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[Leserunde] Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow, Kapitel 13 - 16

Im dreizehnten Kapitel – treffend überschrieben „Das Erscheinen des Helden“ - lernt Iwan den namenlosen und titelgebenden „Meister“ in der Klinik kennen, der seine Geschichte erzählt: Der gelernte Historiker gewann 100.000 Rubel in einer Lotterie und begann einen Roman über Pontius Pilatus zu schreiben. Eines Tages verliebt er sich in eine Frau, die seine Gefühle erwidert. Beide sind verheiratet, verbringen aber einen unbeschwerten Sommer, in dem die Frau in zum Schreiben des Romans anhält.
Im August ist der Roman fertig, der Meister legte ihn Berlioz vor, der den Druck des Romans ablehnt („absonderliches Thema“). Ein anderer Redakteur druckt einen Auszug, der von Literaturkritikern verrissen wird. Es folgen viele weitere vernichtende Artikel.
Im Herbst lernt der Meister seinen Nachbarn Aloisi (Voland) kennen, der ihm im einzelnen erklärt, warum der Roman nicht gedruckt wird.
Der Meister, nun depressiv, steckt im Januar den Roman in den Ofen. Seine Geliebte zieht das letzte Heft wieder heraus und beschließt, am nächsten Tag ganz zu ihm zu ziehen. Der Meister macht sich auf den Weg in die Klinik, die er wegen der Kälte nur lebend erreicht, weil ihn jemand das letzte Stück fährt. Der Meister lebt nun seit vier Monaten in der Klinik, seine Geliebte kennt den Aufenthaltsort nicht. Er hat sich dort eingelebt und ist mit dem ruhigen, gleichmäßigen Tagesablauf zufrieden. Vor allem hat er einer Pflegerin unbemerkt einen Schlüsselring entwendet, so dass er nachts unbemerkt die Nachbarzimmer besuchen kann.
In der Klinik wird zunächst ein Mann eingeliefert, der fortwährend etwas von Devisen im Lüftungsschacht brabbelt, später noch ein Mann, der jammert, er möchte seinen Kopf wiederhaben.

Im dreizehnten Kapitel beobachtet Rimski die Folgen von Volands Aufführung im Theater. Warenucha kommt in sein Büro und gibt eine fadenscheinige Erklärung über Stjopas Verschwinden und erklärt, man habe ihn in einer Kneipe namens „Jalta“ gefunden. Rimski wird misstrauisch und bezweifelt schließlich auch, dass ihm Warenucha gegenübersitzt. Dieser Gedanke macht ihm unbeschreibliche Angst, er drückt eine Klingel, die allerdings nicht funktioniert. Rimski bemerkt, dass Warenucha keinen Schatten wirft. Entlarvt möchte Warenucha die rothaarige Frau zum Fenster hereinlassen. Rimski ist sicher, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat. Drei Hahnenschreie verkünden den Beginn eines neuen Tages. Dies ist das Zeichen für die beiden Erscheinungen, sich zurückzuziehen, sie fliegen durch das Fenster davon. Rimski, zum Greis mit weißem Haar geworden, flieht aus dem Theater und nimmt einen Zug nach Leningrad.

Im fünfzehnten Kapitel wird die Vermutung bestätigt, dass der wegen Devisen jammernde Patient in der Klinik Nikanor Iwanowitsch ist. Bevor er in die Klinik gebracht wurde, wurde er einem Verhör unterzogen. Seine Geschichte klang jedoch wirr, da er behauptete, ein Mann namens Korowjes in der Wohnung Nr. 50 sei der leibhaftige Teufel. Außerdem denunziert er den Sekretär der Hausverwaltung. Die Wohnung 50 ist leer und niemand im Haus kennt Korowjew, es wird zumindest der Sekretär mitgenommen. Nikanor Iwanowitsch wird in die Klinik gebracht, wo er eine Injektion erhält, die einen wirren Traum über eine Varietévorführung zur Abgabe von Devisen auslöst.

