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[BookTalk] Charlotte Roche: Schoßgebete

Dann ist es jetzt beschlossene Sache, ich werde einen BookTalk zu Charlotte Roches "Schoßgebete" starten.

http://www.bookcrossing.com/---/10311721

Ich werde mit dem Lesen voraussichtlich morgen oder übermorgen beginnen und da es das "Nebenbuch" zu meinem aktuellen Wälzer ist, werde ich mir mit dem Lesen genug Zeit lassen, um ausführlich zu plaudern.

Ich freue mich über jeden, der sich mir beim Lesen und Plaudern anschließen möchte und wenn sich jemand zum Mitreden findet, der das Buch nicht lesen möchte, der aber Gedanken beisteuern möchte, finde ich das auch schön.

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Dann ist es jetzt beschlossene Sache, ich werde einen BookTalk zu Charlotte Roches "Schoßgebete" starten.

http://www.bookcrossing.com/---/10311721

Ich werde mit dem Lesen voraussichtlich morgen oder übermorgen beginnen und da es das "Nebenbuch" zu meinem aktuellen Wälzer ist, werde ich mir mit dem Lesen genug Zeit lassen, um ausführlich zu plaudern.

Ich freue mich über jeden, der sich mir beim Lesen und Plaudern anschließen möchte und wenn sich jemand zum Mitreden findet, der das Buch nicht lesen möchte, der aber Gedanken beisteuern möchte, finde ich das auch schön.
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Dann habe ich alle drei Bücher, die Charlotte Roche geschrieben hat, gelesen. Ich habe mir gerade mal die Kundenbewertungen eines großen Internet-Buchhändlers angesehen: "Schoßgebete" schneidet dort am besten ab. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die meisten Leser "Feuchtgebiete" zu oberflächlich gelesen haben. Es ist im Grunde ein sehr trauriges Buch.
Über die 240 Seiten "Mädchen für alles" werde ich dann bei Gelegenheit berichten. (Lustig: Ich habe mich gerade vertippt und zunächst "Gelesenheit" geschrieben.)
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Ich habe inzwischen die ersten 20 Seiten gelesen und muss sagen, in einem Roman ist mir noch keine solche sachliche, technische, unerotische Sexszene geschildert worden. Diese Schilderungen dazu benutzen, eine Feminismuskritik (die feministische Mutter hat sie dazu erzogen, Sex nicht zu mögen) anzudeuten, finde ich einen guten Schachzug und ich bin gespannt, ob dieser Gedanke im Verlauf des Buches näher erläutert wird.
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An anderer Stelle wurde gesagt, dieser Roman sei autobiografisch. Die Autorin verarbeitet durchaus reale Ereignisse ihres Lebens darin, so wie sie es auch in "Feuchtgebiete" mit der Scheidung ihrer Eltern gemacht hat. Aber sie bringt die Bücher in einen Zusammenhang, der für mein Empfinden klarstellen soll, dass die Romane selbst genau das sind, Romane nämlich, und keine Autobiografien.

Zitat von Seite 37 über die Angst der Protagonistin vor Feuer:
"Das ist ein lustiges altes Ding von mir: weil meine Mutter ihre Mutter mal halb tot auf dem Küchenboden liegend gefunden hat, vor offenem Ofen mit dem ausströmenden Gas. Sie hatte Schlaftabletten geschluckt und auch ihren jüngsten Sohn betäubt, den wollte sie nämlich mitnehmen. Meine Mutter, die damals auch ein Kind war, aber nicht. Warum auch immer!"

Ich lese das so, dass damit die Autorin Helen Memel aus "Feuchtgebiete" zur Mutter der Ich-Erzählerin Elizabeth in Feuchtgebiete erklärt. Darüber muss ich erst mal nachdenken.
Oder stelle ich einen Zusammenhang her, der nicht besteht und die Bücher sollen für sich alleine stehen?
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Zitat von Seite 37 über die Angst der Protagonistin vor Feuer:
"Das ist ein lustiges altes Ding von mir: weil meine Mutter ihre Mutter mal halb tot auf dem Küchenboden liegend gefunden hat, vor offenem Ofen mit dem ausströmenden Gas. Sie hatte Schlaftabletten geschluckt und auch ihren jüngsten Sohn betäubt, den wollte sie nämlich mitnehmen. Meine Mutter, die damals auch ein Kind war, aber nicht. Warum auch immer!"

