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Buddenbrooks: Verfall einer Familie. Roman
by Thomas Mann | Literature & Fiction
Registered by wingSabinaLorenzwing of Wien Bezirk 19 - Döbling, Wien Austria on Tuesday, June 02, 2009
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Journal Entry 1 by wingSabinaLorenzwing from Wien Bezirk 19 - Döbling, Wien Austria on Tuesday, June 02, 2009

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"Mein in Deutschland populärstes buch sind ja ohne Zweifel die 'Buddenbrooks', und es kann sein, dass in meinem eigenen Lande mein Name immer vorzugsweise mit diesem Werk verbunden bleiebn wird."
Thomas Mann an Bedrich Fucik, 15. April 1932

Geschenk von Luxi... 


Journal Entry 2 by wingSabinaLorenzwing at Wien Bezirk 19 - Döbling, Wien Austria on Friday, October 12, 2012

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Der Roman ist in elf Teile gegliedert, die jeweils eine unterschiedliche Zahl von Kapiteln enthalten.
Erster Teil
Das „Buddenbrook-Haus“ in Lübeck um 1870
Treppenhaus des späteren Buddenbrookhauses, Beckergrube 52

An einem Donnerstag im Oktober 1835 haben die Buddenbrooks ihre Familienangehörigen, Bekannte und Geschäftsfreunde auf ein ganz einfaches Mittagsbrot in ihr neues Haus gebeten, nach großbürgerlicher Sitte für den späten Nachmittag. Das neue Heim, als Gebäude und Anwesen gleichermaßen weitläufig, war erst kürzlich von der in Konkurs gegangenen Familie Ratenkamp für 100.000 Kurantmark erworben worden. Die Errichtung des repräsentativen Hauses, in der Lübecker Mengstraße gelegen, geht auf das Jahr 1682 zurück.

Im Eröffnungsteil werden dem Leser drei Generationen der Familie Buddenbrook vorgestellt: Das energische Familienoberhaupt Johann Buddenbrook d. Ä. und dessen Gattin Antoinette; ihrer beider Sohn Johann Buddenbrook d. J. (genannt Jean) nebst Gattin Elisabeth; dazu die Kinder der beiden, die achtjährige Tony, der neunjährige Thomas und der siebenjährige Christian. Auch die Gäste sind Teil des künftigen Romanpersonals.

Johann Buddenbrook d. Ä. ist Inhaber der Getreidegroßhandlung Buddenbrook, die er von seinem Vater, dem Firmengründer, übernommen hat. Sein Sohn Jean ist Associé im Familienunternehmen und steht seinem Vater an Geschäftstüchtigkeit in nichts nach. Schon manches Mal war er ihm im entschlossenen Ergreifen des Vorteils überlegen gewesen. Doch im Gegensatz zu seinem unsentimentalen Vater hat er einen Hang zu pietistischer Frömmigkeit. Stets ist er darauf bedacht, als Mensch von religiösem Empfinden wahrgenommen zu werden.

Gegessen wird von Meißner Tellern mit Goldrand und mit schwerem Silberbesteck. Das ganz einfache Mittagsbrot besteht aus Kräutersuppe nebst geröstetem Brot, Fisch, einem kolossalen, ziegelroten, panierten Schinken mit Schalottensauce und einer solchen Menge von Gemüsen, daß alle aus einer einzigen Schüssel sich hätten sättigen können. Darauf folgt Plettenpudding, ein schichtweises Gemisch aus Makronen, Himbeeren, Biskuits und Eiercreme, zu dem goldgelber, traubensüßer alter Malvasier in kleinen Dessertweingläsern gereicht wird. Abschließend trägt das Folgmädchen[9] noch Butter, Käse und Früchte auf.

In einer kontrastierenden Parallelhandlung wird der nicht anwesende Sohn des Familienoberhauptes, Gotthold Buddenbrook, der vor Jahren verstoßen wurde, um einen Teil seines Erbes gebracht. Senior- und Juniorchef sprechen sich ab, nachdem die Gäste gegangen sind. Der pietistisch-fromme Jean überredet seinen Vater, die Forderung Gottholds guten Gewissens abzuweisen, damit das Firmenvermögen nicht geschmälert werde.

Gotthold Buddenbrook war wegen einer unstandesgemäßen Heirat verstoßen worden. Er hatte, dem strengen Verbot des Familienoberhauptes zum Trotz, eine Mamsell Stüwing geehelicht und damit nicht in eine Firma, sondern in einen Laden eingeheiratet. In der überschaubaren Handelsstadt aber wurde haarscharf unterschieden zwischen den ersten und zweiten Kreisen, zwischen Mittelstand und geringem Mittelstand.
Zweiter Teil

Die Buddenbrooks führen eine Familienchronik, ein dickes Goldschnittheft, dessen Aufzeichnungen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zurückreichen. Darin hält am 14. April 1838 Jean Buddenbrook, heiter und in frommer Dankbarkeit, die Geburt seiner Tochter Clara fest, seines vierten Kindes. Im Rückblättern stößt er auf die Zeilen, die seine Verheiratung betreffen. Diese Verbindung war, sollte er ehrlich sein, nicht gerade das gewesen, was man eine Liebesheirat nennt. Sein Vater hatte ihm auf die Schulter geklopft und ihn auf die Tochter des reichen Kröger, die der Firma eine stattliche Mitgift zuführte, aufmerksam gemacht, er war von Herzen einverstanden gewesen und hatte fortan seine Gattin verehrt, als die ihm von Gott vertraute Gefährtin... Mit der zweiten Heirat seines Vaters hatte es sich ja nicht anders verhalten.