Kapitel 16 mit den Vorbereitungen für die Hinrichtung in Jerusalem. Vier quälende Stunden später in der prallen Sonne haben sich die meisten Zuschauer verzogen. Levi Matthäus, der ein Brotmesser gestohlen hat, möchte zumindest die Qual beenden und wartet auf eine passende Gelegenheit. Diese kommt jedoch nicht, Matthäus flucht und beleidigt Gott. In der fünften Stunde zieht ein schweres Gewitter auf. Matthäus beobachtet Aktivitäten der Soldaten an den Kreuzen. Der Kommandeur der Kohorte gibt Anweisungen, die umgehend befolgt werden. Den drei Verurteilten (einer hat bereits den Verstand verloren, Jeshua ist ohnmächtig) wird mittels eines Schwammes zu trinken gegeben. Dann wird ihr Leben (bzw. die Qualen) mit einem Lanzenstoß beendet.
Die Soldaten verlassen den Ort des Geschehens. Ein starker Platzregen geht nieder. Levi Matthäus nutzt das Brotmesser, um die drei Leichen von den Kreuzen zu schneiden.
„Wenig später befanden sich auf dem Gipfel nur noch die beiden Leichname und die drei leeren Pfähle. […] Levi und Jeschuas Körper waren nicht mehr auf dem Schädelberg.“

Bergfest ;-) Im Buch ist noch nicht ganz die Hälfte des Textes erreicht, aber es ist Halbzeit für die Leserunde.
Was mich betrifft: Ich werde mit diesem Buch absolut nicht warm (finde es aber trotzdem interessant). Dass sich die Gruppe in der letzten Woche ohne Vorwarnung plötzlich halbiert hat, empfinde ich zugegebenermaßen als zusätzlich demotivierend. Im Moment sehne ich mich nach einem "klassischen" Klassiker, in dem es um "echte" Menschen mit "echten" Problemen geht. Auch wenn sie aus heutiger Sicht altmodisch erscheinen.

Das dreizehte Kapitel hat mir gefallen, weil endlich einige lose Enden verknüpft werden, statt immer weiter über neue zu schreiben. Der Erzählstrang im alten Jerusalem hat nun einen Hintergrund im Roman. Insgesamt gefällt mir der Erzählstrang in der Klinik am Besten, wobei ich aber gar nicht richtig erklären kann, woran das liegt.
Im dreizehnten Kapitel habe ich mich gefragt, ob die drei Hahnenschreie einen biblischen Bezug herstellen sollen? Und warum scheut der Teufel mit seiner weiblichen Begleitung plötzlich den Tag?An den Patriarchenteichen war es doch auch Tag?
Mit dem wirren Traum von Nikanor konnte ich wieder so gar nichts anfangen, ebenso mit der veränderten Geschichte der Kreuzigung...



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Im dreizehnten Kapitel – treffend überschrieben „Das Erscheinen des Helden“ - lernt Iwan den namenlosen und titelgebenden „Meister“ in der Klinik kennen, der seine Geschichte erzählt: Der gelernte Historiker gewann 100.000 Rubel in einer Lotterie und begann einen Roman über Pontius Pilatus zu schreiben. Eines Tages verliebt er sich in eine Frau, die seine Gefühle erwidert. Beide sind verheiratet, verbringen aber einen unbeschwerten Sommer, in dem die Frau in zum Schreiben des Romans anhält.
Im August ist der Roman fertig, der Meister legte ihn Berlioz vor, der den Druck des Romans ablehnt („absonderliches Thema“). Ein anderer Redakteur druckt einen Auszug, der von Literaturkritikern verrissen wird. Es folgen viele weitere vernichtende Artikel.
Im Herbst lernt der Meister seinen Nachbarn Aloisi (Voland) kennen, der ihm im einzelnen erklärt, warum der Roman nicht gedruckt wird.
Der Meister, nun depressiv, steckt im Januar den Roman in den Ofen. Seine Geliebte zieht das letzte Heft wieder heraus und beschließt, am nächsten Tag ganz zu ihm zu ziehen. Der Meister macht sich auf den Weg in die Klinik, die er wegen der Kälte nur lebend erreicht, weil ihn jemand das letzte Stück fährt. Der Meister lebt nun seit vier Monaten in der Klinik, seine Geliebte kennt den Aufenthaltsort nicht. Er hat sich dort eingelebt und ist mit dem ruhigen, gleichmäßigen Tagesablauf zufrieden. Vor allem hat er einer Pflegerin unbemerkt einen Schlüsselring entwendet, so dass er nachts unbemerkt die Nachbarzimmer besuchen kann.
In der Klinik wird zunächst ein Mann eingeliefert, der fortwährend etwas von Devisen im Lüftungsschacht brabbelt, später noch ein Mann, der jammert, er möchte seinen Kopf wiederhaben.

