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Dein ist das Reich
by Abilio Estevez | Literature & Fiction
Registered by wingIkopikowing of Hesel, Niedersachsen Germany on 8/13/2008
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Journal Entry 1 by wingIkopikowing from Hesel, Niedersachsen Germany on Wednesday, August 13, 2008

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Beim Büchereiflohmarkt für BunteAmsel gekauft.

Neue Zürcher Zeitung
Im Reich der Rätsel

Der Kubaner Abilio Estévez erweckt seine Insel zum Leben

Das markante Gesicht, die grünen Augen und die graumelierten Haare machen es leicht, Abilio Estévez in Havanna zu erkennen. Jedoch muss der über Nacht weltberühmt gewordene Romancier nicht fürchten, in seiner Heimat von Autogrammjägern belästigt zu werden. Zwar ist sein 1997 in Spanien erschienener Erfolgsroman in viele Sprachen übersetzt – und liegt nun auch auf deutsch unter dem Titel «Dein ist das Reich» vor. In Kuba aber ist das Buch praktisch unauffindbar und nur Eingeweihten bekannt. Zwar wurde Estévez 1999 mit dem Preis der kubanischen Literaturkritiker geehrt, jedoch ist in Kuba keine einzige Rezension über das prämierte Werk erschienen.

Zu den paradoxen Eigenheiten der sozialistischen Karibikinsel gehört neben der Lage der Intellektuellen die Zwitterstellung der Sprache. Genauso allgegenwärtig wie unerträglich ist das offizielle Spanisch der Behörden: ein abgedroschenes Kampfinstrument. Das kubanisch gefärbte Spanisch des Privatlebens hingegen ist voller Phantasie; es ist das zentrale Mittel der Selbstbehauptung und Sinnsuche im Reich der Gemeinplätze. Die Sehnsucht nach aussagekräftigen Wörtern sprengt die engen Grenzen der krisenerschütterten Insel: Die Literatur bietet sich immer mehr als Ausweg und Rettung an.

In diesem Umfeld schrieb der 1954 in Havanna geborene Abilio Estévez seinen Erstlingsroman. Entstanden ist nach sieben Jahren Arbeit eine Symphonie aus Wörtern und Metaphern: ein Meisterwerk, das die Gesamtheit der Realität – einer kubanischen und zugleich auch einer universellen Realität – zu erfassen versucht.

Am Anfang war das Wort, und mit jedem Wort wurde die Wirklichkeit reicher, erinnert der Autor in seinem Buch an den Ursprung aller Dinge. Ort des Geschehens ist eine Finca mit verrostetem Gittertor – und darüber die Inschrift «Die Insel». Sie ist – wie Kuba – vom Meer umgeben und liegt in der Nähe von Havanna. Das Inselreich von Estévez hat eine schmale Holzpforte, die das Jenseits vom Diesseits trennt. In diesem Raum mit unzähligen Schlingpflanzen und wildwachsenden tropischen Bäumen leben die Protagonisten des Romans – wie etwa die Barfüssige Gräfin, der alte jamaicanische Professor Kingston, der schleierhafte Verwundete, der Jüngling Sebastian und dessen Spielkamerad Versteh-nicht-Tingo, die Bürogehilfin Mercedes, deren blinde Schwester Marta, die keusche Myriam, die von ihrem Vater Manilla verkuppelt und in die hohe Kunst der Fellatio eingeführt wird, die Schwarze Merengue und ihr unergründlicher Sohn Chavito, die gottesfürchtige Lehrerin Señorita Berta und ihre hochbetagte Mutter Doña Juana. Chavitos stumme Statuen, die sich gelegentlich bewegen, allgegenwärtige Augen, die dem Allmächtigen zu gehören scheinen, und geheimnisvolle Zeichen, die umwälzende Veränderungen verkünden, begleiten die Inselbewohner. Sie werden von unerklärlichen Vorkommnissen beunruhigt und leben mit der Hoffnung auf etwas Unbekanntes, das bald alles zum Besseren wenden soll. Die Hoffnung ist das Lebenselement des Kubaners und vielleicht auch der Ausdruck seiner Lebensunfähigkeit, erfährt der Leser von Estévez, denn die Hoffnung hilft, die Gegenwart zu vergessen.