In der Stadt hat die Familie Hagenström Fuß gefasst. Herr Hagenström ist Mitinhaber der Exportfirma Strunck & Hagenström und hat in eine reiche jüdische Familie aus Frankfurt eingeheiratet, was in den ersten Kreisen der Stadt mit Befremden aufgenommen wurde. Die Hagenströms konkurrieren schon bald mit den Buddenbrooks, geschäftlich wie kommunalpolitisch. Auch die Kinder beider Familien rivalisieren bereits miteinander. Als Hagenströms Sohn, der kleine Hermann, auf dem gemeinsamen Schulweg im Tausch gegen sein Frühstück einen Kuss von Tony einfordert, wehrt sie ihn aus Standesdünkel ab. Seine Schwester mischt sich ein und es kommt zu einer Rauferei zwischen den Mädchen. Fortan gehen sich die Kinder aus dem Weg.

1842 stirbt nach kurzer Krankheit Madame Antoinette Buddenbrook, Ehefrau von Johann d. Ä. Nach ihrem Tod wird der Witwer immer apathischer und zieht sich schließlich aus der Firma zurück. Jean Buddenbrook ist jetzt alleiniger Inhaber der traditionsreichen, 1768 gegründeten Getreidehandlung. Im März 1842, wenige Monate nach dem Dahinscheiden seiner Frau, stirbt auch Johann Buddenbrook d. Ä. einen sanften Tod.

Nach Ostern 1842 tritt Thomas Buddenbrook, sechzehnjährig, als Lehrling in die Firma ein. Er arbeitet mit Hingabe, den stillen und zähen Fleiß des Vaters nachahmend. Der Firma, diesem vergötterten Begriff, sind nach Auszahlung von Erbansprüchen und Vermächtnissen bedeutende Mittel verlorengegangen. In einer nächtlichen Unterredung klärt Jean Buddenbrook seine Frau darüber auf, dass die Familie gar nicht so ungemein reich ist.

Der Gymnasiast Christian Buddenbrook erregt den Unmut seines Vaters, als ruchbar wird, dass der vierzehnjährige Knirps mit einem Bukett für 1 Mark 8 ½ Schilling, einem ansehnlichen Betrag, in die Garderobe einer Schauspielerin des Stadttheaters marschiert ist, einer Demoiselle Meyer-de la Grange. Die junge Künstlerin ist die Geliebte eines allgemein bekannten Lebemannes, der gerade zugegen ist, als der junge Christian seine drollige Aufwartung macht, sodass der Vorfall sich in der engen Stadt schnell herumspricht.

Aus erzieherischen Gründen muss Tony, als sie einen argen Hang zu Hoffart und Eitelkeit zu zeigen und Liebesbriefe mit einem Gymnasiasten auszutauschen beginnt, in ein Mädchenpensionat. Geleitet wird es von der buckligen, kleinwüchsigen Therese (Sesemi) Weichbrodt. Trotz deren strenger Obhut verlebt Tony hier mit ihren beiden Freundinnen Armgard von Schilling und Gerda Arnoldsen eine glückliche Jugendzeit.
Dritter Teil

Tony Buddenbrook ist 18 Jahre alt. Der Hamburger Kaufmann Bendix Grünlich hat bei Tonys Eltern um ihre Hand angehalten. Tony ist bestürzt. „Was will dieser Mensch von mir -! Was habe ich ihm getan -?“ und bricht in Tränen aus. Die Mutter redet ihr zu: „Die Verbindung, die sich dir darbietet, ist vollkommen das, was man eine gute Partie nennt, meine liebe Tony. […] du hast Zeit zur Überlegung. […] Aber wir müssen zu Bedenken geben, daß eine solche Gelegenheit, dein Glück zu machen, sich nicht alle Tage bietet, und daß diese Heirat genau das ist, was Pflicht und Bestimmung dir vorschreiben. Ja, mein Kind, das muß ich dir vorhalten.“

Tonys Vater bespricht sich mit der Mutter, nachdem er Grünlichs Geschäftsbücher eingesehen und sich in Hamburg über ihn erkundigt hat: „Ich kann nicht anders, als diese Heirat, die der Familie und der Firma nur zum Vorteil gereichen würde, dringend erwünschen! […] denn noch eines, Bethsy, und das kann ich nicht oft genug wiederholen: […] Die Geschäfte gehen ruhig, ach, allzu ruhig. […] Wir sind nicht vorwärts gekommen, seit Vater abberufen wurde.“

Grünlich macht Tony hartnäckig den Hof. Tony ist deprimiert, verliert ihre gewohnte Frische und magert ab. Der Vater verordnet einen Erholungsaufenthalt an der Ostsee, in Travemünde, im Haus des ihm gut bekannten Lotsenkommandanten Schwarzkopf. Dort lernt sie dessen Sohn kennen, den Medizinstudenten Morten, der während der Semesterferien nach Hause gekommen ist. Beide verlieben sich ineinander. Tony sagt Morten bei einem Spaziergang zum Mövenstein zu, Grünlich nicht erhören und auf Mortens Doktorexamen warten zu wollen. Dann will er bei ihren Eltern um ihre Hand anhalten. In einem Brief schreibt Tony ihrem Vater „Dir, dem besten Vater, kann ich es ja sagen, daß ich anderweitig gebunden bin an jemanden, der mich liebt, und den ich liebe, daß es sich gar nicht sagen läßt.“ Ihren gemeinsamen Lebensplan teilt sie dem Vater ebenfalls mit.

