Booktalk ab 06.01.19 Menschen im Hotel

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Meiner Meinung nach hat das Buch im dritten Teil noch mal richtig Fahrt aufgenommen, während es im mittleren etwas langatmig zu ging (besonders die Liebesszene zwischen Gru und Gaigern).

Empfand ich auch so, daß es noch richtig rasant wurde im 3.Teil,
allerdings fand ich den 2.Teil (besonders die Liebesszene zwischen Gru und Gaigern)
gar nicht als langatmig.

Ob das nun Zufall war, jedenfalls durch die von Richter-Di vorgegebene Dreiteilung des Romans kam es mir wirklich auch so vor, als ob es drei im Tempo sich steigernde Abschnitte waren. Erst die Vorstellung der Protagonisten und Vorgeplänkel, dann Schwierigkeiten und Verwicklungen, und dann Entwirrungen und Abschlüsse und auch neue Anfänge...

Für Gaigern war ich direkt ein bißchen erleichtert, daß sein Leben so plötzlich endete. Von dort aus wäre es nur noch bergab gegangen.
Als einige von euch weiter oben schrieben, daß sie keine der Figuren sympathisch finden, wollte ich mich nicht anschließen, denn sie waren doch alle so menschlich. Aber nun, am Ende, habe ich auch nicht wirklich für irgendeinen Mitleid.
Ich hoffe, die Gru erfährt recht bald vom Tod Gaigerns, damit dieses Abenteuer ihr immer in wehmütiger Erinnerung bleibt (daß ihr Verehrer den Tod fand, wiederholt ja fast ein bißchen was damals mit dem Jedingskovchin geschah).

 

Complete Thread
Wir wollenab dem 06.01.19 Menschen im Hotel von Vicky Baum lesen und darüber diskutieren.

Ich gebe das Pensum für eine Woche vor und wir tauschen uns dann dazu aus.

Eben habe ich in meine Bertelsmann Lesering Ausgebe geschaut. Da sind kaum Absätze und Kapitel drin. Einer bietet sich an. Wir lesen bis Seite 85.
Auf Seite 86 geht es dann mit : Kringelein äugte mit seinem Kneifer auf die Bühne weiter.


Teilnehmer:

Ophelia1
withecay
Rochester74
Trick
bassongirl
Urfin
aprille
Richter-Di

 

 

wingAprillewing 5 mos ago
Und ich?
War das ein Freudscher Vergesser?!

 

War das ein Freudscher Vergesser?!

Ich war davon ausgegangen das du es schon gelesen hast und dich dann nur so mal dazu meldest.

 

War das ein Freudscher Vergesser?!

Ich war davon ausgegangen das du es schon gelesen hast und dich dann nur so mal dazu meldest.

Ach so.
Ja, ich habe das Buch sogar schon zweimal gelesen. Einmal vor vielen Jahren und das zweite Mal im letzten November.
Aber ich werde hier immer mal reinschauen. Und auch was schreiben, wenn mir und Euch danach ist.

 

wingbassongirlwing 5 mos ago
Oje
Ich hoffe, mein Exemplar kommt noch rechtzeitig mit der Post. Hatte es bei booklooker bestellt.

 

wingRichter-Diwing 5 mos ago
RE: Oje
Ich hoffe, mein Exemplar kommt noch rechtzeitig mit der Post. Hatte es bei booklooker bestellt.

Wird schon. Wir lesen ja nur so 80 Seiten pro Woche. Bei Anna Karenina sind auch einige erst später eingestiegen.

 

Kam noch rechtzeitig.
Bisher kann ich mich whitecaj nur anschließen. In die Sprache musste ich mich erstmal reinlesen. Jetzt fließt es aber. Ich finde, es ist eine typische Sprache der 20er.

 

wingUrfinwing 5 mos ago
Gut.
Das registrierte Buch habe ich leider nicht gefunden... dafür das schön illustrierte Büchergilde-Exemplar. Das werde ich lesen, und meinen JE hier https://www.bookcrossing.com/---/5687671 aktualisieren.

 

Die Sprache ist schon mal toll. Wortschöpfungen, die ich nicht kenne. Urig bis jetzt. Streiche bisher ein paar schöne Wendungen an und stelle sie später hier ein.

 

Die alte Bertelsmannausgabe meiner Eltern wollte sich partout nicht finden lassen. Ich muss dann bis Seite 108 lesen, werde Euch aber gewiss bis Sonntag einholen :-)

 

Ich muss dann bis Seite 108 lesen

Ich auch. BG?
Der von Richter-Di zitierte Absatz startet bei mir auf S.108, und ich hatte das heute herausgesucht, nachdem ich schon bis S.58 gekommen war.

 

Schubs

 

Ich muss dann bis Seite 108 lesen

Ich auch. BG?
Der von Richter-Di zitierte Absatz startet bei mir auf S.108, und ich hatte das heute herausgesucht, nachdem ich schon bis S.58 gekommen war.

Ja, da hast du es gut. Meine Buchklub Ausgabe ist sehr komprimiert fast keine Absätze. Da ist sich nur schwer daran zu gewöhnen..

 

Mir ist auch beim Start aufgefallen: Sehr viel Text auf der Seite. Eine Seite zu lesen dauert ganz erheblich länger, als z.B. "Der alte Mann und das Meer". Die Zeilen sind recht eng gedruckt, dass empfinde ich nicht als lesefreundlich, aber um das Buch einmal durchzulesen wird es schon gehen.

Mein zweiter Gedanke war: Es wuselt irrsinnig viel Personal im Hotel herum. Allein die Anzahl der Pagen, dazu Liftführer... Andererseits waren das vermutlich auch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der damaligen Zeit.

Ich habe den Leseabschnitt für diese Woche beendet, möchte aber noch nicht spoilern. Ganz allgemein denke ich, dass das Buch eher in Richtung Drama geht. Für keinen bisher aufgetretenen Gast läuft es rund.
Preysing: steuert auf einen geschäftlichen Ruin zu
Kringelein: todkrank
Grusinskaja: am Ende ihrer Karriere
Otternschlag: im Krieg schwer im Gesicht verunstaltet und seines Lebens überdrüssig (obwohl, suizidgefährdet wirkt er bisher nicht)
Baron Gaigern: ein Windhund und Aufschneider

Das lässt jetzt nicht gerade ein glückliches Ende erwarten ;-)

 

hast du ja einen richtigen Cliffhanger ausgewählt.

Das Personal mit Page Nr. Sowieso ignoriere ich meist, außer den Portier Senf und den Empfangschef Rohna.

 


Schon in den Eingangsszenen werden die verschieden Hauptpersonen und deren Charakter eingeführt.

Dr. Otternschlag ein kriegsgsversehrter Arzt der sich dauerhaft im Hotel eingemietet hat. Er ist lebensmuede und beobachtet die Leute die kommen und gehen. Und nichts passiert, seiner Meinung nach. Wir erfahren später das er Morphinist ist.

