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Städte ohne Dattelpalmen
by Tarek Eltayeb | Literature & Fiction
Registered by myotis of Aadorf, Thurgau Switzerland on 11/7/2008
Average 7 star rating by BookCrossing Members 

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Journal Entry 1 by myotis from Aadorf, Thurgau Switzerland on Friday, November 07, 2008

This book has not been rated.

Ein schlicht geschriebnes Buch.
Hamza verläßt sein Dorf um der Armut zu entfliehn und seine vom Vater verlassen Familie zu unterstützen. Die Reise bringt ihn von Ägypten bis nach Europa. Die Armut fordert seinen Preis.

Habe das Buch im Rahmen 1 Jahr = 1 Land (Leseziel für Gemütliche) Lifetime-Challenge von clawdiewauzi für Sudan gelesen.
 


Journal Entry 2 by Torgin from Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on Friday, November 07, 2008

7 out of 10

Der junge Sudanese Hamza verläßt sein Dorf, um anderswo Arbeit zu suchen. Im Dorf herrschen Hunger und Elend wegen einer Dürre, der Vater ist schon vor Jahren verschwunden, und er möchte seiner Mutter und den beiden kleinen Schwestern helfen. Tatsächlich ist anschließend immer wieder die Rede davon, daß er Geld nach Hause schickt. Zuächst reist er in die Hauptstadt, wo er sich mit „Umverteilung“ durchschlägt (nächtlicher Diebstahl und tagsüber Weiterveräußerung). Wohl ist ihm dabei nicht und so nimmt er die erste Gelegenheit zu legaler, wenn auch schlechter bezahlter Arbeit an. Er verliebt sich in die zweite Frau seines Chefs und beginnt ein heimliches Verhältnis mit ihr, verläßt aber die Stadt, als sie sich – schwanger geworden und deshalb von ihrem Mann wieder hofiert – von ihm abwendet. Hamza gelangt nach Ägypten und steigt dort in eine Gruppe ein, die sich mit Schmuggelgeschäften finanziert. Als der Rest der Gruppe von einer Beschaffungstour nicht wiederkommt, treibt es Hamza weiter. Nach einigen teils legalen, teils illegalen Aufenthalten und Arbeitsstellen in verschiedenen europäischen Ländern kehrt er nach Hause zurück. Im Nachbarort seines Dorfes trifft er auf seinen Scheich, der ihm berichtet, daß es das Dorf nicht mehr gibt und seine Mutter und Schwestern tot sind. Er fährt trotzdem hin und findet kaum noch Anzeichen des Dorfes, die für die Familie mitgebrachten Geschenke können nur noch beerdigt werden.

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Ein Kreislauf der Trostlosigkeit. Hamza startet seine Odysee aus der Not heraus, und da er eine Menge Glück hat und bei den ganzen illegalen Aktionen nicht von der Polizei geschnappt wird, geht es ihm sogar relativ gut und er kann durchaus einiges an Geld nach Hause schicken. Zwar belastet ihn, daß er nichts von zu Hause hört, aber seine wechselnden Aufenthaltsorte machen das natürlich auch nicht einfacher. Letztlich kehrt er aber mit nicht mehr nach Hause zurück als er bei seinem Aufbruch hatte (eigentlich sogar weniger), nur um festzustellen, daß auch die letzten Gewißheiten seines Lebens, die ihn in der Fremde haben überleben lassen (im Sinne eines Nicht-Verzweifelns), nicht mehr existieren.

Hier wird ein ganz anderes Migrations- und Rückkehrerlebnis geschildert als in Tajjib Salichs Zeit der Nordwanderung, und aus diesem Kontrast bezog es für mich seinen wesentlichen Reiz. Hamza ist kein wohlsituierter junger Sudanese, der für ein paar Jahre im Ausland studiert, bewundert zurückkehrt, aber mit Problemen der Entfremdung kämpfen muß. Er hatte in Europa auf Grund der Kürze der Zeit und seiner zumeist illegalen Arbeit im Kreise Gleichgearteter gar nicht die Möglichkeit, heimisch zu werden. Dafür kehrt er aber auch nicht wie der Erzähler in der Nordwanderung in eine Gemeinschaft zurück, von der er sich eine bestimmte Vorstellung, geradezu eine Fiktion, bewahrt hat, und deren Risse er nach der Rückkehr langsam wahrzunehmen beginnt. Hier gibt es keine Gemeinschaft mehr, in die zurückgekehrt werden kann – Dürre, Hunger und Krankheiten haben diese längst vernichtet.

