Das wahre Leben des Domingos Xavier. Erzählungen aus Angola
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Das wahre Leben des Domingos Xavier. Erzählungen aus Angola
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Edit vom 8. Juli 2009: Inzwischen habe ich mein eigenes Exemplar auch endlich selbst gelesen, so daß ich einen Kommentar ergänzen kann. Die Geschichten sind Anfang der 1960er Jahre entstanden, also noch zu Kolonialzeiten. Vieira, portugiesisch-stämmig, aber im Afrikanerviertel von Luanda aufgewachsen, war über zehn Jahre interniert, weil er sich für die Unabhängigkeit Angolas einsetzte (ob er Mitglied der damals marxistischen MPLA war oder nur sympathisierte, weiß ich nicht). Vor diesem Hintergrund muß man die Geschichten lesen, weil es vieles am Inhalt und an der Erzählweise erklärt. Dies gilt besonders für Domingos Xavier. Der junge Mann ist offensichtlich Mitglied einer Widerstandsgruppe gegen das Kolonialregime. Was er in dieser Gruppe tut und ob er überhaupt schon etwas getan hat, außer rekrutiert worden zu sein, bleibt völlig offen, denn es geht Vieira im wesentlichen darum, die Willkür und Brutalität des Regimes zu zeigen. Das gelingt ihm durchaus eindrucksvoll, was vor allem aus dem Wechsel zwischen den Folterszenen im Gefängnis und den fast idyliischen (wenn nicht die Sorge um den verschwundenen Domingos wäre) der Familie und Freunde. Ein leichtes (aber zum Glück wirklich nur leichtes) Augenrollen verursachte mir hier der spezifische Sprachduktus, der sich aus der ideologischen Positionierung des Autors ergibt, obwohl das in Verbindung mit dem Kimbundu-Einschlag auch wieder einen eigenen Reiz entfaltet. Die zweite Erzählung ist weniger offensichtlich politisch, auch wenn im Hintergrund die Benachteiligung oder sogar Ausbeutung der Afrikaner zu sehen ist, was auf Grund von Vieiras Biographie ja zumindest eine naheliegender Aspekt wäre. Vor allem ist Zeca Santos aber ein verwöhntes Blag, dem die Großmutter rechtzeitig links und rechts etwas hinter die Ohren hätte geben müssen. Er hat seine Arbeit nämlich verloren, weil er nicht pünktlich zum Dienst erschienen ist. Und statt seinen Lohn nach Hause zu tragen, hat er ihn für überflüssigen Schnickschnack ausgegeben. Aber die Großmutter soll nun doch gefälligst sehen, daß sie ihm eine Mahlzeit auf den Tisch stellt. Ja, geht's denn noch? Daß bei seiner Suche nach neuer Arbeit auch Demütigung im Spiel ist, ist dabei keine Frage, und er wird darob natürlich auch zunehmend unsicherer. Aber daß er einfach ein verantwortungsloser Bursche ist, daran ist nichts zu rütteln, und so gehörte mein Mitleid hier mehr der Großmutter als Zeca. |
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