Der Vater schreibt zurück, Grünlich drohe mit Selbstmord, falls er abgewiesen werde, und appelliert an Tonys Christenpflicht. In Hinblick auf die tradierten Heiratsentscheidungen von Familie und Firma Buddenbrook ermahnt er Tony: „Du müßtest nicht meine Tochter sein, nicht die Enkelin Deines in Gott ruhenden Großvaters und überhaupt nicht ein würdiges Glied unserer Familie, wenn Du ernstlich im Sinn hättest, Du allein, mit Trotz und Flattersinn Deine eigenen, unordentlichen Pfade zu gehen.“

Von Tonys Vater informiert, kommt Grünlich nach Travemünde, stellt sich Mortens Vater als Geschäftsfreund von Konsul Buddenbrook vor, gibt sich den Anschein, mit Tony so gut wie verlobt zu sein und beruft sich auf ältere Rechte. Der biedere Lotsenkommandeur, der die Standesgrenzen seiner Zeit respektiert, rüffelt seinen Sohn. Mit dem gegenseitigen Versprechen von Tony und Morten ist es aus.[10]

Tony unterwirft sich der Familienräson. Sie selbst trägt eines Morgens stolz ihre Verlobung mit Grünlich in die Familienchronik ein, da sie der Meinung ist, mit der Verlobung der Familie zu dienen. Grünlich erhält von Jean Buddenbrook eine Mitgift von 80.000 Mark. Zu Beginn des Jahres 1846 heiratet Tony Buddenbrook Bendix Grünlich, Kaufmann zu Hamburg.

Thomas bricht nach Amsterdam auf, um seine kaufmännischen Kenntnisse zu erweitern. Zuvor verabschiedet er sich von seiner heimlichen Geliebten, der schönen, aber armen Blumenverkäuferin Anna und löst ihre gemeinsame Verbindung auf. Seine Entscheidung rechtfertigt er gegenüber Anna damit, dass er später einmal die Firma übernehmen werde und daher die Pflicht habe, eine Partie zu machen und sich standesgemäß zu verheiraten.
Vierter Teil

Am 8. Oktober 1846 bringt Tony ihre Tochter Erika zur Welt. Grünlich hat außerhalb Hamburgs eine Villa gekauft. Für gemeinsame Hamburg-Besuche wird eine Mietkutsche bestellt. Er selbst fährt morgens mit dem kleinen gelben Wagen[11] in die Stadt und kommt erst abends zurück.

Jean Buddenbrook verliert durch den Bankrott eines Geschäftspartners in Bremen auf einen Schlag 80.000 Mark. In Lübeck muss er all die plötzliche Kälte, die Zurückhaltung, das Mißtrauen auskosten, welche eine solche Schwächung des Betriebskapitals bei Banken, Freunden, bei Firmen im Ausland hervorzurufen pflegt. Obendrein ist Grünlich zahlungsunfähig geworden. Jean Buddenbrook besucht Tony in Hamburg und klärt sie über die finanzielle Situation ihres Gatten auf. Tony ist aus Pflichtgefühl bereit, Grünlich in die Armut zu folgen. Geschähe dies aus Liebe, so erwägt Jean, müsste er Tochter und Enkelkind vor dieser Katastrophe bewahren und Grünlich um jeden Preis halten. Er entschuldigt sich nun bei Tony, sie damals zur Ehe mit Grünlich gedrängt zu haben, und versichert ihr, dass er sein Handeln in dieser Stunde aufrichtig bereue. Unter Tränen gesteht Tony, Grünlich niemals geliebt zu haben. „Er war mir immer widerlich ... weißt du das denn nicht?“ Um der Firma kein weiteres Geld zu entziehen, kommen beide überein, dass Tony Grünlich verlässt und sich wegen Unfähigkeit Grünlichs, für Frau und Kind zu sorgen, von ihm scheiden lässt. „Das Wort „Firma“ hatte eingeschlagen. Höchst wahrscheinlich wirkte es entscheidender als selbst ihre Abneigung gegen Herrn Grünlich.“

In Gegenwart von Grünlichs Bankier, dem mephistophelisch-boshaften Kesselmeyer, sieht Jean Buddenbrook erneut in die Geschäftsbücher seines Schwiegersohnes ein. Von Kesselmeyer erfährt er, dass er bei seinen früheren Erkundigungen über Grünlich ausgerechnet an dessen Gläubiger geraten war. Sie hatten, um ihre ausstehenden Forderungen an Grünlich abzusichern, dessen geschäftliche Situation beschönigt. Auch Grünlichs Geschäftsbücher, über die sich Jean seiner Frau gegenüber so lobend geäußert hatte, waren gefälscht. Jetzt sieht er, von Kesselmeyer höhnisch beglaubigt, die echten Zahlen.

Die Revolution 1848 nimmt in Lübeck einen sehr glimpflichen Verlauf, nicht zuletzt durch das beherzte Eingreifen Jean Buddenbrooks. Aber sein Schwiegervater Lebrecht Kröger stirbt vor Aufregung über die Canaille in Jeans Armen.
1850 stirbt auch Jeans Schwiegermutter und dem Hause Buddenbrook fällt eine beachtliche Erbschaft zu.

