Der arme Mann im Tockenburg

by Ulrich Bräker | Literature & Fiction |
ISBN: 3150026016 Global Overview for this book
Registered by wingAndrea-Berlinwing of Berlin (irgendwo/somewhere), Berlin Germany on 1/2/2014
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Journal Entry 1 by wingAndrea-Berlinwing from Berlin (irgendwo/somewhere), Berlin Germany on Thursday, January 2, 2014
Ein Buch der 1000 Bücher!!

Packende, profunde Darstellung vom Leben und Werk einer Persönlichkeit aus der sozialen Unterschicht im Ancien Rigime der Schweiz (U. Bräker 1735-1798). Der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene und streng religiös erzogene Bauernsohn bricht aus der heimatlichen Enge aus, um das Fremde erst zu entdecken, dann aber zu fliehen. Zurück im Toggenburg entwickelt der unglücklich verheiratete Kleinbauer und Garnhausierer immer mehr seine schriftstellerischen Fähigkeiten. Die Gegensätze von Heimat und Fremde, Individuum und Kollektiv, Tradition und Wandel prägen das Schicksal dieses Toggenburgers genauso wie seine Liebe zu den Büchern und seine Schreiblust. Sein aufklärerisches Denken entfremdet ihn immer mehr von seiner Umgebung und treibt ihn in eine schmerzhafte Isolation. (Amazon)

Ulrich Bräker, genannt Der arme Mann aus dem Toggenburg auch Näppis-Ueli, (* 22. Dezember 1735 im Weiler "Näppis" (Scheftenau), Wattwil, Toggenburg, Kanton St. Gallen; † im September 1798, begraben am 11. September 1798 in Wattwil) war ein Schweizer Schriftsteller. Die ehemalige Grafschaft Toggenburg gehörte zu Bräkers Lebenszeit zur Fürstabtei St. Gallen. Die Bedeutung von Bräker liegt vor allem darin, dass mit ihm jemand aus einer Volksschicht zu Wort kommt, von der es sonst keine eigenen Aufzeichnungen aus dieser Zeit gibt. Die Lebensgeschichte und Natürliche Ebenteuer des Armen Mannes im Tockenburg ist die Autobiographie Bräkers. Sie wird als sein Hauptwerk angesehen. Das Originalmanuskript ist verloren gegangen, erhalten sind nur die Erstausgaben, erschienen bei Hans Heinrich Füssli, Zürich. wiki

16.6.14 Ein interessantes Buch über das Leben in der Schweiz im 18. Jahrhundert, etwas anstrengend zu lesen, vielleicht wegen der kleinen Schrift oder der altertümlichen Sprache. Viele (schweizerische) Begriffe werden erfreulicherweise mit Fußnoten erklärt.

Bräker beschreibt das Typische, so wie man sich die Schweiz vorstellt: „Alle Tag dacht' ich dreymal ans Essen, und damit aus. Wenn mich der Vater nur mit langanhaltender oder strenger Arbeit verschonte, oder ich eine Weile davonlaufen konnte, so war mir alles recht. Im Sommer sprang ich in der Wiese und an den Bächen herum, riß Kräuter und Blumen ab, und machte Sträusse wie Besen; dann durch alles Gebüsch, den Vögeln nach, kletterte auf die Bäume, und suchte Nester. Oder ich las ganze Haufen Schneckenhäuslein oder hübsche Stein zusammen. War ich dann müd', so setzt' ich mich an die Sonne, und schnitzte zuerst Hagstecken, dann Vögel, und zuletzt gar Kühe; denen gab ich Namen, zäunt' ihnen eine Waid ein, baut' ihnen Ställe, und fütterte sie; verhandelte dann bald dies bald jenes Stück, und machte immer wieder schönere. Ein andermal richtete ich Oefen und Feuerherd auf, und kochte aus Sand und Lett einen saubern Brey. Im Winter wälzt' ich mich im Schnee herum, und rutschte bald in einer Scherbe von einem zerbrochenen Napf, bald auf dem blossen Hintern, die Gähen hinunter. Das trieb ich dann alles so, wie's die Jahrszeit mitbrachte, bis mir der Vater durch den Finger pfiff, oder ich sonst merkte, daß es Zeit über Zeit war.“

Zum Salpetersieden habe ich nachgelesen bei Wiki:

Salpetersieder (auch Saliterer, Salvaiter oder Salpeterer) war ein Beruf, der mit der Einführung des Schwarzpulvers große militärische Bedeutung erlangte, weil Salpetersieder den zur Herstellung des Pulvers notwendigen Salpeter (den Saliter, genauer Kaliumnitrat bzw. das Ausgangsmaterial Kalksalpeter) beschafften.

Der Mauersalpeter wurde aus dem Erdboden und von den Mauern von Ställen und Wohnhäusern gewonnen, weil er sich dort aus dem im Boden vorhandenen Kalk und den nitrathaltigen Exkrementen und Urin der Tiere und Menschen bildete.

Zur Kalisalpetergewinnung wurde der Boden ausgegraben, mit Pottasche versetzt und ausgewaschen, wobei Calciumcarbonat ausfiel und zurückblieb. Man erhielt eine salzhaltige Lösung mit Kalisalpeter. Dieser wurde durch Eindampfen bzw. Sieden als gesättigte Lösung erhalten. Da sich Kalisalpeter im Verhältnis zu vielen anderen Salzen in heißem Wasser deutlich besser löst als in kaltem, kristallisiert beim Abkühlen der gewünschte Salpeter zuerst aus. Durch Wiederholung dieses Umkristallisierens wurde die gewünschte Reinheit erhalten.

Häufig wurde der Mauersalpeter auch durch Abschaben an Lehmwänden von Gruben gewonnen, welche der Verrieselung von Urin dienten (siehe Komposttoilette).

Bräker nahm am Siebenjährigen Krieg teil und schreibt auch eine Menge über Berlin im Jahr 1756: „An den drey letztern Orten zumal wimmelte es von Militair aller Gattungen und Farben, daß ich mich nicht satt gucken konnte, die Thürme von Berlin zeigte man uns schon eh' wir nach Spandau kamen. Ich dachte, wir hätten's in einer Stunde erreicht; wie erstaunt' ich darum, als es hieß, wir gelangten erst Morgens hin. Und nun, wie war ich so herzlich froh, als wir endlich die grosse herrliche Stadt erreicht. Wir giengen zum Spandauer-Thor ein, dann durch die melancholisch angenehme Lindenstrasse, und noch ein Paar Gassen durch. Da, dacht' ich Einfaltspinsel, bringt man dich dein Lebtag nicht mehr weg. Da wirst du dir dein Glück bauen.“

Ausführlicher und kostenlos auch zu lesen bei Spiegel - Projekt Gutenberg http://gutenberg.spiegel.de/buch/1825/14

Am Ende schreibt Bräker: „Es ist ein Wirrwarr – aber eben meine Geschichte.“ - stimmt, es ist eine Liebeserklärung an die Schweiz und zugleich und ein interessanter Bericht aus der Vergangenheit.

Das Buch reist zu Lakritzschnecke als Begleitung eines Wunschbuches, das gegensätzlicher nicht sein könnte :-)

Journal Entry 3 by Lakritzschnecke at Wolfsburg, Niedersachsen Germany on Friday, June 20, 2014
Vielen Dank dafür! Ich weiß nicht genau, was mich hier erwartet, aber ich werde es mir mal anschauen :-)

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