corner corner [Leserunde] Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow, Kapitel 29 - Epilog

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[Leserunde] Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow, Kapitel 29 - Epilog

Ich bin aus dem Urlaub zurück, aber noch nicht zum Lesen gekommen.

Hier wird mein Beitrag folgen, aber ihr dürft gern schon eure Gedanken äußern. Ich gehe jetzt lesen ;-)

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Ich bin aus dem Urlaub zurück, aber noch nicht zum Lesen gekommen.

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Diese letzten Kapitel habe mich wieder sehr beeindruckt.: Der Tod als Ritt in die Erlösung - vielleicht gerade, weil es fragmentarisch und mystisch wirkt. Da spielt sicher Bulgakows eigener Todeskampf mit.
Lange habe ich darüber nachgedacht, und werde sicher noch weiter darüber nachdenken, warum der Meister Ruhe bei Satan und nicht "im Lichte Jesus´ "finden soll. Hier mal mein"Zwischenstand":
Ruhe als Ende der Verfolgung. Für mich eine klare Absage an das „Gutmenschentum“ jeder Art. Lieber in Freiheit beim Satan als unter dem Zwang, sich den Geboten einer Du-Sollst-Nicht, Darfst-Nicht, Musst-Ideologie unterwerfen. Der Teufel beurteilt und verurteilt nicht, nicht Pilatus, nicht Korowjew, nicht Behemoth, nicht den Meister und Margaritha. Ist die Rechnung beglichen, wird ihnen vergeben und sie dürfen sie selbst sein, ohne irgendwelchen Ansprüchen genügen zu müssen.
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am Sonntag fertig gelesen. Ohne diese Leserunde hätte ich wahrscheinlich nicht durchgehalten. Aber so habe ich doch jedes Wochenende Zeit und Lust verspürt, die ca. 80 Seiten zu lesen. In kleinen Dosen war das skurile, kritische und mystische Buch auch spannend und überraschend. Die Sprache fand ich sehr anschaulich und gut. Immer wieder staunte ich über die Formulierungen und so entstanden viele Bilder in meinem Kopf - wunderbar.

Am Ende klärt sich vieles auf - die Komissare konnten das meiste logisch nachvollziehen. Die Vergangenheit rückt die Geschehnisse so zurecht, dass man sie logisch erklären kann und der Rest wird vergessen. Die "Heldenopfer" aus der Klinik können auch entlassen werden - aber diese Protagonisten sind noch immer beeidruckt, während die anderen eigentlich nichts glernt haben.
Der Meister und Margaretha sind in Frieden vereint in eine anderen Welt gegangen - sehr schön und poetisch haben sie die Seite gewechelt.
Wohin werden nun Voland und sein Team ziehen, welcher Gesellschaft werden sie den Spiegel vorhalten, sodass die vielfältigen Fehler der "ehrlichen" Bürger aufgedeckt werden?

Herzlichen Dank allen für Eure Meinungen zu diesem außergewöhnlichen Buch und Ophelia1 für die großartige Betreuung!
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- durchaus im doppelten Wortsinn ;-)
Ich muss zugeben, dass es mir nach der Unterbrechung durch den Urlaub schwer fiel, das Buch wieder in die Hand zu nehmen und Hausaufgaben zu machen... So kurz vor Schluss kam aufgeben aber nun wirklich nicht mehr in Frage.
Das der Meister und Margarita keinem beschaulichen Altern in der Kellerwohnung entgegensehen, ließ sich ahnen. Aber dieses Ende?! Warum die beiden nun unbedingt "zum Teufel gehen" müssen, hat sich mir nicht erschlossen.
Auch warum Pilatus verdammt war bis zu seiner Erlösung durch den Meister hat sich mir absolut nicht erschlossen...
Zumindest die Versuche, die abstrusen Vorgänge rational zu erklären, fand ich erheiternd.
Am Besten gefallen hat mir der Epilog, den im Frühlingsvollmond nach Natascha schmachtenden Untermieter konnte ich direkt vor mir sehen.
Was ist aus Natascha geworden, habe ich da etwas überlesen?
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Danke

Für die Organisierung der Leserunde an Ophelia, besonders, weil ihr das Buch ja nun nicht gefallen hat und sie trotzdem durchgehalten hat. Ich fand es super, mit euch zusammen zu lesen und von euch immer noch einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Ohne diese Leserunde wäre ich sicher auch nie ins Theater gefahren, was noch ein Höhepunkt war.

