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Flammen der Hölle
by Ken Saro-Wiwa | Biographies & Memoirs
Registered by Polemos of Berlin, Berlin Germany on 6/26/2005
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7 journalers for this copy...

Journal Entry 1 by Polemos from Berlin, Berlin Germany on Sunday, June 26, 2005

This book has not been rated.

Als ungelabeltes vom Meetup in Bielefeld heute mitgenommen, eine Spende von Mr. Anonymous (der Bielefeldern bestens bekannt)
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Ken Saro-Wiwa wurde am 10. Oktober 1941 in Nigeria geboren. Er war Universitätsdozent und Regierungsbeamter und setzte sich als Bürgerrechtler in seiner Heimat für Umweltschutz und Menschenrechte ein. Mit der "Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes" machte er auf die Katastrophe aufmerksam, die die 30jährige Ausbeutung der Ölvorkommen (v.a. durch Shell) in Nigeria angerichtet hatte.
Ken Saro-Wiwa erhielt 1994 den Alternativen Nobelpreis und wurde für den Friedensnobelpreis 1996 nominiert. Im Oktober 1995 wurde er von einem Sondergericht der Militärdiktatur Nigerias gemeinsam mit acht Mitstreitern zum Tode verurteilt und trotz internationaler Proteste am 10. November 1995 hingerichtet.  


Journal Entry 2 by Polemos from Berlin, Berlin Germany on Thursday, April 26, 2007

10 out of 10

Ken Saro-Wiwa war mein Freund. Am 10. November 1995 um 11:30 Uhr wurde er in einem Gefängnis in Port Harcourt in Ostnigeria auf Befehl von General Sani Abacha, dem Militärführer Nigerias, gehängt. Ken Saro-Wiwa war 54 Jahre alt und ein unschuldiger Mann.
So beginnt die Einleitung von William Boyd zu Flammen der Hölle. Ich erinnere mich noch recht genau an 1995 und an den Monat, in dem der "Prozess", der Saro-Wiwa gemacht wurde, in allen Medien war. Zwar war ich damals weit weniger politisch als heute und eher lokal denn global interessiert, doch ich habe es mitbekommen. Die Proteste von Menschenrechtsorganisationen waren so couragiert wie erfolglos; nicht nur "die Politik", angefangen in Deutschland über die USA bis nach Südafrika hatte ein wenig ausgeprägtes Interesse an "dem Fall Saro-Wiwa", auch "die Öffentlichkeit" war nach dem "dem Fall Brent Spar" ausgelaugt und wollte nicht schon wieder eine Tankstellenmarke boykottieren. So entstand diese Arabeske der Geschichte: Eine Ölplattform wurde dank internationalen Protestes nicht versenkt, neun unschuldige Menschen (und, wenn mal so will, Freiheitskämpfer) wurden mangels Protest staatlich sanktioniert getötet.
In Wiki ist dazu lesen:
Die Ermordung der Angeklagten löste international heftige Proteste aus. Nigeria wurde mit sofortiger Wirkung aus dem Commonwealth of Nations ausgeschlossen. Mehrere Länder, darunter auch die Vereinigten Staaten von Amerika, zogen wirtschaftliche Sanktionen in Betracht. (Die fette Hervorhebung ist von mir).