Baron Gaigern ein gutaussehender Adeliger der etwas halbseidenes an sich hat. Eine Art Windhund. Später sehen wir das er sich mit Diebstahl und Betrug bereichert. Er ist eine Art Gentleman Gauner. Als Fassadenkletterer dringt er bei der Grusinskaya ein um ihre berühmten Perlen zu stehlen.

DIE Grusinskaya eine alternde Primaballerina die den Zenit überschritten hat. Sie kämpft verzweifelt gegen den Niedergang an und ist in der Krise. Sie macht einen großen Wirbel...

Kringelein ein kleiner Hilfs - Buchhalter, der wohl totkrank sein soll. Er gehört nicht ins Grand Hotel, will aber rein, weil er seinem Chef die Meinung sagen will. Hat aber zunächst nicht den Mut dazu Preysing anzusprechen. Kringelein hat die Brücken zu seinem altem Leben hinter sich abgebrochen. Er will das Leben spüren bevor es vorbei ist.

Preysing Geschäftsführer der Saxonia Strickwaren Fabriken. Kringeleins Chef. Ein geltungssuechtiger Gernegross der zu dem Job gekommen ist weil er eingeheiratet hat. Er plant seine Geschäftspartner zu betrügen.

Dazu in Nebenrollen die Hotel Angestellten und andere.

Die 5 Hauptpersonen und deren Defekte werden geschildert. Alle sind mehr oder weniger vereinsamt und verzweifelt.
Im Hotel treffen sie fuer kurze Zeit aufeinander und es sind schicksalshafte Begegnungen die einander beeinflussen.

Dieser Roman war Vicki Baums internationaler Durchbruch.
Sie selbst sprach von sich , vielleicht mit einem Augenzwinkern, als "Erstklassige Schriftstellerin zweiter Güte."

Sie ist zu Unrecht fast vergessen. Es handelt sich nicht um Hochkultur, ist immer noch gut lesbar und hat Anspruch. Einige Formulierungen sind gut geschrieben. Die Personen Zeichnung ist treffend.

 

Ich muss sagen, bisher sind mir alle Hauptpersonen mehr oder minder unsympathisch. Und trotzdem tun sie mir leid. Und trotzdem macht es Spaß, das Buch zu lesen. Die Beschreibungen der einzelnen Personen sind teilweise wirklich skurril.
Die einzige, die nicht verzweifelt erscheint, ist Flämmchen zwo als Prototyp der modernen jungen Frau, vergleichbar mit Charlotte aus der Gereon-Rath-Reihe bzw Babylon Berlin.

 

Die einzige, die nicht verzweifelt erscheint, ist Flämmchen zwo als Prototyp der modernen jungen Frau, vergleichbar mit Charlotte aus der Gereon-Rath-Reihe bzw Babylon Berlin.


Das sehe ich anders.
Flämmchen ist für mich keine moderne junge Frau.
Sondern eine eher leichtfertige naive Person die sich wenig Gedanken macht weil sie sich auf ihre Schönheit verlässt.
Wieweit ihre Männer Bekanntschaften gehen, von denen sie wohl viele hat lässt sich nur vermuten.
Sie treibt so dahin. Das kann gefährlich werden....

 

Sondern eine eher leichtfertige naive Person die sich wenig Gedanken macht weil sie sich auf ihre Schönheit verlässt.
Wieweit ihre Männer Bekanntschaften gehen, von denen sie wohl viele hat lässt sich nur vermuten.
Sie treibt so dahin. Das kann gefährlich werden....


Wobei aber genau das in den 20er-Jahren modern war ;-)
Zumindest in der Literatur. Bei deiner Beschreibung von Flämmchen Zwo fällt mir spontan "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun ein, geschrieben 1932.

 

Auch ich finde das Buch gut zu lesen.
Auffallend finde ich mein bisher immernoch distanziertes Gefühl zu den Charakteren, ich finde bisher zwar keinen sympatisch, aber wirklich unsystematisch ist mir auch keiner.
Meine bisherige Lieblingsstelle ist ein Gespräch zwischen Kringelein und Otterschlag darüber wo das wahre Leben stattfindet.

https://www.bookcrossing.com/---/13514820/

 

Die 5 Hauptpersonen und deren Defekte werden geschildert. Alle sind mehr oder weniger vereinsamt und verzweifelt.

Ist denn die Sekretärin Flämmchen keine Hauptperson? Ich hatte gehöfft noch mehr von ihr zu lesen.

 

Die 5 Hauptpersonen und deren Defekte werden geschildert. Alle sind mehr oder weniger vereinsamt und verzweifelt.

Ist denn die Sekretärin Flämmchen keine Hauptperson? Ich hatte gehöfft noch mehr von ihr zu lesen.

Da wird wohl noch was kommen, schließlich träumt Preysing von ihr.
So wie ich den einschätzte, wird er weitere Zusammentreffen herbeiführen.

 

Die 5 Hauptpersonen und deren Defekte werden geschildert. Alle sind mehr oder weniger vereinsamt und verzweifelt.

Ist denn die Sekretärin Flämmchen keine Hauptperson? Ich hatte gehöfft noch mehr von ihr zu lesen.

Da wird wohl noch was kommen, schließlich träumt Preysing von ihr.
So wie ich den einschätzte, wird er weitere Zusammentreffen herbeiführen.

Denke ich auch!
Außerdem ist bei mir die "lebensfrohe Sekretärin" auf dem Buchrücken bereits erwähnt, zusammen mit der alternden Primaballerina, dem windigen Baron, dem kranken Buchhalter und dem vor der Pleite stehenden Fabrikanten.
Dr. Otternschlag fehlt in der Auflistung.

Deine Einschätzung Preysings
Geschäftsführer der Saxonia Strickwaren Fabriken. Ein geltungssuechtiger Gernegross der zu dem Job gekommen ist weil er eingeheiratet hat. Er plant seine Geschäftspartner zu betrügen.
finde ich sehr harsch.
Mir kommt es so vor, als ob er sich wirklich abstrampelt um seiner Verantwortung gerecht zu werden und neben den anderen Kapitalisten zu bestehen

 

Deine Einschätzung PreysingsGeschäftsführer der Saxonia Strickwaren Fabriken. Ein geltungssuechtiger Gernegross der zu dem Job gekommen ist weil er eingeheiratet hat. Er plant seine Geschäftspartner zu betrügen.finde ich sehr harsch.Mir kommt es so vor, als ob er sich wirklich abstrampelt um seiner Verantwortung gerecht zu werden und neben den anderen Kapitalisten zu bestehen


Ich habe noch dunkel in Erinnerung das in der Verfilmung aus den 60er Jahren Kringelein von Rühmann und Preysing von Gerd Fröbe gespielt wurden. Fröbe spielte meist Unsympathische Typen.
Mal schauen wie sich Preysing weiter verhält und wie wir es deuten.....