Der Autor vermischt Realität mit Phantasie: Er schildert den Alltag und die kollektiven Träume in verschiedenen historischen Epochen in Kuba. Das Buch erweckt uralte Ängste und Hoffnungen wieder zum Leben und vermittelt ein farbiges Bild von der Sozial- und Kulturgeschichte der Insel. Es gibt keine Chronologie und kein lineares Geschehen; immer wiederkehrende und neu auftretende Figuren bilden ein ständig wachsendes Beziehungsnetz. Der Roman besteht aus Fragmenten – in erster, zweiter oder dritter Person geschrieben –, die als Erzählung, Abhandlung oder innerer Monolog konstruiert sind. Die Rangordnung der Protagonisten bleibt lange unklar. Erst am Ende der Erzählung erkennt der Leser, dass alle Personen und Stimmen einer Erzählerfigur untergeordnet sind: dem 14jährigen Sebastian, der sich später im Erwachsenenalter – wie der Autor Estévez – dazu entschliesst, die Geschichte der eigenen Kindheit am Stadtrand von Havanna in den letzten Monaten des Jahres 1958 zu schreiben. Das Verhältnis von Estévez zu Sebastian ist ambivalent – ähnlich wie die Beziehung zwischen Marcel Proust und dem Erzähler von «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit», die im Buch des Kubaners häufig erwähnt werden.

«Dein ist das Reich» ist ein Versuch, das persönliche und kollektive Gedächtnis wiederherzustellen. Der Roman endet am 31. Dezember 1958, als eine Kerze auf das Leinennachthemd von Doña Juana fällt und einen verheerenden Brand auslöst. Am selben Tag flieht der Tyrann Batista aus Kuba und die Rebellen ziehen in Havanna ein. «Wir standen vor einer entscheidenden Wende in unserem Leben (. . .) wir wussten nicht, dass wir die Steine auf dem Brett eines unverständlichen Spiels waren», schreibt Estévez im Epilog.

Weder Sebastian noch die anderen Protagonisten kennen die Macht der Geschichte über die Existenz gewöhnlicher Leute. Die Figuren im Roman handeln nicht als historische Akteure und bleiben am Rande des politischen Geschehens. Dadurch gehen zwar einige Facetten des Ende der fünfziger Jahre in Kuba vorherrschenden Zeitgeistes verloren. Aber gerade die Abkehr von der historischen Rekonstruktion ermöglicht es Estévez, auch einiges von der aktuellen Befindlichkeit auf der Insel zu vermitteln.

Dazu gehören vor allem Monotonie und Ausweglosigkeit. Sowohl für den Autor als auch für den Leser unvergesslich bleibt die Nacht, in der die Bettler von der Insel in die Welt hinausziehen. «Sie liessen Flösse ins Wasser, Flösse, die aus diversen Brettern . . . zusammengezimmert waren, die Segel bestanden aus Sackleinen und alten Hemden an Masten (wenn sie denn den Namen verdienten). (. . .) Sie sangen ‹Frei werden wir sein, fern dieser Enge, unterwegs zum weiten Horizont›. (. . .) Ein Floss ist der Inbegriff des Unsicheren und auch des Überdrusses. (. . .) Da ist die weite See, der Wind, der die weite See aufwühlt, und ein Knoten bildet sich vor Traurigkeit in deinem Magen.» Die Übersetzerin hat vorbildliche Arbeit geleistet: Die deutsche Fassung behält die atmosphärische Dichte der spanischen Originalversion. Der Leser riecht die Karibik, die phänomenale Sprachgewalt von Estévez kommt voll zur Geltung.

Im Epilog schreibt der Autor eine fesselnde Liebeserklärung an die wichtigsten Vertreter der Weltliteratur und fragt sich: Was darf der Dichter tun, was muss er unterlassen? Estévez widerspricht dem französischen Klassiker Flaubert: Es sei nicht ratsam, dass der Autor in seinem Werk wie Gott in der Schöpfung sein soll: gegenwärtig, aber unsichtbar. «Wir sehen Gott tagtäglich in den unterschiedlichsten Formen: als Strassenkehrer, Beamter, Kind, Liebhaber, Clown, Feind (. . .) und wenn wir ihn nicht als Staatsmann sehen, dann nur, weil diese Geschäfte in die Zuständigkeit des Teufels fallen.»

Estévez macht es sich nicht leicht, die Frage nach dem Engagement des Künstlers zu beantworten. Er erinnert an den berühmten Satz von Stendhal, wonach die Politik, wenn sie in die Literatur einfällt, wie ein Pistolenschuss in einem Konzert wirkt. Jedoch seien manchmal Pistolenschüsse unvermeidlich, selbst wenn gerade Maria Callas eine Arie singen würde, räumt Estévez ein. Es gelingt ihm, das Dilemma dichterisch zu lösen, indem er in seinem Roman meisterhaft den Brandunfall von Doña Juana mit der Flucht von Batista und dem Sieg der Rebellen verknüpft. Die Geschichte auf der Tropeninsel ist mit der Silvesternacht von 1958 nicht zu Ende gegangen – trotz den täglichen Beteuerungen der kubanischen Regierung. Estévez kann nicht umhin, die Erzählung fortzusetzen. Sein noch nicht ganz abgeschlossenes neues Buch beginnt mit dem Triumph der Revolution am Neujahrstag 1959 und könnte zum unerlässlichen Schlüsselroman der Castro-Ära werden. 


