corner corner Das Licht in den Schatten. Die Schattengilde 01.

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Das Licht in den Schatten. Die Schattengilde 01.
by Lynn Flewelling | Science Fiction & Fantasy
Registered by scentofnight of Leipzig, Sachsen Germany on 6/20/2012
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Journal Entry 1 by scentofnight from Leipzig, Sachsen Germany on Wednesday, June 20, 2012

8 out of 10

Ich habe mir schon im April 2009 dieses Buch und die Fortsetzung zugelegt, nachdem ich im Internet nach guter schwuler Literatur geforscht habe und mehrmals positive Meinungen darüber gehört habe. Da es zugleich auch Fantasy ist, was ja ein anderes meiner Lieblingsgenre ist, konnte ich nicht widerstehen – und ich muss sagen, jetzt nachdem ich den ersten Band gelesen habe, muss ich den Kauf definitiv nicht bereuen.

Ich habe ziemlich lange zum Lesen gebraucht, weil ich es nur nebenbei lesen konnte - es spricht dabei eindeutig für das Buch, dass ich immer ganz schnell wieder in die Geschichte einsteigen konnte.

In diesem Auftakt zur Serie sind die „schwulen Anteile“ noch sehr überschaubar. Hauptsächlich wird recht nebenbei erwähnt, dass Seregil bisexuell ist, offensichtlich mit deutlichen, wenn auch nicht ausschließlich schwulen Tendenzen – und zudem, dass er damit scheinbar so einige innere Konflikte verbindet, vor allem Schuldgefühle, die ihm aber offenbar größtenteils eingeredet wurden. Inwiefern genau bleibt im ersten Band noch soweit ungeklärt. Ansonsten wird bereits mehrfach Seregils tiefergehendes Interesse an Alec erwähnt, jedoch nicht vertieft, da sich Seregil zunächst aufgrund der erwähnten Komplexe dagegen wehrt. Außerdem wird noch Seregils mehr oder weniger unerwiderte Liebe zu Micum thematisiert, die noch deutlich in Seregil nachwirkt, auch wenn er sich größtenteils damit abgefunden hat. Tiefergehende romantische Entwicklungen gibt es also erst ab Band 2 und auch da, wie ich in einer Rezension gelesen habe, wohl auch noch relativ gemächlich. Wer sich also einen „herkömmlichen“ schwulen Roman vorstellt, ist hier möglicherweise enttäuscht, weil es eben nicht das Hauptaugenmerk ist. Ich persönlich fand das aber gut, denn ich lese zwar gerne mal leidenschaftliche Schnulzen, bin aber auch immer dankbar, wenn ich zwischendurch mal eine solche, sich nur langsam und vorsichtig entfaltende Liebesgeschichte lesen kann.

Seregil war mir von Anfang an sympathisch, was nicht weiter verwunderlich ist, denn er ist ja auch ein mehr oder weniger typischer Fast-Mr. Perfect, wo es nicht allzuviel nicht zu mögen gibt, gerade als gutaussehender, charmanter, aber auch intelligenter, gewitzter und verletzlicher Aurenfaie, etc. Wenn das allerdings alles an ihm wäre, wäre das Buch, dessen eine Hauptfigur er ja schließlich ist, jedoch schnell ziemlich ätzend. Das genau das nicht der Fall ist, verdankt man dem Umstand, dass Seregil mindestens ebensoviele Ecken und Kanten, Charakter und Vergangenheit aufweisen kann. Angefangen von der Tatsache, dass er ein verbannter Exilant ist, wobei die genaueren Umstände noch erklärt werden müssen, über die erwähnten Probleme mit seiner Sexualität, bis hin zu seinen Problemen mit der Magie (wobei mir nicht ganz hundertprozentig einleuchtete, warum er gegen manche Art Magie praktisch immun ist, andere hingegen recht erfolgreich an ihm wirkt, auch wenn ihm davon immer übel wird) und dem damit verbundenen Bedauern, so nicht Nysanders Nachfolger werden zu können und einer erstrebenswerten Hätte-Zukunft beraubt zu sein. Auch seine emotionale Unbeholfenheit, wenn es um das Einbeziehen anderer in sein Leben geht und das damit verbundene nötige Vertrauen und Sich-Öffnen, steht in schönem Kontrast zu seinem teils echten, teils geschauspielertem Charme und bietet viel Raum für eine charakterliche Weiterentwicklung.

