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Maren Gripes notwendige Rituale
by Oeystein Loenn | Literature & Fiction
Registered by blups25 of Kyoto / 京都市, Kyoto-fu Japan on 6/24/2007
Average 7 star rating by BookCrossing Members 

status (set by sister-act): to be read


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Journal Entry 1 by blups25 from Kyoto / 京都市, Kyoto-fu Japan on Sunday, June 24, 2007

This book has not been rated.

Maren Gripe ist schön, eine Frau, die die Männer gerne und lange ansehen. Sie ist mit Jacob verheiratet und hat noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken. Rituale bestimmen ihr Leben auf der kleinen norwegischen Insel, ihren täglichen Gang vom Haus zu den Salzschuppen unten am Hafen, wo die Schiffe löschen und laden, wo die Reepschläger neue Trossen drehen und alte reparieren. Alles ist erfüllt von den Gerüchen von Hanf, Teer, Sonne, Salz, Meer und Fisch.
Eines Tages geschehen beunruhigende Dinge. Zuerst wird Maren Gripe verrückt. Glaubt man. Sie betrinkt sich im Wirtshaus, sitzt dort mit geöffneter Bluse und ist nicht mehr sie selbst. Auf der Insel bricht - scheinbar unbegründet - eine kollektive Aggression auf und gerät außer Kontrolle. Häuser werden in Brand gesteckt, Schlägereien und unkontrollierte Zerstörungswut beherrschen das Bild. Hat dies etwa mit dem Fremden zu tun, der an Land gekommen ist? Leo Tybrin Beck, ein holländischer Seemann, der so ganz anders ist als alle ander en Männer. Zumindest für Maren Gripe, die sich auf den ersten Blick in ihn verliebt. Sie ist besessen von ihm, ohne je ein Wort mit ihm zu sprechen, und löst damit dieses Chaos aus.
In Protokollen, Dialogen und Verhören kommen die einzelnen Inselbewohner zu Wort, bieten ihre Versionen von dem, was geschehen ist und wie es dazu kommen konnte. Oeystein Loenn trägt diese Puzzlestücke eines Ereignisses, das eine kleine, scheinbar stabile Gemeinschaft völlig aus den Fugen geraten lässt, meisterhaft zusammen. 


Journal Entry 2 by Amandil from Münster, Nordrhein-Westfalen Germany on Tuesday, September 04, 2007

This book has not been rated.

Gestern bei einem köstlichen Abendessen (LECKER!) bekommen. Gedacht ist es für eine Box zum Thema 1 Jahr = 1 Land. Ich werde mal sehen, ob ich es vorher lesen möchte. 


Journal Entry 3 by Amandil from Münster, Nordrhein-Westfalen Germany on Friday, September 21, 2007

5 out of 10

Auf dem Cover steht noch: Ein Roman über die Anziehungskraft des Unbekannten und die Angst vor dem Fremden und über die ungeheuerliche Macht des Eros.

Ich finde, das trifft es auch ganz gut. Ich war ziemlich überrascht von dem Ausmaß der Emotionen, der Verzweiflung und der ausgeübten Gewalt. Mittendrin immer wieder der Pastor, der Berichte schreiben soll. Und eigentlich hat alles den Ursprung in der Liebe?! Ein Buch, was ich nicht gut einschätzen kann. Fasziniert hat mich die Beschreibung der Insel: die (unausgesprochenene) Rituale, das Zusammenleben, und vor allem die Gerüche. Ich hatte zeitweise das Gefühl, mit am Meer zu stehen.

Mein zweites Buch für Norwegen für 1 Jahr = 1 Land Challenge

Aprille hat Interesse bekundet, also werde ich ihr das Buch heute abend mal "anbieten". 


Journal Entry 4 by wingAprillewing from Bochum, Nordrhein-Westfalen Germany on Sunday, October 28, 2007

This book has not been rated.