Im dreizehnten Kapitel beobachtet Rimski die Folgen von Volands Aufführung im Theater. Warenucha kommt in sein Büro und gibt eine fadenscheinige Erklärung über Stjopas Verschwinden und erklärt, man habe ihn in einer Kneipe namens „Jalta“ gefunden. Rimski wird misstrauisch und bezweifelt schließlich auch, dass ihm Warenucha gegenübersitzt. Dieser Gedanke macht ihm unbeschreibliche Angst, er drückt eine Klingel, die allerdings nicht funktioniert. Rimski bemerkt, dass Warenucha keinen Schatten wirft. Entlarvt möchte Warenucha die rothaarige Frau zum Fenster hereinlassen. Rimski ist sicher, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat. Drei Hahnenschreie verkünden den Beginn eines neuen Tages. Dies ist das Zeichen für die beiden Erscheinungen, sich zurückzuziehen, sie fliegen durch das Fenster davon. Rimski, zum Greis mit weißem Haar geworden, flieht aus dem Theater und nimmt einen Zug nach Leningrad.

Im fünfzehnten Kapitel wird die Vermutung bestätigt, dass der wegen Devisen jammernde Patient in der Klinik Nikanor Iwanowitsch ist. Bevor er in die Klinik gebracht wurde, wurde er einem Verhör unterzogen. Seine Geschichte klang jedoch wirr, da er behauptete, ein Mann namens Korowjes in der Wohnung Nr. 50 sei der leibhaftige Teufel. Außerdem denunziert er den Sekretär der Hausverwaltung. Die Wohnung 50 ist leer und niemand im Haus kennt Korowjew, es wird zumindest der Sekretär mitgenommen. Nikanor Iwanowitsch wird in die Klinik gebracht, wo er eine Injektion erhält, die einen wirren Traum über eine Varietévorführung zur Abgabe von Devisen auslöst.

Kapitel 16 mit den Vorbereitungen für die Hinrichtung in Jerusalem. Vier quälende Stunden später in der prallen Sonne haben sich die meisten Zuschauer verzogen. Levi Matthäus, der ein Brotmesser gestohlen hat, möchte zumindest die Qual beenden und wartet auf eine passende Gelegenheit. Diese kommt jedoch nicht, Matthäus flucht und beleidigt Gott. In der fünften Stunde zieht ein schweres Gewitter auf. Matthäus beobachtet Aktivitäten der Soldaten an den Kreuzen. Der Kommandeur der Kohorte gibt Anweisungen, die umgehend befolgt werden. Den drei Verurteilten (einer hat bereits den Verstand verloren, Jeshua ist ohnmächtig) wird mittels eines Schwammes zu trinken gegeben. Dann wird ihr Leben (bzw. die Qualen) mit einem Lanzenstoß beendet.
Die Soldaten verlassen den Ort des Geschehens. Ein starker Platzregen geht nieder. Levi Matthäus nutzt das Brotmesser, um die drei Leichen von den Kreuzen zu schneiden.
„Wenig später befanden sich auf dem Gipfel nur noch die beiden Leichname und die drei leeren Pfähle. […] Levi und Jeschuas Körper waren nicht mehr auf dem Schädelberg.“

Bergfest ;-) Im Buch ist noch nicht ganz die Hälfte des Textes erreicht, aber es ist Halbzeit für die Leserunde.
Was mich betrifft: Ich werde mit diesem Buch absolut nicht warm (finde es aber trotzdem interessant). Dass sich die Gruppe in der letzten Woche ohne Vorwarnung plötzlich halbiert hat, empfinde ich zugegebenermaßen als zusätzlich demotivierend. Im Moment sehne ich mich nach einem "klassischen" Klassiker, in dem es um "echte" Menschen mit "echten" Problemen geht. Auch wenn sie aus heutiger Sicht altmodisch erscheinen.

