Die Stimmen des alten Meeres

by Norman Lewis | Literature & Fiction |
ISBN: Global Overview for this book
Registered by birgit2604 of Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg Germany on 12/17/2017
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Journal Entry 1 by birgit2604 from Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg Germany on Sunday, December 17, 2017
Das Fischerdorf Farol, in der die Menschen dieses Buches zuhause waren, gibt es nicht mehr. Vermutlich liegt es unter Tonnen von Beton, mit denen Spaniens Küsten heute nur allzu oft zugeschüttet sind. Es gibt wohl auch niemand mehr, der sich an das alte Farol erinnert, auch der Autor dieses Buches, das wahrscheinlich nur wenige lesen werden, ist vor fast zehn Jahren hochbetagt gestorben. Norman Lewis war Schriftsteller und Reisejournalist, der in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg drei Sommer in diesem katalanischen Fischerdörfchen lebte und das keimende Pflänzchen Tourismus an der Costa Brava unter der Knute Francos von Beginn an sprießen sah. In den 1980er Jahren veröffentlichte er sein von leiser Wehmut durchwobenen romanhaften Bericht, der von den Menschen von Farol handelt, von den Fischern und ihren Familien, die ein hartes, archaisches und armes Leben führten und von jenen aus dem landeinwärts gelegenen Bauerndorf Sort, die unter der Knechtschaft ihrer Feudalherren das karge Land bestellten und die Korkeichen bewirtschafteten. Das 'Katzendorf' der Fischer und das 'Hundedorf' der Bauern, zwei nahe beieinanderliegende Dörfer, nahezu abgeschnitten vom Rest der Welt, aufeinander angewiesen und komplex verfeindet, ihre in Jahrhunderten ausgebildeten Bräuche und Sitten pflegend, die man achten und beachten musste, wollte man als Fremder auch nur den Hauch einer Chance haben, ein wenig dazuzugehören. Norman Lewis ist das gelungen, und so bringt uns dieses Buch das Leben an der Küste der Costa Brava nahe, wie es war, bevor der vor knapp einem Menschenalter einsetzende Tourismus, dessen Auswüchse heute beispielsweise in Lloret de Mar massengünstig besichtigt werden können, alles überflutete. Zu der Zeit, als sich Norman Lewis bemühte, das Vertrauen der Fischer von Farol zu gewinnen, lebten in Lloret de Mar 3000 Menschen, in Farol viel weniger.

Der Alltag, den der Autor schildert, ist aus heutiger Sicht unfassbar hart. Aber da er aus der Sicht eines privilegierten Ausländers geschildert wird, eines Mannes ohne Anhang, der mit ausreichenden Mitteln versehen war und die Winter im zivilisierten England mit all seinen kulturellen Zerstreuungen verbrachte, sieht man ihm seine romantischen Einsprengsel nach. Die kaum berührte Landschaft, die wilde Küste, das Meer, ich kann es mir ausmalen, aber nie mit den Augen eines katalanischen Fischers sehen, der dem Meer seinen kargen Lebensunterhalt abtrotzen musste, vom Auftauchen der Fischschwärme abhängig war und dessen Lebenserwartung bei ungefähr 45 Jahren lag. Lewis durfte sich nach Männerart bewegen und brachte es mit Hilfe seines Freundes Sebastian, des Schwiegersohns seiner Hauswirtin, der sich kein Kind leisten konnte, keine Möbel und schon gar kein eigenes Heim, zum respektablen Fischer. Auch sein Blick aufs Meer veränderte sich. Aus dem Blickwinkel einer Frau oder eines Kindes erscheint das damalige Leben noch schrecklicher, da ist es auch kein Trost, dass die Fischer abends ihre Erlebnisse beim Wein in der einzigen Bar in poetische Verse zu fassen verstanden. Anrührend, aber den Frauen natürlich niemals zugänglich. Keine setzte einen Fuß in die Bar, die Männer mieden dafür die Kirche. Der Aberglaube hatte alle zusammen fest im Griff. Lederschuhe, Ledersachen waren für alle tabu und so weiter und so weiter...