Christian Buddenbrook, der studieren und einen akademischen Beruf wählen sollte, hatte diese Laufbahn abgebrochen und war als kaufmännischer Lehrling in eine Londoner Handelsfirma eingetreten. Inzwischen hat ihn seine Unstetigkeit nach Valparaíso in Chile geführt. Die mit Buddenbrooks konkurrierenden Hagenströms kommen weiter voran.
Jean Buddenbrook stirbt unerwartet 1855.
Fünfter Teil

1855 ist Thomas mit 29 Jahren Chef der Firma Buddenbrook und Familienoberhaupt. Das Kapital beläuft sich auf 750.000 Mark. Elisabeth, die Witwe Jeans, wird als Universalerbin eingesetzt, was sich später als verhängnisvoll erweisen wird. Der langjährige Prokurist Friedrich Wilhelm Marcus avanciert auf testamentarischen Wunsch des verstorbenen Jean Buddenbrook zum Teilhaber und bringt ein Eigenkapital von 120.000 Mark ein. Fortan ist er gemäß dieser Quote am Gewinn beteiligt. Das Firmenvermögen (ohne Grundbesitz) erhöht sich mit Marcus’ Einlage auf 870.000 Mark. Trotzdem ist Thomas unzufrieden. Johann Buddenbrook hatte in seiner besten Zeit über 900.000 verfügt.

Der junge Chef bringt Frische und Unternehmungsgeist in die Firma, auch wenn er den bedenklichen Herrn Marcus wie „eine Bleikugel“ hinter sich herziehen muss. In geschäftlichen Verhandlungen setzt Thomas geschickt die Wirkung seiner Persönlichkeit ein. Er erfreut sich überall großer Beliebtheit und Anerkennung: bei den Bediensteten des Hauswesens in der Mengstraße, bei den Kapitänen seiner Handelsfirma, den Geschäftsführern in den Speicherkontors, den Fuhrleuten und den Lagerarbeitern.

Auf Wunsch der Mutter kehrt 1856, nach achtjähriger Abwesenheit, Christian aus Übersee zurück – in großkariertem Anzug und mit Manieren, die den englischen Stil imitieren. Thomas stellt ihn als Prokuristen und Nachfolger von Herrn Marcus ein. Im Kontor erweist sich Christian bald als Bummler. Thomas gegenüber macht er keinen Hehl aus seiner Verachtung für die ordentliche Büroarbeit. Seine eigentlichen Talente kommen im Herrenclub zur Geltung. Dort ist er mit seiner amüsanten, gesellschaftlichen Begabung gefragt und sorgt mit kleinen improvisierten Auftritten für die Unterhaltung der anwesenden Herrschaften.

Nach Jean Buddenbrooks Tod hält seine Witwe Elisabeth das frömmlerische Treiben im Hause aufrecht und steigert es noch. Sie hält täglich Andachten, eröffnet in den hinteren Kontorräumen eine Sonntagsschule für kleine Mädchen und richtet für ältere Damen den wöchentlichen Jerusalemsabend ein. Pastoren und Missionare gehen ein und aus, darunter auch Pastor Sievert Tiburtius aus Riga, der bald um die Hand der neunzehnjährigen Clara anhält, der jüngsten Tochter der Familie.

Thomas hält sich längere Zeit geschäftlich in Amsterdam auf. In einem Brief teilt er mit, dort in Gerda Arnoldsen, der Tochter eines wohlhabenden Geschäftspartners, seine künftige Gattin gefunden zu haben. Nach Ende des Trauerjahres heiraten im Dezember 1856 sowohl Clara und Tiburtius als auch, zu Beginn des Jahres 1857, Thomas und Gerda, mit der dem Hause Buddenbrook 100.000 Taler (300.000 Mark) Mitgift zufließen.

Während sich Thomas und Gerda auf eine zweimonatige Hochzeitsreise durch Oberitalien begeben, richtet Tony das zuvor von Thomas erworbene neue und größere Haus für das junge Ehepaar ein. Nach dessen Rückkehr gesteht Tony ihrem Bruder, dass auch sie gern wieder verheiratet wäre.
Sechster Teil

Thomas und Gerda Buddenbrook haben ihre erste Mittagsgesellschaft gegeben. Das Dinner zog sich von fünf bis elf Uhr hin. An der Börse sprach man acht Tage lang in den lobendsten Ausdrücken davon. Wahrhaftig, es hatte sich gezeigt, dass die junge Frau Konsulin[12] zu repräsentieren verstand.

Tony kehrt gut gelaunt von einem längeren Aufenthalt in München zurück. Dort hat sie Alois Permaneder, den Teilhaber einer Hopfenhandlung, kennengelernt. Thomas leidet unter Christians peinlicher Geschwätzigkeit. Vor allem dessen ständige Mitteilungen über Krankheitsanzeichen aller Art („Ich kann es nun nicht mehr“) empfindet er als unbeherrscht, formlos und lächerlich. In der Stadt wird der jüngere Buddenbrook nur Krischan genannt, seine Clownerien im Klub sind allgemein bekannt. Am meisten aber stört Thomas, dass Christian seine Liebschaft mit Aline Puvogel, einer einfachen Statistin vom Sommertheater, nicht verheimlicht, wie es der Anstand der Familie gebietet, sondern sich mit der vom Tivoli auf offener, hellichter Straße zeigt.

Nachdem Christian im Klub behauptet hatte, eigentlich und bei Lichte besehen sei doch jeder Geschäftsmann ein Gauner, kommt es zwischen den Brüdern zum Eklat. In einer Unterredung unter vier Augen bringt Thomas seinen Bruder dazu, die Buddenbrooksche Firma zu verlassen. Mit einem Vorschuss auf sein künftiges Erbe wird Christian Teilhaber einer Hamburger Handelsfirma.