Ich lese das so, dass damit die Autorin Helen Memel aus "Feuchtgebiete" zur Mutter der Ich-Erzählerin Elizabeth in Feuchtgebiete erklärt. Darüber muss ich erst mal nachdenken.
Oder stelle ich einen Zusammenhang her, der nicht besteht und die Bücher sollen für sich alleine stehen?


Hab jetzt auch kapiert, dass das ein gewünschter Zusammenhang ist, der aber nicht bedeutet, dass Helen die Mutter ist.
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Ich lese das so, dass damit die Autorin Helen Memel aus "Feuchtgebiete" zur Mutter der Ich-Erzählerin Elizabeth in [Schoßgebete] erklärt. Darüber muss ich erst mal nachdenken.


Hab jetzt auch kapiert, dass das ein gewünschter Zusammenhang ist, der aber nicht bedeutet, dass Helen die Mutter ist.


Das ist eine Frage, die ich auch spannend finde. Eigentlich wäre es ja zu viel Zufall, dass 2 getrennten Personen so eine Geschichte zugestoßen sein sollte, andererseits ist das in Fiktion natürlich völlig erlaubt.
Es ist jetzt doch einige Jahre her, dass ich "Feuchtgebiete" gelesen habe, aber ich habe Helen als so lebensbejahend (mit all seinen Körperflüssigkeiten) in Erinnerung, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie sie jemals sexualfeindlich werden könnte.
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Es ist jetzt doch einige Jahre her, dass ich "Feuchtgebiete" gelesen habe, aber ich habe Helen als so lebensbejahend (mit all seinen Körperflüssigkeiten) in Erinnerung, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie sie jemals sexualfeindlich werden könnte.


Das war auch der Punkt, der für mich verwirrend war. An anderer Stelle wird klargestellt, dass alle Frauen in der Familie mütterlicherseits Elizabeth heißen. Inzwischen denke ich, die Autorin möchte die Leser mit Absicht verwirren und in Grübeleien stürzen.
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Das Buch habe ich auch noch ungelesen im Regal stehen.
Den Film habe ich aber schon gesehen und fand den jetzt gar nicht so schlimm wie Feuchtgebiete.
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Das Buch habe ich auch noch ungelesen im Regal stehen.
Den Film habe ich aber schon gesehen und fand den jetzt gar nicht so schlimm wie Feuchtgebiete.


Ich habe beide Filme nicht gesehen. "Schlimm" finde ich in Zusammenhang mit Freuchtgebiete nur, dass leider viel zu oft übersehen wird, worum es in diesem Buch geht - um ein verzweifeltes Mädchen, das den Mord-Selbstmord-Versuch der Mutter, die den kleinen Bruder ebenfalls töten wollte, vereitelt hat und mit der Scheidung seiner Eltern nicht klarkommt.
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Ich merke beim Lesen, dass bei mir andere Zitate hängenbleiben als damals bei Aprille. Auf Seite 55 bin ich über folgendes gestolpert:
"ich bin eine brave Mutter und Ehefrau. Ich versuche meine dreckige Psyche zu reinigen, für unsere gesunde Zukunft, als Familie, als Liebespaar."

Darin lese ich so vieles, über das ich den Kopf schütteln muss.

Der Gedanke, sich selbst zu ändern, um für andere liebenswerter zu sein, ist leider weitläufig verbreitet. Wäre es nicht gesünder, einfach mal zu erwarten, so angenommen zu werden, wie man ist und sich seinen Freundeskreis und seinen Partner passend dazu auszusuchen, als einem vermeintlichen Idealbild, das die anderen von einem haben, hinterherzuhecheln?

Und warum kommt man als Frau auf die Idee, nur für die Familie und den Partner funktionieren zu müssen statt sich weiterhin als Individuum zu begreifen und anzuerkennen? Eine Frage, die sich mir immer wieder stellt und auf die ich keine zufriedenstellende Antwort finden kann.