 

Deine Einschätzung Preysings finde ich sehr harsch. Mir kommt es so vor, als ob er sich wirklich abstrampelt um seiner Verantwortung gerecht zu werden und neben den anderen Kapitalisten zu bestehen

Ich habe noch dunkel in Erinnerung das in der Verfilmung aus den 60er Jahren Kringelein von Rühmann und Preysing von Gerd Fröbe gespielt wurden. Fröbe spielte meist Unsympathische Typen.
Mal schauen wie sich Preysing weiter verhält und wie wir es deuten.....

Da hat vielleicht diese Verfilmung ein bißchen Deine Lesart beeinflußt.
Mir würde das sicher mit dem Alten Mann und dem Meer so gehen, da würde ich immer Anthony Quinn vor Augen haben.

In meinem Buch sind ja Illustrationen, die ich auch farblich passend finde, und die das Hotelambiente gut darstellen. Mit den Personen bin ich aber nicht einverstanden, die sehen zum Teil sehr anders aus als vor meinem inneren Auge.

 

Gaigern mit den Perlen in der Jackentasche auf dem Balkon - Hochspannung!

"Himmel war keiner da, die Stadt hört dicht über den Dächern, Drähten und Antennen auf." (bei mir auf S.100)

Dein vorgegebenes Lesepensum ist geschafft, es liest sich locker weg, die (allesamt tragischen) Personen sind nachvollziehbar und die Atmosphäre auch.

Beeindruckend (bisher Lieblingsstelle) Kringelings geschwänzter Schultag,
wobei Fredersdorf in Sachsen und Mickenau wohl ausgedachte Orte sind ;D

Ich bin erstaunt, daß alles so verständlich ist. Bisher habe ich das Innensteuer-Auto gesuchmaschint und wenig sonst.
Bei Barecke mußte ich kurz überlegen (Ba-recke, nee Bar-ecke:)
und als poetisches Wort fiel mir auf:
Wartebündel

 

Ist das Ziel bis Seite 166 zu lesen.
"Mit hohlen und ausgesogenen
Knochen blieb Preysing in der Halle zurück."

 

KIWI Paperback-Ausgabe S.18
"In der Wand kullerte und gluckste die Wasserleitung. Kringelein, der an Palmenarrangements, Bronzelüstern und Jagdstilleben vorbei in immer tristere Bezirke des Hotels geführt wurde, kroch langsam und enttäuscht in das Zimmer, das ihm ein altes unhübsches Stubenmädchen aufschloß...........

 

Seite 20:
Plötzlich ,gerade als er aufgeben wollte, hatte er gesiegt. Er bekam Nr.70, einen Salon mit Alkoven und Bad, 50 Mark täglich. Er blinzelte ein wenig,als er den Preis vernahm. Aber er sagte: "Gut. Mit Bad? Heißt das - kann ich da jederzeit baden, sooft ich Lust habe?" Graf Rohna bejahte mit unerschütterlicher Miene. Kringelein hielt seinen 2. Einzug.

 

"Pfirsich Melba", bestellte Flämmchen und nickte zufrieden mit dem Kopf. Sie blies auch wieder ihre Locke fort, ohne Erfolg. Sie war so edel gebaut wie ein Rennpferd und so tolpatschig unbefangen wie ein junger Hund.
Seite 83

 

Das hätte ich nicht erwartet. Er ist auf jeden Fall sympathisch, sie ist eine Getriebene inzwischen. Flämmchen mochte ich auch. Aber die Art der Beschreibung, "der Kulisse" und der Personen ist so einnehmend. Identifizieren kann man sich nur mit der Beobachterin, vielleicht noch mit Gaigern. Die Balkonkletterei ist aber auch zu schön.

 

Hej, soweit sind wir doch noch gar nicht ;)
Aber ja, das kommt wirklich ziemlich unerwartet, wo der feine Baron doch gerade erst mit Flämmchen geflirtet hat.

 

Doch doch soweit waren wir schon. 😂
ACHSO 🙄😶oder doch nicht, weil pro Tag 10 Seiten, ja klar wegen Spannung, nun dann mache ich es demnächst diffus:
Und die Liebe zwischen den beiden so unterschiedlichen Gestalten! Ein luftiges Comingout.

 

Toller Schreibstil. Haste toll ausgesucht Richter-Di.

 

Daß ich mehr über die Hotelangestellten wissen will, weil so recht sympathisch ist mir jetzt keiner mehr. Tragische Gestalten sind sie allesamt.
Dr.Otternschlag ist wohl einfach im Klappentext unterschlagen worden, weil seine Gestalt Schmerzliches ausdrückt.

 

Ich habe das Pensum der letzten Woche erst am Montag während einer längeren Bahnfahrt gelesen und auch das Pensum dieser Woche wird mich in der Bahn begleiten.

Vorneweg: Ich musste mich erst einfinden, fand (und finde!) dann aber den Schreibstil wunderbar und mag am allerliebsten die "Resignationspantöffelchen" unserer Primaballerina. Zum einen finde ich die Wortschöpfung grandios, zum anderen erfasst sie hundertprozentig den Seelenzustand der Grusinskaja, wie er sich bisher darstellt.

Sonderlich sympathisch ist mir auch keiner der Protagonisten, allerdings fügen sich ihre mehr oder weniger gescheiterten Existenzen sehr schön zusammen.

Im Anschluss an unsere Leserunde werde ich mir die Inszenierung von "Menschen im Hotel" im Schauspielhaus anschauen. Ich bin gespannt, wie sie adaptiert wurde.

 

wingAprillewing 5 mos ago
Kleidung
...und mag am allerliebsten die "Resignationspantöffelchen" unserer Primaballerina..."


Ja, die "Resignationspantöffelchen" haben es mir auch angetan.
Sie passen wunderbar zu der Passage, in der Kringelein sich in der Umkleidekabine des Herrenausstatters auszieht, weil Gaigern ihm neue Garderobe "verordnet".
Ich finde vieles im Roman "Menschen im Hotel" klischiert bis zur Schmerzgrenze. Doch es gibt einige Schilderungen, die ich sehr gut finde.
Jemand hat "Menschen im Hotel" mit Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen" verglichen. Es gibt inhaltliche Ähnlichkeiten, aber insgesamt ist der Roman von Irmgard Keun überraschender und besser, weil er ohne Kitsch und Klischees auskommt, finde ich.
Ich glaube, dass Vicki Baum auch "literarischer" hätte schreiben können, aber sie hat beim Schreiben mehr ans Geld verdienen gedacht (denken müssen). Dass sie klischeefreier hätte schreiben können, zeigen m.E. zwei stellen in "Menschen im Hotel":
1. die oben genannte
2. der Brief der Frau Kringelein an ihren Mann (weiter hinten im Text).

 

wingOphelia1wing 5 mos ago
Einspruch!
Falls du dich auf meine Bemerkung zu "Das kunstseidene Mädchen" beziehst :-)
Ich habe nicht die Romane als Ganzes sondern nur die Figuren Flämmchen Zwo und Doris gemeint.

 

Falls du dich auf meine Bemerkung zu "Das kunstseidene Mädchen" beziehst :-)
Ich habe nicht die Romane als Ganzes sondern nur die Figuren Flämmchen Zwo und Doris gemeint.