Mein Fazit habe ich ins Journal geschrieben. Siehe
https://www.bookcrossing.com/---/14998927/

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RE: Danke

Aber gern :)
Das Buch war eine Herausforderung, aber zusammen mit euch hat es trotzdem auch viel Spaß gemacht.
Obwohl die Lesegruppe einen ähnlichen Leute-Schwund erlebte, wie die Wohnung Nr. 50 ;-)

Hat nun doch jemand Lust auf "Anna Karenina"?
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Auch ich bin fertig und erleichtert darüber -- nachdem ich ja zu Beginn des Buches so weit vorgeprescht bin und zwei Drittel der Lektüre in Woche 2 oder 3 absolviert hatte, kam spätestens nach dem Hexenball eine große "Teufelsmattigkeit" über mich, in der ich lieber drei andere Bücher gelesen habe als mich den letzten paar Kapitelchen zu stellen.
Und doch, und doch... da war zum Ende hin schon noch eine Belohnung!
Ich hatte ja schon geunkt, dass Margeritas furioser Hexenflug sicher der Höhepunkt des Buches gewesen wäre und ich das für nicht steigerbar hielte. Bei Kapitel 30 habe ich mich da recht bestätigt gesehen. Hach, so ein ruhiges Dahinscheiden, so ein flüsterleiser Abgesang... und dann Kapitel 31, der wilde Teufelsritt vom Sperlingsberg! Den habe ich beim Lesen schon als große Überraschung empfunden und habe mich gerne wieder von den Spukbildern mitreißen lassen. Das empfinde ich auch nach wie vor als eine der größten Stärken des Buches: Den ironischen, nüchternen, und politischen "Jetztteil" des Buches mal eben so mit einem urgewaltigen Griff in die Mythologiekiste beinahe zur Unkenntlichkeit zu verwandeln, und dabei einerseits kein Klischee auszulassen (der Reigen der Sünder beim Ball, die Hexensalbe, die wilde Jagd auf pechschwarzen Rössern, der Erdrutsche auslösende Dämonenpfiff, wehende Geisterschleppen, ...), andererseits dem Aberglauben aber auch Geheimnis und Willkür zu lassen und ihn -wie ich finde- tatsächlich nicht nicht vollständig in die Handlung zu integrieren, ihm quasi die "Bestätigung" der Jetztwelt zu verweigern und sich damit von den Büchern mit "Übernatürlichem" oder Fantasy-Einschlag zu unterscheiden, die ich sonst so lese. Sicher, da wird auch schon mal etwas Phantastisches von den buchinternen Autoritäten "wegerklärt", und man hat dann als Leser das Privileg, sich mit dem Autoren (und ggf. den Helden des Textes) quasi wissend zuzuzwinkern, weil man selber ja die übernatrüliche "Wahrheit" kennt.
Hier hatte ich das Gefühl allerdings gar nicht, auch wenn im letzten Kapitel noch einmal ausführlich darauf eingegangen wird, wie genau wer und wo hypnotisiert werden musste, und der "Aberglaube" der Bevölkerung mit der Geschichte vom unschuldigen schwarzen Kater sehr schön illustriert wurde. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass Bulgakov den Leser mit ins Boot geholt hätte -- ich bin nicht Mitwisser eines übernatürlichen Ereignisses geworden, sondern ebenso ein verwirrter Zeuge wie die armen Moskauer. Und das war dann -entgegen meiner Befürchtungen- tatsächlich keine Enttäuschung mehr, auch wenn ich mich durch das Pensum der Vorwoche recht mühselig schleppen musste.
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ich bin nicht Mitwisser eines übernatürlichen Ereignisses geworden, sondern ebenso ein verwirrter Zeuge wie die armen Moskauer


Den ironischen, nüchternen, und politischen "Jetztteil" des Buches mal eben so mit einem urgewaltigen Griff in die Mythologiekiste beinahe zur Unkenntlichkeit zu verwandeln


So hab ich das auch empfunden. Der Mangel an Erklärungen hat mich nicht gestört. In den Ton dieses Romans hätten nüchterne Betrachtungen auch gar nicht so gut gepasst. Das Unerklärliche bleibt unerklärlich und der Leser hält das auch gut aus. Umso schelmischer die Erklärungsversuche der Moskauer.

Mir ist der Roman zu keiner Zeit vorgekommen wie eine ungeliebte Hausaufgabe, ganz im Gegenteil. Mir hat die Geschichte viel Spaß bereitet und ich bin dankbar, dass sich hier eine Leserunde gefunden hat und ich mich dann auch heran getraut habe (hab's ansonsten noch nicht so mit der russischen Literatur).

Vielen Dank für die Organisation und den regen Austausch. Gerne wieder :)

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