Wo die Zeit auf Urlaub geht

Registered by litrajunkie of Pretzfeld, Bayern Germany on 7/10/2015
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Journal Entry 1 by litrajunkie from Pretzfeld, Bayern Germany on Friday, July 10, 2015
Während der Mittagspause zufällig auf einem Jedes-Buch-1-Euro-Wühltisch in der Bamberger Promenadenstraße entdeckt.

Meinem Exemplar ist der Schutzumschlag abhanden gekommen.

Inhalt
* Ein fremdes Land?
* Große kleine Stadt [Dublin]
* Ein weiser Rebell [Eamon de Valera]
* Das Land ist grün
* Die Feen wohnen unter der Kirchentür
* Die alten Märchen
* Arme Leute, reiches Land
* Feindliche Brüder [Irland und Großbritannien]
* An der Grenze [zu Nordirland]
* Bei den Puritanern [Belfast, Londonderry, Giant's Causeway]
* Unter Ruß und Rauch [Belfast]
* Der Statthalter Englands [Lord Brookeborough]
* Eine Liebeserklärung
* Landkarte
* Namen- und Sachregister
* Biografie des Autors

Journal Entry 2 by litrajunkie at Pretzfeld, Bayern Germany on Wednesday, April 18, 2018
Deswegen liebe auch ich Irland, dieses äußerste, letzte Vorwerk des Abendlandes vor dem Beginn des Atlantik und der anderen Welt. Weil es noch immer ein Land der Menschen ist und nicht der Maschinen, ein Land der einzelnen und nicht der Massen, ein Land der Unterhaltungen und nicht der Telefongespräche. Weil es eine Insel ist, die noch zu Europa gehört, aber eine Insel nicht wie der Kontinent unter der Diktatur, sondern am Rande der Zeit.

Mit dieser "Liebeserklärung", die ich meiner Rezension gerne voranstellen möchte, schließt das Buch auf Seite 213. Der Autor setzte mit der Fähre von Liverpool nach Dublin über, umrundete im Uhrzeigersinn die ganze "Insel der Elfen, Esel und Rebellen" (so der Untertitel des Buches) und kehrte von Belfast wieder nach Großbritannien zurück. Wieviel von den letzten Sätzen, die im Erscheinungsjahr des Buches (1954) sicher ihre Berechtigung hatten, mag heute noch gültig sein, nachdem die Republik Irland seit Jahrzehnten Uncle Sam als Brückenkopf in die EU diente und jede große amerikanische Firma dort ihre europäische Vertretung unterhält? Nicht mehr allzuviel, fürchte ich, auch wenn ich den schlauen Iren eine Menge Beharrlichkeit zutraue und der Autor selbst schreibt, daß sie oft aus Prinzip dagegen sind - weniger aus sachlichen Gründen, sondern einfach aus Lust an der Opposition.

Eine Kollegin von mir hat ein Jahr in Irland studiert; laut ihren Angaben waren die Gasteltern "sehr nette Leute, aber immer besoffen" (nicht im Vollrausch, wohlgemerkt, aber stets so viel, daß die rauhe Wirklichkeit ihre harten Kanten verlor). Jedes Klischee enthält einen wahren Kern - so schätzt man süffiges Stout und den milden irischen Whiskey nicht umsonst auch auf dem Kontinent. Die sprichwörtliche Musikalität und Fabulierlust der Söhne und Töchter Erins wird gelobt, ebenso ihre Gastfreundschaft, häufig genug ist sie umgekehrt proportional zu ihrem Einkommen.

Nicht verschwiegen wird, daß das Leben in einer malerischen strohgedeckten Kate zwar romantisch, aber auch sehr unbequem ist - man muß das Wasser vom Brunnen holen und die Wärme kommt vom Torffeuer, das charakteristisch duften, in feuchten Zeiten (und es regnet oft in Irland) aber auch ganz gemein rauchen kann. Der Norden, also "the six counties" unter britischer Herrschaft, kommt nicht so gut weg. Zu streng sind die kalvinistischen Sitten, zu stark die Reglementierung des Tages durch Stechuhr und Fabriksirene, zu grau die abgearbeiteten Gesichter.