Zuletzt dient eine Therapie doch eigentlich dazu, mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen, bestimmte Erlebnisse zu verarbeiten etc. Aber keinesfalls dazu, seine Psyche so weit zu verbiegen, dass andere mit einem klarkommen.

Wie seht ihr das?
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Naja, ohne dass ich das Buch gelesen habe oder mich mit Therapie auskenne, mal so aus Lebenserfahrung gesprochen: Zusammenleben funktioniert auf der Basis von Kompromissen. Frauen und Männer müssen sich da schon mehr oder weniger (ver) biegen. Auch Männer tun das, das vergessen wir Frauen manchmal.
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Ich merke beim Lesen, dass bei mir andere Zitate hängenbleiben als damals bei Aprille. Auf Seite 55 bin ich über folgendes gestolpert:
"ich bin eine brave Mutter und Ehefrau. Ich versuche meine dreckige Psyche zu reinigen, für unsere gesunde Zukunft, als Familie, als Liebespaar."

Darin lese ich so vieles, über das ich den Kopf schütteln muss.

Der Gedanke, sich selbst zu ändern, um für andere liebenswerter zu sein, ist leider weitläufig verbreitet. Wäre es nicht gesünder, einfach mal zu erwarten, so angenommen zu werden, wie man ist und sich seinen Freundeskreis und seinen Partner passend dazu auszusuchen, als einem vermeintlichen Idealbild, das die anderen von einem haben, hinterherzuhecheln?

Und warum kommt man als Frau auf die Idee, nur für die Familie und den Partner funktionieren zu müssen statt sich weiterhin als Individuum zu begreifen und anzuerkennen?


Meines Antwort :
Das sehen ich genau der Gleiche, nicht ich muss mir àndern um fuer des /der andere Person "liebenswert "+ "anziehend"+"geachtet" zu sei. Sondern ich kann finden + suchen (haben),des Freunde,Gute Mensch oder meins Partner, passt zu mir. Das sei voll mein gleiche Denken :)
Ich will nicht "funktionieren",für keinen auf der Welt. Nicht eines mal "für mich selbst",nur "funktionieren"...Nein ich will sein ICH + Leben ,...wie ich sei(bin) ;).

Wie seht ihr das?

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Ich habe gestern Nacht völlig arglos angefangen zu lesen -- wie gut, dass niemand mein Gesicht sehen konnte! 0.O ;D Habt ihr vielleicht auch so verdutzt geguckt?
Ansonsten gebe ich Booklover absolut recht: Das war wirklich die sachlichste, unerotischste Sexszene, die ich mir vorstellen kann. Und dabei ist hier ja schon die ein oder andere Erotikbox vorbeigereist -- da war höchstens mal was unfreiwillig komisch oder tatsächlich "ekelig" (hartes SM oder sonstwelche Paraphilien, die nicht mein Ding waren), aber so wirklich liebevoll zu Tode erklärt habe ich noch keinen Geschlechtsakt gesehen. Großes Kino!
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Ich habe gestern Nacht völlig arglos angefangen zu lesen -- wie gut, dass niemand mein Gesicht sehen konnte! 0.O ;D Habt ihr vielleicht auch so verdutzt geguckt?


Ja, hab ich. Gleich mit solch einer Szene einzusteigen, fand ich überraschend.
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Zitat von Theard( linguistkris)
Ich habe gestern Nacht völlig arglos angefangen zu lesen -- wie gut, dass niemand mein Gesicht sehen konnte! 0.O ;D Habt ihr vielleicht auch so verdutzt geguckt?
Ansonsten gebe ich Booklover absolut recht: Das war wirklich die sachlichste, unerotischste Sexszene, die ich mir vorstellen kann.
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Ich haben diese (letztes Abend ) gelesen ,sei sehr vieles Sachlich...!! :( 
Seite 9 ff.:"...Damit ich auch etwas davon habe, reibe ich meine V xxxx an seinen Knie...
Vom Sxxxx drücke ich meine Zunge runter zu den Exxxx . Ich sxxxx beide Exxx in den Mund und spiele an ihnen herrum. Ich habe gelernt ,das ich darauf achten muss seine Hxxxxxxxxxx nicht verdrehe."...

