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Das Leben der Wünsche
by Thomas Glavinic | Literature & Fiction
Registered by merkur007 of Frankfurt am Main, Hessen Germany on 7/22/2009
Average 7 star rating by BookCrossing Members 

status (set by Urfin): to be read


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Journal Entry 1 by merkur007 from Frankfurt am Main, Hessen Germany on Wednesday, July 22, 2009

7 out of 10

mal wieder was von vorablesen.de

Meine Rezension:


Lange Zeit dachte ich, das geht schief, da hat einer zu viel Freud gelesen, da konstruiert er noch den nightmare als Wunscherfüllung, da verrennt er sich, der Glavinic, so wie sein Protagonist. Lesbar dennoch, ich folgte den Wirbeln. Fand einen sehr männlichen Erzählstil, eine männliche Perspektive, technisch noch bis in die Konkretion (Heizung nachfüllen, Autos, Schnellboot), Emotionen gegenüber konsequent hilflos rätselnd. Ausgeliefert einem Leben in minimaler Selbsterkenntnis.

Also muss sie von „Außen“ kommen, die Selbsterkenntnis, aus dem Wirken des mysteriösen Wunscherfüllers, der Jonas’ inneres Wunschgeflecht, diesem unbekannt, in die Welt zerrt und entwirrt, dafür diesen aber nicht weniger verwirrt.. Oder doch alles nur Zufall, wer kann das wissen? Der Protagonist jedenfalls nicht – und der Autor mag ihm nicht zu Hilfe kommen. Denn er, der Autor, hat ja Jonas hingestellt, und ist selbst der experimentierende Alchemist mit den Wünschen. Welche Wünsche kann einer haben, der ein ganz normales, eher doch langweiliges Leben führt, unperfekt, aber nicht wirklich unzufrieden? Und so katapultiert in einer Art doppeltem Spiegelverhältnis der Autor aus seiner Figur heraus, was mit ihr geschähe, wenn…

Seltsam leblos wirkt das oft, nicht nur an den geisterhaften Stellen lückenfüllenden Surrealismus’mit Untoten, auch sonst. Das Leben der Wünsche ist gar kein Leben, das Leben besteht auch aus Widerstand und Veränderung (der Wünsche selbst) und Konfrontation mit Unerwünschtem – und wahrscheinlich, das Buch legt das nahe: Aus Verzicht, um der Menschen willen, die konsequente Wunscherfüllung eines Einzelnen kommt ohne eine Anhäufung von Leid bei anderen nicht aus. Passend dazu erscheint die Vorstellung Jonas’, dass vielleicht die anderen gar nicht wirklich leben, denn ihr Schmerz hat keinen Sinn. Ihr Schmerz hat keinen Sinn, stört ihn aber auch nicht. Auch das eine konsequente, prototypische männliche Perspektive – diese Wünsche sind fürsorge- und empathiefrei. Die Kinder versorgt wissen wollen, aber nicht versorgen wollen, die Geliebte haben wollen, aber deren Bedürfnisse in keiner Sekunde erkennen wollen.

Und so funktioniert die Konstruktion dann doch: Das Leben als radikale Wunscherfüllung eines, der nie nahe kommt den anderen – da hat die Geliebte am Ende eben die Bedürfnisse, die er auch hat und da sind die Kinder beschwerdefrei gut versorgt. Da fallen Späne zwischendrin, wo gehobelt wird. Und da ist auch das Ende nur konsequent: wunschlos glücklich er, die anderen nicht wichtig, muss der Vorhang fallen. Im Film: der Abspann.

Und das ist dann doch alles Ideologie, Ideologie des Verzichts, klassischster Freud, der warnte, dass die Triebe, dürften sie alles, zerstörerisch wären wie sonst was, asozial eben. Und auch Glavinic schafft keine utopia reale, in der auch nur irgendein gemeinschaftliches Leben als glücklicheres hervorschiene. So bleibt es bei einer fulminant durchgearbeiteten Entsagungsliteratur, auf dem Grunde einer beklemmenden Kälte, die Eros mit Sex verwechselt und Menschen in ihrer Monadenhaftigkeit zeigt. Oder wie Adorno gesagt hat: Wir wollen alle geliebt werden, weil wir nicht lieben können.



wird dann doch noch ein mini-ring:

geht zu
tinajaxie,
dann zu mosaique,
dann zu Urfin,
dann zu NINHH,
dann zu Ahoi-Brause

Und dann?

Die Frage ist beantwortet... der ring ist jetzt ein ray-ring, irgendwas dazwischen, die letzte Station ist Sheepseeker, weil es dort auf der wishlist steht. 