Plötzlich kam mein Wagen mit quietschenden Reifen zum Stehen. Überrascht schaute ich auf. Vor mir stand ein bewaffneter Sicherheitspolizist, der den Wagen angehalten hatte, und richtete sein Gewehr auf den Kopf meines Fahrers. Dann stürzten sich ebenso plötzlich weitere Sicherheitsbeamte in Zivil auf die hintere Wagentür, rissen sie auf und forderten mich auf, herauszukommen. Ich weigerte mich. Ihr Ton wurde schroffer und ich blieb ebenso unnachgiebig. Ein Vorgesetzter, den ich gut kannte, befahl zwei Männern, sich auf den freien Beifahrersitz zu setzen. Sie gehorchten. Dann befahlen sie meinem Fahrer, den Wagen zu wenden. Er gehorchte. Der Vorgesetzte hatte seinen eigenen Wagen gewendet und befahl meinem Fahrer, ihm zu folgen. Hinter uns fuhr ein weiterer Wagen, von dem ich wußte, daß es ein Sicherheitsfahrzeug, gesammelt voll mit Sicherheitsbeamten war. Im Konvoi fuhren wir davon.
So beginnt Saro-Wiwa mit der Geschichte seines Lebens und Sterbens im Jahre 1995. Er wird immer wieder inhaftiert, ohne Grund, ohne Angaben, mal für Stunden, mal für Tage. Bis er das Gefängnis gar nicht mehr verlässt und vor einem Sondertribunal zum Tod durch den Strang verurteilt wird. Völlig absurd dabei ist die gegenseitige Höflichkeit, die Häscher und Opfer miteinander verbindet, sie reden auf einem englischen Gutshof oder in einem Restaurant: "Oga möchte Sie sehen, Sir" sagte er [...] "Tut mir leid, keine Zeit" war meine Antwort [...]. "Wir wollen Sie gar nicht verhaften. Wir laden Sie lediglich in unser Büro ein." "Um mit mir Tee zu trinken oder zu Mittag zu essen?" "Kommen Sie einfach mit uns" bat ein kräftiger Schwarzer .... Anscheinend wird Saro-Wiwa nie mit körperlicher Gewalt verhaftet oder geschlagen; nicht dass es den Staatsterror besser machte, es überraschte mich beim Lesen, ich hatte "brutalere" Methoden erwartet (wobei die Frage ist, wie brutal Brutalität sein muss, um als brutal empfunden zu werden? Einen Menschen zu verhaften, einzusperren, einzuschüchtern, zu bedrohen und Schlimmeres in Aussicht zu stellen, ist brutal).
Ken Saro-Wiwa beschreibt seinen Optimismus wie seine Wut und seine Angst, doch er gibt sich und seine Ziele nie auf. Dadurch ist das Buch auf eine Art Mut machend, die ich vorher nicht gekannt habe; er toleriert die Verhaftungen und Demütigungen und schließlich den Tod aus Konsequenz seines Weges. An vielen Stellen ist er humorvoll, manchmal ironisch, manchmal sarkastisch, er macht nie die Häscher für sein Leid verantwortlich, sondern deren Auftraggeber: Die Shell und den Staat Nigeria.

Ich bin ein Mann des Friedens, der Ideen. Voller Entsetzen über die erniedrigende Armut meines Volkes, das auf reichem Land lebt, voller Sorge über seine politische Marginalisierung, voller Empörung über die Zerstörung seines Landes, seines höchsten Erbes, bestrebt, sein Recht auf Leben [...] zu bewahren, und entschlossen, dieses Land als Ganzes in ein gerechtes und faires demokratisches System zu überführen, [...], habe ich meine geistigen und materiellen Mittel, ja, mein Leben, einer Sache geweiht, an die ich uneingeschränkt glaube und von der ich mich weder durch Erpressung noch durch Einschüchterung abbringen lasse.
Ken Saro-Wiwa hat immer gewaltlos, aber entschieden gekämpft. Er hat sich nie von seinem Weg abbringen lassen, der Minderheiten- und Umweltschutz vereinte und gelebte Demokratie bedeutete. Nach dem Mord an ihm blieb es beim "In-Betracht-Ziehen" und ich fürchte, 12 Jahre später ist es so gut wie vergessen. Das Öl fließt, der aktuelle Präsident Obasanjo hat die gleichen Probleme wie ehedem und ignoriert sie ebenso erfolgreich.
Die Lektüre von Flammen der Hölle war eine der wichtigstens in diesem Jahr. 


Journal Entry 3 by Polemos from Berlin, Berlin Germany on Thursday, April 26, 2007

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Das Buch wird zu einem Ring. Es nehmen teil:
1. humptydumpty
2. Wasserseele
3. Pandamao
4. buchleser
5. holle77



Start: 02.05.07
Eine Bitte an alle, die teilnehmen: Schickt das Buch als Brief, nicht als Büchersendung. Ich weiß, dass das teurer ist (1,45 EUR), doch das Buch ist so gut wie nicht mehr zu bekommen (und wenn, dann sehr teuer). Wem das zu teuer scheint, der möge mir eine PM schicken, ich lege dann Porto bei. Herzlichen Dank.
Warum Brief und nicht BüSe? Beides ist nicht versichert. Ich habe es mit der BüSe leider öfter erlebt, dass zwar der Umschlag, nicht aber der Inhalt ankam; der Brief kommt im ganzen an (oder auch nicht). Nun, so habe ich das Gefühl, es sei ein wenig sicherer gegen Verlust ... 