Doris, die ein "Glanz" sein will und z.B. einen Pelzmantel stiehlt, ist eine junge Frau, die schon mehr leidvolle Erfahrungen gemacht hat, als das Flämmchen. Sie agiert aus ihren Enttäuschungen heraus skrupelloser und fühlt sich dabei im Recht.
Flämm"chen", Kringe"lein" - mit diesen Endungen betont Vicki Baum das Schuldlose der Personen, denke ich.

 

Ich finde diese Geschichte für das Jahr 1929 ganz besonders und den Schreibstil genial. Das Ganze ist wie eine Bühnenfassung konzipiert und letzlich mit viel Milde den Darstellern gegenüber in Worte gefaßt.

 

Das sozusagen Zusammengefaßte, das Typhafte wirkt tatsächlich wie Klischees aneinandergereiht. Aber wir erleben die 6 Menschen ja nur kurze Zeit und gewissermaßen in Ausnahmesituation. Außer der Kriegsversehrte, den man sich vielleicht genauer angucken muß. Der hat nur das Leben in genau diesem Hotel. Und er erlebt beim kurzzeitigen Verlassen des Hotels schließlich eine große Enttäuschung.

 

Die mit Einfühlungsvermögen aber ohne moralische Wertung betrachtet werden. Was sind die Mensch lein doch für ein Völk chen. Als wollte sie das sagen.
Ja, da ist was dran an dem lein und dem chen

 

Gaiger kommt nicht raus aus dem Zimmer von Gru. Er hat die Perlen ist aber gefangen, er versteckt sich.

Die Gru erlebt bei ihrem Auftritt ein Fiasko. Zum ersten Mal wird kein da capo bei ihrer Solonummer gefordert. Sie bricht ab und geht in das Hotel. Im Zimmer zieht sie sich aus und wird vom Gaiger beobachtet. Sie ist des Lebens müde und will sich mit Veronal umbringen.
Bevor sie mehr im Tee trinken kann, entdeckt sie Gaiger.
Der redet sich raus das er ein Verehrer ist und sie will es glauben. Im Verlauf der Nacht verlieben sich die Beiden tatsächlich ineinander.
Als Sie schläft sieht er ihre Schönheits-operations-narben.
Er erkennt das er sie liebt.
Den Tee entsorgt er.
Bei dem zurücklegen der Perlen wacht sie auf und fragt ihn was er da macht. Er schwindelt sich raus und sie glaubt ihm.

Beide beschließen das er zu ihr nach Wien fährt. Dort hat sie, nach Prag, Auftritte, die sie nun wieder machen will, denn dadurch das sie geliebt wird und liebt glaubt sie wieder an sich. Hoffnung auf ein gutes Ende kommt auf...

Kringelein und Dr. Otterschlag waren zur Vorstellung der Gru im Theater. Kringelein war begeistert. Er verabredet sich mit Otterschlag für den nächsten Morgen.

Preysing hat verschlafen. Er steht mit dem falschen Fuß auf. Dabei muss er zu den Verhandlungen. Beim Friseur ist Kringelein vor ihm dran. Preysing erkennt ihn nicht, er kommt ihm aber bekannt vor. Kringelein lässt Preysing nicht vor. Ein erster Sieg für ihn.

Die Verhandlungen laufen nicht gut. Preysing versucht zunächst nicht unbedingt zu lügen. Hat damit aber keinen Erfolg. Alles droht zu scheitern. Dann packt er, das Telegramm mit der Absage der Engländer schwenkend, zu.
Er Gibt sich als Ehrenmann alter Schule aus und luegt , überzeugend. Ein Vorvertrag wird unterschrieben.
Schurke!

Kringelein trifft Gaiger beim Frühstück. Der bietet sich an Kringelein das feine Leben zu zeigen. Sie rasen mit einem Auto ueber die AVUS, fliegen, und Kringelein wird neu und passender eingekleidet. Gaiger offenbart das er pleite ist. Kringelein schickt ihm ein bisschen Geld. Beide wollen am Abend zum Boxen und dann zum Kartenspielen.

Otternschlag wartet weiterhin auf seinem Platz Im Hotel. Irgendwie mag er Kringelein


In diesen Kapitel sind einige gut geschilderte Bilder.
Die Liebeszene Gru und Gaiger.
Preysings parforceritt.
Die äußere Umkleidung und innere Verwandlung Kringeleins.

Einige schöne Sprachschoepfungen.
Manchmal musste ich auch nachschlagen was das Bedeutet z. B. : "Hic Rohdes Hic salta"
Es ist ein Vergnügungen diesen Roman zu lesen. Die Prototypen werden zum Leben erweckt. Und Vicky Baum formuliert gut.

Der dritte Abschnitt geht bis zum Schluss des Buches.

 

Das Lesepensum (hier bis S.205) ist geschafft, nachgeschlagen habe ich z.B. Plafond, Sukkurs, Föhren (=Kiefern), Herrenfahrer --> https://de.wikipedia.org/---/Der_Herrenfahrer
Es gab auch wieder poetische Wortschöpfungen, die ich mir jedoch nicht notiert habe.

Zu Deiner Zusammenfassung:

Gaiger kommt nicht raus aus dem Zimmer von Gru. Er hat die Perlen ist aber gefangen, er versteckt sich.
Richtig spannend fand ich das! Und erst wie sich die Situation dann weiterentwickelt hat!
Sehr klischeehaft kam mir dies vor: "Gaigern verwandelte sich bei diesem Anblick aus einem Hoteldieb, der nahe daran gewesen war, die Frau niederzuschlagen, in einen Mann, in ein großes, einfaches und gutmütiges Mannsgeschöpf, das keine Frau weinen sehen konnte, ohne helfen zu wollen." (S.128) - ist das so, wie wir Frauen uns das zurechtträumen? Was meinen die anwesenden Männer dazu?

Beide beschließen das er zu ihr nach Wien fährt. ... Hoffnung auf ein gutes Ende kommt auf...
Bei mir nicht. Also Hoffnung zwar schon,
aber ich glaube nicht, daß aus Wien etwas wird. Für mich klingt dieses Verabreden beim Abschied nicht so als ob es dann eingehalten wird...

Sehr berührt hatte mich auch noch der Gedankenausflug der Grusinskaja, in dem sie sich verschiedenste Tanzszenen ausmalt (S.140f.), ganz schön modern.

Preysing hat verschlafen. ... Beim Friseur ist Kringelein vor ihm dran. ... Kringelein lässt Preysing nicht vor.
Ja, genau, Kringelein als "Sieger und Held" und davon ganz erschöpft.

Dann Preysings Verhandlungs(un)geschick.
Da mir heute im Supermarkt gleich auf zwei Produkten (Liköre:) als Adresse eine Graf-Preysing-Str. auffiel, habe ich den Namen mal gesuchmaschint: --> https://de.wikipedia.org/---/Preysing_%28Adelsgeschlecht%29

Was Gaigern da mit Kringelein anstellt, ist für die damalige Zeit schon Extremsport, mit 118 Sachen über die AVUS ! und dann Fliegen !