Journal Entry 2 by merkur007 at n/a, n/a -- Controlled Releases on Tuesday, October 27, 2009

This book has not been rated.

Released 8 yrs ago (10/27/2009 UTC) at n/a, n/a -- Controlled Releases

CONTROLLED RELEASE NOTES:

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Auf dem Weg nach Berlin. Viel Vergnügen! 


Journal Entry 3 by tinajaxie from Berlin, Berlin Germany on Wednesday, October 28, 2009

This book has not been rated.

Heute schon in Berlin angekommen, vielen Dank! Nach dem Lesen gibt's noch 'ne Einschätzung/Beurteilung, dann geht's zurück.

Herzliche Grüße!

EDIT am 21. November:

So, ausgelesen. Ich muss sagen, ich bin ein bisschen platt. Das ist ein sehr verwirrendes Buch. Es hat mich gefesselt, aber phasenweise habe ich dann doch nicht mehr verstanden, was eigentlich passiert. Und warum. Waren es am Ende alles seine (unter-)bewussten Wünsche? Seine Frau, der Geliebte, der verschwundene Krebs - alles von ihm gewollt? Ich bin irgendwie so ein bisschen sprach- und hilflos zurückgeblieben. Und auch die letzte Passage, also, ich weiß gar nicht, das hat einen so leer zurückgelassen, die Aussage über die "Sekunde". Das Buch war so surreal, der Plot spannend, aber doch auch abstoßend an vielen Stellen, wenn es um Liebesschilderungen ging. Dieses Kühle, Distanzierte, diese Suche nach Ankunft, dabei aber ein stetes Unterwegssein. Die Figuren so blass, so gehetzt, so verloren.

Naja. Ich hab's gerne gelesen und auch sehr schnell, weil es spannend war (aber erst jetzt, weil ich zuvor andere Sachen gelesen habe.)

Am Mo kommt es zurück nach Hause, vielen, vielen Dank! 


Journal Entry 4 by tinajaxie at -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Berlin Germany on Wednesday, November 25, 2009

This book has not been rated.

Released 8 yrs ago (11/25/2009 UTC) at -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Berlin Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

CONTROLLED RELEASE NOTES:

Geht heute in die Post zu mosaique. :-) 


Journal Entry 5 by mosaique from Kirchheim unter Teck, Baden-Württemberg Germany on Monday, November 30, 2009

This book has not been rated.

Habe das Buch heute aus der Packstation gefischt und bin gespannt. Es wird dann gleich nach "Die Nacht des Bären" (nur noch knappe 100 Seiten) zwischengelesen :-)

Update 10.12.2009:
Das ist mal wieder ein Buch gewesen, bei dem ich sehr dankbar bin, dass es Bookcrossing gibt :-) Aufgrund der Beschreibungen und Rezensionen über dieses Buch hätte ich es wohl nie gekauft, weil es mir viel zu philosophisch klang. Wenn ich es gekauft hätte, hätte ich mich hinterher wahrscheinlich darüber geärgert, das viele Geld ausgegeben zu haben.
Aber mir wäre dann leider der phänomenale Schreibstil des Autors entgangen, der es schafft, den Leser tief in das Buch hineinzuziehen. Jedenfalls ist es mir so ergangen.
Die Handlung beschreibt einen jungen Familienvater mit einer Geliebten und einem relativ normalen Leben, dass sich allerdings zwischen Realität und dem Rande der Surrealität bewegt. Diese Gradwanderung gelingt dem Autor hervorragend, alle Dinge, die geschehen, sind nicht unwahrscheinlich, so dass sie gut nachvollziehbar sind. Einzig die Menge an Geschehnissen kommt dem Leser merkwürdig vor. Aber obwohl für mich nicht ersichtlich war, ob und auf was die Handlung hinarbeitet, war ich doch immer sehr neugierig darauf, wie eine Szene ausgeht oder was dem Protagonist als nächstes passiert.

Fazit: ein lesenswertes Buch, danke für's Lesen dürfen :-)


Update 12.12.2009:
Das Buch hat sich heute auf den Weg zu Urfin gemacht. Viel Spass beim Lesen :-) 


Journal Entry 6 by Urfin from Wolfsburg, Niedersachsen Germany on Friday, December 18, 2009

This book has not been rated.

Glavinic ist gestern in Berlin eingetroffen. Werde mal sehen, ob mein Freund ihn zuerst lesen mag. Wegen merkurs JE ("prototypische männliche Perspektive") hatte ich uns hier angemeldet... 


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