Journal Entry 4 by Polemos from Berlin, Berlin Germany on Tuesday, May 01, 2007

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Kurz vor dem 02.05. in einen Münsteraner Briefkasten versenkt und damit auf die (Weiter-)Reise geschickt 


Journal Entry 5 by humptydumpty from Pfullingen, Baden-Württemberg Germany on Wednesday, May 02, 2007

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Heute wohlbehalten in Empfang genommen, lieben Dank. Muss sich hinter einen weiteren Ring anstellen, den ich jedoch diese Woche noch auslesen werde. Bin sehr gespannt! 


Journal Entry 6 by humptydumpty from Pfullingen, Baden-Württemberg Germany on Saturday, May 26, 2007

This book has not been rated.

Ich tue mich leider etwas schwer mit meinem Kommentar zu diesem Buch. Sprachlich einfach gehalten, interessant und lehrreich; allerdings hatte ich mir mehr Informationen zu den Machenschaften von Shell in Nigeria versprochen. Stattdessen habe ich nun viel über (die) Ogoni und ihren friedlichen Widerstand gelernt. Leider bin ich der diversen abgedruckten Reden, Gedichte und Lieder Saro-Wiwas irgendwann etwas überdrüssig geworden und konnte auch keinen rechten Zugang zur Person Saro-Wiwas finden. Sicherlich liegt das daran, dass ich über keinerlei persönliche Erfahrung in Bezug auf afrikanische Kultur und Verhaltensweisen verfüge.
Sobald Wasserseele ihr OK gegeben hat, kann das Buch weiterreisen. 


Journal Entry 7 by Wasserseele from Hahnstätten, Rheinland-Pfalz Germany on Tuesday, June 05, 2007

This book has not been rated.

Das Buch ist heute heil angekommen, vielen Dank dafür schon einmal!


Update 30.7.07: Da ich im Moment immer noch wenig Zeit habe und meine Mutter sich aus aktuellem Anlass besonders für Nigeria interessiert, habe ich ihr das Buch kurzfristig unterverliehen. Ich vertraue darauf, dass weder Polemos noch die nachfolgenden RingteilnehmerInnen etwas dagegen haben, wenn's noch ein paar Tage länger dauert. Und die Mama geht sehr sorgsam mit Büchern um! 


Journal Entry 8 by wingAnonymousFinderwing on Monday, August 06, 2007

7 out of 10

geschrieben via www.bookcrossers.de

Ich erhielt das Buch von meiner Tochter, der ich von meinem Interesse an Nigeria erzählt hatte. Ich bedanke mich für die Erlaubnis des Besitzers, es lesen zu dürfen.Die Folgen des Kolonialismus in Afrika sind mir nun klarer geworden.
Stolz und Selbstbewußtsein Saro-Wiwas, sein totaler Einsatz für seine Vorstellungen, die oft bis ins Detail gehende Schilderung des Tagesablaufs (Polizeiwache - Klinik- Gefängnis),kurz: das Buch hat mich beeindruckt und mein Interesse an der heutigen Situation in Nigeria geweckt.

CAUGHT IN HAHNSTÄTTEN RHEINLAND-PFALZ DEUTSCHLAND 


Journal Entry 9 by Wasserseele from Hahnstätten, Rheinland-Pfalz Germany on Tuesday, August 07, 2007

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wieder bei mir 


Journal Entry 10 by Wasserseele from Hahnstätten, Rheinland-Pfalz Germany on Thursday, November 01, 2007

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Endlich, endlich, endlich hab ich's gelesen...

