corner corner Sie stieg auf den Berg der Limonen

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Sie stieg auf den Berg der Limonen
by Joan Riley | Other
Registered by Torgin of Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on 3/17/2012
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Journal Entry 1 by Torgin from Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen Germany on Saturday, March 17, 2012

8 out of 10

Klappentext: Ihre Rückkehr in das Land ihrer Kindheit stößt Jean tief zurück in die Traumata ihrer Kindertage und führt sie in die völlige Orientierungslosigkeit.
Obwohl sie selbst des Trostes bedarf, wird Sylvia unversehens zur Vermittlerin bei den Familienkonflikten der Familie ihres Cousins. Denn Jean ist dem Alkohol verfallen, im Rausch verprügelt sie ihre Kinder und verfällt immer mehr in Depressionen.
In dem reichen Geflecht von Geschehnissen und Personen enthüllt die Autorin die Tragik karibischen Lebens, aber auch ihren Glauben an die Kraft der Unterdrückten. Sie entwickelt mit Leidenschaft das Element der Hoffnung, deren Träger zweifellos die Frauen sind.
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Es ist ein ziemlich häßliches Bild von Jamaika, das Riley hier zeichnet, und es erweckt keinesfalls den Eindruck eines tropischen Paradieses, eher den einer Hölle. Zumindest für Jean handelt es sich auch um eine solche, was sich nach und nach aus ihrer Lebensgeschichte ergibt. Die Mutter ist früh gestorben, Jean fühlt sich verantwortlich für den Tod ihres älteren Bruders Noel, nach dem Vater zum Säufer wurde. Ist das in der Familie noch einigermaßen bekannt, wenngleich man nicht darüber spricht und darin auch keine Notwendigkeit sieht, Jean Hilfe zu gewähren, so schleppt diese noch ein weiteres Geheimnis mit sich herum, an dem sie extrem (und verständlicherweise) leidet. Daß dies eine junge und offensichtlich intelligente Frau (sie hatte ein Stipendium für ihre Ausbildung bekommen) derart zerrütten kann, liegt an den Rahmenbedingungen die Riley hier skizziert. Da ist zum einen eine streng puritanische Kirchengemeinde mit übermäßigem Einfluß auf den Lebenswandel und einigermaßen verqueren Moralvorstellungen ihrer Mitglieder begleitet von einer stillschweigend hingenommenen Bigotterie. Und da ist zum anderen eine Gesellschaft, die mit patriarchalisch nur unzureichend charakterisiert wäre, auch Macho-Gesellschaft trifft es nicht, es ist eine Gesellschaft, in der Frauen und Kinder schlicht nichts zählen, bestenfalls als Besitzgegenstände betrachtet werden. Jean hatte unter diesen Bedingungen keine Chance.

Das genaue Gegenteil ist die dynamische, selbstbewußte Sylvia, die in England aufgewachsen und sozialisiert ist und über vieles auf Jamaika nur den Kopf schüttelt oder entsetzt ist. Dabei merkt sie oft nicht einmal, wie sie ihr Umfeld vor den Kopf stößt, und wenn sie es merkt, ist sie noch empört, weil sie sich im Recht fühlt. Jean kann sie nicht mehr erreichen, aber ansonsten hat sie mit ihrem Vorbild durchaus Einfluß auf die Frauen, vor allem auf Pearl (die Frau ihres Cousins George), aber nicht nur auf diese. George erlebt jedenfalls noch den ein oder anderen Schock, den ich ihm sehr gegönnt habe. Diese Entwicklung war durchaus schön zu beobachten und bildete einen wirkungsvollen und notwendigen Kontrast zu Jeans Schicksal. Menschlich enttäuschend, wenn auch bis zu einem gewissen Grade verständlich und konsequent im Rahmen der Erzälung fand ich Sylvias Reaktion am Ende. Insgesamt war es keine wirklich angenehme, aber durchaus interessante Lektüre.
 


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