Das dreizehte Kapitel hat mir gefallen, weil endlich einige lose Enden verknüpft werden, statt immer weiter über neue zu schreiben. Der Erzählstrang im alten Jerusalem hat nun einen Hintergrund im Roman. Insgesamt gefällt mir der Erzählstrang in der Klinik am Besten, wobei ich aber gar nicht richtig erklären kann, woran das liegt.
Im dreizehnten Kapitel habe ich mich gefragt, ob die drei Hahnenschreie einen biblischen Bezug herstellen sollen? Und warum scheut der Teufel mit seiner weiblichen Begleitung plötzlich den Tag?An den Patriarchenteichen war es doch auch Tag?
Mit dem wirren Traum von Nikanor konnte ich wieder so gar nichts anfangen, ebenso mit der veränderten Geschichte der Kreuzigung...



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Aber für ein paar Gedankensplitter reichts:
Den Meister und seine Beziehung fand ich sehr intensiv und dicht gezeichnet. Ich denke, das ist ein Pendant zu Bulgakow, so wollte er nicht enden.
Die Vampirstory dann das Kontrastprogramm dazu - grotesk, gruselig, bisschen Adamsfamily.
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Den Meister und seine Beziehung fand ich sehr intensiv und dicht gezeichnet. Ich denke, das ist ein Pendant zu Bulgakow, so wollte er nicht enden.

aber offenbar gibt es ja auch Parallelen zwischen Bulgakow und dem Meister - siehe Anmerkungen zu Kapitel 13:

S. 183 "Das Gässchen lag in der Nähe vom Arbat": Der Beschreibung nach, dürfte als mögliche Adresse das Haus in der Mansurow-Gasse 9 angenommen werden, wo Bulgakows Freund, der Künstler und Bühnenbildner Sergej Topleninow, wohnte, in dessen Kellerwohnung Bulgakow oft am Roman gearbeitet hat.
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aber offenbar gibt es ja auch Parallelen zwischen Bulgakow und dem Meister - siehe Anmerkungen zu Kapitel 13:


Ja, so sehe ich das auch. Ich denke, er spielt durch, was mit ihm geschehen könnte und mit diesem Roman, ohne diese kämpferische Stärke und den jugendlichen Mut von Besdomy (ist ja nach wie vor mein Sympathieträger)
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Das dreizehte Kapitel hat mir gefallen, weil endlich einige lose Enden verknüpft werden, statt immer weiter über neue zu schreiben. Der Erzählstrang im alten Jerusalem hat nun einen Hintergrund im Roman. Insgesamt gefällt mir der Erzählstrang in der Klinik am Besten, wobei ich aber gar nicht richtig erklären kann, woran das liegt.
Im dreizehnten Kapitel habe ich mich gefragt, ob die drei Hahnenschreie einen biblischen Bezug herstellen sollen? Und warum scheut der Teufel mit seiner weiblichen Begleitung plötzlich den Tag?An den Patriarchenteichen war es doch auch Tag?

Mir geht es ganz genauso wie Dir! Ich habe mich auch gefreut endlich einen Zusammenhang zu erkennen, der alle Erzählstränge etwas verknüpft.
Und mir gefällt auch der Teil in der Klinik am besten - wahrscheinlich weil ich den einfach am besten erfassen kann. Alles andere ist doch so abstrus, dass ich immer noch ein bisschen damit kämpfe.

Die 3 Hahnenschreie habe ich auch als biblischen Bezug empfunden. Und mich ebenfalls gewundert, warum bei Tagesanbruch der Spuk plötzlich vorbei ist, obwohl es vorher noch nicht so war.

Ich frage mich ob Rimski dem ganzen Spukt entkommen kann indem er den Zug nach Leningrad nimmt... Eigentlich dürfte das den Teufel ja nicht aufhalten.