Ich wage einen Vergleich mit meiner Wahlheimat, der Fränkischen Schweiz. Auch hier lebte man lange Zeit weltabgeschieden, die Landwirtschaft reichte auf den karstigen Höhen des Jura nicht zum üppigen Leben aus, so daß der Tourismus ein willkommenes Zubrot bot. Im Tal, bei den reicheren "Gründern", war dieses Zusatzeinkommen zusammen mit den besseren Ernten schon so gut, daß in den 1960er und 1970er Jahren eine Reihe herrlicher Fachwerkbauten verputzt, mit Eternit verschandelt - Verzeihung, verschindelt wollte ich sagen - oder gar durch häßliche Betonburgen ersetzt wurde. Wo die Leute ärmer waren, konnten sie sich solche Bausünden nicht leisten und daher sind die Juradörfer auch heute noch durchweg schöner geblieben. Unser Nachbarland Österreich war ebenfalls nicht so schnell bei der Anpassung an die modernen Zeiten. Das führte einerseits zu den überheblichen "Ösi-Witzen", andererseits spricht aus denen auch so etwas wie Neid auf eine Bevölkerung, die sich selbst treuer geblieben ist und heute leichter zu nachhaltigen Wirtschaftsmethoden zurückfindet als wir in Deutschland, die den rasenden Tanz ums goldene Kalb allzu bereitwillig mithopsen.

Ganz sicher ist dieses Buch dazu angetan, einem selbst Fernweh (bzw. das Heimweh nach der Grünen Insel) einzuflüstern, so daß man angeregt wird, sich dort einmal selbst umzusehen - bzw. bereits vorhandene Reiselust erheblich gesteigert wird.

Journal Entry 3 by litrajunkie at Bamberg, Bayern Germany on Thursday, July 26, 2018

Released 1 yr ago (7/26/2018 UTC) at Bamberg, Bayern Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Macht sich in der Box "Meeresrauschen" auf zu Cohnina. Ich wünsche viel Freude an der Lektüre und bedanke mich, dass ich an der Box teilhaben durfte.

Warum dieses Buch?
Irland ist eine Insel.

Warum dieses Bild?
Was könnte besser zu Irland passen als mein Foto einer Harfe.

Journal Entry 4 by Cohnina at Aldenhoven, Nordrhein-Westfalen Germany on Friday, August 17, 2018
Esel und Irland - eine schöne Kombi, wie ich finde. Außerdem machte es beim Durchblättern den Eindruck mit viel Liebe für Land & Leute geschrieben worden zu sein. Darum steigt es bei mir aus der Box "Meeresrauschen" aus.

Journal Entry 5 by Cohnina at Aldenhoven, Nordrhein-Westfalen Germany on Monday, June 22, 2020
Bevor man das Buch liest, sollte man etwas über den Autor wissen:
Peter Grubbe ist das "Pseudonym" von Claus Peter Volkmann.
"Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war er im besetzten Polen unter anderem an der Deportation von Juden in die Vernichtungslager beteiligt. Nach Kriegsende war er in Westdeutschland lange Jahre unter falschem Namen als Journalist und Sachbuchautor erfolgreich, bis seine Identität und Vergangenheit enttarnt wurden." - Quelle Wikipedia

Mit diesem Hintergrund bekommen manche Stellen im Buch ein gewisses Geschmäckle ...
(Der interviewte De Valera war übrigens auch der einzige Regierungschef weltweit, der nach dem Suizid Adolf Hitlers in einer deutschen Botschaft kondolierte.)

Wie von litrajunkie bereits erwähnt, ist es fraglich, wie viel vom Inhalt heute noch auf Irland zutrifft. Dazu gab es einige Stellen, die nur auf Annahmen des Autors beruhen. Ebenso widerspricht er sich an anderen.
Als Zeitzeugenbericht mag es trotzdem taugen.

Außerdem gab es weitaus weniger Esel als erhofft.

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