Otternschlag wartet weiterhin auf seinem Platz Im Hotel.
Doktor Otternschlag wird gebraucht, und dann versetzt, der Arme.

Es ist ein Vergnügungen diesen Roman zu lesen. Die Prototypen werden zum Leben erweckt. Und Vicky Baum formuliert gut.
Danke für Deine Anregung zu diesem Book-Talk :o)

 

Zur Charakterisierung Gaigerns fiel mir noch dieser Satz auf:
"Menschenfreundlichkeit und Wärme lag so tief in seinem Wesen verankert, daß seine Opfer davon stets eine gehörige Menge zugeteilt empfingen." (S.193)

Und eine Bemerkung Kringeleins, die mich auch schmerzte:
"Wie mein Freund Kampmann mir fünf alte Jahrgänge vom >Kosmos< geschenkt hat, da ist die Frau hingegangen und hat sie als Altpapier verkauft; vierzehn Pfennig hat sie dafür bekommen." (S.201) --> https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmos_(Zeitschrift)
(Später wird dann noch Kringeleins "Hochmut des Kosmoslesers" erwähnt;)

So, dann kann ich ja jetzt den 3. und letzten Abschnitt lesen :o)

 

Gaiger kommt nicht raus aus dem Zimmer von Gru. Er hat die Perlen ist aber gefangen, er versteckt sich.

Die Gru erlebt bei ihrem Auftritt ein Fiasko. Zum ersten Mal wird kein da capo bei ihrer Solonummer gefordert. Sie bricht ab und geht in das Hotel. Im Zimmer zieht sie sich aus und wird vom Gaiger beobachtet. Sie ist des Lebens müde und will sich mit Veronal umbringen.
Bevor sie mehr im Tee trinken kann, entdeckt sie Gaiger.
Der redet sich raus das er ein Verehrer ist und sie will es glauben. Im Verlauf der Nacht verlieben sich die Beiden tatsächlich ineinander.
Als Sie schläft sieht er ihre Schönheits-operations-narben.
Er erkennt das er sie liebt.
Den Tee entsorgt er.
Bei dem zurücklegen der Perlen wacht sie auf und fragt ihn was er da macht. Er schwindelt sich raus und sie glaubt ihm.

Beide beschließen das er zu ihr nach Wien fährt. Dort hat sie, nach Prag, Auftritte, die sie nun wieder machen will, denn dadurch das sie geliebt wird und liebt glaubt sie wieder an sich. Hoffnung auf ein gutes Ende kommt auf...

Kringelein und Dr. Otterschlag waren zur Vorstellung der Gru im Theater. Kringelein war begeistert. Er verabredet sich mit Otterschlag für den nächsten Morgen.

Preysing hat verschlafen. Er steht mit dem falschen Fuß auf. Dabei muss er zu den Verhandlungen. Beim Friseur ist Kringelein vor ihm dran. Preysing erkennt ihn nicht, er kommt ihm aber bekannt vor. Kringelein lässt Preysing nicht vor. Ein erster Sieg für ihn.

Die Verhandlungen laufen nicht gut. Preysing versucht zunächst nicht unbedingt zu lügen. Hat damit aber keinen Erfolg. Alles droht zu scheitern. Dann packt er, das Telegramm mit der Absage der Engländer schwenkend, zu.
Er Gibt sich als Ehrenmann alter Schule aus und luegt , überzeugend. Ein Vorvertrag wird unterschrieben.
Schurke!

Kringelein trifft Gaiger beim Frühstück. Der bietet sich an Kringelein das feine Leben zu zeigen. Sie rasen mit einem Auto ueber die AVUS, fliegen, und Kringelein wird neu und passender eingekleidet. Gaiger offenbart das er pleite ist. Kringelein schickt ihm ein bisschen Geld. Beide wollen am Abend zum Boxen und dann zum Kartenspielen.

Otternschlag wartet weiterhin auf seinem Platz Im Hotel. Irgendwie mag er Kringelein


In diesen Kapitel sind einige gut geschilderte Bilder.
Die Liebeszene Gru und Gaiger.
Preysings parforceritt.
Die äußere Umkleidung und innere Verwandlung Kringeleins.

Einige schöne Sprachschoepfungen.
Manchmal musste ich auch nachschlagen was das Bedeutet z. B. : "Hic Rohdes Hic salta"
Es ist ein Vergnügungen diesen Roman zu lesen. Die Prototypen werden zum Leben erweckt. Und Vicky Baum formuliert gut.

Der dritte Abschnitt geht bis zum Schluss des Buches.

 

Ich bin erst heute mit dem 2. Abschnitt fertig geworden.
Die Sequenz mit Gaiger und der Grusinskaya kam mir unverhältnismäßige lang vor, danach brauchte ich eine Pause.
Ich hatte heute morgen viel Mitleid mit Preysing, der da in Verhandlungen steckt, die er gar nicht führen möchte. Mir kommt er nicht wie ein Schurke vor, sondern wie jemand der auf einem Posten sitzt auf den er gar nicht passt. Er muss schauspielern, um das zu verbergen und fühlt sich dabei sehr unwohl. Hatte er in die Firma eingeheiratet? Wurde dazu schon was geschrieben? Naja, auf alle Fälle wurd ihm diese Lüge schon noch zum Verhängnis werden.

 

Hatte er in die Firma eingeheiratet? Wurde dazu schon was geschrieben? Naja

Ja, an verschiedenen Stellen. Da wurde auf den"alten Herren" hingewiesen und das er dir Tochter geheiratet hat.

Im dritten Teil wird das nochmal näher betrachtet.

 

deshalb lasse ich des Richters ausführliche Zusammenfassungen aus, sonst verliere ich das Interesse.
Meine Gedanken bisher: Das Buch ist im Stil seiner Zeit geschrieben (ähnlich wie Tucholsky, Kästner, Fallada, Kaleko). Es war ja die Ära von Bauhaus und Artdeco: vereinfacht, flach gehalten, aufs Wesentliche fokussiert. Okay, hier Artdeco, da ziemlich blumig ausgeschmückt ;-) Das würde ich jetzt nicht als Bedienen von Klischees betrachten. Die...leins und... chens sind für mich einfach die Vertreter der "kleinen Leute", die nicht besser und nicht schlechter sind als alle anderen. Die Protagonisten spielen eine Rolle vor, die ihnen nicht entspricht. Das Reelle in der Geschichte ist das Hotel und sein Personal, das den Rahmen gibt oder die Bühne. Na, ich lese erstmal weiter.

 

die -chen und -leins sind mir gar nicht aufgefallen. Aber die Interpretation als kleine Leute ist schon richtig. Danke an Richter-Di für den Booktalk. Da lese ich den letzten Abschnitt gleich nochmal anders.

