corner corner [Leserunde] Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow, Kapitel 9 - 12

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[Leserunde] Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow, Kapitel 9 - 12

Auch dieser Thread wird wegen meiner persönlichen Wochenendplanung früher gestartet.

In Kapitel Neun muss der Vorsitzende der Wohnungsgenossenschaft, Nikanor Iwanowitsch Bossoi, die nun frei gewordenen Räume von Berlioz vergeben und wird dazu von allen Seiten mit vielerlei Methoden bedrängt. Als er die versiegelten (!) Räume betritt, findet er darin den Mann mit der karierten Jacke, der sich mit dem Namen Korowjew vorstellt. Außerdem erklärt er dem verduzten Nikanor Iwanowitsch er sei Dolmetscher für einen ausländischen Artisten (Voland), der in dieser Wohnung für die Dauer seines Gastspiels Quartier genommen habe. Dies auf Einladung des Varietédirektors Lichodejew, der allerdings bereits nach Jalta abgereist sei.
Nikanor Iwanowitsch sei brieflich gebeten worden, den Ausländer in der Wohnung anzumelden. Der weiß zwar nichts davon, findet das Schreiben aber in seiner Tasche.
Da Ausländer aber im Metropol wohnen müssen, stimmt sich Nikanor Iwanowitsch noch mit dem Ausländerbüro ab, was jedoch erstaunlich unproblematisch ist. Daraufhin verlangt NI einen (offenbar hohen) Preis, der jedoch von Korowjew als zu niedrig betrachtet wird. Der Vertrag wird also über eine noch höhere Summe abgeschlossen, 5.000 Rubel. Nikor Iwanowitsch erbittet noch zwei Freikarten für die Vorstellung von Voland. Korowjew händigt eine Anweisung für diese Freikarten zusammen mit einem weiteren Geldumschlag aus.
Kaum aus der Tür ruft Korowjew die Behörden an, um mitzuteilen, wo Nikanor Iwanowitsch die Devisen (400 Dollar) versteckt.
Nikanor Iwanowitsch fragt sich draußen noch, wie Korowjew in die versiegelte Wohnung gelangt ist. Kaum zu Hause, versteckt er die Devisen, wo sie kurz danach von den Ermittlern entdeckt werden. Alle entlastenden Beweise (Vertrag, Rubel, Brief und Pass von Voland) sind aus seiner Tasche verschwunden. Nikanor Iwanowitsch wird verhaftet.

Im zehnten Kapitel warten der Finanzdirektor und der Administrator des Varietétheaters um zwei Uhr noch vergeblich auf Lichodejew (Stjopa), der um 11 Uhr angerufen und seine Ankunft für eine halbe Stunde später angekündigt hatte.
Während die beiden mit Vorbereitungen für die Vorstellung von Voland beschäftigt sind, erhalten sie mehrere Blitztelegramme, mit denen sie aufgefordert werden, Lichodejews Identität zu bestätigen, der sich bei der Kriminalmiliz in Jalta gemeldet hat. Naheliegenderweise glauben die beiden nicht, dass es sich um Lichodejew handeln kann. Bei einem Versuch, Stjopa in dessen Wohnung anzurufen, nimmt Korowjew ab und erklärt, dieser habe einen Ausflug ins Grüne gemacht.
Es geht ein weiteres Blitztelegramm mit einem Dank für die Identitätsbestätigung ein (die gar nicht vorgenommen wurde) und der Bitte Geld für den Rückflug zu überweisen. Sie überweisen das Geld, wollen aber die erhaltenen Telegramme selbst zur Kriminalmiliz bringen. Der Überbringer wird telefonisch gewarnt, die Telegramme nicht wegzubringen. Als er sich nicht daran hält, wird er vom Kater und einem anderen Begleiter zusammengeschlagen. Die beiden bringen den „halbtoten“ Administrator zu Stjopas Wohnung, wo ihm von einer „splitternackten Frauensperson mit rotem Haar und schillernden Augen“ ein Kuss gegeben wird, vor dem er sich so fürchtet, dass er in Ohnmacht fällt.