Von Zeit zu Zeit sehe ich meinen Bücherstapel durch, räume um, räume auf. Gut, dass ich das mache, denn dabei fiel mir gerade dieses Buch in die Hand und ich wusste, dass ich es noch nicht gejournalt hatte.
Dass ich Knut Hamsun sehr schätze, weiß jeder, der mich etwas besser kennt.
Knut Hamsun war neben anderen Portalfiguren wie Eltern, Tanten, Lehrern mein wichtigster Erzieher. Ich hatte, als ich anfing Knut Hamsun zu lesen, sofort das Gefühl: hier hält mir jemand einen Spiegel vor, in dem ich mich nicht nur selbst hier und da unangenehm deutlich sehe, im Hintergrund sehe ich auch meine Mitmenschen mit ihren Stärken und Schwächen, Macken und Lebenslügen. "Mysterien" wurde mein "Lieblingsbuch" und ich war ganz elektrisiert, als Roger Willemsen in einer Lesen!-Folge dieses Buch ebenfalls sein Lieblingsbuch nannte. (Seither sehe ich Willemsen mit anderen Augen und habe mich sogar schon hinreißen lassen, den Roman, den er geschrieben hat, zu verschenken.)
Hamsun beschreibt, wie sich Menschen verhalten, wie Menschen durch ihre natürliche und soziale Umgebung geprägt werden, wie wenig sich Menschen selbst kennen, wie sie agieren. Hamsun glaubte, vieles ließe sich besser ertragen, wenn die Menschen nicht so eng aufeinanderhockten, sondern jeder mehr Freiraum (im räumlichen und übertragenen Sinn) hätte.
Ich bin gespannt auf den Roman eines Autors, der mit Hamsun verglichen wird.
Ach, übrigens: Das erste Buch, das ich von Hamsun las, war "Victoria", eine Liebesgeschichte.
Und nachdem ich dieses Journal geschrieben habe, kann ich mir eine gewisse pm eigentlich sparen.
Danke für das Buch, blups und Amandil. 


Journal Entry 5 by Primzahl from Bochum, Nordrhein-Westfalen Germany on Sunday, November 04, 2007

10 out of 10

Was kann ein hilfloser Ehemann tun, wenn seine Aprille ihn so lange "zwiebelt" - wörtlich! -, bis er sich nicht mehr zu helfen weiß und selbst schreibt (trotz einer augenblicklichen Haltung zur Oblomowerei). Genannte Aprille hat es übrigens noch nicht gelesen, das Buch. Jedenfalls meine Eindrücke zu Maren Gripe: Nach meiner unmaßgeblichen Meinung liegt hier ein Knut Hamsum-kongeniales Buch vor, das über die Personendarstellung hinaus überdies etwas deutlich Parabelhaftes beinhaltet. Hier stellt sich eine kleine, geschlossene Menschenwelt vor, die einer Eigengesetzlichkeit folgt, die ihr selbst gänzlich unbekannt/unbewusst ist und die in mir das Bild eines "balanced rock" hervorrief, der im Buch durch einen Hauch, nur durch ein Gesicht, eine Figur, einen Fremden, der lediglich kurz in Erscheinung tritt und dennoch zu einer Umwälzung im Verhalten der kleinen Inselgemeinschaft führt von einem scheinbar festen Sockel gestürzt wird. Sämtliche Verdrängungsmechanismen etlicher Inselbewohner - gerade der Männer - brechen in Form heftigster Affekte und Gewalt ans Tageslicht. Eine Reflexion der Geschehnisse tritt jedoch bei den Akteuren nicht im mindesten ein - vielmehr wird das Geschehen wie ein Naturereignis wahrgenommen -, eine Scheinlösung in Form eines selbst gewählten Opfers beendet die Ereignisse, und der Versuch der Obrigkeit, mit rein rationalen Mitteln den Ereignissen sich auch nur irgendwie zu nähern, scheitert. Überhaupt nur in Erwägung zu ziehen, dass es eine zusammenhängende Motivkonstellation für das eigentlich überraschende und erschreckende Verhalten der Akteure geben könnte, steht außerhalb jedes Denkens derselben und ihrer sozialen Umgebung. Der Autor umstellt lediglich die Ereignisse, meist in Andeutungen, ständig durchsetzt von Schilderungen der täglichen Verhaltensrituale, die auch weiterhin nicht aufgegeben werden, da nur sie Halt und Struktur zu geben scheinen. Wie ausgestanzt, geradezu in einer Parallelwelt, in die manche hinüber wechseln, überschlagen sich innerhalb von wenigen Tagen die umstürzlerischsten Ereignisse, von denen man eigentlich annehmen müsste, sie müssten das gesamte Gefüge ein für alle Mal auseinanderbrechen lassen, doch nichts davon geschieht. Irgendetwas Geheimnisvolles, ein vielleicht genetisch angelegtes, tiefes, unsichtbares und nicht wahrnehmbares Band schließt offenbar alle so zusammen, dass - jedenfalls bei mir - der Eindruck entstand, nach der Gerichtsverhandlung werde alles so weiter gehen wie bisher. War es nicht nach jedem Umsturz, Krieg etc. immer so in menschlichen Gemeinschaften? Hier stellt sich die Frage, was solcherart Menschengruppen im Inneren strukturiert, ohne dass sie sich darüber im Geringsten im Klaren sind. Ein m.E. hochpsychologisches, aber auch gesellschafts-, ja menschenkritisches Buch, das wieder mal größte Zweifel an der sogenannten Selbstbestimmung der Menschen, welche ja Grundsatz des so viel gepriesenen rationalen Denkens ist, aufkommen lässt. 