Journal Entry 2 by wingIkopikowing at Hesel, Niedersachsen Germany on Friday, August 22, 2008

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Released 9 yrs ago (8/22/2008 UTC) at Hesel, Niedersachsen Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

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Reist demnächst zur BuntenAmsel. 


Journal Entry 3 by wingBunteAmselwing from Oland (Hallig), Schleswig-Holstein Germany on Sunday, August 31, 2008

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Danke, Ikopiko!
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Peinlich peinlich, aber ich muß passen. Bis zur Hälfte habe ich gelesen, dann erneut zwei Angänge versucht, aber ich werde mit diesem Buch nicht warm. Es ist mir einfach zu abstrakt. Die Sätze zu lang, das Geschehen zu wirr.
Ich gebe auf.... 


Journal Entry 4 by wingBunteAmselwing at -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Schleswig-Holstein Germany on Saturday, November 01, 2008

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Released 9 yrs ago (11/1/2008 UTC) at -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Schleswig-Holstein Germany

CONTROLLED RELEASE NOTES:

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Geht als RABCK an merkur. Viel Spaß beim lesen! Ich kann mir vorstellen, daß es dir gefällt und mein Scheitern einfach an meiner mangelnden Konzentrationsfähigkeit liegt und garnicht am Buch 


Journal Entry 5 by merkur007 from Frankfurt am Main, Hessen Germany on Wednesday, November 05, 2008

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Angekommen! Jetzt bin ich ganz gespannt, ob es mir gefällt... Über mangelnde Konzentrationsfähigkeit hab ich schon auch ab und zu zu klagen:-) 


Journal Entry 6 by merkur007 from Frankfurt am Main, Hessen Germany on Thursday, April 16, 2009

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Also, vorweg: Ich kann nicht behaupten, dass ich dieses Buch verstanden habe.
Ganz am Anfang dachte ich, das wird doch prima (nach Klappentext und wenigen ersten Seiten), eine Ansammlung recht skurriler Figuren, die auf engem Raum miteinander leben, eine Art literarisch hochwertiger Lindenstraße à la Cubana, aber: weit gefehlt. Dann stellte sich heraus, es geht wie in Serpentinen durch dieses Buch, langsam und plötzlich in eine andere Richtung, die Figuren tauchen auf und lange wieder weg, sie gehen in eigenen Phantastereien auf und in Einmischungen des Autors unter, eine Geisterfahrtim Dschungel oder so. Dann schaffte ich es, eines Abends 130 Seiten am Stück zu lesen, ohne so ganz genau hinterher zu kommen, aber da hatte es schon einen eigentümlichen Sog. (Prompt träumte ich nachts, ich gehe mit einer Machete durch dichbewaldetes Gebiet und kämpfe mich so vorwärts...). Mit Unterbrechungen in zwei weiteren Anläufen habe ich es dann fertiggelesen, ich konnte dieses Buch nur in langen Etappen am Stück lesen, wenn man nur ein paar Seiten liest und unterbricht, wird das irgendwie nix.

Offensichtlich genug, dass das kleine Gebiet auf dem die Figuren leben- verwirrend viele und es werden immer mehr, und es ist durchaus nicht einfach sich die zu merken... -, schlicht Insel genannt, der Spiegel ist der Insel Kuba, dass die Sehnsüchte, Katastrophenahnungen, Wachträume, das ganze Kuba meinen. Offensichtlich auch, dass ich höchstens einen Teil der Bezüge auch nur annähernd deuten konnte...

Einzelne Sätze sind wunderschön, kleine Geschichten ganz hervorragend, aber bei 450 Seiten, die sich um Chronologie, um Struktur, um einheitliche Erzählperspektive nicht scheren, war es insgesamt wirklich konzentrationfordernde Lektüre. Und ich bin, was lateinamerikanische Literatur angeht, einiges gewohnt und relativ hart im Nehmen.

Komischerweise wollte ich auch nicht aufgeben, hatte immer wieder Lust, zurück in diesen mir außerordentlich fremden Kosmos einzukehren, und ich bin sicher, dass mir einiges lange in Erinnerung bleiben wird, auch die ganz eigentümliche Atmosphäre.

Mir ist noch nicht ganz klar, wem ich dieses Buch jetzt andrehen könnte, wer da wohl Spaß dran hätte...


Gelesen im Rahmen der 1Jahr=1Land=5Bücher-Challenge für KUBA. 


Journal Entry 7 by merkur007 at Brotfabrik (kp-21 - OBCZ) in Frankfurt am Main, Hessen Germany on Friday, November 13, 2009

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Released 8 yrs ago (11/13/2009 UTC) at Brotfabrik (kp-21 - OBCZ) in Frankfurt am Main, Hessen Germany

WILD RELEASE NOTES:

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Nun zu haben im flotten Regal im kp21 in der Brotfabrik (Frankfurt-Hausen). 


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