Kapitel Elf dreht sich wieder um Besdomny (Iwan) in der Klinik. Er ist mit dem Versuch, die Geschichte um Berlioz Tod an den Patriarchenteichen niederzuschreiben, gescheitert, was ihn in eine depressive Stimmung versetzt. Er bekommt noch eine Injektion. Anschließend kommt ihm das an den Teichen erlebte und seine dürftig bekleidete Wanderung durch Moskau allmählich selbst seltsam vor – es entsteht der Eindruck einer „Besserung“ seines Zustandes. Allerdings endet das Kapitel mit einer Erscheinung in Besdomnys Zimmer, die durch das vergitterte Fenster zu ihm gelangt.
Mich macht es übrigens rappelig beim Lesen, dass in einem Kapitel von Besdomny, im nächsten aber von Iwan gesprochen wird, wenn dieselbe Person gemeint ist. Mein Lesefluss wird dadurch erheblich gestört, weil ich dauernd überlegen muss, wer wer ist.
So, das musste jetzt mal raus ;-)

Im zwölften Kapitel wird Volands Vorstellung im Varietétheater beschrieben. Seine dunklen Künste und Fähigkeiten kommen voll zur Geltung, er blamiert Zuschauer durch und durch indem er Verfehlungen öffentlich macht, verschenkt Kleidung für die Damen und lässt schließlich Geld regnen. Im Theater herrscht Chaos. Der Mann in der karierten Jacke heißt nun Fagott (sprechender Name?).
Der Conférencier des Abends versucht, die Ordnung wieder herzustellen, indem er Voland auffordert, seine Tricks zu erklären – was auf den Werbeplakaten so auch angekündigt war.
Voland lässt dem Conférencier durch den Kater den Kopf abreißen.
Dies geht dem Publikum dann doch zu weit, schließlich lässt Voland den Kopf wieder aufsetzen. Er beschreibt das Publikum als geldgierig und leichtsinnig, also „gewöhnliche Leute, von der Wohnungsfrage verdorben“. Der Conférencier überlebt, erleidet aber einen schweren Schock und wird in eine Klinik gebracht.
Nun fordert der Vorsitzende der Akustischen Kommission für die Moskauer Theater, Ehrengast des Abends, eine Entlarvung der Tricks, besonders des Geldregens. Voland sagt eine Entlarvung zu, statt seiner Tricks „entlarvt“ er aber eine außereheliche Affäre des Vorsitzenden. Diese Eröffnung führt zuerst zu einem Wutausbruch einer jungen Verwandten, die das Ehepaar ins Theater begleitet hat.
Die Vorstellung wird nun von Fagott als beendet erklärt, die Kapelle bläst („klamaukt“) einen Marsch. Während sich im Theater das Chaos langsam auflöst, lösen sich Voland, Fagott und der Kater Behemoth in Luft auf.

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Auch dieser Thread wird wegen meiner persönlichen Wochenendplanung früher gestartet.

In Kapitel Neun muss der Vorsitzende der Wohnungsgenossenschaft, Nikanor Iwanowitsch Bossoi, die nun frei gewordenen Räume von Berlioz vergeben und wird dazu von allen Seiten mit vielerlei Methoden bedrängt. Als er die versiegelten (!) Räume betritt, findet er darin den Mann mit der karierten Jacke, der sich mit dem Namen Korowjew vorstellt. Außerdem erklärt er dem verduzten Nikanor Iwanowitsch er sei Dolmetscher für einen ausländischen Artisten (Voland), der in dieser Wohnung für die Dauer seines Gastspiels Quartier genommen habe. Dies auf Einladung des Varietédirektors Lichodejew, der allerdings bereits nach Jalta abgereist sei.
Nikanor Iwanowitsch sei brieflich gebeten worden, den Ausländer in der Wohnung anzumelden. Der weiß zwar nichts davon, findet das Schreiben aber in seiner Tasche.
Da Ausländer aber im Metropol wohnen müssen, stimmt sich Nikanor Iwanowitsch noch mit dem Ausländerbüro ab, was jedoch erstaunlich unproblematisch ist. Daraufhin verlangt NI einen (offenbar hohen) Preis, der jedoch von Korowjew als zu niedrig betrachtet wird. Der Vertrag wird also über eine noch höhere Summe abgeschlossen, 5.000 Rubel. Nikor Iwanowitsch erbittet noch zwei Freikarten für die Vorstellung von Voland. Korowjew händigt eine Anweisung für diese Freikarten zusammen mit einem weiteren Geldumschlag aus.
Kaum aus der Tür ruft Korowjew die Behörden an, um mitzuteilen, wo Nikanor Iwanowitsch die Devisen (400 Dollar) versteckt.
Nikanor Iwanowitsch fragt sich draußen noch, wie Korowjew in die versiegelte Wohnung gelangt ist. Kaum zu Hause, versteckt er die Devisen, wo sie kurz danach von den Ermittlern entdeckt werden. Alle entlastenden Beweise (Vertrag, Rubel, Brief und Pass von Voland) sind aus seiner Tasche verschwunden. Nikanor Iwanowitsch wird verhaftet.