Journal Entry 6 by wingAprillewing from Bochum, Nordrhein-Westfalen Germany on Monday, May 19, 2008

8 out of 10

Uijuijui.
Da hat sich meine Primzahl aber ganz schön angestrengt....
Ich wusste gar nicht, dass ihm das Buch soooo gut gefallen hat.

Also, was kann ich da noch ergänzen? Wie Amandil hatte ich den Eindruck, dass man dieses Buch nicht nur lesen, sondern riechen muss. Es riecht nach Meer, nach Tang, nach verbrannter Heide, nach Fisch und Salzlake, nach Sonne, nach Fusel, nach Tabak, nach Seife, nach Tinte, nach Kerzen....
.... nach Männerhaut, nach Frauenhaut....
Der Geruchssinn sitzt im Gehirn ganz nah an einem Arreal, wo Erinnerungen und Emotionen verarbeitet werden, habe ich mal gelesen, deshalb kann ein bestimmter Geruch eine ganze Situation wieder heraufbeschwören...
Maren Gripe hört zunächst. Sie hört sich selbst auf das Schiffsdeck aufschlagen und kriecht zu ihrem Mann ins Bett, der sie nicht anrührt, weil samstags sexuell gefastet wird. Sie ahnt, dass das Schiff, das vor der Küste ankert, ihr Verderben bedeutet. Aber sie gibt diesen Ahnungen nach, sie beschleunigt sogar ihr Eintreffen. Indem sie sich treiben lässt, reißt sie ihre Mitmenschen mit sich fort. "Balanced Rock", schrieb Primzahl. Ich schreibe "Lawine". Alle in der Gemeinschaft geben sich nach: die einen ihrer Lust an der Zerstörung, die anderen ihrer Geldgier, die dritten ihrem Hunger auf Süßes usw.; Maren Gripe, die die Lawine ins Rollen brachte, kann ihren Hunger nicht stillen und sucht den Tod.
Der Holländer, der eine Art Katalysatorfunktion einnimmt, bleibt unerreichbar. Als Fremder besitzt er eine merkwürdige Immunität gegen die Reize, die die anderen aufwühlen.

Ein atmosphärisch sehr dichtes Buch, das recht kompliziert aufgebaut ist.

Hamsun? Ein Norweger... der wie Hamsun Menschen beschreibt, die sich mit Worten schwer tun.

Ein Buch, mit dem man nach einmaligem Lesen nicht fertig ist.

PS.: Was ich noch sagen wollte: Roger Willemsen wirkt nicht wie Leo Tybrin Beck auf mich. (Mein erstes Journal könnte in diesem Zusammenhang einen falschen Eindruck entstehen lassen. Aber da kannte ich ja das Buch noch nicht!!!) 


Journal Entry 7 by sister-act from Berlin (irgendwo/somewhere), Berlin Germany on Monday, May 26, 2008

This book has not been rated.

Ein Überraschungsbuch! Danke Aprille. Ich bin gespannt. 


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