Seregils und Alecs Umgang miteinander gefällt mir insgesamt auch, allerdings ist Alec noch ein bisschen zu glatt. Ein bisschen wie ein süßes, sehr begabtes Schosshündchen. Teils liegt das natürlich an seiner Unerfahrenheit und daran, dass Seregil sich ihm nur zögerlich öffnet, aber dennoch ist es manchmal ein wenig zuviel des Guten. Immerhin macht er sich auch so seine Gedanken und gibt Seregil auch zunehmend Contra, wenn dieser zu sehr im Alleingang handelt. Ich denke aber, dass er sich in der Hinsicht noch entwickeln wird und hoffe, dass er dann ein ebenbürtiger Partner für Seregil sein wird, abgesehen natürlich von der rein altersbedingten Lebenserfahrung.
Gespannt bin ich in diesem Zusammenhang auf die genauere Erklärung, was Seregil nun dazu bewogen hat, Alec bei sich aufzunehmen. Einige Andeutungen wurden ja schon gemacht, auch bezüglich Alecs Wesen, sodass ich mir momentan zusammenreime, dass Alec möglicherweise zumindest teilweise auch ein Aurenfaie ist und Seregil also ein Stück Heimat in seinen Zügen wiederentdeckt hat. Mal abgesehen davon, dass ihm Alecs Äußeres allgemein zuspricht und natürlich vor allem die charakterlichen Züge und vielen Fertigkeiten, die der Junge schnell aufdeckt.

Ansonsten war es ein gutes Fantasy-/Abenteuer-Buch. Es entwickelt eigene Kultur und Spezies, wie die Aurenfaie, nimmt aber auch Bekanntes auf und kann handlungstechnisch mit vielen spannenden Abenteuern, einigen unvorhergesehenen Wendungen und ansprechenden Hauptcharakteren aufwarten. Ein bisschen schade fand ich, dass immer wieder auch relativ kurze aneinandergereihte Abenteuer eingestreut werden (meist inform von Seregils Art der Informationsbeschaffung). Bei manchen hätte meiner Meinung nach eine Kurzzusammenfassung zugunsten der Ausweitung anderer handlungstechnisch wichtigerer Abenteuer und charakterentwickelnder Passagen ausgereicht. Tatsächlich finden sich diese Passagen, die zur Charakterentwicklung/-vertiefung beitragen nämlich hauptsächlich in den „Verschnaufpausen“ zwischen den einzelnen Abenteuern. So wirkt das Ganze in Band Eins noch ein wenig schematisch aneinandergereiht à la Abenteuer, Figurenentwicklung, Abenteuer,… Das ist zwar durchaus realistisch (wer setzt sich schon mitten in Todesgefahr mal eben ans Lagerfeuer und führt philosophische Gespräche?) und für die Hauptfiguren funktioniert das auch wunderbar, weil man sie ja eben noch in den „Verschnaufpausen“ sieht, die meisten Nebenfiguren, außer Micum und Nysander verbleiben dadurch aber noch ziemlich blass, mehr Handlungshelfer oder Teil der jeweiligen Szenerie als echte Figuren. Und ich persönlich bin einfach der Typ, der Wert legt auf möglichst viel Charakterentwicklung, z.B. inform von Gedanken der jeweiligen Figuren und tiefergehende, emotionale Gespräche.
In diesem Zusammenhang bin ich beispielsweise sehr darauf gespannt, ob in Band 2 Thero noch eingehender beleuchtet wird, denn seine Figur hat mein Interesse geweckt, auch wenn sie nicht soviel Raum bekam. Auch über mystische Wesen dieser Welt wie die Zentauren würde ich gern noch mehr erfahren. Nicht zuletzt blieben die Antagonisten bisher eher Randerscheinungen, was zunächst ziemlich irritierend war, letztendlich aber handlungstechnisch gerechtfertigt ist, da es ja bisher auch noch kaum offene Konfrontation in dieser Hinsicht gab.

Interessant ist dagegen, dass es hier, obwohl es ja ein Fantasy-Buch ist, indem Magier existieren, scheinbar mal nicht primär um einen bösen Magier geht, der alle unterjochen und die Weltherrschaft an sich reißen will, sondern um eine "schlichte" Verschwörung gegen die herrschende Königin, an der Magier und Nichtmagier gleichermaßen beteiligt sind. Ganz nett ist auch die Darstellung der Frauen von Skala, von mädchenhaft und hilfsbedürftig bis hin zur Powerfrau, die auch den Kampf nicht scheut und dabei auch den Vergleich zu Männern nicht zu scheuen braucht. Die Unterschiede sind da zwar teilweise ein wenig krass und stereotyp, aber es wie dennoch angenehm zu lesen, gerade auch da nicht im gleichen Atemzug Männer abgewertet werden. Einfach mal ein Roman, in dem die Geschlechter einigermaßen gleichberechtigt existieren.
Ein kleiner Wermutstropfen waren noch manche der politischen und kulturellen Grundaspekte, wie z.B. die Hinrichtungen etc., auch wenn ich recht sicher bin, dass das einfach die "mittelalterliche" Atmosphäre unterstützen soll.

Fazit: Nicht „perfekt“, aber dennoch ein gelungener Auftakt mit viel Potential, der mich nach dem Auslesen des ersten Bandes sogleich zum zweiten hat greifen lassen.

Zweiter Band hier


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