Im zehnten Kapitel warten der Finanzdirektor und der Administrator des Varietétheaters um zwei Uhr noch vergeblich auf Lichodejew (Stjopa), der um 11 Uhr angerufen und seine Ankunft für eine halbe Stunde später angekündigt hatte.
Während die beiden mit Vorbereitungen für die Vorstellung von Voland beschäftigt sind, erhalten sie mehrere Blitztelegramme, mit denen sie aufgefordert werden, Lichodejews Identität zu bestätigen, der sich bei der Kriminalmiliz in Jalta gemeldet hat. Naheliegenderweise glauben die beiden nicht, dass es sich um Lichodejew handeln kann. Bei einem Versuch, Stjopa in dessen Wohnung anzurufen, nimmt Korowjew ab und erklärt, dieser habe einen Ausflug ins Grüne gemacht.
Es geht ein weiteres Blitztelegramm mit einem Dank für die Identitätsbestätigung ein (die gar nicht vorgenommen wurde) und der Bitte Geld für den Rückflug zu überweisen. Sie überweisen das Geld, wollen aber die erhaltenen Telegramme selbst zur Kriminalmiliz bringen. Der Überbringer wird telefonisch gewarnt, die Telegramme nicht wegzubringen. Als er sich nicht daran hält, wird er vom Kater und einem anderen Begleiter zusammengeschlagen. Die beiden bringen den „halbtoten“ Administrator zu Stjopas Wohnung, wo ihm von einer „splitternackten Frauensperson mit rotem Haar und schillernden Augen“ ein Kuss gegeben wird, vor dem er sich so fürchtet, dass er in Ohnmacht fällt.

Kapitel Elf dreht sich wieder um Besdomny (Iwan) in der Klinik. Er ist mit dem Versuch, die Geschichte um Berlioz Tod an den Patriarchenteichen niederzuschreiben, gescheitert, was ihn in eine depressive Stimmung versetzt. Er bekommt noch eine Injektion. Anschließend kommt ihm das an den Teichen erlebte und seine dürftig bekleidete Wanderung durch Moskau allmählich selbst seltsam vor – es entsteht der Eindruck einer „Besserung“ seines Zustandes. Allerdings endet das Kapitel mit einer Erscheinung in Besdomnys Zimmer, die durch das vergitterte Fenster zu ihm gelangt.
Mich macht es übrigens rappelig beim Lesen, dass in einem Kapitel von Besdomny, im nächsten aber von Iwan gesprochen wird, wenn dieselbe Person gemeint ist. Mein Lesefluss wird dadurch erheblich gestört, weil ich dauernd überlegen muss, wer wer ist.
So, das musste jetzt mal raus ;-)

