlei dubiose, juristisch grenzwertige Geschäfte auf eigene Rechnung. Neben den Details aus der Dolmetscher-Szene erfährt der Leser also auch viel Interessantes aus der Welt der Malerei und der Museen, von Fälschern und von Kunst-Spekulanten.

Der raffiniert aufgebaute Plot ist in einer anspruchsvollen Sprache geschrieben, die mit langen Satzkaskaden und häufig zusätzlich (in Klammern) eingefügten Anmerkungen alles andere als leicht lesbar ist. Das Geschehen ergibt sich zum überwiegenden Teil direkt aus den Schilderungen des Ich-Erzählers, die Geschichte ist auffallend dialogarm aufgebaut. Weite Passagen des Romans werden in Form des Bewusstseinsstroms erzählt, und oft handelt es sich dabei um ausgesprochen kontemplative Einschübe. Dezidiert leitmotivisch erscheinen mehrmals rätselhafte, nächtliche Beobachter auf der Straße, wartend zu einem Fenster hinaufschauend. Auch das Feuer wird als Leitmotiv verwendet, und das Macbeth-Motiv taucht ebenfalls ein zweites Mal auf, vorspielartig gleich zu Beginn.

«Ich wollte es nicht wissen» beginnt der erste Satz des Romans.Die Wahrheit enthüllt sich weitgehend zufällig durch Gespräche, die unversehens Licht in die düstere Vergangenheit bringen. Auch Juan fragt sich am Ende: «Was nun»? Der Wirkung all dessen kann sich der Leser nur schwer entziehen.

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