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Die Kunst, im Chor zu weinen
by Erling Jepsen | Literature & Fiction
Registered by wingolagoriewing of Stuttgart, Baden-Württemberg Germany on 9/19/2010
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Journal Entry 1 by wingolagoriewing from Stuttgart, Baden-Württemberg Germany on Sunday, September 19, 2010

7 out of 10


"Wenn Vater eine gute Grabrede hält, dann haben ihn die Leute gern, und wenn die Leute ihn gern haben, dann hat er auch uns gern."

Allan, der elfjährige Sohn des Milchmanns, weiß, wie man zu Tränen rührt. Zusammen mit seinem Vater besucht er sämtliche Beerdigungen des Ortes. Die Grabreden des Vaters – unterstützt durch den traurigen Blick des Sohnes – bringen die Angehörigen unweigerlich zum Weinen; und da eine gute Rede dem Umsatz des elterlichen Ladens zugute kommt und zudem die "psychischen Nerven" des Vaters beruhigt, ist die Logik für Allan klar: des einen Tod, des anderen Brot.

Aber was tun, wenn die Todesfälle ausbleiben? Wer hat das Feuer gelegt, in dem Allans Großmutter umkam? Wird die große Schwester deshalb wenig später in die Psychiatrie gebracht? Oder etwa, weil sie nicht länger mit dem Vater auf dem Sofa schlafen mag?

Eine abgründige Familiengeschichte, geschildert aus dem treuherzigen Blickwinkel eines Elfjährigen, dem die familiäre Harmonie über alles geht und dem es deshalb zunehmend schwerer fällt, "gut" und "böse" voneinander zu unterscheiden.

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Erling Jepsen wurde 1956 in der Kleinstadt Gram in Südjütland geboren. Sein Vater war der Milchmann des Ortes (der letzte Milchmann Südjütlands), die Mutter bediente im Kaufmannsladen der Familie. Erling Jepsen studierte in Aarhus und debütierte als Schriftsteller 1977 mit einem Hörspiel, er lebt als Dramatiker und Romanautor in Kopenhagen.

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Ich fand das Buch teilweise ziemlich heftig, wenn der Junge so "naiv und harmlos" vom Inzest und der - phsychischen und physischen - Gewalt durch den Vater berichtet. Aber das Mitleid verfliegt kurzzeitig wenn man mit seinen verqueren Gedankengängen konfrontiert wird - schade bloß, dass die Katze gestorben ist.

Die Doppelmoral der Bevölkerung, eine Mutter die wegschaut, ein älterer Bruder, der zu helfen versucht, aber letztendlich überfordert ist.

Die Erzählweise hat mich zeitweise aber doch etwas genervt - der Junge ist 11, nicht 7!

Lustig war's zwischendurch auch (allerdings eher nicht für die Kaninchen). Die Entführungsgeschichte und anschließende Odysee ist skuril - ob ich wohl auch 25 Öre fürs in die Tüte pusten bekomme?

Hier übrigens eine tolle Rezension:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/895872/

Zählt für Dänemark.

 


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