An Kapitel 16 lese ich noch - aber hoffe das heute dann fertig zu haben :-)
Auch ich finde es verwunderlich, dass plötzlich so viele Leute aufgegeben haben, offenbar?
Ich finde das Buch ziemlich seltsam, das gebe ich zu - aber irgendwie bin ich doch gefesselt, also möchte ich es auf jeden Fall jetzt noch mit eurer Hilfe zu Ende lesen!
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bei Tagesanbruch der Spuk plötzlich vorbei ist, obwohl es vorher noch nicht so war.

Vampire scheuen doch das Tageslicht und die Nackige ist ja wohl eine solche und hat den armen Warenucha gebissen.
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Auch ich finde es verwunderlich, dass plötzlich so viele Leute aufgegeben haben, offenbar?
Ich finde das Buch ziemlich seltsam, das gebe ich zu - aber irgendwie bin ich doch gefesselt, also möchte ich es auf jeden Fall jetzt noch mit eurer Hilfe zu Ende lesen!


*unterschreib*
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Der Traum von Nikanor hat mich doch ziemlich angefressen. Ich kann mir vorstellen, dass ein native born Westdeutscher damit nichts anfangen kann. Mich hat es sofort an Kritik und Selbstkritik erinnert. An das Anprangern von Fehlverhalten eines einzelnen vor dem Kollektiv mit dem Aufruf zur Selbstbezichtigung (und dann noch Denunziation von anderen). Das habe ich schon noch so, besonders während meiner Schulzeit,erlebt.
Übrigens war der unerlaubte Devisenbesitz Straftatbestand.
Was waren wir froh, wenn wir mal ein paar Westmark ergattert hatten (oder Forumschecks) und konnten mal ne Jeans oder Holzschutzmittel im Intershop kaufen. Mir kommen da so einige unangenehme Erinnerungen. Ich kann mir jetzt auch mehr und mehr vorstellen, dass man ohne diese Erfahrungen mit dem Buch wenig anfangen kann.

Edit: zur Erläuterung:
https://www.jugendopposition.de/---/kritik-und-selbstkritik
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Ich hatte beim Lesen deines Beitrages einen flashback: Mir fiel wieder ein, dass wir mal einige Liter davon zu einem Besuch mitgenommen haben. Und wie seltsam ich es als Kind fand, dass es in der DDR keine Baumärkte gab. Und die Ermahnungen meiner Eltern auch, die mir eingeschärft haben, dass ich das auf gar keinen Fall während des Besuchs sagen dürfte.
Vermutlich eine meiner ersten und frühesten Erfahrungen mit Zensur ;-)

War eigentlich jeder Besitz von Devisen verboten oder gab es erlaubte Ausnahmen wie Kleinbeträge?

Danke für deine Anmerkungen zu der geträumten Theaterszene. So ergibt dieser Teil schlagartig mehr Sinn für mich!


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War eigentlich jeder Besitz von Devisen verboten oder gab es erlaubte Ausnahmen wie Kleinbeträge?

siehe hier
https://de.wikipedia.org/wiki/Intershop_(Handel)
vieles war ohne D-Mark gar nicht mehr zu bekommen, manche -begehrte- Häuser, Autos, wurden zu Teilen in D-Mark bezahlt (die wurden geschmuggelt von Westverwandten oder Oma brachte sie im BH oder Schlüpfer mit)
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Ich finde es im Moment schwer zum Lesen zu kommen, bin aber in die Geschichte hineingefallen und muss wissen, wie es weitergeht.

Wie bereits angemerkt fehlt mir der historische Hintergrund und an manchen Stellen fühle ich mich verloren. Nikanor Iwanowitschs Traum, zum Beispiel, ging fast komplett an mir vorüber. naliestewieders Anmerkungen helfen, aber trotzdem kommt mir vor, ich kann so einige Symbole und Figuren nicht verstehen. Was sollten denn die Köche gegen Ende des Traumes?