Es sei wirklich in sachlich wahr, das "Lust"wird sehr vieles nicht dargestellt. Ich geben zu gleiches Ansicht dahin! 😕
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Beim Lesen wurde ich eben davon überrascht und geschockt, wie traurig die (real erlebte!) eigentliche Geschichte hinter dem Sex-Beginn ist. Zu Beginn war ich ein bisschen genervt von Elizabeths Getue, aber inzwischen verstehe ich sie besser. Nun bin ich neugierig zu erfahren, wie aus der engen Bindung zu ihrer Mutter (die Freude, dass diese den Unfall überlebt hat, da sie die für Elizabeth wichtigste Person im Auto war) diese Ablehnung wird bis hin zur Aussage, die Mutter verdiene es nicht, eine Tochter zu haben.

Habe mich auch eben gefragt, ob die Autorin ihr Buch absichtlich so beginnt, dass der ein oder andere Leser abgeschreckt wird und man es sich "erarbeiten/verdienen" muss, die wahre Geschichte zu erfahren.
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Ich habe gerade die Szenen mit dem Esstisch und dem Weg zur Psychologin gelesen und bin immer noch völlig geflasht von dem Gegensatz zwischen der einfachen, wirklich anspruchslosen (und teilweise tatsächlich nicht besonders ästhetischen) Sprache* und den wirklich tiefschürfenden Reflexionen und Analysen. Die Therapie scheint wirklich anzuschlagen, denn unsere Erzählerin ist sich aller ihrer Probleme so unglaublich bewusst, dass es schon fast gruselig ist (und auch das scheint mir völlig realistisch und aus dem Leben gegriffen).

*Mich nerven beispielsweise die vielen Ausrufezeichen! [sic ;))]
Toll dagegen finde ich das Gefluche, weil das meinem inneren Monolog (wie auch der Rest von Roches Sprache -ähnliches Alter, ähnlicher Regiolekt-) recht nahe kommt. ;)
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da ich über Feuchtgebiete nichts positives zu berichten wußte , werde ich Schoßgebiete nicht lesen.
Ich habe heute ein neuwertiges Exemplar erhalten , ich schicke es gerne kostenlos an euch ,
http://www.bookcrossing.com/---/14749406
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Ich finde ja sonst sehr wenige Überschneidungen zwischen mir und der Erzählerin (außer dem Idiolekt, wie gesagt ;)), aber bei der Beobachtung von Wildtieren auf der Heimfahrt von der Therapie habe ich mich direkt sehr angesprochen gefühlt. :)

(Entschuldigt, dass ich nie sinnvoll zitieren kann: Buch und Computer scheinen sich nie im selben Raum zu befinden. :p)
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Jetzt

bin ich neugierig geworden, werde das Buch demnächst lesen. Gekauft dürfte es ziemlich oft worden sein, da schon mehrere Exemplare in der OBCZ-Buchlade gelandet sind. Charlotte Roche habe ich bis jetzt nur in einem Interview von Ö3 gehört und da klang sie ziemlich sympathisch.
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Zitat von Seite 171
"Ich löse mich fast auf in dem Wunsch zu gefallen. Meinem Mann, meiner Therapeutin, meinem Kind, den Nachbarn, den Freunden. Der Kellnerin im Café. Bis nichts mehr von mir übrig bleibt."

Dass ihr das nach Jahren der Therapie immer noch so geht, ist heftig.

Vor vielen Jahren war ich auch mal so, jedem gefallen, immer funktionieren, nie Fehler machen. Hat bei mir schlussendlich (im Zusammenhang mit anderen Dingen) eine Depression ausgelöst. In der Therapie neu zu lernen, wer ich bin und was ich eigentlich möchte, losgelöst von anderer Leute Erwartung, war anstrengend aber sehr hilfreich. Heute habe ich einen teilweise anderen Freundeskreis, weiß dafür aber auch, dass _ich_ gemocht werde und nicht das, was ich vorgebe zu sein. Und wenn ich einen schlechten Tag (oder auch mal zwei) habe, kann ich das sowohl zu Hause als auch auf der Arbeit offen sagen und es ist ok, wenn ich mal weniger Leistung bringe. Ich weiß nicht, ob jemand, der das nicht kennt, nachvollziehen kann, wieviel entspannter und lockerer mein Leben heute ist.