P.S. Wenn's mal wieder einen Booktalk gibt, bin ich dabei ;-)

 

Und so viel kürzer als die von mir verfassten finde ich sie auch nicht :-)

Meine Lieblings-Textstellen in diesem Abschnitt:

- Zwei Unaufrichtigkeiten bauten die Brücke, auf der die Liebenden zusammenkommen konnten.
- [...] eine Meisterin in der Kunst der Privatsekretärinnen, nicht vorhanden zu sein [...]
- Mit solcher Krawatte werden Sie das Leben nie einholen, in Ihrem Anzug kann man sich nicht glücklich fühlen.
- Außerdem gab es da noch einen Satz zwischen Grusinskaja und Gaigern: "Alle Männer spielen Theater, und alle Frauen glauben es" oder ganz ähnlich. Den habe ich jetzt gerade nicht wiedergefunden.

Ansonsten:
Kringeleins Schritte in ein neues Leben haben mir sehr gut gefallen, mir gefällt die Wandlung, die er mitmacht, innerlich und äußerlich.
Der von Gaigern geplante Diebstahl der Perlen nimmt einen völlig anderen Verlauf. Im Grunde wird dadurch aber auch deutlich, dass er wirklich in allen Lebensbereichen scheitert. Von allen Protagonisten dürfte er den mit Abstand besten Start ins Leben gehabt haben und macht gar nichts daraus. Mit Versuchen, einen Beruf zu ergreifen, ist er bisher gescheitert (und wird es mit seinem Charakter voraussichtlich weiter tun), als Ganove hat er zuviel Gewissen.
Preysing wird zum Hochstapler wider Willen, das wird nur wenige Tage gutgehen, was ihm auch sehr bewusst ist. Das bleibt spannend.

 

Oh nein Gaigern ist ein schurkiger Lebenskünstler. Der muß genauso sein. Zum Glück hat er ein Gewissen. Und trägt so die Konsequenzen seines Handelns Einen Beruf braucht er nicht. In jedem Fall ist er der Glücklichste dieser Gestalten. Wenn man mal von Leichtes-Leben-Flämmchen absieht.

 

war diese Aussage der Gru:

" Man haßt die Arbeit, man verflucht die Arbeit, aber man kann nicht existieren ohne die Arbeit. Drei Tage Ruhe, und da ist die Angst: ich verliere die Form, ich werde schwer, die Technik geht zum Teufel. Man muß tanzen, das ist eine Besessenheit; so giftig ist kein Morphium und kein Kokain und kein einziges Laster auf der Welt wie die Arbeit und der Erfolg, glaub mir das. Man muß tanzen, man muß tanzen."

Das kann sicherlich jeder Workoholic unterschreiben. Es ist eine schöne Beschreibung unserer Arbeitswelt.

 

 

Ich bin schon seit Samstag durch.
Deshalb habe ich bei deinem letzten Kommentar gegrinst, aber vor Sonntag werde ich auch nichts verraten 😁

 

😊

 


Kringelein gewinnt, nach dem aufrüttelnden Boxkampf, eine grosse Summe im Spielsalon. Er bricht am selben Abend zusammen. Gaiger bestiehlt ihn. Dr Otternschlag erzwingt aber die Rückgabe des Geldes.
Gaiger ist nun gezwungen sich das Geld für die Wien Reise woanders zu holen.

Kringelein geht am nächsten Tag in Preysings Zimmer und beschimpft, keck geworden, seinen ehemaligen Vorgesetzten. Er verurteilt dessen Umgang mit den Beschäftigten. Auch dessen Aufstieg durche Einheirat wird beschrieben.

Dieser vergnügt sich mit Flämmchen.
Er hat mit ihr vereinbart das sie gemeinsam nach England reisen und sie seine Geliebte wird.

Baron Gaiern wird von Preysing beim Diebstahl ertappt,  und von einem tödlichen Schlag , mit einem Gegenstand vom Fabrikdirektor hinterrücks niedergestreckt.
Flämmchen, nackte Zeugin der Vorgänge, flieht und fällt in Ohnmacht und erwacht in den Armen eines überglücklichen Kringelein.
Der klärt die Sache mit Preysing, der ist nun endgültig ruiniert, und wird  von der Polizei abgeführt.
Die Leiche des Barons wird diskret über die Lieferantentreppe entsorgt, und es ist Kringelein, der mit Flämmchen nach London fährt.

Portier Senf ist glücklich das dass Kind nun da ist.
In Wien wird die Gru vergebens warten.....

Zurück bleibt Doktor Otternschlag, der sich an der Rezeption nach Post erkundigt, die nie eintrifft.
Die Leute kommen und gehen und nichts passiert....

Der letzte Teil war nicht so stark wie die anderen beiden.
Da überstürzt sich zu viel.

Vicky Baum hat mit diesem Buch vieles was folgte vorweg genommen.
Ein Roman der hauptsächlich an einem Ort, in einer kurzen Zeit, 4 Tage und Nächte, spielt. Eine begrenzte Personenzahl, und eine Handlung die sich auf die Personen aufteilt.

Ich finde der Roman ist es wert von mehr Lesern wieder entdeckt zu werden.
Fallerdas Kleiner Mann - was nun? ist das ja vor einigen Jahren auch gelungen.

 

Der letzte Teil war nicht so stark wie die anderen beiden.
Da überstürzt sich zu viel.

Diese stetige Steigerung des Tempos bis fast zum Schluß empfand ich gerade als Stärke des Romans. Auch, daß so einiges für mich nicht Vorhersehbares geschah...

Vicky Baum hat mit diesem Buch vieles was folgte vorweg genommen.

Kannst Du das ein bißchen ausführen bitte?
Mir war nämlich der sehr unterhaltsame Roman fast zu unpolitisch... was habe ich übersehen?

 


Vicky Baum hat mit diesem Buch vieles was folgte vorweg genommen.
Ein Roman der hauptsächlich an einem Ort, in einer kurzen Zeit, 4 Tage und Nächte, spielt. Eine begrenzte Personenzahl, und eine Handlung die sich auf die Personen aufteilt.



Ich glaube, Richter-Di meint die Form des Romans als Ensemble-Roman und nicht die politische Geschichte. Auch die Verfilmung von 1932 mit Greta Garbo in der Rolle der Gru, gilt als erster Film mit Starbesetzung.

 


Vicky Baum hat mit diesem Buch vieles was folgte vorweg genommen.
Ein Roman der hauptsächlich an einem Ort, in einer kurzen Zeit, 4 Tage und Nächte, spielt. Eine begrenzte Personenzahl, und eine Handlung die sich auf die Personen aufteilt.



Ich glaube, Richter-Di meint die Form des Romans als Ensemble-Roman und nicht die politische Geschichte. Auch die Verfilmung von 1932 mit Greta Garbo in der Rolle der Gru, gilt als erster Film mit Starbesetzung.

Genau das meinte ich.

 

Vicky Baum hat mit diesem Buch vieles was folgte vorweg genommen.

Ich glaube, Richter-Di meint die Form des Romans als Ensemble-Roman und nicht die politische Geschichte.

