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Der schwarze Fürst
by Ahmadou Kourouma | Literature & Fiction
Registered by wingolagoriewing of Stuttgart, Baden-Württemberg Germany on 7/20/2014
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Journal Entry 1 by wingolagoriewing from Stuttgart, Baden-Württemberg Germany on Sunday, July 20, 2014

7 out of 10


Fama Dumbuya ist der letzte Sproß eines alten Malinké-Fürstengeschlechts. Das nutzt ihm nur überhaupt nichts, denn zum einen haben die Franzosen ungerechtfertigterweise seinen Cousin auf den Thron gehoben, so daß Fama sich in der Hauptstadt quasi als Bettler durchschlagen muß (mit anderen Worten: er besucht jede Feierlichkeit eines Malinké, bei der er dann verköstigt wird), zum anderen ist sein Herrschaftsgebiet nach der Unabhängigkeit auf zwei Länder verteilt, mangels Paß kann er nicht mal ohne weiteres in seinen Geburtsort reisen. Das Überleben in der Hauptstadt wird unterstützt durch Famas Frau Salimata, die sich als Kleinhändlerin betätigt. Sie ist nach einer mißglückten Beschneidung als junge Frau zu Fama geflüchtet, und im großen und ganzen mit der Ehe nicht unzufrieden – wenn nicht ein Kind fehlen würde. Salimata nimmt jede Gelegenheit wahr, um von Heilern, Hexern oder Marabuts alle möglichen Zauber und Hilfsmittelchen zu erwerben, die ihrer Unfruchtbarkeit abhelfen sollen. Allerdings ist Fama bei anderen Frauen auch nicht erfolgreicher. Als der Cousin stirbt, entschließt Fama sich zur Reise nach Hause, um wenigstens seiner Verpflichtung einer würdigen Beerdigung nachzukommen. Die Nachfolge will er eigentlich gar nicht mehr antreten, aber vor Ort entpuppen sich die Traditionen als stärker als gedacht. Schließlich kehrt Fama doch in die Hauptstadt zurück, gerät aber in politische Turbulenzen und schließlich ins Gefängnis, aus dem er krank herauskommt, als dem Präsidenten eine Amnestie gerade opportun erscheint. Auf einmal bieten sich ganz neue materielle Perspektiven ...

Interessant ist, daß Kourouma eine doppelte Erzählperspektive wählt. Neben Famas Blickwinkel, der von seinem Bewußtsein geprägt ist, eine bedeutende Persönlichkeit zu sein, auch wenn man ihm über Jahre die ihm zustehenden Ehren vorenthielt, und der gerne auf Traditionen pocht, wenn sie für ihn vorteilhaft sind, tritt nämlich auch die Perspektive seiner Frau Salimata. Und diese zeigt vor allem die Anstrengungen der Frauen, sich in der modernen Welt der Großstadt durchzuschlagen, möglichst auch noch mit einem nichtsnutzigen Mann am Bein, der sich wie ein Pascha bedienen läßt, aber nichts zum Familienunterhalt beiträgt. Es ist bis heute ein Phänomen, daß die Frauen in Afrika als das größte Potential für eine wirtschaftliche Entwicklung eingeschätzt werden, dies aber bereits 1968 so explizit darzustellen, ist geradezu visionär gewesen.

Dieser Roman ist auf Deutsch unter drei verschiedenen Titeln erschienen: Der Fürst von Horodougou, Der schwarze Fürst und Der letzte Fürst.

Ich habe etwas schwer in den roman gefunden, war mehrmals kurz davor aufzugeben, aber dann kamen wieder sehr gelungene Passagen, so dass ich froh bin, es zu Ende gelesen zu haben.

Ahmadou Kourouma (* 24. November 1927 in Togobala oder Boundiali, Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire); † 11. Dezember 2003 in Lyon) war ein ivorischer Schriftsteller. Ahmadou Kourouma wird 1927 in Togobala oder Boundiali – im Norden der Elfenbeinküste – als Sohn einer muslimischen Kaufmannsfamilie geboren. 1963 schreibt Kourouma sein erstes und einziges Theaterstück: Le diseur de vérité. Es wird jedoch nach der Uraufführung in Abidjan sofort abgesetzt. Kourouma fällt in Ungnade beim Präsidenten von Côte d’Ivoire, Félix Houphouët-Boigny, kommt zuerst ein paar Monate ins Gefängnis und muss anschließend im Exil in Algerien (1964–1969), Kamerun (1974–1984) und Togo (1984–1994) leben, bevor er zurückkehren darf.

1970 veröffentlicht er seinen ersten Roman: Le Soleil des indépendances, der ihm umgehend viel Beachtung einbringt. Aber erst Anfang der 1990er-Jahre wendet sich Kourouma wieder dem Schreiben zu und bestätigt mit diesem und seinen nachfolgenden Werken den Ruf, ein kritischer Zeuge des modernen Afrikas zu sein. Im Jahr 1990 wird er für den zweiten Roman: Monnè, outrages et défis mit dem Grand Prix littéraire de l’Afrique noire ausgezeichnet und erhält 2000 den Prix Renaudot und den Prix Goncourt des lycéens für Allah n’est pas obligé. Am 11. Dezember 2003 stirbt Kourouma im Alter von 76 Jahren in Lyon.

Zählt für Elfenbeinküste.


 


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