Genug von meiner Psyche.
Entgegen meiner Erwartung, das Buch häppchenweise nebenher zu lesen, ist es inzwischen zu meinem Hauptbuch geworden. Gerade diese schnelle Erzählweise mit Gedankensprüngen (vor allen während den Therapiestunden) führt dazu, dass das Buch einen Sog entwickelt und ich immer weiterlesen will. Außerdem will ich endlich verstehen, wie die Liebe zu den Eltern in diesen großen Hass umschlagen konnte.


Die Auslassungen der Ich-Erzählerin zum Mutter-Sein finde ich sehr interessant. Aber da ich selber keine Kinder habe, lasse ich auf dem Gebiet lieber jemand anderem den Plaudervortritt.
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Mein abschließendes Fazit fällt schlechter aus als zu Beginn gedacht. Aber ich möchte nicht vorgreifen und warte lieber, bis auch ihr so weit seid.
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Leider

bin ich erst bei Seite 20. Da kann ich noch nicht viel sagen. Obwohl mich der bis ins Detail beschriebene Sex auf den Heizmatten (die hat es früher in fast jedem Haushalt gegeben, weil die Schlafzimmer nicht geheizt waren) schon etwas verwirrt hat.
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Bei mir ist jetzt gerade der Krankenhausbesuch durch die Boulevardjournalisten passiert. Das ist ja eine ganz schön krasse Nummer!
Ich weiß, das Buch ist nur in Ansätzen autobiographisch und nimmt sich auch Freiheiten, aber da war ich schon völlig vor den Kopf gestoßen von der bloßen Wahrscheinlichkeit, dass sich das wirklich so zugetragen haben könnte.
Ein bisschen juckt es mich in den Fingern, da jetzt eine Internetrecherche anzufangen -- aber dann spiele ich den Igittigittmedien ja wahrscheinlich auch nur in die Hand. Ach, blerg!

Ich war 100 Seiten zuvor schon mal arg schockiert (jaja, was all die Körperflüssigkeiten in "Feuchtgebiete" nicht geschafft haben! ;)), als die Erzählerin zum ersten Mal gesagt hat, sie würde zur Selbstmordattentäterin werden um sich an der Presse zu rächen, sobald ihr Kind nicht mehr gar so klein wäre; ich wollte mir einfach nicht vorstellen, an wem man sich so dringend würde rächen können wollen, dass man dafür nicht nur zum Mörder werden, sondern auch noch seine Familie im Stich lassen könnte. So langsam erscheint mir das aber gar nicht mehr so furchtbar undenkbar. Immer noch drastisch natürlich, aber zunehmend nachvollziehbar.
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Bei mir ist jetzt gerade der Krankenhausbesuch durch die Boulevardjournalisten passiert. Das ist ja eine ganz schön krasse Nummer!
Ich weiß, das Buch ist nur in Ansätzen autobiographisch und nimmt sich auch Freiheiten, aber da war ich schon völlig vor den Kopf gestoßen von der bloßen Wahrscheinlichkeit, dass sich das wirklich so zugetragen haben könnte.
Ein bisschen juckt es mich in den Fingern, da jetzt eine Internetrecherche anzufangen -- aber dann spiele ich den Igittigittmedien ja wahrscheinlich auch nur in die Hand. Ach, blerg!

Ich war 100 Seiten zuvor schon mal arg schockiert (jaja, was all die Körperflüssigkeiten in "Feuchtgebiete" nicht geschafft haben! ;)), als die Erzählerin zum ersten Mal gesagt hat, sie würde zur Selbstmordattentäterin werden um sich an der Presse zu rächen, sobald ihr Kind nicht mehr gar so klein wäre; ich wollte mir einfach nicht vorstellen, an wem man sich so dringend würde rächen können wollen, dass man dafür nicht nur zum Mörder werden, sondern auch noch seine Familie im Stich lassen könnte. So langsam erscheint mir das aber gar nicht mehr so furchtbar undenkbar. Immer noch drastisch natürlich, aber zunehmend nachvollziehbar.



