Mein Herz so weiß

by Javier Marías | Literature & Fiction |
ISBN: 3423125071 Global Overview for this book
Registered by erinacea of Friedrichshain, Berlin Germany on 5/10/2012
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Journal Entry 1 by erinacea from Friedrichshain, Berlin Germany on Thursday, May 10, 2012
Dieses Buch habe ich, glaube ich, am Wochenende des 1. Mai aus einer "Zum Mitnehmen" Kiste vor einem Hauseingang gefischt. Es lagen noch ein paar weitere Bücher drin, aber das hier sagte mir als einziges was vom Titel her.

Kommt mit zur Berliner (Un)Convention 2012.

Journal Entry 2 by erinacea at Friedrichshain, Berlin Germany on Wednesday, May 25, 2016
Ich hatte völlig vergessen, dass ich dieses Buch selbst registriert habe. Ich hatte angenommen, ich hätte es auf einem Meetup (vielleicht der Uncon) eingesteckt.

Ich erinnere mich dunkel, dass meine Büchertasche für die Uncon mir beim Packen zu schwer wurde bzw. natürlich hätte ich noch mehr tragen können, aber ich war irgendwann der Meinung, das müsste jetzt reichen. Dadurch blieben ein oder zwei Bücher bei mir, die ich ansonsten mitgenommen hätte. Gut möglich, dass dieses Buch darunter war. Alternativ wäre es auch möglich, dass sich einfach kein Leser fand und ich das Buch daher wieder mitnahm, obwohl ich sowas meistens im Journal vermerke.

Jetzt habe ich dieses Buch jedenfalls doch noch gelesen, war es doch mein aktuell letztes Buch der Woche meiner aktuellen Lesechallenge. Ich fand den Schreibstil sehr anstrengend, was dazu führte, dass dieses Buch das erste Buch dieses Jahr war, das ich nicht bis spätestens Sonntag ausgelesen hatte, sondern mit in die nächste Woche nahm und erst gestern beendete.

Wenn man sich einmal durch das Buch gequält hat (und es war eine Qual!), ist das Thema sogar ziemlich interessant, wobei ich mir nicht einmal ganz sicher bin, was das Thema eigentlich ist. Für mich ging es um Geheimnisse und das Teilen oder Verschweigen von Geheimnissen, ums Wissen- oder Nicht-Wissen-Wollen, um Schuld und Anstiftung zur Schuld, um Erinnerungen und darum, wie Entscheidungen (oder Nicht-Entscheidungen) ein Leben für immer verändern können. Geradezu spannend fand ich die Kapitel zur Dolmetschertätigkeit (und die Folgen von Juans absichtlicher Fehlübersetzung) und den Kontaktanzeigen per Video (Sexting vor Erfindung des Internets).

Die Auflösung der Hintergründe für Teresas Suizid hat mich nicht wirklich überrascht, ja, erschien geradezu folgerichtig, auch wenn einige Details dann doch anders waren als erwartet. Ich war davon ausgegangen, dass der Erzähler nicht so ausführlich auf den Streit zwischen Miriam und Guillermo eingegangen wäre, wenn "die andere Frau" und das Potenzial ihres gewaltsamen Tods nicht auch Teil seiner eigenen Lebensgeschichte wäre.
Entsprechend hatte ich spekuliert, dass (Spoiler! Sichtbarmachen durch Markieren) Teresa selbst die "andere Frau" in der Beziehung ihrer Schwester mit ihrem Ehemann war und sich aus Verzweiflung darüber tötete. Dass sie sich schuldig am Tod ihrer Vorgängerin (Ranz' erster Frau) fühlte, ergab allerdings, zumal unter Berücksichtigung der Ausschweifungen zum Thema Miriam/Guillermo, erheblich mehr Sinn.

Geheimnisse spielen auch sonst eine große Rolle in der Geschichte der Erzählers. So stand ein (verschwiegenes) Geheimnis am Anfang der Ehe seines Vaters mit Teresa, während das Erzählen des Geheimnisses diese beendete. Ranz' dritte Ehe hielt, gerade weil niemand (obwohl einige was ahnten) an das Geheimnis rührte. Juans eigene Beziehung mit Luisa begann mit einem geteilten Geheimnis, als Luisa ihn nicht verriet, als er einem langweiligen Treffen der Regierender zweier Staaten mehr Pep verlieh, indem er im Zuge seiner Aufgabe als Dolmetscher eigene Sätze einflocht, um den Gesprächen eine interessantere Richtung zu geben. Und auch am Ende des Buches teilen beide das Wissen um ein Geheimnis, ohne dass selbst Ranz selbst weiß, dass beide es wissen. Ich muss sagen, ein geteiltes (gemeinsam erlebtes, gemeinsam begangenes) Geheimnis erscheint mir eine erheblich bessere Grundlage für eine gelingende Ehe als ein ursprünglich verschwiegenes und dann in einem Augenblick der Leidenschaft doch unbedarft erzähltes Geheimnis, an dem der andere zudem, ohne es zu wollen, Anteil hat.