Im zwölften Kapitel wird Volands Vorstellung im Varietétheater beschrieben. Seine dunklen Künste und Fähigkeiten kommen voll zur Geltung, er blamiert Zuschauer durch und durch indem er Verfehlungen öffentlich macht, verschenkt Kleidung für die Damen und lässt schließlich Geld regnen. Im Theater herrscht Chaos. Der Mann in der karierten Jacke heißt nun Fagott (sprechender Name?).
Der Conférencier des Abends versucht, die Ordnung wieder herzustellen, indem er Voland auffordert, seine Tricks zu erklären – was auf den Werbeplakaten so auch angekündigt war.
Voland lässt dem Conférencier durch den Kater den Kopf abreißen.
Dies geht dem Publikum dann doch zu weit, schließlich lässt Voland den Kopf wieder aufsetzen. Er beschreibt das Publikum als geldgierig und leichtsinnig, also „gewöhnliche Leute, von der Wohnungsfrage verdorben“. Der Conférencier überlebt, erleidet aber einen schweren Schock und wird in eine Klinik gebracht.
Nun fordert der Vorsitzende der Akustischen Kommission für die Moskauer Theater, Ehrengast des Abends, eine Entlarvung der Tricks, besonders des Geldregens. Voland sagt eine Entlarvung zu, statt seiner Tricks „entlarvt“ er aber eine außereheliche Affäre des Vorsitzenden. Diese Eröffnung führt zuerst zu einem Wutausbruch einer jungen Verwandten, die das Ehepaar ins Theater begleitet hat.
Die Vorstellung wird nun von Fagott als beendet erklärt, die Kapelle bläst („klamaukt“) einen Marsch. Während sich im Theater das Chaos langsam auflöst, lösen sich Voland, Fagott und der Kater Behemoth in Luft auf.
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Ich dachte, ihr lest zum Teil viel eifriger als ich?😉
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Ich bin diese Woche leider überhaupt nicht zum lesen gekommen - werde es aber schleunigst nachholen!!
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Da ich die 4 Kapitel jetzt immer an einem Tag lese, muss ich eine Woche warten, um weiterzulesen. So benötige ich bei jedem Kapitel ein paar Absätze, bis ich mich wieder mit den Namen orientieren kann, an welchem Schauplatz die Geschichte weiter geht. Aber Deine Übersicht, Orphelia1 ist immer zur Orientierung wunderbar.
Kapitel 9 - Vortäuschung falscher, verlockender Tatsachen, Korruption und Verrat - große aber doch versteckte Anschuldigungen des Dichters

Kapitel 10 - ein Verwirrspiel, wo ist wann wer?

Kapitel 11 - in der Klinik - Iwan hat schon aufgegeben, wurde schon genügend sediert, warum soll er sich noch weiter einmischen, nichts ist mehr wichtig.

Kapitel 12 - Magie im Varietétheater - die Gefühle, des Publikums - Hass, Gier, Stolz...und zum Schluss Aufklärung der Ereignisse - aber auch da geht der Schuß nach hinten los

Mir gefällt der Roman bisher sehr gut, jetzt lese ich schon mit Begeisterung die Aktivitäten von dem magischen Trio und ihren Verwirrspielen, Demaskierungen der Menschen...
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Der arme Wohnungsgenossenschaftsvorsitzende tat mir nun auch leid, obwohl er ja selbst keine blütenreine Weste hatte.
Die zentrale Frage dieser Kapitel war für mich Wolands: Wie haben sich die Menschen geändert? Tja, nicht weit her mit der allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit. Was uns ja irgendwie zum Geburtstagskind Marx bringt und warum das nicht klappen konnte mit seinen Ideen.
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Rimski - noch ein Komponist (Korsakow)
Besdomny hat ja eine top Betreuung ( was bekommt der da und kann ich das auch kriegen:-)
Wahrscheinlich das Problem aller Autoren: steht das Geschriebene erstmal da, erscheint es ganz anders als gedacht - bei Besdomny schildert Bulgakow sozusagen eine Schreibkrise.
Die Rothaarige kommt mir wie eine Hexe der Walpurgisnacht vor (Faust),wir lesen passend zur Jahreszeit.
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Speziell bei dem Teil im Theater interessiert mich, ob Doppeldeutigkeiten enthalten sind, die mir entgangen sind.
Was meint ihr? Geben die Anmerkungen evtl. noch Hinweise?
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den ganzen Text lese ich nun als Doppeldeutigkeiten, was will uns der Autor wirklich über die Gesellschaft mitteilen? Mit diesem Aspekt finde ich den Text sehr gelungen und auch amüsant.
Das Trio lebt, werkt, denkt ja nicht real, macht verblüffende Tricks, weiß schon die Zukunft, ist überall gleichzeitig...zeigt aber schonungslos Korruption, Dummheit, Maßlosigkeit... auf.
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So, jetzt hab ichs auch endlich geschafft diese 4 Kapitel zu lesen.

Speziell bei dem Teil im Theater interessiert mich, ob Doppeldeutigkeiten enthalten sind, die mir entgangen sind.
Was meint ihr? Geben die Anmerkungen evtl. noch Hinweise?