Ich hatte das kurz mal recherchiert und die uns allseitbekannte 4-Buchstaben-Zeitung muss sich damals tatsächlich ähnlich pervers verhalten haben. Dass die sich für nichts zu schade sind, um Auflage zu machen, wissen wir alle. Aber die Schilderungen im Buch fand ich skandalös. Manchmal würde ich mich ja gerne an einen Kiosk stellen und jeden Anschreien, der auch noch Geld für den Dreck bezahlt. Würde keiner mehr die "Zeitung" kaufen, würde sie nicht mehr gedruckt werden müssen.

Was war wohl zuerst da - die Sensationslust der Massen oder die Profitgier der Zeitungsmacher?
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Was ich übrigens auch toll fand, war die Passage über missionierende Atheisten. :)
Das war für mich auch einer dieser "typischen Roche-Momente": Egal, ob ich mit ihr übereinstimme oder nicht (was ich in dem Fall weitgehend tue), ich habe bei diesen "Einblicken" so oft ein brilliantes Gefühl von "endlich sagt's mal einer"!

Bei "Feuchtgebiete" war das -meiner verblassten Erinnerung nach einigen Jahren nach- oft Kleinkram, und auch in "Schoßgebete" gab es das mit Unwesentlichem oder Unsagbarem ("wie wischt man sich eigentlich richtig den Hintern ab?"), aber ein paar von den Sachen sind halt echt existentiell. Aber diese Fragen überhaupt zu stellen, und abzubilden, wie viele Gedanken des Alltags um solche Zweifel kreisen, das finde ich unglaublich befriedigend, weil mein eigenes Gehirn halt so ähnlich funktioniert.
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...einer dieser "typischen Roche-Momente"....


Die gibt es.
Und die finde ich sehr, sehr gut.
Es scheint allerdings immer schwieriger zu werden, diese in eine stimmige Handlung einzubetten.
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Ich habe Charlotte Roche's 3. Buch jetzt etwa zur Hälfte gelesen und finde es deutlich schlechter als "Feuchtgebiete" und "Schoßgebete". Kaum ein Satz, den ich unterstreichen würde. Sprachlich ist es bewusst einfach konstruiert, um die einfältigen Denkstrukturen der weiblichen Hauptfigur zu unterstreichen. Dagegen würde ich nichts sagen, wenn die Handlung stimmig wäre. Aber das finde ich nicht.
Ich habe das Gefühl, dass Charlotte Roche, die ich ja durchaus schätze, ihr Pulver verschossen hatte, als sie "Mädchen für alles" geschrieben hat. In ihren beiden ersten Büchern war mehr "Charlotte" und das war auch gut so.

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Auf deine Kommentare zu diesem Buch habe ich schon gewartet. Gegen Ende hat mich Schoßgebete deutlich enttäuscht und auch mit ein paar Tagen Abstand bin ich weiterhin der Meinung, dass mich irgendwas an dem Buch "unbefriedigt" zurücklässt. Hättest du dich begeistert geäußert, hätte ich "Mädchen für alles" vieleicht eine Chance gegeben. So bin ich der Meinung, dass ich es gut lassen sollte mit dieser Autorin.
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Ich lese aber trotzdem zu Ende. Vielleicht wird es ja zum Ende hin noch ganz toll *ungläubigundaugenzwinkergrins*.
Köstlich amüsiert habe ich mich über die "Einarbeitung" des mir bis dato unbekannten ostrichpillow in den Text. Sehr schön. Frau Roche hat eine Antenne für Absurditäten, das muss man ihr lassen.
Also, nochmal: Ich hoffe auf eine Steigerung zum Ende hin. Was hat bei Dir/Euch die Enttäuschung über das Ende von "Schoßbegiete" bewirkt?
"Feuchtgebiete" hatte ja wirklich einen Paukenschlag am Ende.
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Was hat bei Dir/Euch die Enttäuschung über das Ende von "Schoßbegiete" bewirkt?
"Feuchtgebiete" hatte ja wirklich einen Paukenschlag am Ende.