Genau das meinte ich.

Danke für Eure Antworten.
War das vorher wirklich so ungewöhnlich?
Eigentlich fast wie ein Theaterstück: "hauptsächlich an einem Ort, in einer kurzen Zeit, ... begrenzte Personenzahl, und eine Handlung die sich auf die Personen aufteilt"

 

Vicky Baum hat mit diesem Buch vieles was folgte vorweg genommen.

Ich glaube, Richter-Di meint die Form des Romans als Ensemble-Roman und nicht die politische Geschichte.

Genau das meinte ich.

Danke für Eure Antworten.
War das vorher wirklich so ungewöhnlich?
Eigentlich fast wie ein Theaterstück: "hauptsächlich an einem Ort, in einer kurzen Zeit, ... begrenzte Personenzahl, und eine Handlung die sich auf die Personen aufteilt"


Ja, als Roman war das bis dahin nicht üblich. Sonst gab es immer ein oder zwei klare Hauptpersonen.

 

Mir hat dieser letzte Teil am besten gefallen. Es ist Frau Baum gut geglückt alles enden zu lassen ohne das es ein wirkliches Ende gibt- außer bei Gaiger.
Und den letzten Abschnitt mit Otterschlag und Georgi, ihren unterschiedlichen Wahrnehmungen auf das Leben, ob etwas passiert fand ich sehr gelungen.

 

Danke, Richter-Di, für deine Zusammenfassung, die ich wieder sehr gelungen finde.
Inhaltlich stimme ich dir nicht ganz und gar zu. Ich fand den Teil 3 inhaltlich schon sehr stark und voller unerwarteter Wendungen, die mir lesetechnisch aber gut gefallen haben.

Preysing: Am Ende ruiniert, aber wegen des Totschlags an Baron Gaigern, weil niemand an die Notwehr-Situation glaubt, und seine (letztlich nicht einmal vollzogene) Untreue mit Flämmchen Zwo auffliegt. Die geschäftliche Situation gerät völlig ins Hintertreffen.

Gaigern: Überlebt sein letztes Schurkenstück nicht. Deshalb musste ich so bei whitcajs Kommentar: "In jedem Fall ist er der Glücklichste dieser Gestalten" grinsen. ;-) Kompletter kann eine Person nicht scheitern.

Portier Senf: Der einzige durch und durch Glückliche, die Krise der Geburt ist überstanden, Mutter und Kind sind wohlauf. Das sollte wohl einen Gegenpol zu den Hotelbewohnern darstellen...

Kringelein und Flämmchen Zwo: Zumindest vorübergehend glücklich. Kringelein kann sein Lebensende so verbringen, wie er es sich wünscht, ihn hat der Hotelaufenthalt in seinen Zielen vorangebracht. Bezogen auf seine Person ist das ein regelrechter Bildungsroman...
Flämmchen Zwo ist - anders als erwartet - nun doch auf dem Weg nach England. Zumindest für einige Zeit ist sie abgesichert und sogar noch in Begleitung eines Mannes, der ihr sympathischer als Preysing ist.

Otternschlag: Ist der einzige, an dem die Ereignisse fast spurlos (abgesehen von der weiteren Enttäuschung, keine Freundschaft mit Kringelein entwickelt zu haben). Am Ende sitzt er genau so in der Hotelhalle, wie am Anfang. Ihm fehlt die Energie, selbst etwas an seiner Situation zu ändern. Es heißt im Text ja auch, dass er die Energie zum Abreisen nicht aufbringt.

 

Preysing: Am Ende ruiniert, aber wegen des Totschlags an Baron Gaigern, weil niemand an die Notwehr-Situation glaubt, und seine (letztlich nicht einmal vollzogene) Untreue mit Flämmchen Zwo auffliegt. Die geschäftliche Situation gerät völlig ins Hintertreffen.


Nicht vollzogen?
Meinst du das Preising nur neben der nackigen Flämmchen lag?
Ich habe das so verstanden das Preysing bereits eine art "Vorschuß" auf die in Aussicht gestellten Wonnen der Englandreise bekommen hat.

Im Übrigen gab es in diesem Roman relativ viele Nacktszenen und lockere Moral.
Das wurde in Romanen späterer Zeit ( 40/50er Jahre) komplett anders.

 

Nicht vollzogen?


Du hast vollkommen Recht! Ich hatte es falsch in Erinnerung, ich habe mich nur an die Szene erinnert, in der Flämmchen Zwo auf Strümpfen durch das Zimmer geht.
Bis zu dem Einbruch von Gaigern sind dann aber mehrere Stunden vergangen. Da ist es naheliegend, dass die zwei nicht untätig waren ;-)

 

Also die Entwicklung der Dinge ist bedauerlich, naja, das moralische Schauspiel ist zu Ende. Die Sprache toll,die Charaktere zweifelhaft und das Ende erwartungsgemäß trübe. Die Allianz zwischen Kringelein und Flämmchen paßt überhaupt nicht.

 

Ich hätte jetzt nicht das Bedürfnis, nochmal Vicky Baum zu lesen, aber wegen der Sprache hat sich das Buch gelohnt.

 

Ich hätte jetzt nicht das Bedürfnis, nochmal Vicky Baum zu lesen ...

Hm, verstehe ich, allerdings dachte ich auch gleich:
gibt es denn da überhaupt viel??
Und, ja, doch, da gibt es noch so einiges.

Ich könnte mir z.B. vorstellen "Hotel Shanghai" zum Vergleich zu lesen.
Oder "Liebe und Tod auf Bali", so Völkerkundliches finde ich spannend.
Und für die, die Grus Figur besonders interessant fanden, wäre vielleicht "Die goldenen Schuhe, Roman einer Primaballerina" was?

 

Die Allianz zwischen Kringelein und Flämmchen paßt überhaupt nicht.


Ich finde die sogar sehr passend! 😁

 

Die Allianz zwischen Kringelein und Flämmchen paßt überhaupt nicht.


Ich finde die sogar sehr passend! 😁

Ich fand darin ein bisschen Trost...
und ein klein wenig Hoffnung...

 

gestern beim meetup hatten wir das thema 'menschen im hotel'
das buch habe ich damals gerne gelesen

 

gestern beim meetup hatten wir das thema 'menschen im hotel'
das buch habe ich damals gerne gelesen


Ja, war ein gutes Gespräch und die beiden Anderen wollen nun das Buch auch bald lesen. Das Buch ist ja auch in gute Hände weiter gewandert:-)

 

Meiner Meinung nach hat das Buch im dritten Teil noch mal richtig Fahrt aufgenommen, während es im mittleren etwas langatmig zu ging (besonders die Liebesszene zwischen Gru und Gaigern).
Interessant fand ich auch, das der Mord (in Notwehr) erst ganz zum Schluss passiert - und somit ja der Höhepunkt des Buches ist. Andersherum hätte es einen klassischen Krimi abgegeben. Den Mord habe ich aber so nicht abgesehen, kam für mich ziemlich überraschend.
Flämmchen und Kringelein - die beiden "kleinen Leute" zum Schluss Hand in Hand aus dem Hotel gehen zu sehen, macht tatsächlich etwas Hoffnung. Auch wenn Kringeleins Ende naht.
Tatsächlich hat sich ja für alle etwas geändert - abgesehen für Dr. Otternschlag, der des Selbstmords nicht fähig war, ihn aber als Option sieht: "Die Drehtür muß offen bleiben. Der Ausgang muß jederzeit parat sein. Sterben muß man können, wann es einnem paßt. Wann man selber will."