Nein, da gibt es in den Anmerkungen keine Hinweise dazu. Finde es aber auch sehr interessant wie efell schon sagt, dass das Trio ihre verblüffenden Tricks zeigt und damit eben gleichzeitig auch die Dummheit und Maßlosigkeit der Leute zeigt - ich fand das Kapitel sehr gelungen.

Der abgeschlagene Kopf des Ansagers, der dann wieder aufgesetzt wurde hat mich schockiert. Alles andere kann man sich ja noch irgendwie erklären - Tricks mit fliegendem Geld, und Geld und Karten die in irgendwelchen Taschen wieder auftauchen. Aber ein abgerissener Kopf und der Mensch der dann weiterlebt... wie verkraftet das das Publikum? Das muss doch einen Schaden hinterlassen.
Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht. Wird das Trio noch weitere Vorstellungen im Varieté geben?

Bzgl. Fagot's Namen steht in den Amerkungen:
"Fagot: Zum ersten Mal im Roman fällt hier Korowjews eigentlicher Name. Auf Russisch wird der Name zwar genauso geschrieben wie der Name des Instruments Fagott ("fagot"). Doch es ist höchst zweifelhaft, ob damit tatsächlich diese Assoziation erweckt werden soll. Vielmehr scheint der Name aus dem Französischen zu stammen: "fagoter" = "sich geschmacklos kleiden"; "fagot" = "Unfug"; "fagotin" = "Narr". Außerdem heißt "fagot" im französischen "Reisigbündel", was für die Identifizierung der Figur möglicherweise von Bedeutung ist.

Ich habe irgendwie immer das englische fagot gelesen - also ugs. für Homosexueller. Weiß gar nicht wie ich darauf kam, aber das war meine erste Assoziation.
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http://www.deutschlandfunk.de/der-sowjetische-neue-mensch.1184.de.html?...

Vielleicht ein wenig zu ausführlich, aber ich fand es interessant, auch wegen der Vergleiche zur Bibel.
Böse von mir, aber die Szene im Varieté kam mir vor, wie eine Vision von Perestroika bzw. Wende: der ausländische Zampano lässt Devisen und Luxusgüter regnen und sämtliche Skrupel fallen, alles ideologisch Aufgesetzte vom "neuen Menschen" wird weggespült. Habt ihr schon einmal etwas von Fausts Vision der kommunistischen Gesellschaft gehört ( so wurde Faust II tatsächlich ausgelegt)Das ist für mich die Umkehrung dazu.
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Mich macht es übrigens rappelig beim Lesen, dass in einem Kapitel von Besdomny, im nächsten aber von Iwan gesprochen wird, wenn dieselbe Person gemeint ist. Mein Lesefluss wird dadurch erheblich gestört, weil ich dauernd überlegen muss, wer wer ist.
So, das musste jetzt mal raus ;-)

geht mir bei russischer Literatur immer genauso! Obwohl ich hier finde, dass es noch relativ übersichtlich ist. Bei Anna Karenina beispielsweise hat mich das verrückt gemacht - da hab ich mir schon alle Namen aufgeschrieben auf einen Zettel, den ich immer beim lesen dabei hatte, weil die Namen auch alle so ähnlich waren. Jeder hatte ein Iwanowitsch oder Alexandrewitsch im Namen....
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Ah - ich wusste nicht, dass das üblich ist. Ich habe vor einigen Jahren "Der Trinker" von Dostojewski gelesen, da ist mir das nicht aufgefallen. Aber da ich inzwischen eine ungekürzte Ausgabe von Anna Karenina habe, werde ich mir den Tipp mit dem Namenszettel direkt merken (und notfalls in der zweiten Hälfte der Leserunde beim "Meister" noch damit anfangen).
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... mir erstmal einen Überblick zu schaffen, was es bedeutet, in der Sowjetunion in Zeiten von Bulgakow zu leben, damit ich auch den Witz, die Andeutungen etc. überhaupt verstehe. Ich komme auch mit der Teilung "lesen in vier Kapiteln" nicht zurecht. Ich werde das Buch zu Ende lesen und mir meine Gedanken in den entsprechenden Forumsbeiträgen mitteilen. Das heißt, ich werde mich hier einzeln melden, wenn das Buch gelesen ist.
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Das ist schade, aber was für eine Lösung schlägst du für zukünftige Leserunden vor?


