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Erbarmen
by Jussi Adler-Olsen | Mystery & Thrillers
Registered by clawdiewauzi of Essen, Nordrhein-Westfalen Germany on 10/24/2009
Average 10 star rating by BookCrossing Members 

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Journal Entry 1 by clawdiewauzi from Essen, Nordrhein-Westfalen Germany on Saturday, October 24, 2009

10 out of 10

Klappentext:

„Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?“
Der Albtraum einer Frau.
Ein dämonischer Psychothriller.
Der erste Fall für Carl Mörck.


Aufbau/Handlungsinfos (spoilerfrei, was auflösungsrelevante Punkte betrifft!):

Den Anfang fand ich ziemlich verwirrend, denn im Prolog geht es gleich richtig zur Sache und man beobachtet die gefangene Merete bei ihren Überlegungen, wie sie aus ihrem Gefängnis ausbrechen könnte. Danach aber steht erst einmal ein Kommissar im Mittelpunkt, eben Carl Mörck, und danach begleitet der Leser eine quietschfidele Politikerin namens Merete während eines ganz normalen Tages.
Die Irritation legt sich aber recht bald und man versteht den Aufbau des Ganzen:

Auf der einen Seite begleitet man Merete eben in ihrem Alltag und ein Stück weit durch die Zeit vor ihrer Entführung, erst danach folgen logischerweise die Kapitel aus der Gefangenschaft.

Auf der anderen Seite steht der Kommissar Carl Mörck, der sein ganz eigenes Päckchen zu tragen hat. Vor einigen Monaten wurden seine Kollegen und er unerwartet in eine Schießerei verwickelt, wobei ein Kollege starb und der andere gelähmt, ohne Hoffnung auf Heilung, im Krankenhaus liegt. Nur Mörck ist weitgehend unverletzt aus dem Geschehen hervor gegangen und macht sich natürlich riesige Vorwürfe. Das ist dem Arbeitsklima eher abträglich, denn Mörck, der ein großartiger Ermittler ist, aber ohnehin schon ständig an der Arbeit anderer etwas auszusetzen hat, wird unerträglich. Das bleibt auch seinen Vorgesetzten nicht verborgen, die schließlich eine Idee haben: Eine Politikerin forderte jüngst die Einrichtung eines Dänemark-weiten Dezernats zur Wiederaufrollung alter Fälle. Sie behauptete, es seien bestimmte Typen von Fällen, die komischerweise ungelöst zu den Akten gelegt würden, etwa besonders brutale Vergehen und solche, in die Personen mit Rang und Namen involviert wären. Die Einrichtung eines solchen Dezernats wird tatsächlich durchgesetzt und Carl Mörck soll dieses Dezernat leiten. Was großartig von Mörcks Vorgesetzten verkauft wird und wofür sie einen großen Etat vom Staat kassieren, sind allerdings tatsächlich so aus, dass man das Geld in die ureigene Abteilung leitet statt in das so genannte Dezernat Q und Mörck in ein karges Kellerbüro verbannt, ihm einige Aktenstapel auf den Schreibtisch legt und von Zeit zu Zeit ein paar Infos über den Ermittlungsstand von Mörck hören möchte.
Mörck ist das nur recht, denn sein Tatendrang als Polizist ist seit der Schießerei völlig erschöpft und er ist froh, als Schreibtischhengst einfach nur jeden Tag seine Füße hochlegen zu können. Als er von den Geldern erfährt, ist allerdings doch sein Ego angekratzt und er verlangt, praktisch als Entschädigung, einen Dienstwagen, einen Flatscreen und einen Mitarbeiter, der die Kellerräume reinigt, die Akten für ihn sortiert und Kaffee kocht.

Und so tritt der Syrer Assad in Mörcks Leben, der höchst interessiert ist an kriminologischen Details, praktisch im Vorbeigehen all seine Aufgaben höchst gründlich erledigt und sich dann mit geradezu kindlicher Begeisterung an Mörcks Ermittlungen beteiligen will. Ein bisschen in die Enge getrieben von dem neugierigen und stets gut gelaunten Assad greift Mörck schließlich nach einer der alten Akten, um wenigstens so zu tun, als arbeite er wirklich an einem alten Fall. Ja, man ahnt es schon, in dieser alten Akte geht es um das ungeklärte Verschwinden einer gewissen Merete Lynggaard, die schließlich für tot erklärt wurde.

Spätestens da sollte der Groschen also beim Leser fallen und er bemerken, dass die meisten Kapitel mit Jahreszahlen überschrieben sind. Meretes Erzählstrang beginnt 2002, der von Mörck verläuft durch das Jahr 2007 - und beide nähern sich langsam an.

Kritik:

Dieser Thriller ist so unglaublich spannend und hat eine solche Sogwirkung, dass ich das Buch nicht gelesen, sondern vielmehr an einem halben Tag verschlungen habe. Dieses Buch funktioniert, und das auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass man eigentlich gar nicht anders kann, als restlos begeistert zu sein, finde ich.

Zuerst zu nennen ist da natürlich der Plot, und wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, dann macht ihn das nur noch interessanter. Nichts ist nämlich klar vorhersehbar in diesem Buch.

Und bei dieser wirklich starken Geschichte spielen zudem wirklich gut ausgearbeitete Charaktere mit. Wobei ich sagen muss, dass Mörck selbst als Protagonist dabei noch am blassesten erscheint. Zwar wird man sich im Klaren über seine Arbeitseinstellung und die zum Leben an sich, aber die privaten Details aus Mörcks Leben, die da so angerissen werden, waren zumindest mir deutlich zu abstrus und das waren die einzigen Passagen, die mich aus der Spannung immer rausgerissen haben und bei denen ich auch im Nachhinein nicht sagen kann, wofür all dieses Abgedrehte gut sein soll.

Das macht Mörcks Pseudogehilfe Assad allerdings wieder wett. Nach und nach erfährt man immer mehr über ihn und lernt Assad immer besser kennen. Schon recht früh wird klar: In dem Mann steckt noch mehr. Vor allem die Widersprüche, die Assad bietet, machen ihn interessant und unterhaltsam.

Merete selbst besticht durch ihre Stärke in Gefangenschaft, die ich jederzeit völlig glaubwürdig fand inklusive all ihrer Schwankungen und Gedankengänge.

Und natürlich kommt bei einem wirklich guten Schmöker auch der Pathos nicht zu kurz. Mörck, der durch den Fall Merete Lynggaard sowie die Neugier und Lebensfreude Assads aus der depressiven Verstimmung, dem posttraumatischen Syndrom oder was auch immer es genau ist, das Mörck seit der Schießerei plagt, langsam wieder ins Leben zurückkehrt. Schön! Und dabei an keiner Stelle zu gewollt, zu konstruiert oder irgendwie unglaubwürdig.

Abgesehen von den Details aus Mörcks Privatleben hat „Erbarmen“ mir wirklich ausnahmslos gut gefallen und ich hoffe, bald weitere Fälle von Mörck und Assad als Leserin begleiten zu können und bei der Gelegenheit vor allem Assads Hintergrund besser kennen lernen zu können. Die Chancen dafür stehen ganz gut, denke ich, denn der Untertitel von „Erbarmen“ lautet „Der erste Fall für Carl Mörck, Sonderdezernat Q“, und tatsächlich wurden ein zweiter und ein dritter Fall in Dänemark bereits veröffentlicht. 


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