Tony hofft auf eine Ehe mit dem Hopfenhändler Permaneder, ihrer Münchener Bekanntschaft, einem Mann von vierzig Jahren. Tonys Kommentar: "Es handelt sich diesmal nicht um eine glänzende Partie, sondern nur darum, daß die Scharte von damals durch eine zweite Ehe so ungefähr wieder ausgewetzt wird." Nach einem unbeholfenen Anstandsbesuch des schnauzbärtigen Junggesellen im Hause Buddenbrook kommt die Ehe tatsächlich zustande und Tony zieht nach München. Zu ihrer Enttäuschung setzt sich Herr Permaneder mit den Zinsen aus Tonys Mitgift von 17.000 Talern (51.000 Mark) zur Ruhe. Eine gemeinsame Tochter stirbt kurz nach der Geburt. Eines Nachts überrascht Tony ihren Gatten, als er betrunken die sich wehrende Köchin zu küssen versucht. Tony kanzelt ihn ab und verlässt ihn stehenden Fußes. Herr Permaneder stößt einen Fluch aus, so ungeheuerlich, dass Tony „das Wort“ lange Zeit nicht über die Lippen bringen kann und sich hartnäckig weigert, es Thomas gegenüber preiszugeben. Sie nimmt den Vorfall zum Anlass, sich von dem Mann ohne Ehrgeiz, ohne Streben, ohne Ziele scheiden zu lassen. Der Skandal einer zweiten Scheidung tangiert sie nicht. Thomas kann sie nicht umstimmen. Herr Permaneder willigt in die Scheidung ein und gibt Tonys Mitgift zurück, ein Akt der Fairness, den man ihm nicht zugetraut hatte.
Siebter Teil

1861 wird Hanno, Thomas’ und Gerdas Sohn, geboren. Er erhält die Namen Justus Johann Kaspar. Die Taufe findet im Haus von Thomas Buddenbrook statt. Einer der beiden Taufpaten ist der regierende Bürgermeister. Eingefädelt wurde die Patenschaft von Konsul Thomas Buddenbrook und Tony Permaneder. Es ist ein Ereignis, ein Sieg! – Als letzter Gratulant erscheint der Speicherarbeiter Grobleben, der im Nebenverdienst die Stiefel von Thomas’ Familie putzt. Seine improvisierten Worte geraten dem unbeholfenen Mann wider Willen zu einer Art Grabrede. Thomas Buddenbrook springt ein und verhilft Grobleben zu einem glimpflichen Abgang.

Christian Buddenbrook ist jetzt 33 Jahre alt, wirkt jedoch schon deutlich gealtert. Seine hypochondrischen Klagen muten wahnhaft an. In Hamburg hatte er die Firma, in die er als Teilhaber eingetreten war, nach dem Tod seines Partners gegen den Rat seines Bruders als alleiniger Inhaber weitergeführt und steht nun vor einem finanziellen Desaster. Bethsy Buddenbrook, seine Mutter, zahlt ihm einen weiteren Vorschuss von 5.000 Talern (15.000 Mark) auf sein Erbe aus. So kann Christian seine Schulden begleichen und einen Bankrott vermeiden. Er will demnächst nach London wechseln und dort eine Stelle annehmen. Mit Aline Puvogel, der Statistin vom Tivoli, hat er inzwischen eine uneheliche Tochter.

Thomas Buddenbrook wird zum Senator in seiner Vaterstadt gewählt. Nur knapp kann er seinen Konkurrenten Hermann Hagenström ausstechen, jenen Hermann Hagenström, dem in gemeinsamen Kindertagen Tony einen Kuss verweigert hatte. Hagenströms gehören mittlerweile zu den fünf oder sechs herrschenden Familien der Stadt.

1863 floriert die Firma wie zu Zeiten von Johann Buddenbrook d. Ä. Doch Thomas spürt ein Nachlassen seiner Spannkraft, eine raschere Abnützbarkeit. In dem Wunsch nach einer radikalen Änderung, nach Ausscheidung alles Alten und Überflüssigen lässt sich Thomas ein neues, prächtiges Haus bauen, das 1864 bezogen wird.

Christian telegrafiert aus London und äußert die Absicht, Aline Puvogel heiraten zu wollen, was von seiner Mutter aufs strengste zurückgewiesen wird.

Die körperliche Entwicklung des kleinen Hanno, des künftigen Chefs der Firma Buddenbrook, geht nur langsam voran. Erst spät lernt er das Laufen und Sprechen.

Ein ungünstiger Geschäftsabschluss und ein Rededuell in städtischen Angelegenheiten, bei dem er Hermann Hagenström unterliegt, lassen Thomas Buddenbrook ahnen, dass er Glück und Erfolg nicht auf Dauer festhalten kann. Resigniert zitiert er ein türkisches Sprichwort: „Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.“

Clara Buddenbrook, verheiratete Tiburtius, ist gestorben. In ihren letzten Stunden hatte sie ihre Mutter schriftlich und mit unsicherer Hand gebeten, ihr künftiges Erbe schon jetzt ihrem Mann auszuzahlen, dem Pfarrer Tiburtius. Die frömmlerische Mutter übergeht das Familienoberhaupt Thomas und kommt der Aufforderung nach, hinter der ganz offensichtlich Tiburtius steckt. Thomas ist bestürzt, als er erfährt, dass seine Mutter diesem Wicht und Erbschleicher 127.500 Kurantmark ausgezahlt hat. Immerhin hatte Tiburtius bereits 80.000 Mark Mitgift erhalten. Die Mutter rechtfertigt sich, Christian und Tony hätten ebenfalls zugestimmt. Dem „maroden Narren“ Christian, der zur Zeit mit Gelenkrheumatismus in einem Hamburger Krankenhaus liegt, traut Thomas dies zu. Dass aber auch Tony zugestimmt haben soll, nimmt er seiner Mutter nicht ab: „Tony ist ein Kind“ und hätte es ihm ausgeplaudert.