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Das ist schade, aber was für eine Lösung schlägst du für zukünftige Leserunden vor?

Das ist - glaube ich - auch von Lektüre zu Lektüre unterschiedlich. Bei diesem Roman ist es deshalb so schwierig, weil es drei verschiedene Romane sind, die hier verwoben werden. Dann kommen die russischen Namen, die mir ja nicht so geläufig sind hinzu und der Kontext der Geschichte - 1930er Jahre in der Sowjetunion, der mir auch fremd ist.

Für mich habe ich entschieden, dass ich das Buch jetzt zu Ende lese und mir Notizen zu den jeweiligen vier Kapiteln machen werde. Die Notizen kommen dann entsprechend deiner Aufteilung hier ins Forum. Ich finde es nachwie vor interressant auch die anderen Gedanken der Mitleser:innen zu erfahren. So bin ich erstmal auf mein Defizit gestoßen ... weshalb ich auch meinen Fokus auf die Zeit in der Sowjetunion ausgeweitet habe. Es ist so für mich ok.

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Ich habe ja meinen Senf noch gar nicht dazugegeben; zum Glück ist das Internet geduldig. ;)
In diesem Abschnitt (also theoretisch Woche 3, die ich aber direkt in mehr oder weniger einem Rutsch mit "Woche 2" gelesen habe) habe ich mich richtig in das Buch verguckt; nach dem etwas sperrigen Anfang hatte ich nun ein Gefühl für die Figuren und die Zeit gewonnen, mich langsam mit den russischen Namen arrangiert (wirklich immer eine Herausforderung!) und konnte dann recht entspannt anfangen, den speziellen Humor zu genießen, der sich ja auch nicht immer so ganz ohne Weiteres erschließt.

Besonders gefallen hat mir dabei Kapitel 10: Nicht nur hatte ich keine Ahnung, dass es so etwas wie Blitztelegramme jemals gegeben hat (wobei ich, wenn ich mehr darüber nachdenke, eigentlich schon das Gefühl habe, dass in meinen Kinderbüchern ständig telegrafiert worden ist; Jules Verne und so, Zeitalter der großen Entdeckungen, ...), auch das Verwirrspiel und die verschiedenen Auslegungs- und Beweisversuche fand ich sehr lustig. Bei der Kneipe "Jalta" musste ich spontan an das "Finanzämtche" in Düsseldorf denken ("Wo hast du wieder all dein Geld gelassen?"), oder an unser aktuelles MU-Lokal in Ohligs, das "Büro". Kneipennamen-Alibis scheinen ja ein echter Dauerbrenner zu sein!

Ivans Behandlung im "Irrenhaus" war wirklich eine große Überraschung für mich; ich kenne das in der Literatur eigentlich nur als Ort des Schreckens (ob nun fiktional oder so à la "Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen"), aber hier habe ich wirklich das Gefühl, eine "sozialistische Vision", ein aufklärerisches Projekt mit ungebrochenem Idealismus geschildert zu sehen. Ich bin ja immer irgendwie "auf der Hut" und suche nach kritischen Anspielungen, aber hier finde ich sie tatsächlich nicht. (Außer natürlich, dass dort alle landen, die sich mit Voland angelegt haben; ist dass dann sowas wie "an der Welt gescheitert" (wenn der Teufel ja ein bestimmender Faktor im "wahren Leben" ist)??)

Volands Vorstellung selber fand ich dann gar nicht so spektakulär, wie ich erwartet hatte; eigentlich hält er ja nur allen den Spiegel vor; als es dann zur klassischen "Des Kaisers neue Kleider"-Auflösung gekommen ist, fand ich das allerdings schon sehr gut gemacht.

Also, der langen Rede kurzer Sinn: Eine Phase des Buches, mit der ich sehr zufrieden war. Später hatte ich es dann zwischendurch etwas schwerer (und fertig bin ich ja auch noch nicht); aber wenn ich zurückblickend von dem Buch schwärmen sollte (könnte ich mir momentan noch durchaus vorstellen), dann vermutlich nicht unwesentlich wegen dieser Kapitel.

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