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Sara und Serafina
by Dzevad Karahasan | Literature & Fiction
Registered by mimiks of Dornstadt, Baden-Württemberg Germany on 1/31/2009
Average 4 star rating by BookCrossing Members 

status (set by Torgin): travelling


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3 journalers for this copy...

Journal Entry 1 by mimiks from Dornstadt, Baden-Württemberg Germany on Saturday, January 31, 2009

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Buchrücken:
"An einem eisigen Fberuartag 1993 wird eine Frau auf die Polizeiwache in Sarajevo gebracht. Sie hatte sich auf einer Straßenkreuzung der belagerten Stadt den Scharfschützen ausgesetzt. Wer ist diese Verrückte, die unbedingt sterben will?"

Dieses Buch habe ich auf unserem örtlichen Wertstoffhof gefunden. Unter einem Dach kann man Bücher, die man nicht mehr will, liegen lassen, statt sie ins Altpapier zu werfen. Die meisten wären im Altpapier allerdings besser aufgehoben. Dieses hat mir aber einen ganz guten Eindruck gemacht.

Es klingt ganz interessant, aber zur Zeit möchte ich mich mit dieser jüngeren Zeitgeschichte nicht auseinandersetzen. 


Journal Entry 2 by mimiks from Dornstadt, Baden-Württemberg Germany on Tuesday, February 03, 2009

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Reist im Tausch eines Buches von Aitmatov zu holle77. 


Journal Entry 3 by wingholle77wing from Meschede, Nordrhein-Westfalen Germany on Wednesday, February 11, 2009

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Heute sind Sara und Serafina angekommen, was für ein schönes, sogar signiertes Buch, danke, mimiks! 


Journal Entry 4 by wingholle77wing from Meschede, Nordrhein-Westfalen Germany on Sunday, July 26, 2009

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Ein sehr eindringliches und interessantes Buch. Es fällt mir schwer, etwas Eigenes dazu zu sagen, deshalb kopiere ich hier einmal eine Reszension hin, die mir sehr gut gelungen scheint und die Atmosphäre und Dichte des Romans wiedergibt:

Neue Zürcher Zeitung
Unschuld und Sühne

Dzevad Karahasans Sarajewo-Roman «Sara und Serafina»

Die Szenen aus dem Fernseher kannte man wohl, eine rechte Vorstellung indes wollte man sich kaum machen – davon, was es hiess, damals in Sarajewo geblieben zu sein, jahrelang in einer von einer Soldateska umringten, von fast aller Versorgung abgeschnürten Stadt zu leben, täglich dem Terror von Gewehr- und Granatfeuer aus den umliegenden Bergen ausgesetzt zu sein ohne Hoffnung auf ein Ende des Spuks. Die Stunde der Barbarei hatte 1992 nicht zuletzt mit der Vernichtung der bosnischen Nationalbibliothek als dem Versuch begonnen, die Identität eines Landes zu löschen, das mit der gegenseitigen Anerkennung und lebensweltlichen Durchdringung der Kulturen Ernst gemacht hatte. Was war, durfte nach dem Willen bosnisch-serbischer Nationalisten nicht länger wahr gewesen sein.

Das Blut auf dem Markt, der Schnee auf den Begräbnisfeldern, aufgeschlitzte Häuser, Passanten, die um ihr Leben rennen . . . Die Zeit ist gekommen, die erratischen Bilder, die der neuvölkische Wahn in Ex-Jugoslawien produzierte, ins Gedächtnis der Sprache heimzuholen. Eben dem dient «Sara und Serafina», der jüngste Roman des bosnischen Schriftstellers Dzevad Karahasan (geb. 1953), der in Sarajewo Dekan der Akademie der szenischen Künste war, bevor er, in seiner eigenen Wohnung knapp dem Tod entronnen, 1993 ins österreichische Exil floh. Seither hat er sich mit orientalisierenden Romanen und scharfzüngigen Essays als illusionsloser Botschafter einer verlorenen Utopie einen Namen gemacht. Karahasan ist in gleichem Masse Geschichtenerzähler und Intellektueller, homo poeticus und homo politicus . Es zeichnet seine jüngste Arbeit aus, dass sie beides glücklich vereint.