Über die Figur des Baron Gaigers wurde ja schon viel gerätselt. Was er nun eigentlich ist. Da ist mir diese Textstelle aufgefallen: "Gaigern war kein Ehrenmann, denn er hatte schon gelogen und geschwindelt. Und er war kein Verbrecher, denn die guten Instinkte seiner Natur und Rasse zerbrachen zu oft seine üblen Absichten. Er war ein Dilettant des Abenteuers. Es war Kraft in ihm, aber nicht genug Kraft."

@whitecaj: Ich hätte jetzt nicht das Bedürfnis, nochmal Vicky Baum zu lesen, aber wegen der Sprache hat sich das Buch gelohnt.
-> da stimme ich zu

 

Meiner Meinung nach hat das Buch im dritten Teil noch mal richtig Fahrt aufgenommen, während es im mittleren etwas langatmig zu ging (besonders die Liebesszene zwischen Gru und Gaigern).

Empfand ich auch so, daß es noch richtig rasant wurde im 3.Teil,
allerdings fand ich den 2.Teil (besonders die Liebesszene zwischen Gru und Gaigern)
gar nicht als langatmig.

Ob das nun Zufall war, jedenfalls durch die von Richter-Di vorgegebene Dreiteilung des Romans kam es mir wirklich auch so vor, als ob es drei im Tempo sich steigernde Abschnitte waren. Erst die Vorstellung der Protagonisten und Vorgeplänkel, dann Schwierigkeiten und Verwicklungen, und dann Entwirrungen und Abschlüsse und auch neue Anfänge...

Für Gaigern war ich direkt ein bißchen erleichtert, daß sein Leben so plötzlich endete. Von dort aus wäre es nur noch bergab gegangen.
Als einige von euch weiter oben schrieben, daß sie keine der Figuren sympathisch finden, wollte ich mich nicht anschließen, denn sie waren doch alle so menschlich. Aber nun, am Ende, habe ich auch nicht wirklich für irgendeinen Mitleid.
Ich hoffe, die Gru erfährt recht bald vom Tod Gaigerns, damit dieses Abenteuer ihr immer in wehmütiger Erinnerung bleibt (daß ihr Verehrer den Tod fand, wiederholt ja fast ein bißchen was damals mit dem Jedingskovchin geschah).

 

und fand die Liebesszene Gru/Gaigern auch etwas schwülstig, wobei ich denke, im historischen Zusammenhang hat sie ja schon fast was Feministisches Wie da Partei für eine alternde Frau ergriffen wird, das muss man heute erstmal suchen. Aufgetankt durch ein unverwartetes Sexabenteuer startet sie als Chefin der Companie sofort wieder durch. Sehr souverän. Obwohl sie ja eigentlich eine Ballerina-Oma ist.
Ich finde den Roman als Zeitkapsel sehr interessant : da gab es Lese-und Diktierzimmer, Telefonkabinen, Schönheits-OPs usw.

 

Ich finde es gut das wir dieses Werk gemeinsam gelesen haben und das jeder seine Eindrücke geschildert hat. Dadurch bekommt man neue Impulse.

Sollten wir im Forum öfter mal machen.....

 

Ich wäre definitiv dabei!

 

 

Ich habe da was im Sinn.
Etwas das ich schon immer mal lesen wollte....

Antihelden, ja kann man so sehen.
Modern, na ja Ein Klassiker der amerikanischen Moderne:-)

Ich melde mich Ende März nach dem Welttag des Buches dazu.

 

Ich auch Jens Sparschuh😊. Wende-Autor mit ziemlichen Antihelden, aber geistreich.....

 

Ich auch Jens Sparschuh😊. Wende-Autor mit ziemlichen Antihelden, aber geistreich.....

Da wäre ich dabei.
An welchen Titel hast Du gedacht?
Frag' doch mal im Forum, ob sich Mit-Talker finden :o)

 

Ui, da bin ich aber gespannt.

 

hört sich gut an - kommt aber auf den Titel an.

 

kommt aber auf den Titel an.


Welche Bücher schlägst du vor?

 

Das Leben kostet viel Zeit.
So heißt das Buch, was mir bisher am besten gefällt.

 

Mitlesen. Siehe thread Buchgespräch.

 

Richter Di, Ophelia 1 und alle Anderen, habt ihr Lust ab 1. März auf
"Das Leben kostet viel Zeit" ?
Soll ich dafür dann einen Extra-Thread aufmachen oder änderst du Richter-Di einfach Titel und Datum?

 

Richter Di, Ophelia 1 und alle Anderen, habt ihr Lust ab 1. März auf
"Das Leben kostet viel Zeit" ?
Soll ich dafür dann einen Extra-Thread aufmachen oder änderst du Richter-Di einfach Titel und Datum?


Ich finde es gut wenn du einen neuen Thread aufmachst. Falls mal Jemand im Forum nach dem Buch oder dem Booktalk sucht.

Ich bin zur Zeit nicht an gemeinsamem Lesen interesssiert, da ich vielleicht 3 mal im Jahr mitlesen würde und das auch nur bei Büchern die ich länger schon lesen wollte.
Dazwischen versuche ich meinen Mount TBR abzulesen.

Ich wünsche aber viel Spass beim Lesen und regen Austausch zum Buch.

 

Normalerweise finde ich es nervig, wenn Bookcrosser schreiben, dass und warum sie etwas NICHT machen - aber wenn ich direkt angesprochen werde...

Bei mir sind es zwei Gründe:

Da das hier meistens mit den Leserunden/Booktalks nicht so gut läuft, bin ich mittlerweile auch auf anderen Websites unterwegs. Mir machen die nämlich extrem viel Spaß! 😀
Jedenfalls nehme ich dort Ende Februar an einem Rudel-lesen zum Buch "Der Untertan" von Heinrich Mann teil. Damit werde ich zu keinem der von dir genannten Zeitpunkte fertig sein.

Außerdem interessieren mich zum Gruppenlesen eher Bücher, die ich schon eine gefühlte Ewigkeit lesen möchte, aber bei denen mir im Alltag der Dreh fehlt, sie tatsächlich in die Hand zu nehmen. Das sind in meinem Fall eher Klassiker.

Von deinem Buch habe ich bisher nicht einmal gehört, wäre unter Umständen aber nicht abgeneigt. Nur passt es zeitlich, wie gesagt, im Moment nicht.

 

Okay, dann spreche ich die Interessierten persönlich an.
Danke für eure Antworten.

 

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