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Schlüsselworte
by Monika Kafka | Poetry
Registered by litrajunkie of Pretzfeld, Bayern Germany on 6/14/2016
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Journal Entry 1 by litrajunkie from Pretzfeld, Bayern Germany on Tuesday, June 14, 2016

This book has not been rated.

Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen, zur Erinnerung an die Autorin, die ich persönlich kannte. Über das Päckchen habe ich mich sehr gefreut und habe gleich angefangen, darin zu schmökern. Positiv überrascht war ich vom Umfang des Werkes, das nicht nur Lyrik enthält, sondern auch Prosatexte - weil aber der weitaus größte Teil meiner Bücher Prosa ist, habe ich mich für die seltenere Kategorie entschieden.

Der Blog schlüsselworte ermöglicht Zugang zu weiteren Werken von Monika Kafka. Vor Jahren bat sie mich, ihren Text dezembernebel mit meinem Photo des Kieler Leuchtturms illustrieren zu dürfen, was ich ihr natürlich gern gestattete. Hier verrate ich nun unser kleines Geheimnis, nämlich daß es gar nicht auffällt, wenn man ein in Deutschland im Juni aufgenommenes Bild neben einen Text über den Dezember stellt. 


Journal Entry 2 by litrajunkie at Pretzfeld, Bayern Germany on Tuesday, June 06, 2017

9 out of 10

Im Urlaub fand ich jetzt endlich Ruhe und Zeit genug, um mich dieses besonderen Buches anzunehmen. Mit der Autorin verband mich ein Hobby - aufgrund der Entfernung selten genug gemeinsam ausgeübt -, mit ihrem Mann der für dieses Hobby typische Nebenberuf und eine sehr ähnliche Zielsetzung bei dessen Ausübung. Über FB und ihren Blog ergab sich immer wieder eine Neubelebung dieser Freundschaft und die Texte sind für mich schon deswegen besonders wertvoll, weil ich die Schriftstellerin auch persönlich kannte.

Mir gefällt ihr Mut, einfach Worte zu erfinden, die es geben müßte, aber lt. Duden eben nicht gibt. Besonders beeindruckt hat mich der Titel "Dortheim" einer Geschichte, in der sie an einem Morgen in ihrem "Da-Heim" - eine unschwer zu erratende süddeutsche Großstadt - Erinnerungen an ihr "Dort-Heim" - das siebenbürgische Hermannstadt - nachhängt. Aus dem Daheim ergibt sich das Dortheim so unaufdringlich und logisch zwingend, daß ich mich immer wieder frage warum a) dieses Wort offiziell nicht existiert, und b) es mir nicht selbst eingefallen ist, wo ich doch - z.B. während Militärdienst, Studium und einiger Urlaube - auch selber "Dortheime" mir habe erwachsen lassen.

In manchen Gedichten verwendet Monika Kafka konsequent die Kleinschreibung; als Sprachwissenschaftlerin ist sie über den Verdacht erhaben, sie wüßte es nicht "richtig" zu schreiben, als Lyrikerin gibt sie nicht einfach einer Modeströmung nach, denn sie schreibt auch Gedichte in normaler Rechtschreibung. Meiner Ansicht nach macht dieses bewußt gewählte Stilmittel den Text interessanter, weil sich die Struktur zwar aus den Zeilenumbrüchen ableiten läßt, der Leser aber nachgerade dazu animiert wird, die Worte anders zu gruppieren und den Text dadurch nach verschiedenen Bedeutungen hin zu durchforschen. Für mich ebenfalls neu war es, den Titel eines Gedichts nicht immer als Überschrift präsentiert zu bekommen, sondern durch Fettdruck im Textfluß hervorgehoben - und sei es erst das letzte Wort. So liest man, ohne schon ein "Programm" im Hinterkopf zu haben und nimmt den Text unvoreingenommener auf.

Mit ihrem großen Namensvetter hat sie sich schon literarisch auseinandergesetzt, bevor er als Studiengegenstand unausweichlich wurde - und gibt auch freimütig zu, er gehöre nicht zu ihren Lieblingsautoren. Dem Urteil "Die [Kurzprosatexte] haben dabei nichts an Faszination verloren. Ob ich sie je verstanden habe? Ich weiß es nicht. Aber macht nicht genau das einen Teil der Faszination aus?" Monika Kafkas über das Werk des Franz Kafka schließe ich mich an - und möchte es auch auf ihr eigenes Schaffen anwenden. Schon dadurch, daß man selbst an Lebens- und Leseerfahrung gewinnt, wird man einen Text heute anders verstehen als vor einem Jahrzehnt - und hoffentlich fünf weitere Jahre später wieder besser. Wo man nicht versteht, bleibt immer noch das Staunen - und die Dankbarkeit, sie gekannt zu haben und durch dieses Buch die Erinnerung leichter bewahren zu können.
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