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Der Chinese
by Henning Mankell | Mystery & Thrillers
Registered by curlycat of Wien Bezirk 05 - Margareten, Wien Austria on 9/17/2013
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Journal Entry 1 by curlycat from Wien Bezirk 05 - Margareten, Wien Austria on Tuesday, September 17, 2013

6 out of 10

"Der Chinese" war das erste Buch, das ich von Henning Mankell gelesen habe. Nach den ersten Seiten war ich schon gefesselt von der Geschichte. In einem kleinen schwedischen Dorf werden fast alle Dorfbewohner niedergemetzelt. "Die Tat eines Wahnsinnigen" wie die Polizei vermutet. Unter den Opfern befinden sich auch die Pflegeeltern von Brigitta Roslins Mutter. Die ambitionierte Richterin begibt sich an den Ort des Grauens, um zu sehen, wie und wo ihre bereits verstorbene Mutter aufgewachsen ist. Ein Verdächtiger gesteht die Wahnsinnstat, doch Brigitta Roslin kann nicht so recht an die Schuld des Mannes glauben. Die Wahrheit wird wahrscheinlich nie an die Öffentlichkeit gelangen, da der vermeintliche Täter Selbstmord begeht und die Polizei nur geringe Ambitionen zeigt, den Fall noch näher zu untersuchen.

Brigitta Roslin hat ihre eigene Theorie: Am Tatort wurde ein rotes Seidenband gefunden, das aus dem örtlichen Chinarestaurant stammt. Anscheinend hat es ein Chinese mitgenommen, der genau zu jener Zeit in dem Dorf war, als das Massaker geschehen ist. Brigitta Roslin findet auch das Hotel, in dem er übernachtet hat. In alten Tagebüchern ihrer Vorfahren tauchen auch immer wieder Chinesen auf. Ist es nur Zufall oder besteht da ein Zusammenhang?

Henning Mankell führt den Leser in die Vergangenheit. Er erzählt die Geschichte von 3 chinesischen Brüdern, die Mitte des 19. Jahrhunderts in die Stadt flüchten, um dort Arbeit zu finden. Doch sie werden versklavt und nach Amerika gebracht um als Zwangsarbeiter beim großen Eisenbahnbau zu helfen. Dieser Sprung in die Vergangenheit ist für den Leser zunächst irritierend, doch schnell wird klar, dass sich hier die Wege der Chinesen sich mit den Vorfahren Brigitta Roslins zum ersten Mal miteinander kreuzen.

Danach gibt es wieder einen Wechsel in die Gegenwart - nach China, wo gerade fleißig Vorbereitungen für die bevorstehenden Olympischen Spiele getroffen werden. Mankell drückt dem Leser sein Chinabild aufs Auge. Er prangert die Überwachungsmethoden des Staatsapparates an, die Korruption und warnt vor den kolonialistischen Zielen Chinas, arme Bauern nach Afrika umzusiedeln, die dort das brach liegende Land bewirtschaften sollen. Nur durch Rückbesinnung auf Maos kommunistische Werte kann China wieder auf den richtigen Weg zurückfinden.

Gerade dieser Teil des Buches war für mich sehr verwirrend, er passt so gar nicht zum Rest des Buches. Henning Mankell versucht hier, dem Leser seine Weltanschauung über China aufzuzwingen. Es gibt anscheinend nur Schwarz/Weiß, Gut/Böse und der Leser hat eigentlich keine Möglichkeit sich seine eigenen Gedanken zu machen. Bedenklich finde ich die Verherrlichung Maos kommunistischer Diktatur, es ist immer leicht zu sagen: "Früher war alles besser!". Die negativen Seiten werden einfach unter den Tisch gekehrt.

Leider bleibt der Krimi durch den ausschweifenden China-Teil auf der Strecke. Das ursprüngliche Massaker wird nur dürftig aufgeklärt. Dem Leser steht es frei, die genauen Beweggründe selbst zu erahnen, da es Herrn Mankell leider nicht gelingt, dem Leser ein stimmiges, abgerundetes Motiv zu vermitteln.  


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