Experiment am Menschen

Eine Frau, die sich an einem Februartag 1993 auf der «Kreuzung der Heckenschützen» als Zielscheibe darbietet – das ist der Ausgangspunkt des in Rückblenden erzählten Geschehens, in dem sich vielerlei Erfahrungen und Freundschaften verschlingen. Da ist sie wieder in aller Drastik: Sara, die der Ich-Erzähler (Karahasans Alter ego in weit fortgeschrittenem Alter) nach dem gescheiterten Versuch, sie und die Ihren aus der Todeszone zu bringen, aus den Augen verloren hatte. Sara in ihrer Radikalität erscheint als das Andere seines Selbst, das «längst alles aufgegeben [hat], aber beharrlich so [tut], als bemühte [es] sich immer um irgend etwas». Sie wird ihm als teuerste Tote in Erinnerung bleiben.

Es ist ein «Experiment am lebenden Menschen», das an Serafina, die sich Sara nennt, statt-findet – und dies nicht zum ersten Mal. Schon als Kind war sie durch ihre ältere Schwester vor dem Tod bewahrt worden, als sie 1942 ihrer jüdischen Freundin zuliebe einen Transport ins Gas bestieg. Wieder lässt die in Zagreb wohlsituierte Andjelina ihren Einfluss spielen, doch verweigert sich Sara dem Rettungsplan: Nicht noch einmal will sie die sein, die allein davongekommen ist. Die Schuld von damals hat sie auf die Schattenseite des Lebens in die Armenviertel Sarajewos geführt, wo sie als Lehrerin und guter Geist der Verzweifelten waltet. Es ist, als sühne Sara, indem sie mutwillig ihre Talente verschenkt. So soll jetzt auch nur die Tochter Antonija entkommen, zusammen mit ihrem muslimischen Verlobten Kenan (was zumindest teilweise eine Wiederholung des mütterlichen Traumas bedeutet).

Durch Zufall sieht sich der Erzähler involviert. Sein Freund Dubravko soll die Flucht durch ein Schlupfloch zum Preis eigener Rettung organisieren. Diese scheitert an der Unmöglichkeit, Kenan mittels gefälschter Papiere zu «christianisieren», gleichzeitig verheddern sich die Beteiligten hoffnungslos in Psychologie. Sara in ihrem Schwanken zwischen Herzlichkeit und Schroffheit, Souveränität und Verstörung erweist sich als einziges Rätsel, und auch Kenan will seiner Flucht nur unter der Bedingung gewahrter Würde zustimmen. Ohne Skrupel hingegen erweist sich Antonija, die, dem «Feuerring» schliesslich als einzige nach Zagreb entronnen, weder Gefühle für den kriegsverstümmelten Kenan noch für die einsame Mutter aufbringt und nach Neuseeland auswandert. Ihre Indifferenz lässt in dieser am Ende die Todessehnsucht (Saras) über die Realitätstüchtigkeit (Serafinas) obsiegen.

In einer auf Transparenz bedachten, schlichten Sprache fügt Dzevad Karahasan kunstvoll und kühn widersprüchliche Schicksale und Charaktere zusammen (wobei er sich freilich den Grenzen der Übersichtlichkeit und Glaubwürdigkeit annähert). Dass die Dinge in Extremsituationen einfach werden, entlarvt sein Roman als Illusion. Die Figuren bewegen sich in einem Wirrwarr aus Hass und Verzweiflung, Solidarität und Neid, Freundschaft und Verachtung. Angst und Aggression entladen sich als Wortschwall. Über die Aporie von Vergessen und Verdrängen, Prinzipientreue und Pragmatismus, hoher Moral und gesundem Menschenverstand lässt sich in Küche und Keller diskutieren, endlos und mit desperater Lust – denn solange man redet, ist man nicht tot.