Gegen Ende des Streites mit seiner Mutter gesteht Thomas: „Die Geschäfte gehen schlecht, sie gehen zum Verzweifeln, genau seit der Zeit, daß ich mehr als Hunderttausend auf mein Haus gewandt habe.“ 1866, im Jahr des Preußisch-österreichischen Krieges, verlieren Buddenbrooks durch den Konkurs einer Frankfurter Firma 20.000 Taler (60.000 Mark).
Achter Teil

Tonys Tochter Erika, nunmehr 20 Jahre alt, heiratet 1867 den Direktor der Filiale einer Feuerversicherung, den knapp vierzigjährigen Hugo Weinschenk, einen selbstbewussten, ungebildeten und gesellschaftlich plumpen Mann, der es auf ein Jahreseinkommen von 12.000 Kurantmark gebracht hat. Tony darf in die Wohnung des jungen Paares mit einziehen, um ihrer im Haushalt noch unerfahrenen Tochter zur Hand gehen zu können. Die Heirat ihrer Tochter macht sie überglücklich. Und es begann Tony Buddenbrooks dritte Ehe.

Christian ist wieder in der Stadt. Gerda Buddenbrook, die Geigenvirtuosin, und der an Theater und Tingeltangel interessierte Christian kommen gut miteinander aus.

Das Kindermädchen Ida Jungmann berichtet Tony von Hannos sensibler Natur und schwachen Gesundheit. Er gehe nicht gern zur Schule, habe nachts Albträume und rezitiere im Schlaf Gedichte aus Des Knaben Wunderhorn. Der alte Hausarzt Dr. Grabow wisse auch keinen rechten Rat und begnüge sich mit der Diagnose pavor nocturnus.

Thomas Buddenbrook fühlt sich mit zweiundvierzig Jahren als ermatteter Mann. Doch kann er seine Fassade mit viel Selbstdisziplin aufrechterhalten. Die Eleganz seines Äußeren blieb dieselbe.
Auf Vermittlung von Tony lässt sich Thomas – entgegen den Prinzipien der Kaufleute Buddenbrook – auf ein beträchtliches Spekulationsgeschäft ein: Im Frühjahr 1868 kauft er dem in Geldnot geratenen Besitzer des mecklenburgischen Gutes Pöppenrade zum halben Preis dessen gesamte Jahresernte an Getreide noch „auf dem Halm“ ab.

Einige Monate später, am 7. Juli 1868, wird die hundertste Wiederkehr des Gründungstages (1768) der Firma Buddenbrook festlich begangen. Während der Feier erreicht Thomas Buddenbrook ein Telegramm mit der Nachricht, dass ein Hagelschlag die „Pöppenrader Ernte“ vernichtet habe.

Gerda Buddenbrook ist mit dem Organisten Pfühl befreundet. Sie streiten sich über die Musik Wagners. An den Montagnachmittagen gibt Herr Pfühl dem kleinen Hanno Musik- und Klavierunterricht. Im Gegensatz zur Schule, in der es ihm schwer fällt, sich zu konzentrieren, zeigt Hanno hier eine mühelose Auffassung, denn man bestätigte ihm nur, was er eigentlich von jeher schon gewußt hatte. An seinem achten Geburtstag spielt Hanno, von seiner Mutter auf der Violine begleitet, der versammelten Familie eine kleine eigene Phantasie vor. Tante Tony schließt ihn in die Arme und ruft: "Er wird ein Mozart", allerdings hat sie von der vorgetragenen Musik nicht das Geringste verstanden. Als sich Thomas bei Gerda beklagt, dass die Musik ihn seinem Sohn entfremde, wirft diese ihm vor, dass es Thomas am notwendigen Verständnis für die Kunst der Musik fehle.
Hanno ist eng befreundet mit dem gleichaltrigen Kai Graf Mölln. Eines Tages allein im Wohnzimmer, blättert Hanno in der Familienchronik und liest das ganze genealogische Gewimmel. Einer Intuition folgend, zieht er unter seinen Namen mit dem Lineal einen doppelten Schlussstrich.[13] Seinem Vater, der ihn zur Rede stellt, antwortet er: „Ich glaubte … ich glaubte … es käme nichts mehr!“

Weinschenk, der Mann von Tonys Tochter, hat mit betrügerischen Rückversicherungen mehrfach andere Versicherungsgesellschaften geschädigt. Er wird zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
Neunter Teil

Im Herbst 1871 stirbt nach langem Krankenlager und zähem Todeskampf Elisabeth („Bethsy“) Buddenbrook, die ehemalige Weltdame, die ihre letzten Jahre mit Frömmigkeit und Wohltätigkeit ausgefüllt hatte, an Pneumonie. Die weiblichen Hausangestellten tragen sogleich Wäschekörbe voll Kleider und Leinenzeug aus dem Haus, Dinge, die ihnen die Tote angeblich versprochen habe. Danach teilen die Familienmitglieder den Hausrat der Verstorbenen unter sich auf.