Die Sprache ist nicht nur einfach, sondern geradezu simpel. Daß Hamza nicht gerade dem Bildungsbürgertum angehört und sich dies auch in der Erzählsprache niederschlägt, dagegen ist nichts zu sagen, aber hier gab es für mein Empfinden eine Diskrepanz zwischen einem etwa 20jährigen Mann und einer sehr kindlichen Sprache. Inwieweit das möglicherweise durch die Übersetzung bedingt ist, kann ich nicht beurteilen. Allerdings denke ich, daß dieser Effekt zumindest nicht völlig ungewollt ist. Tarek Eltayeb lebt seit 1984 in Österreich, die Übersetzung ist von Ursula Eltayeb (seiner Frau, wie ich vermute) und laut Impressum sind „geringfügige Abweichungen (...) vom Originaltext (...) vom Autor autorisiert“. Das sollte den Charakter des Buches in dieser Beziehung also nicht grundlegend verändert haben. 


Journal Entry 3 by myotis at mit der Post an Bookcrosser/in (Aadorf TG) in -- per Post verschickt / persönlich weitergegeben --, Thurgau Switzerland on Wednesday, May 06, 2009

This book has not been rated.

Released 8 yrs ago (5/6/2009 UTC) at mit der Post an Bookcrosser/in (Aadorf TG) in -- per Post verschickt / persönlich weitergegeben --, Thurgau Switzerland

WILD RELEASE NOTES:

WILD RELEASE NOTES:

Reist als Rabck zu Runningmouse. 


Journal Entry 4 by wingRunningmousewing from Nürnberg, Bayern Germany on Monday, May 11, 2009

This book has not been rated.

Angekommen!

Ob ich das Buch wirklich für den Sudan werten will, weiß ich noch nicht so recht, denn es ist mal wieder so ein Durcheinander ... Der Autor ist 1959 in Kairo geboren, seine Eltern waren wohl Sudanesen. Und mit 25 ist er dann nach Österreich gegangen. Wenn ich bedenke, dass Michael Ondaatje für Kanada gewertet wird...aber ich werde jetzt KEINE Diskussion im Forum lostreten. nein. ich werde es einfach lesen.

Ich bin trotzdem sehr gspannt, denn auch ich habe "Zeit der Nordwanderung" gelesen und bin gespannt auf den Vergleich, den Aldawen schon anspricht!

Vielen Dank für das Buch! 


Journal Entry 5 by wingRunningmousewing from Nürnberg, Bayern Germany on Monday, May 11, 2009

This book has not been rated.

Biografie von der website des Autors:

Geboren im Jahre 1959 als Sohn sudanesischer Eltern in Kairo; verbringt bis 1967 die langen Sommer in El-Arish, einer kleinen Stadt am Mittelmeer im Norden Sinais, die Winter in einem Viertel der Altstadt Kairos; nach dem Krieg 1967 lebt die Familie in Ain Shams im Norden Kairos, einem Viertel mit großer sudanesischer und ägyptisch-koptischer Gemeinde;

vom vierten bis zum sechsten Lebensjahr besucht Eltayeb eine Koranschule, wo v.a. sein Interesse an der hocharabischen Sprache geweckt wird; nach dem Besuch der Grund- und Mittelschule studiert Eltayeb an der Universität Ain Shams in Kairo Betriebswirtschaft und schließt sein Studium 1981 mit einem Bakkalaureus ab; von 1982 bis 1984 arbeitet er als Buchprüfer in Kairo; danach verbringt er sechs Monate im Nordirak;

Eltayeb lebt seit 1984 in Wien; mit zahlreichen Jobs als Zeitungskolporteur, Prospektverteiler, Tellerwäscher, Sprachlehrer, später dann Übersetzer und Dolmetscher, finanziert Eltayeb sein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien; Dissertation am Institut für Wirtschaftsphilosophie zum Thema „Der Transfer von Ethik durch Technologie im Kampf zwischen Identität und Profit“;

1997 Promotion zum Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften; arbeitet dzt. als Fachhochschulprofessor am International Management Center/University of Applied Sciences in Krems und Lehrbeauftragter an der Karl-Franzens-Universität Graz.

seit 1985 schriftstellerische Tätigkeit;

 


Journal Entry 6 by wingRunningmousewing from Nürnberg, Bayern Germany on Friday, May 15, 2009

8 out of 10

Dieses Buch ist so hoffnungslos, so traurig - ich wollte es manchmal weg legen, es war richtig schlimm. Ich fand, die sehr einfache Sprache hat den Effekt sehr verstärkt und hat mir eigentlich gut gefallen, allerdings muss einfach nicht bedeuten, dass ständig Wortwiederholungen ("dann") kommen. Deshalb einen kleinen Abzug.

Nach der Lektüre würde ich auch denken, man kann das Buch durchaus für den Sudan werten, auch wenn es nicht genau den Challenge- Regeln entspricht. Aber ich sehe das eh nicht so eng ;o) Ohne den sicher intensiven Einfluss seiner sudanesischen Herkunft (wenn auch nicht Geburt) hätte der Autor das Buch vielleicht ganz anders geschrieben.

Ach ja, und ich wollte noch bemerken, dass mir die Gestaltung des Buches außerordentlich gut gefallen hat. 


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