Das "weiße Herz" bezieht sich auf ein Zitat aus Shakespeares Macbeth, in dem Lady Macbeth sich dafür schämt, trotz Anstiftung zum Mord den Mord selbst nicht begangen zu haben. Der Erzähler vertritt die These, dass alles, was nur gesagt, aber nicht begangen wird, nicht zählt, dass nur derjenige Schuld auf sich lädt, der eine Tat begeht, niemals aber derjenige, der ihn dazu auffordert. Ich bin nicht ganz sicher, ob das in allen Fällen stimmt, je nachdem mit welcher Form von Zwang die Aufforderung erfolgt, und laut des Erzählers bzw. einer Margaret Thatcher in den Mund gelegten Aussage zwingen wir ständig andere etwas zu tun oder sogar zu fühlen, was diese ohne unsere Beeinflussung nicht getan hätten. Zugleich ist eine zweite, wesentlich holprigere These des Erzählers, dass Dinge erst dann wirklich geschehen, wenn wir jemandem davon erzählen, d.h. sobald ein zweite Person davon weiß. (Spoiler!) Zumindest für Teresa wurde Ranz' Ermordung seiner ersten Frau erst dadurch zur Tatsache, dass er ihr davon erzählte, aber das ist schon ein ziemlich spezieller Fall.

Ebenfalls einer Überlegung wert ist die Frage, warum man Dinge wissen will, und vor allem, ob man sie wirklich wissen will. Der Erzähler unterstellt allen Frauen, in dieser Hinsicht gleich zu sein und immer alles wissen zu wollen, ohne je die Konsequenzen in Betracht zu ziehen, was ich ihm (zumal der Gedanke, wie so ziemlich alle Gedanken, ständig kreisend, immer wieder auftaucht) etwas übel nehme. Zu Recht weist der Erzähler darauf hin, dass man eigentlich erst im Nachhinein entscheiden kann, ob man etwas wirklich wissen wollte, weil man erst dann weiß (wissen kann), was dieses Wissen mit einem anstellt, was es für Konsequenzen haben könnte. Im Nachhinein ist es jedoch immer zu spät, da man nicht mehr nicht wissen kann, was man bereits weiß.

Dieser zentrale Punkt taucht auch im Gespräch zwischen Ranz und Luisa auf, die ihn zunächst drängt, sein Geheimnis zu erzählen, dann jedoch (zumindest ein wenig) wünscht, sie hätte es nicht getan, während zugleich Teil des erzählten Geheimnisses ist, dass Teresa (die von dem Geheimnis nichts ahnte geschweige denn davon hätte wissen wollen) damals ebenfalls lieber nicht gewusst hätte. Letzteres bildet schließlich den Ausgang der Tragödie (und des Buches).

Mir ist nicht ganz klar, ob das "weiße Herz" sich tatsächlich auf den Erzähler ("mein") bezieht, der im Versuch, nicht wissen zu wollen, die Reinheit seines Herzens bewahren möchte, oder ob es einfach ein (auch mehrfach im Buch wiederholtes) Zitat ist, dass das Thema von Geheimnis und Schuld umreißt.

Insgesamt fand ich das Buch gut, aber ich hätte mir echt gewünscht, der Autor hätte das ein oder andere Komma durch einen Punkt ersetzt. Manche der Sätze zogen sich über eine halbe Seite, so dass ich am Ende des Satzes oft nicht mehr wusste, worum es eigentlich gerade ging. Ich schreibe ja auch gern lange, teils verschachtelte Sätze, aber es gibt irgendwo einen Punkt, wo der Satz zu lang ist und nicht mehr lesbar ist. Dieser Punkt liegt spätestens da, wo aufgrund eines Themenwechsels ein neuer Satzbeginn angebracht wäre, aber selbst diese einfache Grundregel sah Marías sich außerstande einzuhalten.

EDIT 10.06.2016: Kam mit zum Meet-up ins Brauhaus Spandau.

Journal Entry 3 by wing3malglueckwing at Spandau, Berlin Germany on Friday, June 10, 2016
Das Buch habe ich beim Monats-MeetUp im Brauhaus Spandau mitgenommen.

Released 4 yrs ago (7/31/2016 UTC) at Kurfürstenstraße Bücherschrank in Bremerhaven, Bremen Germany

WILD RELEASE NOTES:

Am letzten Urlaubstag schnell noch das Buch hier in den Schrank gestellt.
Viel Vergnügen damit!

Nehmen - Lesen - Weitergeben .... Das ist die Idee von bookcrossing.

Liebes Buch, ich wünsche Dir eine interessante Reise!
Melde Dich, von wem Du gefunden/gelesen wurdest und wohin Deine Wanderschaft weiter geht.

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