Zur Verwunderung seiner Geschwister beansprucht der Junggeselle Christian einen großen Teil der Wäsche und des Geschirrs für sich, denn er wolle die Mutter seiner Tochter, Aline Puvogel, Statistin vom Tivoli, heiraten. Seine Mutter hatte ihm dies zeitlebens verwehrt. Jetzt verwehrt es ihm Thomas, das neue Familienoberhaupt. Blass und vor Zorn zitternd, wirft er Christian vor, er sei nicht mehr sein eigener Herr. Der Tag der Testamentseröffnung werde ihm zeigen, dass er das Erbe seiner Mutter nicht verlottern könne: „Ich werde den Rest deines Vermögens verwalten, und du wirst nie mehr als ein Monatsgeld in die Hände bekommen.“ Christian will überdies die beiden Kinder, die Aline Puvogel vor der gemeinsamen Tochter geboren hatte, adoptieren und sein eigenes Kind legitimieren. Thomas Buddenbrook: „So daß also dein Vermögen nach deinem Tode an jene Leute überginge?“[14] „Ja“, antwortete Christian, „das gehört sich doch so.“ Thomas verbietet ihm auch das. Diesmal leistet Christian jedoch heftigen Widerstand, und es kommt zu einem erbitterten Streit, in dessen Folge Thomas droht: „Du wirst es nicht tun“ […] „Ich lasse dich für kindisch erklären, ich lasse dich einsperren, ich mache dich zunichte.“

Das Haus in der Mengstraße wird zu Beginn des Jahres 1872 für 87.000 Mark verkauft, zu Tonys Beschämung ausgerechnet an Hermann Hagenström. Christian mietet für sich und die Seinen eine bescheidene Dreizimmerwohnung, eine Garconwohnung[15] in der Nähe des Klubs. Tony zieht mit Tochter Erika und Enkelin Elisabeth in ein helles und nicht ohne Anspruch auf Vornehmheit eingerichtetes Stockwerk am Lindenplatze. Es war eine hübsche kleine Wohnung und an der Eingangstür stand auf einem blanken Kupferschild in zierlicher Schrift zu lesen: A. Permaneder-Buddenbrook, Witwe.[16]
Zehnter Teil

Der 46-jährige Thomas Buddenbrook fühlt sich unaussprechlich müde und verdrossen. Ausgehöhlt spielt er in seiner eleganten Garderobe und mit seinem verbindlichen Auftreten wie ein Schauspieler sich selbst. An der Börse, so wird hinter seinem Rücken gespottet, wirkt er nur noch dekorativ. Rechnet er den Grundbesitz mit ein, so beträgt sein Vermögen 600.000 Mark.

Von Hanno, der inzwischen elf Jahre alt geworden ist, erhofft sich Thomas einen tüchtigen und wetterfesten Nachfolger. Er lässt ihn turnen, Schlittschuh laufen und schwimmen. Im Hafen zeigt er ihm die Löscharbeiten auf den firmeneigenen Schiffen. Auch zu gesellschaftlichen Visiten in Häusern, denen er geschäftlich verpflichtet ist, nimmt er Hanno mit. Doch der Sohn durchschaut die gesellschaftliche Versiertheit des Vaters und erkennt, welche Anstrengung seinen Vater diese Selbstdarstellung kostet.

Hanno ist oft mit seinem Freund Kai zusammen. Der erzählt ihm geheimnisvolle Geschichten, deren seltsamste Augenblicke Hanno mit süßen Akkordfolgen auf dem Harmonium begleitet. Die Sommerferien verbringt Hanno gewöhnlich an der See, fernab von allen Widrigkeiten der Schule. Dann ist er ganz glücklich in friedlicher und kummerloser Abgeschiedenheit.

1873 wird Hugo Weinschenk, Tonys Schwiegersohn, vorzeitig aus der Haft entlassen. Da er in der Stadt gesellschaftlich nicht mehr tragbar ist, erwarten Tony und ihre Tochter insgeheim die Trennung. Nach einigen Tagen reist Weinschenk nach London, seine Gattin Erika und ihre gemeinsame Tochter will er erst zu sich nehmen, wenn er ihnen wieder ein angemessenes Leben bieten kann. Ab da verliert sich seine Spur. Tony gibt einige Male eine Suchannonce auf, um eine Scheidungsklage ihrer Tochter wegen böswilligen Verlassens zu ermöglichen.

Gerda Buddenbrook, so vermutet man in der Stadt, und das befürchtet auch ihr Gatte, hat ein Verhältnis mit dem Leutnant René Maria von Throta. Er verkehrt bei Buddenbrooks und musiziert mit Gerda im Salon, abgeschlossen von den übrigen Bewohnern und Hausangestellten. Qualvoll werden für Thomas Buddenbrook die Pausen, in denen die Musik so lange, lange schweigt. Doch Gerda mit ihrer nervösen Kälte, in der sie lebte und die sie ausströmte zur Rede zu stellen, wagt er nicht. Als sich Hanno und sein Vater vor der Tür des Salons begegnen, in dem Gerda und der Leutnant sich bereits seit Stunden aufhalten, und die Musik wieder einmal für längere Zeit schweigt, ist für wenige Sekunden die sonstige Fremdheit zwischen ihnen aufgehoben. Der sensible Hanno begreift die geheime Eifersucht seines Vaters.