Und muss gestehen, dass es mir ähnlich wie humptydumpty geht: Ich hatte mehr allgemeine Informationen über die Umtriebe der Ölmultis in Nigeria erwartet und weniger Details über die Umstände von S.-W.s Verhaftungen und Reden. Trotzdem würde ich mich jederzeit wieder zu diesem Ring anmelden. Inkonsequent? Vielleicht.

Pandamaos Adresse ist angefragt und die Flammen können also bald in München lodern.

Herzlichen Dank an Polemos fürs Verleihen dieses raren Buchs und für die Geduld mit lahmen Lesern!


Update 4.11.2007: Pandamaos Adresse ist da, Buch schon eingepackt und auf dem Weg zum Briefkasten. 


Journal Entry 11 by Pandamao from München, Bayern Germany on Tuesday, November 06, 2007

This book has not been rated.

Lag heute im Briefkasten, danke! 


Journal Entry 12 by Pandamao at BookRing in -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Bayern Germany on Sunday, April 13, 2008

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Released 9 yrs ago (4/14/2008 UTC) at BookRing in -- Per Post geschickt/ Persönlich weitergegeben --, Bayern Germany

WILD RELEASE NOTES:

RELEASE NOTES:

Ein schönes Buch über einen tapferen Menschen - es soll jetzt endlich weiterreisen. 


Journal Entry 13 by TCL-173619 on Friday, April 18, 2008

This book has not been rated.

Das Buch ist Dienstag bei mir angekommen und ich bin auch schon am lesen. 


Journal Entry 14 by wingholle77wing from Meschede, Nordrhein-Westfalen Germany on Tuesday, May 13, 2008

This book has not been rated.

Ich habe das Buch heute bekommen, vielen Dank fürs Schicken und Leihen.
In der augenblicklichen Hektik des Alltags scheint es mir etwas schwere Kost zu sein, aber leider konnte ich mich nicht mehr zurücksetzen lassen, da ich das Ende der Kette bin.
Polemos, ich denke, du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass das Buch bei mir gut aufgehoben ist, auch wenn es etwas länger dauern sollte. 


Journal Entry 15 by wingholle77wing from Meschede, Nordrhein-Westfalen Germany on Thursday, May 22, 2008

This book has not been rated.

Ich habe das Buch eben beendet und es hat mich sehr beeindruckt. Es zeigt doch wieder einmal ganz deutlich all die bösen Folgen der Kolonialisierung, z.B. die Zerstörung jahrhundertealter Kulturen und Gesellschaften, die nicht mehr menschenwürdig überleben können, wenn sie ihrer Grundlagen beraubt werden.
Und neben dem Aufdrängen einer fremden Religion (was in diesem Buch praktisch gar nicht angesprochen wurde) ist es vor allem auch die Tatsache, dass Staatsgrenzen auf dem Reißbrett entworfen wurden, ohne sich um die ethnischen Gegebenheiten zu kümmern. So wurden viele der Voraussetzungen für die nicht endenwollenden Bürgerkriege in Afrika geschaffen.
Ähnliches passierte -eher religions- als ethnisch bedingt- mit der willkürlichen Schaffung eines Indien und eines Pakistan für die Hindu- und Moslembevölkerung, was Massenwanderungen und -morde zur Folge hatte.
Über vieles in diesem Buch habe ich auch flüchtig hinweggelesen, weil ich weiß, dass ich auch bei gründlichem Lesen die Jahreszahlen, die Namen usw. schon morgen wieder vergessen hätte, aber die Botschaft des Buches ist sehr wohl bei mir angekommen und hat mich in einigen meiner Überzeugungen wieder bekräftigt.
Danke, Polemos, für diesen Ring und jetzt hätte ich gerne deine Adresse, um das Buch zurückzuschicken. 


Journal Entry 16 by wingholle77wing from Meschede, Nordrhein-Westfalen Germany on Saturday, May 24, 2008

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Das Buch hat sich heute auf die Heimreise gemacht, nochmals herzlichen Dank! 


Journal Entry 17 by Polemos from Berlin, Berlin Germany on Tuesday, May 27, 2008

This book has not been rated.

Und da ist es wieder. Vielen Dank an alle Mitleser für die JE und die sorgfältige Pflege dieses Buches. 


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