Die Szenen im Sanatorium helfen Zusammenhänge herzustellen, das ist wahr, doch finde ich die Spiele des Teufels packender. Eine wahre Freude war die Darstellung des Gesprächs zwischen Rimski und Warenucha. Zuerst ...Suspense!: Der Schlüssel dreht sich langsam im Schlüsselloch, dann Erleichterung, dann Erkennen, Panik ... diese Teile hätten wunderbar in einen Thriller oder Horrorfilm gepasst. Die Dichte als Rimski die Scharade durchschaut und gleichermaßen verzweifelt, als der Alarm nicht geht, haben mich gefesselt. Immer intensiver wird die Spannung, steigert und steigert sich...bis sie sich dann plötzlich in der skuril witzigen Erscheinung der Dame und in dem lässig schwebenden Verschwinden Wanuchas entlädt. Für mich ein wunderschöner Mix aus ernstem Suspense und Popculture Blödelei àla From Dusk Til Dawn. Überhaupt erinnern mich viele Stellen an abstruse Filme, Erzählungen wie beispielsweise Kafkas Prozess und dergleichen. Ich finde die Seltsamkeiten klasse :)
Gemeinsam mit der Bühnenshow musste ich nach der Szene an ein wunderbar seltsames Musikvideo denken, das treffenderweise ebenfalls russisch ist:

https://www.youtube.com/watch?...

oder leichter nachvollziehbar:

https://www.youtube.com/watch?...

Ich hoffe allerdings, dass der Teufel selbst noch mehr in Erscheinung tritt. Zu Beginn des Buches erscheint seine Rolle zentral, doch im Moment, finde ich, befindet sich der Charakter fast irgendwie auf der Ersatzbank. Die Protagonisten haben mehr mit seiner Entourage zu tun und mit ihren eigenen Verfehlungen innerhalb und außerhalb des herrschenden Systems/Literatur-/Kunstbetriebes. Mir gefallen nunmal die Bösewichte, sofern komplex gezeichnet, am besten. Was also treibt mein Teufel die ganze Zeit? Mir scheint, er bekommt mittlerweile kaum Spielzeit. Seht ihr das ähnlich?

Ich bin noch etwas ratlos was die Hinrichtung angeht. Grafisch und interessant fand ich die Erwähnung der Fliegen - hatte ich mir noch nicht überlegt - und die Schilderung der unmenschlichen Hitze. In wie weit das Ganze in unsere Liebesgeschichte passt, bleibt abzuwarten.

Nebenbei frage ich mich, ob der Meister - als einziger mit Bewegungsspielraum - alle Insassen der Anstalt aufsucht und mit ihnen spricht, oder ob er aus einem besonderen Grund in das Zimmer des Poeten gestiegen ist. Wer war wohl der Lastwagenfahrer, der den Meister in die Klinik gebracht hat? Wer der Ehemann des Fräuleins? Ob wohl alles zusammenhängt...?

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Was sollten denn die Köche gegen Ende des Traumes?

Zunächst schaffen sie die Überleitung zum Erwachen im Beisein des Klinikpersonals, denke ich. Aber alles in allem hat mich die Traumszene sehr an Orwells "1984" erinnert. Das gemeinschaftliche Essen als kollektive Aktivität, die die Linientreuen zusammenschweißen soll (erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral). Wir füttern dich, also bist du uns verpflichtet. Nur die Schüsseln der Köche haben nicht viel Inhalt, nur ein Kohlblatt schwimmt darin, das nährt in keiner Weise.
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Aber alles in allem hat mich die Traumszene sehr an Orwells "1984" erinnert.

vielleicht könnte das ein Vorschlag für die nächste Leserunde sein - oder haben das schon die meisten gelesen? Mir fehlt es noch :-)
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Bei mir steht Anna Karenina auf dem Programm - ob mit oder ohne Leserunde.

Ganz ohne Zukunftsvisionen und übernatürliche Erscheinungen :-)
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Soweit ich mich erinnere, wird im Text gesagt, dass der Meister mit den Schlüsseln auf den Balkon gelangt und so in die Nachbarzimmer. Damit kann er eben NICHT in ALLE Zimmer...
In meinen Augen ein gelungener dramatischer Kniff ;-)
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am Sonntag auch wieder gerne und mit Interesse gelesen.
Eigentlich lese ich in den letzen Jahren keine russ. Literatur und Romane ( kleiner Protest gegen Russlnd - Krimanschluss!) Aber ein Werk, das dort verboten wurde, passt natürlich zum Protest.