Als sich der weitsichtige Glücksritter und einflussreiche Schwarzmarkthändler Muga in der von der Natur schwer gebeutelten Gegend niederließ und dem beginnenden Tourismus listig gegen den Widerstand der veränderungsunwilligen Menschen im Ort durchzusetzen begann, war das Schicksal des Fischerorts besiegelt, seine Traditionen dem Untergang geweiht und die uralte Art zu Leben nur noch Folklore. Auch Sebastian erlag dem Ruf des leicht zu verdienenden Geldes: Ihn fand Lewis im dritten Jahr hinter der Rezeption des ersten Hotels in Farol wieder. Er bewohnte einen Bungalow Mugas, seine Frau war schwanger - nur zum Hinausfahren aufs Meer hatte er keine Zeit mehr. Der Bürgermeister brachte es so auf dem Punkt: "...daran kann man unseren moralischen Verfall ermessen. Obwohl wir inzwischen von diesen Leuten leben, können wir sie nicht ausstehen. Und warum nicht? Weil wir das hassen, was sie mit uns machen.'" Und der Priester: "Wenn eine Illusion stirbt, wird eine Hoffnung geboren. Er hat soviel Recht auf seine Hoffnung, wie wir auf unsere Resignation."

So endet das Buch und mir wird wieder einmal klar, dass die 'guten alten Zeiten' immer nur in unserer Fantasie existieren. Jede Zeit hat ihren Preis, ihre Schatten, ihr Glück, mal mehr, mal weniger. Das ist alles. Dieses Buch ist dennoch sehr lesenswert, spannend, dieser Rückblick auf den Beginn des Tourismus in Spanien, den die meisten von uns nicht (mehr) selbst erlebt haben. Dem nächsten Ober, der nächsten Kellnerin in Katalonien werde ich genau ins Gesicht sehen, sofern sie überhaupt zu den selten werdenden Einheimischen in diesem Metier zählen, wo längst schon andere Verzweifelte, die noch billiger sind, auf dem Vormarsch sind. Es könnten die Gesichter der Sebastians, der Juans, der Marias, der Carmelas sein, die von ihren Großeltern oder gar Urgroßeltern und deren Lebensweise vielleicht gar nichts mehr wissen. Si se't tanca una porta, Déu t'obre un portal.

Helga Kurz
19. Mai 2012

Journal Entry 2 by birgit2604 at Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg Germany on Sunday, December 17, 2017

Released 1 yr ago (12/17/2017 UTC) at Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg Germany

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Das Buch reist als S-L Buch im Monat Dezember der Reihe ABC Überraschungsbuch weiter.

Journal Entry 3 by Büchelei at Aschaffenburg, Bayern Germany on Friday, December 22, 2017
Danke schön! Ich weiß noch nicht, wann ich es lesen werde, aber es hört sich interessant an.
Vielen Dank auch für die weihnachtliche Verpackung und das nette Lesezeichen!

Journal Entry 4 by Büchelei at Aschaffenburg, Bayern Germany on Sunday, August 12, 2018

Released 1 yr ago (8/12/2018 UTC) at Aschaffenburg, Bayern Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Kommt mit zum Meet-up.

Journal Entry 5 by wingkrimtangowing at Frankfurt am Main, Hessen Germany on Sunday, August 12, 2018
Bei kittybrombeeres Abschiedsmeetup von Aschaffenburg habe ich das Buch unter den großen Stößen entdeckt und für lesenswert befunden. So hüpfte es gleich in meine Tasche und wird bestimmt gelesen, wenn auch nicht gleich.

Journal Entry 6 by wingkrimtangowing at Frankfurt am Main, Hessen Germany on Sunday, September 08, 2019
Eigentlich ein schönes Buch, aber bei mir passt es wohl gerade gar nicht. Dafür müsste ich lange Tage im Strandkorb liegen und einfach weiterlesen können; aber abends fallen mir nach ein paar Seiten doch immer wieder die Augen zu, deswegen breche ich jetzt nach 8 Tagen und 102 Seiten (von 321) einfach ab.

Journal Entry 7 by wingkrimtangowing at Bücherkette, A Bookcrossing member -- Controlled Releases on Wednesday, September 11, 2019

Released 1 wk ago (9/11/2019 UTC) at Bücherkette, A Bookcrossing member -- Controlled Releases

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Das Buch reist im Rahmen der ABC-Überrschungskette für die Buchstaben D und N zu ???
Nun wünsche ich dir ganz viel Spaß beim Lesen!
Liebe Grüße,
krimtango

Journal Entry 8 by lissjen at Kroppach, Rheinland-Pfalz Germany on Thursday, September 12, 2019
Heute als Überraschungsbuchkettenbuch N-D bei mir eingetroffen....bin noch unschlüssig, ob es etwas für mich ist....werde es bei Gelegenheit mal anlesen.
Vielen lieben Dank krimtango

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