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Teufelsmetall
by Augusto Céspedes | Literature & Fiction
Registered by Torgin of Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on 3/21/2010
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Journal Entry 1 by Torgin from Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on Sunday, March 21, 2010

8 out of 10

Zenón Omonte ist ein junger Mestize in den Bergen Boliviens und das prägendste Ereignis seiner Jugend im ausgehenden 19. Jahrhundert ist die Bergung einer Goldkiste, die beim Versuch einer Maultierkarawane einen Fluß zu queren, zunächst verloren ging. Zenón wächst bei seinem Onkel auf, dem Priester der Gemeinde, und geht diesem bei seinen Reisen zur Hand. Als der Onkel stirbt, holt ihn der nächste Onkel in die Stadt und in sein Geschäft. Zenón merkt bald, daß auf diese Weise zwar vielleicht ein Lebensunterhalt, aber nicht viel Geld zu verdienen ist. Mit Tricks und Täuschungen bringt er sich in den Besitz von Mutungen für ein Erzgebiet in den Bergen. Diesen Anspruch muß er auch sehr handgreiflich verteidigen, und lange sieht es nicht so aus, als käme hier je Ertrag zum Vorschein. Mit den buchstäblichen letzten Pesos wird aber eine äußerst ertragreiche Zinnader gefunden, und von nun an ist Omontes Aufstieg zum Zinnbaron unaufhaltsam.

Schon früh findet er einerseits Leute, die ihm bei Bergbaufragen helfen, andererseits fähige Anwälte. Und da er auch keine Hemmungen hat, die Indios auszubeuten, die in seinen Gruben arbeiten, entsteht mit der Zeit ein immer weiter verzweigtes Firmen- und Finanzimperium. Auf Grund seiner schieren Größe kontrolliert Omontes Unternehmen, zusammen mit wenigen anderen, die bolivianische Politik. Er selbst wohnt mit Frau und Kindern lange in Europa, übernimmt dort auch offiziell die Gesandtschaft für Bolivien und verdient immer mehr Geld, während die Arbeitsbedingungen in seinen Betrieben, vor allem in den Gruben, sich zwar durch den Einzug neuer Technik ändern, aber für die Arbeiter erbärmlich bleiben. Gewerkschaften, Streiks, Lohnforderungen – alles wird gnadenlos ausgemerzt, niedergeschlagen, abgewiesen. Aber mit all seinem Geld kann sich Omonte doch kein Glück und keinen Seelenfrieden kaufen.

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Céspedes hat sich bei diesem Roman erklärtermaßen am Leben von Simón Ituri Patiño orientiert, wenngleich er diesen hier ziemlich dämonisiert haben soll. Patiño/Omonte war sicher kein Philanthrop, aber einiges an der Darstellung dürfte auch Céspedes' politischer Haltung geschuldet sein, schließlich war er wichtiges und aktives Mitglied der nationalen Befreiungsbewegung, die 1952 nach einer Revolution in Bolivien die Macht übernahm. Daß seine Sympathien für die Großkapitalisten, die das Land jahrzehntelang nach ihrer Pfeife tanzen ließen und für ihre eigenen Interessen ausnutzten, gering waren, verwundert daher nicht. Die mit fortschreitender Erzähldauer immer ideologischer werdende Sprache ist aber auch schon mein größter Kritikpunkt.

Darüber hinaus ist es eine vor allem eine interessante Studie über ökonomische Mißbildungen in armen Ländern, die dort auch heute noch für viele Probleme ursächlich sind. Wie Céspedes hier die Nutzung eines „Staates“, dem man diesen Status eigentlich absprechen muß, es handelt sich bei diesem Gebilde eher um das Privateigentum des Magnaten, durch eine Wirtschaftsoligarchie aufzeigt – das hat etwas Beklemmendes. Es erscheint so leicht, und wahrscheinlich war es auch genau das. Ein Staat, der von den Steuerzahlungen durch eine Handvoll Unternehmen abhängig ist, verliert seine Handlungsfreiheit, beschließt Gesetze nach dem Gusto der Unternehmen, auch ohne, daß diese direkten Einfluß nehmen, das tun sie eigentlich nur sicherheitshalber. Und auf der anderen Seite stehen die Arbeiter, die diesen Überfluß erwirtschaften, und dafür keine angemessene Gegenleistung erhalten. Ausbeutung der schlimmsten Sorte ist das Fundament dieses Zinnimperiums. Da ich mich im Studium schon mal intensiver mit den Verhältnissen im Ruhrbergbau um die Jahrhundertwende beschäftigt habe, war es interessant, Vergleiche zu ziehen. Mit dem Abstand von nur wenigen Jahrzehnten sind die Unterschiede in den Mechanismen nur graduell, und diese Allgemeingültigkeit vor Augen zu haben, finde ich immer besonders erschreckend. Positiv ist in diesem Zusammenhang übrigens auch noch zu vermerken, daß in der deutschen Übersetzung auf korrektes Bergbauvokabular geachtet wurde, egal ob es um Stollen, Strebe, Schächte oder anderes geht. Teufelsmetall gilt als einer der wichtigsten bolivianischen Romane, und die Geschichte, die er erzählt, könnte auch in vielen anderen Ländern spielen, das macht ihn auch über die Grenzen dieses Landes hinaus bedeutend.
 


Journal Entry 2 by SJJ-315643 on Tuesday, April 13, 2010

This book has not been rated.

Vorgestern bekommen, vielen Dank! 


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