Ich empfand die Beziehung zwischen Elizabeth und ihrem Mann seltsam. Sex scheint zu funktionieren (zumindest, wenn sie sich auf seine Wünsche einlässt), aber die leben so nebeneinander her und haben sich nichts zu sagen. Mir fehlte am Ende ein Ergebnis. Man begleitet Elizabeth drei Tage lang, taucht sehr tief in ihre Psyche ein und das wars dann. Man weiß nicht, ob sie ihr Leben doch in den Griff kriegt und irgendwann ohne Therapie auskommt, ob sie ihre Pläne verwirklichen kann, ob sie glücklich wird etc. Irgendwie war ich enttäuscht am Ende, das war mir zu abrupt.

Ich habe beim Lesen die ganze Zeit auf eine genauere Erklärung, wie aus der Liebe der Tochter zu den Eltern dieser Hass werden konnte, gewartet. Natürlich habe im Laufe des Buches meine Theorien entwickelt, aber stimmen diese auch?
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Ein Thema taucht in allen drei Romanen, die Charlotte Roche geschrieben hat, auf: ein Scheidungs-/Trennungs-/Verlusttrauma der weiblichen Hauptfigur. Und ich denke, dass das viel mit der Biografie der Autorin zu tun hat,
Irgendwie schwingt immer mit, dass es nicht viel nützt, wenn man seine Macken kennt, denn man reicht viel davon an die nächste Generation weiter, und zwar, ob man will oder nicht. Es passiert einfach. Therapien helfen nur bedingt. Grundsätzliche Bewusstseins- und Verhaltensänderungen sind ein nahezu unerreichbares Therapieziel.

Möchte jemand "Mädchen für alles" lesen? Dann wird es ein Ray, sobald ich die letzte Seite gelesen habe. Gegebenenfalls einfach hier im Thread melden.
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Mir hat's richtig gut gefallen! Ich gebe Booklover zwar völlig recht, dass das Ende recht plötzlich hereinbricht und dass ein Großteil der Handlung irgendwie beliebig und folgenlos bleibt, aber ich habe mich trotzdem enorm angesprochen gefühlt.

Ich habe das ja in meinen vorherigen Postings schon gesagt, aber was mir an Charlotte-Roche-Büchern glaube ich am Besten gefällt, ist die Denkensart der Erzählerinnen. Von der Art (nicht zwingend vom Inhalt :p) fühle ich mich total erkannt und folglich heimelig aufgehoben. Das ist meinem inneren Monolog so ähnlich, dass ich fast das Gefühl habe, ich erzählte mir selber eine Geschichte. Klingt das jetzt völlig durchgeknallt? Egal, mir gefällt das jedenfalls. :)
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Ich gebe Booklover zwar völlig recht, dass das Ende recht plötzlich hereinbricht (...)

Das ist auch bei "Mädchen für alles" so.
Wobei ich sagen muss, dass ich mich an das "Ende" von "Schoßgebete" gar nicht mehr erinnern kann, während mir das Ende von "Feuchtgebiete" als Standbild im Gedächtnis geblieben ist.
Was mir bei der Roche gefällt, das sind die kleinen spitzen Seitenhiebe auhf (weibliches) Verhalten, die (fast) von mir sein könnten.
Ein Beispiel gefällig?!
"Wie können sich Leute eigentlich so sicher sein, dass ihr Parfüm andere nicht belästigt? Wie selbstbewusst die so viel auftragen, dass man Meter hinter ihnen geht und sich trotzdem von dem Geruch total belästigt fühlt."
(S. 201/202)
Ich hoffe bisweilen, dass nach dem Rauchverbot in Restaurants bald auch das Parfümverbot kommt...
Es ist doch immer schön, wenn man sich verstanden fühlt :-)

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Es ist doch immer schön, wenn man sich verstanden fühlt :-)


Ja, ich finde das ganz erstaunlich, wie viel mir sowas gibt. Selbst bei einer Figur wie Elizabeth, mit der man eigentlich möglichst wenig gemeinsam haben möchte, weil sie es sich so schwer macht und wirklich unglücklich ist im Leben -- da freue ich mich trotzdem noch, wenn sie die Spinnen in den Ecken leben lässt oder sich über andererleuts Religionszwang aufregt, genau wie ich es auch tue. Verrückt, wie gut Verständnis/Rückhalt selbst von einer ziemlich unbeneidenswerten und fiktiven Person tut. :p
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Leider

muss ich die Lektüre auf später verschieben, ich lese gerade zwei Bücher für unseren Literaturkreis.

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