Der Tunnel als Nabelschnur

Die rhetorischen Eruptionen geben Karahasan Gelegenheit, philosophische und kulturgeschichtliche Exkurse ins Geschehen einzurücken. So finden sich luzide Reflexionen über den Zusammenhang von Denkmal und Staat, Brot und Kultur, über die bosnische Wohnküche als Sinnzentrum, über die Fremdheit der «Koffermenschen», die Bosnien die Moderne brachten (Sara entstammt solchen), aber auch eine kleine Charakterkunde des Türöffnens. Der Krieg ist stets drohend im Hintergrund präsent; zu seinem apokalyptischen Sinnbild wird der von Zivilisten belagerte und von den Militärs usurpierte schmale Tunnel unter der Flughafenpiste hindurch, der die Stadt als «Nabelschnur» mit der Welt verbindet.

Zweifellos wird das geschändete Sarajewo als Menetekel fortgesetzter menschlicher Unbelehrbarkeit in die Geschichte eingehen. Gegen die Totalität des Symbols aber mobilisiert der Ich-Erzähler die Erfahrung von Schönheit und Glück, die ihm hier (selbst in Zeiten des Krieges) an Tagen zuteil geworden ist, da das Licht wie «von überall heraus unsichtbaren Quellen in den Talkessel» fliesst und jedes Ding und jede Gestalt, «wunderbar selbstgenügsam und mit sich selbst identisch», eine den Menschen umfangende biblische Klarheit erhält. Dem Davongekommenen bleibt solche Mystik verschlossen: Seit er zwischen Toten und Lebenden, Erinnerten und Anwesenden nicht mehr zu trennen vermag, schwindet ihm der Halt. Der abstrakt gewordene Tod ist überall, und entsprechend leer erscheint ihm das neu aufkeimende Leben. So geistert der Erzähler als Untoter durch die zeichenlosen Strassen Sarajewos, gleich wie Aleksandar Tišmas Blam, ein Überlebender der Shoah, durch jene Novi Sads. Wo Sara von einer Granate erlöst wurde, sieht er sich verschmäht. Dzevad Karahasans Roman aber ist die Stimme seiner Scham.

Andreas Breitenstein
 


Journal Entry 5 by wingholle77wing from Meschede, Nordrhein-Westfalen Germany on Thursday, March 18, 2010

This book has not been rated.

http://www.bookcrossing.com/journal/7503143/ 


Journal Entry 6 by wingholle77wing from Meschede, Nordrhein-Westfalen Germany on Thursday, March 18, 2010

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Wandert mit Urlas Spotlightbox Osteuropa weiter. 


Journal Entry 7 by Torgin from Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on Tuesday, March 23, 2010

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Aus der Box entnommen. 


Journal Entry 8 by Torgin at Oberhausen, Nordrhein-Westfalen Germany on Wednesday, September 05, 2012

4 out of 10

Irgendwie war mir hier alles zu viel: Schuldgefühle, Bedrohung, quasi-philosophisches Gerede, Symbolismus ... Außerdem kann ich nicht behaupten, die Schuldgefühle nachvollziehen zu können, schließlich hatte Kenan einfach Pech. Aber es ist durchaus möglich, daß man als Beteiligter das anders empfindet, das Urteil möchte ich mir angesichts der Kriegssituation dann doch nicht anmaßen. Daher kann ich auch nur sagen, daß mir Serafina/Sara in ihrer Haltung sehr fremd blieb, was aber ihren Erlebnissen geschuldet sein mag. Bei ihr war dieses Gefühl zwar am stärksten, aber auch die übrigen Personen agierten für mich doch durch die Bank einigermaßen befremdlich, und ich bin nicht sicher, daß ich das ausschließlich mit Überlebensstrategien erklären kann. Vor allem der Erzähler selbst schien mir persönlich doch noch ganz andere Probleme als nur den Krieg im belagerten Sarajevo zu haben. Nein, das hat mich alles in letzter Konsequenz nicht überzeugt.
 


Journal Entry 9 by Torgin at Mercator Bücherschrank (Grillo Theater) in Essen, Nordrhein-Westfalen Germany on Thursday, January 31, 2013

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Released 5 yrs ago (1/31/2013 UTC) at Mercator Bücherschrank (Grillo Theater) in Essen, Nordrhein-Westfalen Germany

WILD RELEASE NOTES:

In den Schrank gestellt ... 


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