corner corner Der Bauch des Ozeans

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Der Bauch des Ozeans
by Fatou Diome | Travel
Registered by wingRunningmousewing of Nürnberg, Bayern Germany on 1/19/2009
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Journal Entry 1 by wingRunningmousewing from Nürnberg, Bayern Germany on Monday, January 19, 2009

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Neue Zürcher Zeitung
Charmante Abrechnung - Fatou Diomes Roman «Der Bauch des Ozeans» Eine senegalesische Autorin im Diogenes-Verlag? Die Kenner der hiesigen Verlagsszene werden sich verwundert die Augen reiben, was es mit dieser Neuerscheinung wohl auf sich habe. Der Reklametext auf dem Buchrücken gibt denn auch bereitwillig Auskunft: Über 200 000-mal hatte sich das französische Original verkauft, was den Zürcher Verlag zu dem aussergewöhnlichen Schritt veranlasst hat. Allerdings stellt sich die Frage, ob der deutschen Übersetzung von Fatou Diomes «Der Bauch des Ozeans» ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wird wie der Originalausgabe. Diese Skepsis hängt nicht mit der Qualität des Romans zusammen, sondern vielmehr damit, dass das deutschsprachige Publikum nicht dieselbe ambivalente Beziehung zu dem westafrikanischen Land unterhält wie die Bevölkerung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. Über die Verlagspolitik kann sich der Leser aber getrost hinwegsetzen, bekommt er mit «Der Bauch des Ozeans» doch einen mutigen Roman über die Schwierigkeiten der Interkulturalität vorgelegt, der für die neokolonialistischen Peinlichkeiten einer Corinne Hofmann oder eines Ryszard Kapuscinski entschädigt. Denn Fatou Diomes Alter Ego Salie berichtet von ihrem einsamen Leben als afrikanische Immigrantin, die sich ihrer Heimat auf unwiderrufliche Weise entfremdet hat und in Europa dazu verdammt ist, eine Aussenseiterin zu bleiben. Wer nur ein wenig mit den senegalesischen Erzählkonventionen vertraut ist, erkennt, dass sich hinter den charmanten Episoden des Romans eine schonungslose Kritik der senegalesischen Gesellschaft verbirgt: Sämtliche ihrer Mitglieder – vom herzlosen Familienpatriarchen über nach Geld und Ruhm gierende Jugendliche und dümmliche Dorffrauen bis zum lüsternen Religionsführer – bekommen ihr Fett ab. Die Ich-Erzählerin macht aber Heuchelei, Intoleranz und Ungerechtigkeit nicht nur in ihrer ehemaligen Heimat aus, sondern auch in Europa. Hier werden die Ausländer die ersten Opfer von korrumpierten gesellschaftlichen Werten, die nichts mehr mit den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu tun haben. Allerdings findet die intellektuelle Leistung der Autorin, den Klischees der Interkulturalität (meist) erfolgreich aus dem Wege zu gehen, keine Entsprechung auf ästhetischer Seite. So nett die Aneinanderreihung von kleinen Geschichten aus dem Leben ausgewanderter oder auswanderungswilliger Menschen auch ist, es gelingt der Autorin kaum je, ihren Figuren ein literarisches Eigenleben zu verschaffen; das Gefühlsleben der Charaktere wird meist nur behauptet und selten veranschaulicht. Bis auf wenige Ausnahmen bleiben die eingesetzten Stilmittel plump. Das gilt auch für die titelgebende Metapher vom «Bauch des Ozeans», deren existenzialistische Konnotationen angesichts der fatalistischen Mentalität des Romanpersonals enttäuschend unausgelotet bleiben. Trotz dem beschränkten literarischen Anspruch ist Diomes Roman aber dank der charmanten Behandlung tiefgreifender gesellschaftlicher Konflikte dennoch lesenswert. Frank Wittmann 


Journal Entry 2 by wingRunningmousewing from Nürnberg, Bayern Germany on Saturday, January 24, 2009

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Also nach der Kritik von Frank Wittmann hatte ich wieder eines dieser zähen autobiografischen Bücher von Afrikanern erwartet, die mich immer mit dem (zugegeben auch irgendwie rassistischen) Gedanken zurücklassen :"Kein Wunder, dass der Kontinent es nicht schafft".
Wie anders ist aber dieses Buch! Es stimmt zwar, dass die Figuren alle etwas eindimensional bleiben. Dennoch finde ich die Beschreibung des afrikanischen Lebens sehr kritisch und dennoch liebevoll und ohne diese Weinerlichkeit. Und die Beschreibung des europäischen Lebens hält uns einen Spiegel vor, auch wenn Deutschland die Probleme Frankreichs mit den ehemaligen Kolonien nicht hat.

Und wieder einmal wird klar: So schön es ist, dass in Afrika alles geteilt wird - was mir gehört gehört der Gemeinschaft - es führt dazu, dass Entwicklung so unendlich schwierig ist. Auch der kleine Bruder und sein Laden werden, fürchte ich, daran scheitern - denn schon kauft der Fischer ein ohne zu bezahlen.

Erschreckend, wie auch in vielen Ländern die ich kenne, ist diese Sehnsucht, weg zu gehen. Auf die Emigration wird so unendlich viel Energie verwendet, dass für nichts anderes mehr etwas übrig bleibt. Die Vorstellung, dass in Europa alle Menschen reich sind...Hab ich erst jetzt wieder Erklärungsnöte, weil ich einem Bekannten eben das Geld für einen Flug nicht schicken kann und will. Er glaubt auch, dass das für mich ja kein Problem sein kann. Sind ja nur 800 €. Darüber könnte ich viele Geschichten schreiben - z. B. die Vorstellung, unser Gesundheitssystem sein "kostenlos". Dass ich dafür fast 15% meines Gehalts abgebe und mein Arbeitgeber auch noch jede Menge, kommt nicht rüber. usw. usw.

Diese ganze Energie wäre in diesen Ländern so wichtig, sie wird für einen meist sinnlosen Traum verbraucht.

Das Buch war für mich sehr gut und wichtig, und ich wünsche ihm noch viele Leser, auch wenn es rein literarisch betrachtet kein absoluter Höhepunkt ist.
 


Journal Entry 3 by Nachtleser on Saturday, February 13, 2010

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Ist jetzt bei mir! 


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