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Das fünfte Imperium
by Viktor Pelewin | Science Fiction & Fantasy
Registered by clawdiewauzi of Essen, Nordrhein-Westfalen Germany on 3/30/2009
Average 10 star rating by BookCrossing Members 

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Journal Entry 1 by clawdiewauzi from Essen, Nordrhein-Westfalen Germany on Monday, March 30, 2009

10 out of 10

Protagonist Roma folgt dem Aufruf auf einem Aushang, auf dem ein anderes, besseres, elitäres Leben versprochen wird, wenn man sich zu einer bestimmten Wohnung begibt. Neugierig und ein bisschen wagemutig macht sich Roma auf den Weg – und der führt ihn schnurgerade zur Verwandlung in einen Vampir. Diese Wohnung ist fortan sein Zuhause und er durchläuft ein Ausbildungsprogramm durch vampirische Hauslehrer, um seinem neuen Dasein gerecht werden zu können. Roma, der der Tradition der Vampire entsprechend einen neuen Namen annimmt, Rama, hat sehr vieles zu lernen, und nicht alles ist sonderlich eingängig. Neben seiner intensiven Ausbildung wartet jedoch noch eine größere Probe auf ihn: der so genannte große Sündenfall. Roma ist gespannt, und er lernt kurz zuvor einen anderen Vampir kennen – eine Frau.

Pelewin begnügt sich in seinem Roman nicht mit den althergebrachten Vampirklischees. Zwar finden diese im Roman ihren Platz, allerdings genau als solche: Klischees. Die Vampire stellt er als herrschende Rasse der Welt dar, die sich die Menschen für ihre Zwecke herangezüchtet haben. Das Überragende, das Pelewins Vampire somit darstellen, wird jedoch nicht durch die bloße Darstellung von Superkräften, pure erotische Ausstrahlung und ähnliches vermittelt, sondern durch die sehr aufwändig und liebevoll dargestellte Ausbildung von Rama, dessen Wissensstand über Vampire zu Beginn dem des Lesers entspricht, so dass auch dieser die wissenswerten Dinge durch Ramas Ausbildung erfährt. Da geht es um Glamour und Diskurs, ihr Wechselspiel und ihre Ähnlichkeiten, um vampirische wie allgemein gesellschaftliche Regeln, um Politik mit besonderem Augenmerk auf die russische Entwicklung, Absichten und Gepflogenheiten, um Verschwörungen, um Philosophisches und zugleich um Klassiker wie Duellführung und Kampfkunst.

Bei all der Theorie und Ausbildung Ramas ist es tatsächlich ein Hauch von Harry Potter für Intellektuelle, der durch den gesamten Roman weht. Es passiert nicht wirklich viel, der Großteil des Buches plätschert gemächlich vor sich hin, und doch sind gerade die ganzen Ausbildungssequenzen, Lehrinhalte und Diskussionen mit den Lehrern über Philosophie, vampirische Weltsicht und –ordnung, die einen fesseln und mit auf eine Reise nehmen, die etwas Traumhaftes an sich hat.

Traumhaft meint bei diesem Roman allerdings keine Idylle von Friede, Freude und Eierkuchen, sondern eher die Richtung des kritisch-paranoiden Surrealismus. Und genau das fügt sich herrlich in die Gesamtkomposition des Buches ein, in dem der Protagonist schon als Mensch auf authentische Weise kritisch und von der Umwelt und dem Materiellen genervt ist, sich mit eben dieser Kritik als Vampir in der Ausbildung jedoch erst recht auseinandersetzen und sie variieren muss.

„Das fünfte Imperium“ kann man in die Sammlung der Vampirromane oder - allgemeiner gehalten – in die Sammlung der Dark Fantasy oder – noch allgemeiner – in den fantastischen Bereich an sich schieben. Dort allein gehört dieser innovative Roman jedoch nicht hin. Er ist geistreich, kritisch, politisch, postmodern, zeitgenössisch und wirklich ein sehr ernst zu nehmendes Werk der (Pop)-Literatur, bei dem es sich lohnt, sich genauer mit ihm zu beschäftigen.
Wer nach Action sucht, wird enttäuscht sein, doch wer Vampirromane belächelt und in die triviale Ecke schiebt, sollte unbedingt einen Blick riskieren und damit seinen Genrehorizont erweitern.
Endlich mal wieder ein wirklich ernst zu nehmender fantastischer Roman, großartig!
 


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