Thomas Buddenbrook hat das 48. Lebensjahr hinter sich. Sein schlechtes körperliches Befinden und seine gedrückte Stimmung lassen Todesahnung aufkommen. Halb gesucht, halb zufällig gerät Schopenhauers Hauptwerk in seine Hände, Die Welt als Wille und Vorstellung. Das Kapitel „Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unseres Wesens an sich“ enthüllt ihm „eine ewige Fernsicht von Licht.“ Der Tod erscheint ihm jetzt als die Rückkunft von einem unsäglich peinlichen Irrgang. Thomas Buddenbrook setzt sein Testament auf.

Im September 1874 fährt Thomas auf ärztlichen Rat für einige Wochen zur Erholung an die Ostsee. Christian schließt sich ihm aus freien Stücken an. Es kommt zu einer stillschweigenden Aussöhnung der Brüder. Die Monotonie des Meeres, der mystische und lähmende Fatalismus, mit dem sich die Wogen heranwälzen, lösen bei Thomas ein tiefes Bedürfnis nach Ruhe aus.

Vier Monate später muss Thomas bei Zahnarzt Brecht Hilfe suchen. Die Zahnextraktion ohne Betäubung missglückt. Auf dem Heimweg erleidet Thomas einen Schlaganfall und bricht auf offener Straße zusammen.

Thomas Buddenbrook stirbt nach kurzem Krankenlager. Anna, seine Jugendliebe, wird auf ihren Wunsch in den Salon eingelassen, in dem er aufgebahrt liegt. In einem vierspännigen Leichenwagen, gefolgt von einer langen Reihe Kutschen und Wagen, wird Senator Buddenbrook in feierlichem Pomp zum Friedhof gefahren und im Familiengrab beigesetzt.
Elfter Teil

Hanno ist von seinem Vater nicht als Firmenerbe bestimmt worden. Firma und Grundbesitz sollen binnen eines Jahres von Kistenmaker, dem Testamentsvollstrecker und ehemaligen Schulkameraden von Thomas, verkauft werden. Auf dem Papier hatte Thomas ein Vermögen von 650.000 Mark als Vermächtnis angegeben. Nach einem Jahr stellt sich heraus, daß mit dieser Summe nicht im entferntesten zu rechnen war. Kistenmaker hat mit der Auflösung des Nachlasses keine glückliche Hand.

Christian, dessen mütterliches Erbe ebenfalls von Kistenmaker verwaltet wird, heiratet Aline Puvogel, nachdem durch den Tod von Mutter und Bruder deren Veto kein Hindernis mehr ist. Tony schreibt Aline Puvogel mit sorgfältig vergifteten Worten, dass sie weder sie noch ihre Kinder jemals als Verwandte anerkennen werde. Seiner Wahnideen und Zwangsvorstellungen wegen lässt Aline Christian gegen seinen Willen in eine psychiatrische Anstalt einweisen und kann so unbeschadet der praktischen und ideellen Vorteile, die sie der Heirat verdankte, ihr bisheriges unabhängiges Leben fortsetzen.

Gerda Buddenbrook lässt das große Haus, das Thomas hat bauen lassen, vom Kistenmaker mit Verlust verkaufen, erwirbt stattdessen im Herbst 1876 eine kleine Villa vor dem Burgtor und entlässt das altgediente Kindermädchen Ida Jungmann.

Als der inzwischen sechzehnjährige Hanno seine Mutter einmal in die Oper Lohengrin begleiten darf, fühlt er sich von der Musik wie berauscht. Doch schon am nächsten Tag folgen wieder kummervolle Schulstunden. Hannos mangelnde Beteiligung am Unterricht und ein unglücklicher Zufall, der ihm als schulisches Versagen ausgelegt wird, führen zu der endgültigen Entscheidung der Lehrer, ihn nicht in die nächste Klasse zu versetzen. Deprimiert sieht Hanno für sich keine Zukunft mehr, auch nicht als Musiker: „Ich kann beinahe nichts, ich kann nur ein bißchen phantasieren […] Ich kann nichts wollen. Ich will nicht einmal berühmt werden. Ich habe Angst davor, genau, als wäre ein Unrecht dabei.“

Im Frühjahr 1877 stirbt Hanno an Typhus.[17] In seiner fiebrigen Benommenheit verschließt er sich der Stimme des Lebens. Sein fehlender Lebenswille lässt ihn Zuflucht nehmen auf dem Weg, der sich ihm zum Entrinnen eröffnet hat.

Im Winter des gleichen Jahres verabschiedet sich Gerda Buddenbrook von Lübeck und kehrt zu ihrem Vater nach Amsterdam zurück.

Meine Anläufe zu dem Buch waren zahlreich, aber erst als Hörbuch hat es sich mir erschlossen. Gert Westphal liest es so, dass es eine spannende Handlung hat und ich mit der Familie mitzittern konnte. Der Verfall der Familie ist schlimm zu beobachten, aber gut geschildert und es ist eindeutig ein Werk, dass es wert is gelesen oder gehört zu werden! 


Journal Entry 3 by wingSabinaLorenzwing at Bücherschrank im Twin Tower in Wien Bezirk 10 - Favoriten, Wien Austria on Friday, November 29, 2013

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Released 9 mos ago (11/29/2013 UTC) at Bücherschrank im Twin Tower in Wien Bezirk 10 - Favoriten, Wien Austria

WILD RELEASE NOTES:

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1100 Wien, Twin Tower, Bücherschrank

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