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Der schwarze Fürst
by Ahmadou Kourouma | Literature & Fiction
Registered by Torgin of Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on 6/13/2013
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Journal Entry 1 by Torgin from Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on Thursday, June 13, 2013

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Klappentext: Der Fürst von Horodougou, Fama Doumbouya, wurde 1905 in Togobala (Horodougou) geboren – fünf Jahre nachdem die französische Kolonialmacht den letzten großen Herrscher des West-Sudan, Samori Touré, hatte verrecken lassen.
Zwar schreibt die Zeitrechnung des Romans das Jahr 1965, also das fünfte Jahre nach der Unabhängigkeit der meisten Staaten der ehemaligen französischen Gemeinschaft in Afrika, aber Fama verteidigt noch immer das Reich des Samori, den Geist der großen Händler und Hauptleute der Mandé-Malinke, die schöne und heile Welt der alten Fürstentümer. Obwohl Fama seit Jahren verarmt und entwurzelt in der »Hauptstadt« lebt, geschlagen mit der schlimmsten Geißel des traditionellen Afrikas, der Unfruchtbarkeit, bleibt für ihn alles gleichzeitig: der letzte tollkühne Widerstand gegen das Vordringen des weißen Mannes, der Reichtum, den der Handel mit Kolanuß, Gold und Sklaven seinem Stamme gebracht hatte, der Blutdunst der großen Opferfeste, die Peitsche des Aufsehers in den französischen Plantagen, der Kampf um die Unabhängigkeit, das Lotterleben der neuen Führungsschichten und die gewissenlose Korruption der neuen städtischen Zentren. Ahmadou Kourouma wollte einen Schlüsselroman schreiben, aber sein Buch ist eher zu einer zornigen Abrechnung mit den neuen afrikanischen Führungsschichten geworden. 


Journal Entry 2 by Torgin at Oberhausen, Nordrhein-Westfalen Germany on Thursday, June 13, 2013

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Es handelt sich hier um den ersten Roman von Ahmadou Kourouma, den er im algerischen Exil schrieb und der 1968, wenige Jahre nach der Unabhängigkeit der französischen Kolonien, zuerst in Kanada erschien (der Originaltitel lautet ja passenderweise auch Die Sonnen der Unabhängigkeiten). In Frankreich fand sich dafür zunächst kein Verleger, weil man über den Stil schockiert war: Kourouma verband nämlich Französisch als Schriftsprache mit Elementen des Malinké, um seine Erzählung farbiger und plastischer werden zu lassen. Leider ist schwer zu beurteilen, wieviel davon in die deutsche Übersetzung „gerettet“ werden konnte, aber ich hatte gerade zu Beginn durchaus den Eindruck, eine explizite Einlesephase zu benötigen, bis ich mich an den Rhythmus gewöhnt hatte. Unterstützt wird das Ganze von den Kapitelüberschriften, die wohl auf Malinké-Sprichwörter anspielen. Es gibt allerdings auch Vermutungen, daß der sprachlich-stilistische Aspekt eher vorgeschoben ist und die Ablehnung eher aus Kouroumas Bruch (oder besser Brüchen) mit gängigen Afrikabildern resultierte.

Und dieser Art Brüche gibt es einige. So verweist Kourouma das Bild eines friedvollen, vorkolonialen Lebens in Afrika ins Reich der Fabel, indem er die Herrschaftsstrukturen, die auf Gewalt fußen, sei es zwischen rivalisierenden Gebieten oder auch zwischen den Geschlechtern, wie es insbesondere an Salimata deutlich wird, recht unverblümt beim Namen nennt. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung rechnet er mit dem Kolonialregime auch nicht ausschließlich als etwas Negatives ab, denn daß in Französisch-Westafrika so etwas wie freier Waren- und Personenverkehr herrschte, war für Händler aber auch Produzenten durchaus ein wirtschaftlicher Vorteil, der durch die frisch gezogenen Grenzen der Unabhängigkeit vernichtet wurde. Nicht zuletzt ist dieser Roman aber eine Anklage gegen die neuen Herrscher, ihre Despotie, ihre Selbstbereicherung. Und Kourouma läßt keinen Zweifel daran, daß die Schuld dafür nicht der früheren Kolonialmacht in die Schuhe geschoben werden kann, sondern hausgemacht ist. Daher verwundert es nur wenig, daß er Anfang der 1970er Jahre nach nur zwei Jahren Aufenthalt in seinem Heimatland dieses wiederum für ein 20jähriges Exil verlassen mußte, wobei unmittelbarer Auslöser ein als zu kritisch empfundes Theaterstück war.

Interessant ist, daß Kourouma eine doppelte Erzählperspektive wählt. Neben Famas Blickwinkel, der von seinem Bewußtsein geprägt ist, eine bedeutende Persönlichkeit zu sein, auch wenn man ihm über Jahre die ihm zustehenden Ehren vorenthielt, und der gerne auf Traditionen pocht, wenn sie für ihn vorteilhaft sind, tritt nämlich auch die Perspektive seiner Frau Salimata. Und diese zeigt vor allem die Anstrengungen der Frauen, sich in der modernen Welt der Großstadt durchzuschlagen, möglichst auch noch mit einem nichtsnutzigen Mann am Bein, der sich wie ein Pascha bedienen läßt, aber nichts zum Familienunterhalt beiträgt. Es ist bis heute ein Phänomen, daß die Frauen in Afrika als das größte Potential für eine wirtschaftliche Entwicklung eingeschätzt werden, dies aber bereits 1968 so explizit darzustellen, ist geradezu visionär gewesen.

Dieser Roman ist auf Deutsch unter drei verschiedenen Titeln erschienen: Der Fürst von Horodougou, Der schwarze Fürst und Der letzte Fürst. Die registrierte Ausgabe enthält neben einem Glossar auch ein instruktives Nachwort, das insbesondere einige Informationen zur Einordnung des Romans in Kouroumas (überschaubares) Gesamtwerk wie auch über die zeitgeschichtlichen Hintergründe liefert. Wer mit afrikanischer Literatur (noch) nicht viel Berührung hatte und wen es nicht stört, damit das Ende des Romans bereits zu kennen, dem empfehle ich, das Nachwort als Vorwort zu lesen.
 


Journal Entry 3 by wingholle77wing at Meschede, Nordrhein-Westfalen Germany on Wednesday, August 12, 2015

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Danke für dieses Buch! 


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