Die Szene im Spital mit dem " Meister" hat mir sehr gut gefallen und bringt viel Licht in den Roman. Auch Margarita lernen wir durch ihn kennen. Da bekommt der Roman doch eine neue Wendung, die Liebe kommt nun ins Spiel.

Der Hahnschrei (drei Mal - hat in der Bibel eine andere Bedeutung) und das Morgenlicht haben Rimski von der Bedrohung erlöst - ist er in Petersburg sicher? Bin gespannt. Die Szene wurde sehr drastisch und gut vorstellbar geschildert.

Bemerkenswert fand ich die Kapitelbezeichnung" Hinrichtung" - das klingt viel brutaler und ist eine bewusste Entscheidung zu einer Tötung - wir haben Schuld!

Voland und das Trio bekommen nun einen Namen: Teufel
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Ja, die Erleichterung, als endlich der "Meister" aufgetreten ist! Auch ich habe das Gefühl genossen, dass ich nun endlich wusste, um wen es denn eigentlich gehen sollte. (Und auf Margarita müssen wir ja auch nicht mehr lange warten *spoiler*. ;))
Ich habe zwischendurch ein paar warme Nachmittage auf dem Balkon mit Lesen verbraten (bevor ich mich losreißen und zu einem anderen Buch durchringen konnte) und bin deswegen noch immer zwei Wochen voraus, aber an diese Phase des Buches denke ich gerne zurück.
Zwischendurch war ich schon mal ein bisschen frustriert gewesen, dass die Handlung so viel springt und so viele neue Figuren eingeführt werden, anstatt alte Bekannte weiter zu begleiten, aber hier zahlt sich die ganze "Mühe" ja dann aus. :)

Das mit den Hahnenschreien ist sicher eine biblische Anspielung (sonst hätten es ja nicht drei Stück sein müssen), aber es ist ja nicht Voland/der Teufel persönlich, der sich davon verscheuchen lässt, sondern eben Vampire; schon seine Geschöpfe sicherlich, aber ich kann schon nachvollziehen, dass für die nochmal eigene Gesetze gelten.

Nikanor Iwanowitschs Selbstkritik-Gruppentherapie fand ich nicht weiter rätselhaft, so etwas war mir schon öfter mal in "kommunistischer" Literatur begegnet (allerdings eher in chinesischer); was ich allerdings spannend fand, war der Handlungsort im Theater. Ich glaub ja nicht, dass das mehr als ein Zufall ist, aber meine erste Assoziation waren ja all die "lehrreichen" Dramen, mit denen wir in der Schule traktiert worden sind (Brecht, Dürrenmatt und so).

Ich mag das Buch immer noch (auch wenn ich mich ein paar Kapitel später schon etwas wundern musste) und bin wirklich froh, dass wir diese Runde machen. Meine bessere Hälfte hatte unterdessen angeregt, dass wir auf Netflix "The Americans" bingewatchen. Das ist eine Spionageserie, die in den 80ern spielt und einem Paar KGB-Agenten folgt, die undercover als ganz "normale Amerikaner" leben. Jedenfalls gibt es in den Nebenhandlungssträngen auch reichlich russischen Alltag zu bestaunen und auch Russisch zu hören. Ich genieße tatsächlich große Synergieeffekte und finde es trotz der offensichtlichen Unterschiede plötzlich sehr viel leichter, mich an den Handlungsort zu versetzen.
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Re: Vampire

Ich habe weder die rothaarige Frau noch den Mann als Vampire eingeordnet... Übrigens war ich auch überzeugt, dass der Mann Voland ist.
Eine der vielen Kleinigkeiten, die mir ohne diese Gruppe entgangen wäre. :)
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Interessant fand ich, dass die Kreuzigung aus Sicht von Matthäus dargestellt wird (offenbar kein Spitzel, sondern eher eine Art Groupie von Jesus). Obwohl er so schwach im Handeln ist, wirkt er nicht negativ. Bin gespannt wie das weitergeführt wird.

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