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Eine Frage der Zeit
by Alex Capus | History
Registered by pfiffigunde2 of Obfelden, Zürich Switzerland on 11/15/2007
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Journal Entry 1 by pfiffigunde2 from Obfelden, Zürich Switzerland on Thursday, November 15, 2007

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Die deutsche Kriegsmarine hatte 1914 in Papenburg das Kanonenboot "Graf Götzen" bauen lassen, es an Ort und Stelle zerlegt und es auf dem Tanganyikasee wieder zusammengenietet. Damit wollten sie sich die Hoheit auf dem See und über die Kautschukvorkommen der angrenzenden Kolonien sichern. Doch noch ehe es gefechtsbereit ist, bricht der Weltkrieg aus. Deutsche und Engländer belauern sich vom Ufer aus. Auf seiner ersten Feindfahrt wird das Kanonenboot durch schweren Seegang beschädigt und liegt fortan nutzlos im Hafen. Und als sich abzeichnet, dass die Engländer den Krieg gewinnen werden, lässt der Kapitänleutnant die "Graf Götzen" versenken, bevor sie je einen Schuss abgefeuert hatt.........
Überigens....1925 wurde die "Graf Götzen" gehoben und wird noch heute als Fährschiff zwischen Kigoma und Kasanga eingesetzt. 


Journal Entry 2 by Torgin from Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on Tuesday, February 24, 2009

10 out of 10

Alex Capus hat hier ein wunderbares Buch abgeliefert. Nicht nur sind die historischen Hintergründe hervorragend recherchiert, besonders sind auch die Personen – gleich ob real oder fiktiv – sehr gut charakterisiert. Und das gilt nicht nur für die „wichtigen“ Leute, ob das nun der vorzeitig gealterte Gouverneur mit seiner Doppelmoral ist, seine Frau mit ihrer unerschütterlichen Aufrechterhaltung der Umgangsformen, die drei wortkargen Emsländer Schiffsbauer oder der narzisstische englische Prahlhansoffizier, auch die Nebenfiguren erfahren von Capus eine geradezu liebevolle Behandlung, die sie weit mehr als Statisten sein läßt.

Überhaupt sind in dieser Geschichte nicht die Personen die Hauptsache, sondern tatsächlich die äußeren Umstände und die Zeit, die die Menschen zu Handlungen veranlassen, die sie sonst wahrscheinlich nicht begehen würden. Nein, es geht ihnen einzig und allein darum, eine absurde Zeit (denn die Kriegsbemühungen auf dem Tanganjika-See sind völlig absurd) mit Würde zu überstehen und nach Möglichkeit dabei noch zu überleben.

Unterstützt wird dies alles durch eine eher trockene, lakonische Erzählweise, durchsetzt mit feinem Humor und einer gut dosierten Spur Ironie. Dadurch wirkt es nie belehrend, und die Sympathie mit allen Beteiligten wird auch bei eher erschreckenden oder häßlichen Handlungen ihrerseits (z. B. bei dem Kapitänleutnant, der den Massai-Prinzen auspeitschen läßt und sich die anschließende Nacht in Selbstvorwürfen und Ängsten vor den möglichen Folgen windet) nie grundlegend in Frage gestellt.

Einziger Wermutstropfen ist die Karte im hinteren Einband, die eine bunte Mischung aus historischen und aktuellen Namen enthält (wenn Kenia als Britisch-Ostafrika vermerkt ist, müßte Mosambik auch noch Portugiesisch-Ostafrika heißen) und als Grenzen nicht diejenigen Deutsch-Ostafrikas sondern des heutigen Tansania eingezeichnet hat. Für ersteres müßten die Residenturen Urundi und Ruanda, die nach dem Ersten Weltkrieg nicht mit dem restlichen Gebiet dem britischen Völkerbundsmandatsgebiet zugeschlagen, sondern Belgien überantwortet wurden, im Nordwesten mit einbezogen sein, auch wenn die deutsche Herrschaft dort noch weniger ausgeprägt war als in vielen anderen Teilen des riesigen Gebietes.
 


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